Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 370 (17.7.1934)
- Date
- 1934-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. b. Prcii dlM«r Nummer 20 g JÜDISCHE ZEITUNG mumvnuxiw Nr. 31 Wien, 17. Juli 1934 Redaktion und Administration Wien, Käfntnerstraße 2b Tel. R?7*4-85 Redaktlonssohluß Montaq und Mlttwooh vorm I | Restaurant-Hotel „Stefanie" | 3 T8D II., Taborstraße 12,Tel. R 46-5-57 3 jj§ empfiehlt Beine reichhaltige Speise- || s auswahl bei erstklassiger Zube- §g §j reitung und exakter Bedienung. |§ H Menü schon von S 1*60 an |§ 1 SchönerschattigerGarten/Spefsen i | am Rest / Täglich frische fische | Iiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii (5- Ab 5694) | 7. Jahrgang Die illegale Einwanderung Jerusalem, 15. Juli. Das Jerusalemer Gericht hat zur Frage der Folgen illegaler Einwanderung nach Palästina ein Urteil von grundsätzlicher Bedeutung gefällt. Gegen die aus Rußland stammenden Boris Gompolski und Meier Reznick war ein Ausweis u n g sb e f e h 1 ergangen. Die beiden waren im Juli 1933 aus Palästina ausgewiesen worden, kamen aber am 28. August auf Grund von Einwanderungs-Zertifikaten, die sie in Triest erhalten hatten, nach Palästina zurück. Ihre Rückkehr erfolgte somit vor der Veröffentlichung der neuen Einwanderungsvorschriften vom 31. August, denen zufolge aus Palästina wegen illegaler Einwanderung Ausgewiesene nicht mehr zurückkehren dürfen. Das Gericht entschied, daß diese Verordnung nur auf solche Personen anzuwenden ist, die nach dem 31. August zurückkehren. Bezüglich der anderen gelten die früheren Vorschriften, auf Grund derer die Anklage spätestens drei Monate nach verübter Gesetzesver- Jetzung erfolgen muß. Der Ausweisungsbefehl gegen Gompolski und Reznick wurde als ungültig erklärt. Oenfer jüdische Konferenz vom 20, bis 23. August Paris, 13. Juli. Vom Comitö des Delegations J u i v e s wird mitgeteilt, daß die nach Genf einberufene Jüdische Konferenz zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses nicht, wie früher angekündigt, vom 6. bis 9. August, sondern vom 20. bis 23. August in Genf stattfinden wird. Die Verschiebung geschah auf Wunsch der amerikanischen Delegierten. Juden unterstützen die rumäni• sehen Hetzer Bukarest, 13. Juli. Die Zeitungen bringen den folgenden Bericht über eine Rede, die Unterstaatssekretär J a ra a n d i in Podul-Jloaei, in der Nähe von Jassy, gehalten hat. Jamandi sagte: Ich fühle mich verpflichtet, das Volk zu warnen, den Anhängern des Hasses Gefolgschaft zu leisten.-Hütet euch vor jenen, die den nationalen Gedanken monopolisieren wollen!, Die Behauptungen der Extremisten sind unsinnig, die Ziele der Antisemiten sind ungerecht. Die Juden haben stets S c h u 1ter an Schulter mit uns an dem Wohl des Landes mitgearbeitet. Sie haben an der Seite der rumänischen Bauern im Krieg gekämpft. Wer die Juden anfeindet, tut ihnen Unrecht. Tatsache aber ist, daß die Extremisten zu manchen Juden und Freimaurern Beziehungen unterhalten und von diesen materiell unterstützt werden. So unglaubhaft das auch klingen mag, ich habe sichere Beweise für das, was ich sage: Die extremistische und antisemitische Bewegung wird selbst von manchen J uden gefördert. Wenn ich das sage, so bin ich mir dessen bewußt, daß ich dabei mein Leben aufs Spiel setze. Ich tue es aber, weil ich es für meine Pflicht erachte, euch zuzurufen: Seid auf der Hut! Die Rede des Unterstaatssekretärs hat viel Aufsehen erregt. Hitlers hundertjähriger Krieg gegen die Jnden „Der jüdischen Volks Verhetzung“ hat Hitler am Freitag in der Kroll-Oper einen hundertjährigen Krieg angesagt. Wer am Radioempfänger diese Rede angehört hat, diesen sich überstürzenden, überschnappenden, alle atmosphärischen Störungen durchschlagenden Wortschwall, der am Schlüsse heiser und hohl verebbte, der war wohl erstaunt darüber, daß der Kanzler die Rechtfertigung von 77 Morden mit der jüdischen Volksverhetzung' zu verbinden sich unterfing. Aber in den Äußerungen dieses Führers darf das jüdische Moment nun einmal nicht fehlen. Er ist ja ohnedies etwas bescheidener geworden. Vor einem Jahr noch bestimmte der Nationalsozialismus für mindestens 30.000 Jahre die Entwicklung der Menschheit; vor dem 39. Juni sagte Hitler, der Nationalsozialismus werde 1000 Jahre leben; diesmal meinte er, der 30. Juni werde für tausende Jahre ein Markstein in der Geschichte bleiben; außerdem beginnt Hitler jetzt den hundertjährigen Krieg gegen die Juden. Bei dem Wort Krieg denkt man an Gegenseitigkeit. Die beiden Partner sollen, dem geschichtlichen Herkommen gemäß, bewaffnet sein. In Hitlers Reich sind aber die Juden ohne Waffen, und so ist auch bisher jeder Vorstoß der Hitlerarmeen in die Judengasse ein herrlicher, leicht erfochtener Sieg gewesen. Das sind gewiß die einzigen Siege, die dem neuen Erlöser beschieden waren, und wenn er den Juden Krieg ankündigt, so erinnert er ein bißchen an Belsazer: „Jehova, dir künd’ ich für ewig Hohn, ich bin der König von Babylon!“ Und da war die geheimnisvolle Schrift an der Wand, und dann der melancholische Schluß: „Belsazer ward in selbiger Nacht, von seinen Knechten umgebracht.“ Hitler wird seine Knechte noch kennenlernen. Er hat seine Rede durch den Goebbels groß ankündigen lassen. Er werde volle Aufklärung geben und auch nochmals feierlich seinen Friedenswillen bekräftigen. Er hat aber beides nicht getan. Über den 30. Juni erzählte er mit voller Beherrschung des dramatischen Registers — so wie er das bei Rupert Sonntag gelernt hat — eine Schaudermär. Man habe ihn umbringen wollen. Oh, welch ein Künstler ginge da in den Tod! Er nannte auch Namen als Zeugen; aber keiner von ihnen lebt mehr. Und so konnte Hitler stolz die Verantwortung vor der Geschichte übernehmen. Die Knechteschar ihm Beifall brüllt... Mit dieser Verantwortung vor der Geschichte hat es so seine Bewandtnis. Es hat noch nie ein Gericht gegeben, das diese Verantwortung überprüft hätte, und da Hitler gezeigt hat, daß man 77 Morde ausführen und sie dann nach gut vollbrachter Tat für rechtens geschehen erklären kann, so braucht man die Geschichte nicht weiter zu bemühen. Sie ist vergeßlich und wird sich nicht um die' kümmern, die über die 77 eingestandenen Toten hinaus auf dem Siegesweg geblieben sind: die Klause ne r, Bose, Kahr — richtig, der Generalstaatskommissar Kahr hat sich — von Hitler aus gesehen — dieses Ende nicht j verdient; er war ja der erste, der m i t j Judenausweisungen in Bayern vorging, solange, bis ihm Seipel und Schober in die Parade fuhren. Hitler hatte sich einfach als Richter und Nachrichter kott-Tag am 1. April, dann die Austreibung aus Franken und Hessen, die Bücherverbrennung, die Ritualmord nummer des Streicher; die neueste Phase der heroischen Weltanschauung sind die Morcle in Hirschberg und Glogau, jüdische etabliert, und seinen Willen, der in Deutsch-' Opfer der seelischen Erneuerung der SA. land Recht ist, vollstreckt. Alle sind tot, die etwas wußten: über die geheimen Fonds des Nationalsozialismus, über den Brand des Reichstages, über die Vorgeschichte der ersten Revolution. Und wie war das Ver-! und SS. Sie hatten nicht das geringste mit den Spannungen innerhalb der homosexuellen Bewegung zu tun, aber bei dem großen Killen sind sie gerade im Wege gestanden, und so wird auch unsere Liste um hältnis dieser Paladine untereinander und j einige Namen länger. Es ist die Liste, die zum Osaf? Lug und Betrug und Verrat und! dem deutschen Belsazer auf die Waage ge- Intrigen! Der Hitler weiß, daß der Klub der! legt werden wird, und sie wird präsentiert Roehmlinge etwas vorbereitet; er läßt sie nicht verhaften, sondern verkehrt freundschaftlich weiter mit ihnen, bis er sie in einem Amoklauf zur Strecke bringen kann; der „Herr v. A.“ (den Sie alle kennen, sagte Hitler), weiht den Helldorf ein (das ist der Organisator des Synagogentumes in Berlin werden an dem Tage, da auf der Wand stehen wird: Gezählt, gewogen, zu leicht befunden. Er wird kommen, dieser Tag, wenngleich auch nicht bald. . Denn in Deutschland ist jede mögliche Gegenorganisation durch Mord und Terror zerschlagen worden; es ist nur die Reichs- 1932), Helldorf erzählt’s seiner Frau, die< wehr da, die aber wohl schießen, aber nicht telephoniert an Goering. Goebbels ist mitj regieren kann. Und sie ist in der Hand engagiert und verrät die Geschichte an Hitj jener Kreise, die im Jänner 1933 dem Hitler ler. Alle sind gegeneinander und alle arbei-1 das Tor recht weit aufgemacht hatten. Nicht ten natürlich nach dem Programm: Gemein- J sie werden den Hitler fällen, sondern seine nutz geht vor Eigennutz. 12 Millionen Mark, eigenen Knechte. So wie es bei Belsazer aus Sammelgeldern hat Roehm für sich beij zugegangen ist. Nicht jeden Tag zahlt Gott seitegebracht. Herr v. A. kriegt von Hitler j die Zeche... ein nagelneues Auto, Goering hat ein paar Rittergüter, Hitler verdient am Eher-Verlag 4 Millionen Mark im Jahr, Goebbels ist ein schwerreicher Mann geworden. Hier habt ihr die Galerie der Idealisten, die immer vom jüdischen Schachergeist, von den jüdischen Geldverdienern, von der jüdischen Korruption redet! Eine volle Aufklärung über den 30. Juni ist also nicht erfolgt. Hitler hat zwei Stirn¬ Der kalte Pogrom Prag, 15. Juli. Ein Sonderberichterstatter der Jüdischen Telegraphen - Agentur hatte in Berlin Gelegenheit, mit einem hohen Staatsfunktionär und einflußreichen Mitglied der nationalsozialistischen Partei über die Judenpolitik der Regierung den lang geredet. Aber der Mund geht nur j Hitler zu sprechen. Die Persönlichkeit ervon dem über, wes das Herz voll ist. Also klärte: blieb er bei den 77 Exekutionen. Aber da gibt es noch die Rohstoffkrise, den Währungsschwund und die äußere Lage. Zu diesen Fragen könnte man nur sprechen, wenn man etwas zu sagen weiß. Aber was weiß denn dieser Hitler? Er hat nur das Sprttch- Die zukünftige Politik der Reichsregierung hinsichtlich der Behandlung der Juden wird darauf gerichtet sein, daß ernste Gewaltakte gegen Juden ausgeschlossen werden. Alle verantwortlichen Beamten der Regierung haben Betten geholt und erschossen wurden, tief beklagt. Die Regierung trifft Maßnahmen, um eine Wiederholung solcher Geschehnisse zu verhüten. Zur Illustrierung dieser behördlichen Bemühungen führte die nationalsozialistische Persönlichkeit die Tatsache an, daß, als der Reichspropagandaminister Dr. G ö b b e 1 s kürzlich eine seiner a n t i. lein vom Jud’ gelernt, sonst nichts. Nichts die alrtijüdischen Vorfälle in Schlesien und von innerer Politik, nichts von Wirtschaft,' in Hessen (w0 mehrere Juden nachts aus den nichts von äußeren Dingen. Der Mann, der in Bismarcks Zimmer sitzt, erkennt nicht einmal, daß' die Einkreisung vollzogen ist. Mit chevaleresker Geste hat ihn England so informiert, daß er noch vor der Rede über den Ostpakt im Bilde war. Hitler hat darauf nicht reagiert, einfach aus dem Grunde, weil der Außenminister noch nicht gesagt hatte, was der Kanzler meinen soll. Aus eigenem weiß dieser Führer nichts zu bemerken. Und alles Politische, das sich in der Rede findet, schrumpft auf den Krieg gegen die „jüdische V o 1 k s v e r h e t z u n g“ zusammen. Er ist schon seit Jänner 1933 im Gange und hat in diesen anderthalb Jahren nicht ausgesetzt. Da er nur einseitig geführt werden kann, sind die Verluste der jüdischen Minderheit ungeheuerlich. Auch in diesem Kriege aber gibt es wie im Weltkrieg von Zeit zu Zeit Höhepunkte. Da war der Boy- Rasiere dich suf und billig Ueberall erhältlich