Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 370 (17.7.1934)
- Date
- 1934-07-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054124--4363-3059973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit« '4 DIE STIMME Nr. 370 — 17. Juli 1984 Aus der jüdischen Presse Die Judentragödie in der Türkei Saloniki, 13. Juli. Jüdische Flüchtlinge aus Thrazien, die in Saloniki eintrafen, erzählen, daß entgegen der offiziellen Mitteilung der türkischen Regierung, daß die aus Türkisch-Thrazien vertriebenen Juden in ihre Heime zurüokgeführt werden sollen, von einer solchen Wiedergutmachung;? - Maßnahme bisher gar nichts zu merken ist. sondern daß im Gegenteil weitere jüdische Massen aus Thrazien flüchten, weil sie unter dem dort herrschenden antisemitischen Terror nicht leben können. Die antijüdische Aktion ging auf zweierlei Weise vor sich. Einerseits gingen die Behörden in manchen Orten mit der restlosen Austreibung der Juden vor. anderseits hetzten a n t isemitische Agitatoren die Bevölkerung in den Orten, in denen eine offizielle Judenaustreibung noch nicht ausgesprochen worden war, gegen die Juden auf, so daß diese dem gegen sie entfesselten gefährlichen Terror freiwillig wichen. Der Stamm der Raschi-Bouzouks und die in die Städte strömende Dorfbevölkerung griffen jüdische Passanteu in den Straßen der Städte mit den Rufen „ToddenJude n!“ an. Zahlreiche Juden, Männer, Frauen und Kinder, wurden schwer mißhandelt und zum Teil verstümmelt. Den flüchtenden Juden wurden die Habseligkeiten und das Bargeld geraubt, Frauen, die das Geld nicht hergeben wollten, wurden die Finger a b g e s c h n i 11 e n. Es kamen auch zahlreiche Vergewaltigungen vor, mehrere jüdische Mädchen wurden verschleppt, ihr Schicksal ist unbekannt. Bern, 13. Juli. Berner ..Bund11 berichtet aus Is,taufe u 1, daß die Judenaustreibungen aus den Grenzgebieten am Aegäischen Meere auf die in der Türkei augenblicklich sehr angewachsenen Kriegsbefürchtungen zurückzuführen sind. Die Türkei rechnet mit einem baldigen Kriege, wobei hauptsächlich Italien als Gegner genannt werde. Seit einer Woche, meldet der Korrespondent des „Bund“ weiter, treffen fortgesetzt Züge voll jüdischer Familien aus den Grenzgebieten am Aegäischen Meer, aus den Dardanellen und aus Thrazien ein, die ohne jede vorhergegangene Ankündigung gezwungen wurden, die Orte zu räumen, in denen sie seit Mensehengedenken wohnen. Sie konnten nichts von ihrem Hab und Gut mit sich nehmen oder veräußern. A d r i a n o p e 1 mit seiner starken jüdischen Bevölkerung soll bereits fast ganz von Juden geräumt worden sein. Neue pogromartige Ausschreitungen In Türkisch'Thrazien Saloniki, 12. Juli. Bei der Jüdischen Gemeinde in Saloniki sind weitere entsetzenerregende Nachrichten über die Lage der jüdischen Flüchtlinge aus der europäischen Türkei eingetroffen. Augenzeugen berichten, daß in mehreren Städten der Türkei von organisierten Banden richtige Judenpogrome gemacht wurden. Es seien Fälle von Folterungen vorgekommen, Frauen und Mädchen seien geschändet, viele Personen in abgelegene Gebirgsgegenden verschleppt worden. Aus Türkisch-Thrazien sollen fast alle Juden vertrieben worden sein, ohne daß ihnen Gelegenheit geboten wurde, das Notwendigste für ihren weiteren Lebensunterhalt mit sich zu nehmen. Der Rabbiner von K i r k i 1 i s s e sei nacht ausgezogen und schwer mißhandelt worden. Man habe ihm auch den Bart abgeschnitt e n. Mehrere Bataillone Militär seien in Thrazien eingetroffen und hätten unter den Pogromhelden Massenverhaftungen vorgenommen. Gerüchtweise verlautet, daß der Unterrichtsminister Hikmet Bey zuriickgetreten ist, weil er sich von Anfang an der Massenevakuierung von Juden ohne vorhergehende Ankündigung widersetzt hatte. V ertretungen ausländischer Mächte haben in der Angelegenheit der thrazischon Juden Schritte in Ankara unternommen. Nach einer Mitteilung der Jüdischen Gemeinde in Konstantinopel soll die Ruhe j^tzt wiederher gestellt sein. i Die „Jüdische Rundschau“ (Berlin) schreibt tum Urteil im Brith-Habirjonim Prozeß: Man sollte annehmen, daß nach der Verurteilung Stavskys und dem Urteil des „Brith Habirjonim“ die Offensive der Revisionisten im Lande zu einem Stillstand kommen müßte. Weit gefehlt! Für die revisionistische Presse sind alle diese Ereignisse nichts anderes als „Etappen auf dem Kampfe zur Wahrheit“ ... Man hat sofort nach dem Urteil im .,ßirjonim“-Prozeß eine neue Theorie fertig: die Verurteilung ist nur deshalb erfolgt, weil die englische Regierung die Vertreter des .,wahren Zionismus“ vernichten muß, um ihre antijüdische Politik im Lande durch iuselzrn . . . Wenn es in dieser Stimmung ruhig Idcihf. so deshalb, weil man sehr gut we:ß. daß die Regierung mit ihrer Geduld zu Ende is! und sofort eingreifen wird. Man kam: heule nicht mehr Kompromisse schließen, vor sichtig Auswege suchen. Der Kampf, der zur Zeit hier tobt, muß ausgekänijifi <■. (-ulen, bis zu seinem bitteren oder guten Ende. Bis zum Ende jedenfalls. Im „Nowy Dzennik“ schreibt. Osias Thon über den Besuch Herbert Samuels in Palästina.: Zu welchem Zweck kam. Sir Herbert Samuel nach Palästina? Man sagt, er wollte eine autoritative Repräsentanz jüdischer Kolonisten zum Akzeptieren des schon seit langem, vorbereiteten Parlamentsprojektes bewegen und dafür hätte er eine erhöhte Immigrationsquote für die Arbeiteralijah versprochen. Falls dies wirklich der Plan des ersten High Commissioners war, so ist es eine große Beleidigung für das jüdische Volk, welches von Sinnen sein müßte, einen derartigen Vorschlag, der die Vernichtung aller unserer Ideale und Hoffnungen und die vollständige „Zavat al Shaab“ behandelt den Besuch des Emir Abdallah in London und meint, die einzige Lösung des Palästina-Problems bestehe in der Vereinigung Palästinas und Transjordaniens zu einem Staate unter der Herrschaft des Emirs Abdallah. Das wurde der erste Schritt zur Bildung einer arabischen Konföderation. Dadurch würde auch am wirksamsten die künftige Entwicklung des Jüdischen Nationalheims und die Errichtung eines jüdischen Königreichs verhindert werden. „Marat al Sharah“ erklärt, die Einteilung Palästinas in arabische und jüdische Kantone würde keine praktische Lösung der politischen Lage bedeuten. Die Zukunft für die Juden sei gefahrdrohend. Im Falle eines Weltkrieges wür- Zngrunderichtung unseres Aufbauwerkes bedeuten würde, anzunehmen ... Sir Herbert hat während seines Aufenthaltes in Palästina einige Bemerkungen gemacht, die uns lebhaft an die frühesten Zeiten des Zionismus erinnern ... Man diskutierte damals, ob der Zionismus die fundamentale Lösung der Judenfrage oder der Judentumsfrage zum Zweck hat. Wir hatten damals nur eine theoretische Vorstellung von Kolonisation, und so entstand die Idee des geistigen Zentrums ... Nun kehrt Sir Herbert Samuel zu diesem primitiven Zionismus zurück. Er soll einer Delegation der Agudath Israel erklärt haben, daß es wichtiger sei, ein geistiges als ein politisches Zentrum in Palästina zu finden ... Es ist zu spät für solche Theorien, heute, wo wir 300.000 jüdische Siedler in. dem zwanzigsten Teil Palästinas haben und von der Möglichkeit, unseres Wachstums überzeugt sind. Ist England wirklich entschlossen, unsere Entwicklung zu hemmen, hat Sir Herbert die geheimen Gedanken der maßgebenden englischen Faktoren ausgesprochen? ... Ein so eingestellter Mann kann nicht unser Fürsprecher sein.. . Wir können nicht zum primitiven Zionismus zurückkehren... Die „Ckwila“ (Lwow) bringt zwei Artikel von Doktor Jul jus Wurzel, in denen er sich mit aller Schärfe gegen die Arbeiterschaft in Palästina wendet und ihr vorwirft, daß sie die Vollstreckung des Urteils an Stavsky aus Prestigegründen verlangt und daß sie ein von Revisionisten in Rechoboth gebautes Haus nieder gerissen hat. Er verlangt eine Stellungnahme der Exekutive, deren Pflicht es ist, einem jeden Juden in Palästina das Recht auf Arbeit und auf die Früchte der Arbeit zu sichern. den sie ringsum von Arabern umgeben sein. Es liege daher im Interesse der Juden, eine sofortige Lösung des Palästina-Problems zu finden, indem sie die nationalen Aspirationen der Araber befriedigen. Dieselbe Zeitung widmet einen Artikel der Haltung Smilansky zur Frage der Beschäftigung von Arabern. Der Artikel bedauert, daß die Juden ihre. Politik mit Hilfe russischer und englischer Einwanderer 'mache, denen die Psychologie der Araber fremd sei und die der Herbeiführung gegenseitiger Verständigung abgeneigt seien. Für die Juden wäre es besser, wenn ihre Führer Männer loie Smilansky und Kalvarisky wären. Das seien erleuchtete Männer, die abseits von jeder Politik stehen und die wirtschaftliche Situation verstehen. Die Zeitung richtet an Smilansky den Appell, er möge eine Lösung der Palästina-Frage finden. Er sei der einzige Mann, der den Arabern vertraue und den arabischen Araber ebenso hoch schätze wie den jüdischen Arbeiter. LOKALCHRONIK Zionistischer Vortragskatender Mittwoch, 18. Juli 1934: 6. Bezirk. Klub junger Zionisten, VI., Loquai* platz 11, Uhr abends: Dr. A. Schmerlerf Bialik und sein Werk. Zionistische Bezirkssektion Wieden-Margareten. in den Sommermonaten jeden Dienstag 8 Uhr abends gemütliche Zusammenkunft in Kcrselibaums Restaurant, IV., Favoritenstraße Nr. 68. Bei Schönwetter im Garten, sonst im Saal. Gäste willkommen! Kein Konsumzwang! Umschulungskurse Das jüdische Jugendhilfswerk veranstaltet gemeinsam mit der Wirtschaftsstelle des Palästina-Amtes folgende Umschulungskurse: Mauern, Etuiliorstellung, Tischlerei, Waschen und Bügeln, Herstellung von Werkzeugen für die Gärtnerei, Anstreiohen, Papierkonfektion. — Nähere Auskünfte sowie Anmeldungen zu den Kursen: jeden Montag, 18.30 bis 19.30 Uhr, im Zionistischen Landeskomitee, Wien, I., Kärntnerstraße 28. Bund jüdischer Frontsoldaten, Bezirksorganisation I. Dienstag, den 17. d. M., findet im Cafe „Altes Rathaus“, I., Wipplingerstraße Nr. 26, ein Vortrag des Kameraden Hauptmann d. R. Alfred May über das „Märchen über die jüdische Feigheit“ statt. Beginn 20 Uhr 30. Gäste willkommen. Erfolg Blaus in der Juniorenmeisterschaft ln der zweiten Runde der Juniorenmelstersohaft des österreichischen Amateurboxver* band es, welche am 10. d. M. im Festsaal des Hotel Bayrischer Hof stattfand, konnte Blau (Makkabi) einen überlegenen Plunktesieg gegen Wiesner (Rapid) buchen. Insbesondere in der dritten (letzten) Runde des Kampfes war Wiesner mit seinen Kräften fertig, während der Makkabimann einen schönen Endspurt zeigte. Da Wiesner als der schwerste Gegner Blaus in der Konkunenz gilt, ist an-, zunehmen, daß Blau diesmal den Titel des Juniorenmeisters gewinnen wird. FILM Freitag: „Liebe and Pfeffer“. Nach langer Pause wird wieder ein Sohwedenfilm, und zwar der erste Tonfilm Schwedens, erscheinen, das Lustspiel „Liebe und Pfeffer“, das von Gustav Molander inszeniert wurde. Premiere Freitag, den 20. Juli, im' Gartenbau-, Busch-, Haydn- und Kolosseum- Kino. Freitag: „Und der Mond schaut zu“. Freitag, 20. Juli, findet im Kärntner-, Stafa- und Votivpark-Kino die Premiere des großen Universal-Films „Und der Mond schaut zu“ statt. Hauptrollen: Mary Brian, Lilian Miles. Roger Pryor und Leo Carillo. Strohwitwer Achtung! 11 Der beliebte Treffpunkt aller Strohwitwer! ist das Restaurant Hotel Stefanie, Wien, II., Taborstraße 12. das durch seine vortreffliche Küche bei billigen Preisen und durch den angenehmen Aufenth.lt im schönen und schattigen Garten eine große Anziehungskraft ausübt. Wichtig für Polenreisende Die Besitzer abgelaufener polnischer Pässe, die ihre Teilnahme für den Sonderzug, der am 81. Juli nach Polen abgeht, beim Polnischen Verkehrsbüro „Francopol“ anmelden, bekommen durch die Reisoleitung ihren Paß dortselbst, III., Rennweg 1, Tel. U 16-4-90, gratis verlängert. Bezugsbedingungen; Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—. Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50. Ungarn vierteljährlich Pengü 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—. übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113.546. Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, 1„ Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glücklich. Wien. L| Känitnerstraße 28. - Druck: Vernay A.-G* Wien, IX., Canisiusgasse 8—10. W; LEB.-VERS.-GES phömix ABT. FÜR FREMDENVERKEHR WALINERS^R. 6a < TEL. U 25-5-at WIEN,