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Die Stimme · 1934-07-24 · Heft 372 (24.7.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 372 (24.7.1934)
Date
1934-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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r Seite 4 DIE STIMME Nt. 372 - 24. JuU 1934 Aus dem Dritten Reich Wieder zwei Juden in Gunzenhausen ermordet Der Pogrom in der fränkischen Stadt Günzenhausen Ende März d. J., über den wiederholt berichtet haben, tragisches Nachspiel gehabt, wurden in Gunzenhausen im einem Zwischenfall in dem Juden Simon Strauß, wo eingetroffene jüdische Gäste überfallen und hinsämtliche jüdischen wir seinerzeit hat jetzt ein Wie berichtet. 'Anschluß an Gasthaus des von auswärts von Nationalsozialisten ausgeprügelt wurden, Einwohner von Gunzenhausen, im ganzen 19 Familien, Männer, Frauen und Kinder, auch Greise und Gresinnen, durch den von Julius Streicher und seiner Presse aufgvhetzten Teil der Bevölkerung durch die Straßen ins Gemeindehaus geschleift, unterwegs blutig mißhandelt und dann einige Tage lang eingesperrt gehalten. Zwei jüdische Einwohner Gunzenhausens, der 75jährige Rosenberger und der etwa 20jährige Rosenau, wurden bestialisch ermordet. Rosnberger wurde mit tödlichen Stichverletzungen auf der Straße, Rosenau an einem Gartenzaun erhängt aufgefunden. Am 18. Juni fand in Ansbach ein Prozeß gegen die Veranstalter des Pogroms statt, in dessen Verfolg der Pbirmtruppführer Kurt B a e r und 18 andere Teilnehmer am Pogrom zu Gefängnisstra fen von drei bis zehn Monaten verurteilt wurden. Baer erhielt als der Anführer die Höchststrafe von zehn Monaten Gefängnis. Die Strafe brauchten die Verurteilten nicht abzusitzen. Das Gericht sprach in der Begründung des Urteils die allen Eingeweihten ernstaunliche Meinung aus, d a ß die beiden Todesopfer des Pogroms „Selbstmord“ begangen hätten. Am 15. Juli nachts geschah in Gunzenhausen folgendes: Der ungeachtet der Verurteilung auf freiem Fuß befindliche Sturmtruppführer Kurt Baer drang in das Haus des jüdischen Gastwirtes Simon Strauß, den er beschuldigte, daß seine Zeugenschaft am meisten zu seiner Verurteilung beigetragen hat, ein und gab auf Simon Strauß und dessen zu seiner Hilfe herbeieilenden Sohn Julius Strauß mehrere Schüsse ab. Simon Strauß starb nach kurzer Zeit, während Julius Strauß in das Hospital gebracht wurde, wo er in lebensgefährlichem Zustande darniederliegt. Baer, der von der Polizei in Haft genommen wurde, behauptet, in v o 111 r u nkenem Zustande gehandelt zu haben. In der von der Polizei Nürnberg zu diesem Fall herausgegebenen Mitteilung heißt es, daß Baer schon vor längerer Zeit wegen seiner Trunksucht aus der Partei ausgeschlossen worden war. Eingeweihte wissen aber, daß dies nicht der Fall sei. Das Motiv zu der Tat Baers sieht man in dem Umstand, daß der Mörder, ein Protege des Gauleiters Streicher, keine irgendwie ernstliche Strafe zu fürchten braucht. Der übrigen Judenschaft von Gunzenhausen, deren Mitglieder fast alle vor Gericht auszusagen hatten, bemächtigte sich schwere Panik; man nimmt an, daß Gunzenhausen bald zu denjenigen fränkischen Gemeinden gehören wird, über die der „Stürmer“ triumphierend berichtet, daß sie „judenrein“ geworden seien. wurfs einer Verfassung des Deutschen Reiches, wie sie sich die „Schwarze Front“ denkt. Im Kapitel 6, das die Überschrift „Staatsbürgerschaft“ trägt, heißt es mit bezug auf die Position der Juden in Deutschland: „Staatsbürger ist künftig jeder Deutschstämmige... Alle Nichtdeutschstämmigen, gleichviel zu welchem Volke sie gehören, können nicht deutsche Staatsbürger werden. Mit diesem Grundsatz klärt sich auch unsere Stellung zu dem jüdischen V o 1 k. Wir sehen in ihm ein anders geartetes Volk. In dieser Feststellung liegt kein Werturteil. Die Folgerung, die sich aus dieser Feststellung ergibt, ist die, daß Angehörige des jüdischen Volkes ebensowenig deutsche Staatsbürger sein können, wie die Angehörigen des japanischen oder eines anderen Volkes. Eine weitere notwendige Folgerung ist die, daß daß Eingehen einer Ehe eines deutschen Staatsbürgers mit Angehörigen eines anderen Volkes den Verlust der Staatsbürgerschaft nach sich zieht. Wer, ohne Staatsbürger zu sein, sich innerhalb des deutschen Gebietes aufhält, steht unter Fremdenrecht, Nur Staatsbürger können Lehenßträger werden, nur sie können zu den Vertretungen wählen und gewählt werden.“ Was würde dieser Otto Strasser sagen, wenn die Vereinigten Staaten oder Ungarn oder Polen den deutschen Einwohnern das Staatsbürgerrecht nehmen würden? Dem Strasser handelt es sich darum, dem Hitler bei den meuternden SA. Konkurrenz zu machen. Wien,!., Seiteosteltengasse Nr. 2 Tel. U 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem i. Tot. Tel. U 18-0-86 fallen zu lassen. Sir Oswald Mosley hat diese Forderungen energisch abgelehnt. Lord Rothermere erklärte, er sei niemals der Ansicht gewesen, daß eine Bewegung, die sich faschistisch nenne, in England Erfolg haben könne; er habe Mosley nur darum unterstützt, weil er von ihm eine Stärkung der konservativen Front erwartete. Dr. Albert Rosenfelder aus Dachau verschwunden Prag, 19. Juli. Im März 1934 wurde der Münchener jüdische Rechtsanwalt Dr. Albert R o s e n f e 1- ’d e r nach mehr als einjähriger Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau entlassen. Seitdem ist er spurlos verschwunden. Seine im Auslande lebenden Angehörigen sind in höchster Besorgnis um ihn und bitten jeden, der Nachricht von ihm hat, ihnen einigen Fingerzeig zu geben. Otto Strassers Jutienprogramm Prag, 19. Juli. Dr. Otto Strasser, der Führer der sogenannten „Schwarzen Front“, gibt in Prag, wo er in der Emigration lebt, eine Wochenschrift, „Die deutsche Revolution“, heraus, in der er vor einigen Wochen in mehreren Artikeln den Antisemitismus von Grund aus verdammte, dabei aber ein nebulöses Programm der Lösung der Judenfrage entwickelte. In der dieswöchigen Nummer der „Deutschen Revolution“ (Nr. 11 vom 22. Juli 1934) veröffentlicht er unter der Überschrift „Das Deutschland .von morgen“ eine Fortsetzung des Ent¬ Schächtverbot ln Deutsch-Ober• Schlesien nicht aufgehoben Kattowitz (Poln.-Oberschlesien), 19. Juli. Bekanntlich war die deutsche Regierung gezwungen zu erklären, daß die für das Reich erlassenen antijüdischen Gesetzesbestimmungen für Oberschlesien keine Geltung haben, weil für Oberschlesien die deutsch-polnische Konvention betreffend gegenseitige Garantie des Minderheitenschutzes gilt. Gemäß dieser Erklärung wurde erwartet, daß das für ganz Deutschland geltende Verbot der Schächtung nach jüdischem Ritus in Oberschlesien aufgeho ben werden wird. Dies ist aber bis jetzt nicht geschehen. Die Angelegenheit wurde mehrmals von der in Kattowitz unter dem Vorsitz des früheren Schweizer Bundespräsidenten Calonder tagenden Gemischten Oberschlesien-Kommission behandelt. Man erwartet eine Kompromißlösung in der Weise, daß die deutsche Regierung die Einfuhr von Koscherfleisch a u s P o 1 e n für die jüdische Bevölkerung Deutsch-Oberschlesiens gestattet. Zahlreiche jüdische Städtchen in Galizien überschwemmt Warschau, 19. Juli. Von der Überschwemmungskatastrophe in Kleinpolen und in anderen Teilen Westgaliziens sowie in Teilen Ostgaliziens sind auch zahlreiche, hauptsächlich von Juden bewohnte Ortschaften schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. In der westgalizischen Hauptstadt Krakau wurden mehrere von Juden bewohnte Gassen an der Weichsel vollkommen überflutet, das Hab und Gut der Einwohner wurde von den Fluten zerstört und zum Teil weggeschwemmt. Weit schwerer betroffen sind die Bezirke von Neusandec, Zywiec., Tarnow, Brzesko, Zakopane u. v. a. In Ostgalizien lagen die meisten Ortschaften des Naphthareviers bei Drohobycz und Boryslaw unter Wasser. Alle Flüsse des Gebietes, darunter der Stryj und die Bystrica, waren aus den Ufern getreten. Nach den verschiedenen, in Warschau zusammenströmenden katastrophalen Meldungen, die einen Überblick über den ganzen Umfang der Katastrophe noch nicht gestatten, scheint es, als ob unter den bishfer gemeldeten etwa 140 Todesopfern der Katastrophe eine erhebliche Zahl Juden sind. Die Warschauer jüdische Gemeinde hat von mehreren westgalizischen jüdischen Gemeinden telephonisch und telegraphisch dringende Bitten um schnelle Hilfe erhalten. Aus den Nachrichten ist zu ersehen, daß zahlreiche jüdische Gemeinden vollkommen verwüstet worden sind und daß die Not unter den Betroffenen unbeschreiblich ist. Wiener Handelskammer in Haifa) über „Ge* werbe, Industrie und Handel Pa* 1 ä 81 i n a s“ im Saal des Cafd Produkten* b ö r s e, Wien, kommen. II., Taborstraße 10, Gäste will* Bund jüdischer Frontsoldaten. Heute Diens* tag. )49 Uhr, Plenarsitzung der BOGI. im Cafö Altes Rathaus, I., Wipplingerstraße 24. Vortrag Dr. Fritz Grosser: „Was wollen wir?, Was sollen wir?“ Prachtvolle Aufnahmen von der Trauerfeiet: für Bialik auf dem Wiener Zentralfriedhof sind zum Preise von S 2.— im Zionistischen Landeskomitee, Wien, I., Kärntnerstraßo 28, erhältlich. Personalien Der „Akademische Verband allgemeiner Zionisten“ gratuliert ihrem Präses, Herrn Dr. Michael Patron, zu seiner Promotion zum Doktor der Philosophie. Die Zionistische Sektion XX Jägerstraße 30, gratuliert Herrn Rabb. Israel Glaser anläßlich seiner Promotion zum Doctor der Philosophie TR Z.F. ScUick&atsstuhdeH eines TitUcets 128 Seiten, reich illustriert PFe5sS5*-lGebundenS5,-/ Ganzleinen S6'- Zu beziehen duren den SA WIT RA-VERLAG l.,WIpplingerstr.12 sowie alleßuchhandlungen Lord Rothermere sagt sich von Mosley los London, 19. Juli. Der englische Zeitungßkönig Lord R othermero hat die weitgehende Unterstützung der von Sir Oswald Mosley geführten Imperial Fascists eingestellt. „Daily Mail“ veröffentlicht einen Briefwechsel zwischen Rothermere und Mosley, aus dem hervorgeht, daß Rothermere in mehreren persönlichen Unterredungen den Faschistenführer aufgefordert habe, einige seiner hauptsächlichsten Progranuripunkte abzuändern und auch die ablehnende Stellungnahme gegenüber den Juden Jüdische Volksschulen in Polen geschlossen Warschau, 19. Juli. Aus einer Anzahl von Städten in Polen wird gemeldet, daß die örtlichen Behörden die hauptsächlich von jüdischen Kindern besuchten Volksschulen, in denen an Sabbath- und jüdischen Feiertagen kein Unterricht erteilt wird und die deshalb als „Sabbath-Schulen“ bezeichnet werden, schließen. Infolgedessen werden die jüdischen Kinder gezwungen, die allgemeinen Volksschulen zu besuchen, in denen am Sabbath unterrichtet wird. UoDoidstädter VolKsKinö Dienstag, 24. bis Donnerstag, 26. Juli: 11. ttotenHlerngasse 7a Telephon K 40-0-23 mit Stau Laurcl und Oliver Hardy Täglich 7,6, 7.8, 7.10 Ulu Ermäßigte Sommerprelsa Brandlegung auf dem Warschauer Friedhof Warschau, 19. Juli. Auf dem jüdischen Friedhof in der Warschauer Vorstadt P r a g a brach in der Nacht ein Brand aus, der sämtliche Verwaltungsgebäude und Magazine vernichtete. Es wurde festgestellt, daß der Brand gelegt wurde; man fand in Naphtha getauchte Lumpen und auch Naphthabehälter, die zur Brandlegung benützt wurden. LOKALCHRONIK Zionistischer Vortragshalender Mittwoch, 25. Juli 1934 X. Bezirk: Sektion X, X., Hasengasso 17, 349 Uhr abends. Dr. Hugo Groß: „Reisoeindrücke aus Palästina.“ Verband radikaler Zionisten. Mittwoch, 1. August, halb 9 Uhr abends, spricht Gg. Hans Ambor (ehrenamtlicher Vertreter des österreichischen Ilandel&museums und der II., Praterstraße 54 Tel. R 47-0-41 empfiehlt seine reichhaltigen Menüs: Suppe, Braten, Gemüse, Mehlspeise . . . S 1*30 Suppe, Braten oder 7* Huhn, Gemüse, Kompott, Mehlspeise.S 1*60 Kalbs- und Rindsbraten i la carte . . . S —*90 IO dkg gebratenes Gansl .S —*60 Bittiye Siudenleheeisett mit du Judäa" NACH NOVI (JUGOSLAWIEN) 29. lull u. 12. August 3 Wochen S 154.- VARNA - KONSTANTINOPEL 29. Juli Varna S 175.- Auskünite und Anmeldungen täglich von 12 blB 1 Uhr u. von 6 blB 8 Uhr, Tel. A 25-2-28 „Judäa", IX., Alsersftraße 26 Strohwitwer Achtung!!! 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