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Die Stimme · 1934-07-06 · Heft 367 (6.7.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 367 (6.7.1934)
Date
1934-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 367 — 6. Juli 1934 Gedächtnisgottesdlenste für Theodor Herzt Aus Anlaß des 30. Todestages Dr. Theodor Herzls fand gestern abends im dichtgefüllten Gemeindetempel in der Seitenstettengasse ein Gedächtnisgottesdienst statt. Im Rahmen eines Festgottesdienstes unter Mitwirkung des Oberkantors Matthias und des großen Tempelchors wurde eine schlichte, aber überaus eindrucksvolle Gedenkfeier für den großen jüdischen Führer zelebriert. Oberrabbiner Dr. David F e u c h t w a n g. der zu. den ersten Rabbinern gehört, die sich Theodor Herzl anschlössen, hielt die Gedenkrede. In liebevoller Weisö zeichnete Oberrabbiner Dr. Feuchtwang die menschliche. sittliche und jüdische Persönlichkeit Theodor Herzls. Nur ein wahrhaft großer Mensch konnte ein so großer Jude sein. Dreißig Jahre schwersten historischen Geschehens sind seit dem Tode Theodor Herzls verstrichen. In dieser Zeit ist eine ganze Welt zertrümmert, sind Throne gestürzt und Staaten zusammengebrochen. Aus diesem weltgeschichtlichen Hintergründe erhebt sich Herzl wie ein Relief eines jüdischen Helden, dessen Gedenken die Juden aller Welt heute als eines der größten jüdischen Führer, die die jüdische Geschichte aufweist, feiern. Nur noch ein einziger, der gleich Herzl in Wien wirkte, könne diesem in bezug auf die große, schöne Persönlichkeit gleichgestellt werden: der verstorbene Wiener Oberrabbiner Professor C. P. C h a j e s. Herzl gegenüberzustehen, war ein erschütterndes. unvergeßliches Erlebnis. Antlitz und Gebärde, Geist und Stimme vereinigten sich zu einem unauslöschbaren Eindruck. Eine Welt hat er erobert und eine Welt aufgebaut. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang schloß seine Rede, die auf alle Anwesenden nachhaltigsten Eindruck machte, mit dem Appell, als aufrechte Erben des Herzischen Wollens das Vermächtnis Herzls in seinem Sinne zu verwalten. Nach Schluß seiner Predigt sagte der Oberrabbiner das Kaddischgebet. An dem Gottesdienst nahmen vollzählig die zionistischen Mandatare mit dem Vizepräsidenten der Kultusgemeinde. Dr. Josef Löwenherz an der Spitze, teil. Man sah den Präsidenten des zionistischen Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum, den Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich und den vorübergehend in Wien weilenden Präsidenten des Weltverbandes allgemeiner Zionisten Dr. Ignatz Schwarzbarth.;. r. * Um dieselbe Stunde fand auch im dichtgefüllten Turnertempel ein Gedächtnisgottesdienst für Theodor Herzl statt, der einen erhebenden Verlauf nahm. Rabbiner Dr. Z i m m e 1 s hielt hier die Gedenkrede und Oberkantor Margulies versah die kantoralen Funktionen. Herzl*Feier in Mddling Aus Mödling wird der „Stimme“ berichtet: Sonntag, den 1. Juni um % 12 Uhr vormittags fand, im Tempel der israelitischen Kultusgemeinde Mödling anläßlich des 30. Todestages Theodor Herzls ein Gedächtnisgottesdienst statt. Der Tempel war mit blau-weißen Fahnen geschmückt und acht Burschen des Makkabi-Hazair hielten die Ehrenwache bei der großen Fahne vor der Kanzlei. Nachdem Herr Rabbiner Professor Dr. Schweiger das Seelengebet (Menucha-Nechuna) rezitiert hatte, hielt er die Gedenkrede, die auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Nach Beendigung der Rede wurde die „H a t i k w a h“ angestimmt. Mit dem Olenugebet und Kadisch nahm die würdige Feier ihr Ende. Rauferei während eines Gottesdienstes Wie der „österreichischen Abendzeitung“ aus S i e d 1 c e gemeldet wird, ist es dort im Verlaufe eines Trauergottesdienstes in der Synagoge anläßlich des 30. Todestages Theodor Herzls zwischen Zionisten und Revisionisten zu blutigen Zusammenstößen gekommen. Mehrere Personen wurden verletzt. Polizei mußte einschreiten und der Gottesdienst unterbrochen werden. Ein Bild Herzls für die städtischen Sammlungen in Wien Die Direktion des Wiener Rathausmuseums hat sich, angeregt durch die Herzl-Ausstellung, an die Leitung des Herzl-Arehivs um Überlassung eines HerzI- Bildnisses für die Galerie der städtischen Sammlungen gewendet. Über Vermittlung des Herz-Archivs hat nun der Herzl-Klub beschlossen, das bekannte Herzl-Bildnis j Hermann Strucks dem Wiener Rathaus-1 inuseum zu überlassen. Wahl des neuen Präsidiums der Prager israelitischen Kultusgemeinde Prag, 4. Juli. In der gestern stattgefundenen ordentlichen Sitzung der Repräsentanz der Prager israelitischen Kultusgemeinde wurde, da auf Grund eines Kompromisses der drei großen Parteien in der Kultusgemeinde Neuwahlen in die Repräsentanz entfallen sind, die Wahl eines neuen Präsidiums vorgenommen. Zum Präsidenten wurde mit 21 von 24 Stimmen (drei leere Stimmzettel) der Prager Advokat Dr. Maximilian Reiner, Führer des Verbandes tschechischer Juden, gewählt; zum ersten Stellvertreter der bisherige Präsident Dr. Gottlieb Stein und zum zweiten Vizepräsidenten das Mitglied der zionistischen Fraktion, Dr. Richard Wertheimer. Gefahr für 50.000 jüdische Handwerker in Polen Warschau, 2. Juli. Im Hause der Bne Brith-Loge wurde darüber beraten,' wie man die aus dem neuen Industriegesetz der Existenz von etwa 50.000 jüdischen Handwerkern drohende Gefahr abwenden könne. Laut dem neuen Gesetz kann nur der ein Handwerk ausüben, der im Besitz einer Handwerkerlizenz ist. Leider haben nicht weniger als etwa 50.000 jüdische Handwerker in ganz Polen entweder durch mangelnde Voraussetzungen oder infolge Nachlässigkeit sich solche Lizenzen nicht zu verschaffen gewußt. Nun werden gegen diese Handwerker schärfste Repressionen seitens der Behörden angewendet, damit sie ihr jährige neben den kaufmännischen Grundlagen die ungarische Sprache. 1856 ließ er sich in Pest nieder. Er begann mit einem Speditions- und Kommissionsgeschäft, zäh tätig und überlegt arbeitete er sich rasch hoch. 1870 wird er auf dem Schulzeugnis seines Sohnes als Direktor der Huiigariabank bezeichnet. Er hatte sich damals bereits ein Vermögen erworben, das ihm das Privatisieren gestattet hätte. Sein Unternehmungsgeist und Schaffensdrang ließ ihn daran nicht denken. Das Waldgeschäft, das er in den folgenden Jahren betrieb, brach in der Wirtschaftskrise von 1873 zusammen, er verlor sein ganzes Vermögen. Er fing von neuem an und hatte es in wenigen Jahren wieder zu beträchtlichem Wohlstand gebracht. Zu seinen Erfolgen hat nicht wenig die Ehe mit Jeanette Diamant beigetragen, die er bereits 1858 einging. Sie war ihm die richtige Ergänzung und Stütze. Über Jeanettes Vorfahren ist noch weniger bekannt, als über die ihres Gatten. Wir wissen nicht, ob — wie vermutet wurde — jener Salmnon ihr väterlicher Urahne war, der seinen Heimatort Philippsburg am Rhein (Baden) verließ, als Marketender mit dem kaiserlich Tippenthalischen Regiment mitzog, und sich 1866 auf seine Zugehörigkeit zum siegreichen kaiserlichen Heere pochend, entgegen den bestehenden Verboten in Tyrnau. nordöstlich von Preßburg (Slowakei nie lerla-'Cii wollte. Die etwas unabgewon-eniextravagante Art, die in der Diamantsellen Familie nicht selten ist, ließe an einen so abenteuerlustigen Vorfahr wohl glauben. Er müßte dann der Vorfahr jenes Wolf Diamant sein, der vor 1820 in Pest gestorben ist und seine Witwe Charlotte (Schöndl) in sehr bescheidenen Verhältnissen zurückließ. Die Konskriptionsliste von 1820 gibt als ihren Beruf „Brattenbraderin“ an; sie besorgte wohl eine primitive Verköstigungsstätte, die man Garküche nannte und wie sie in Heines „Rabbi Bacharach“ beschrieben ist. Sie heiratete bald wieder. Ihr ältestes Kind Hermann (Gabriel Herschj Diamant, geboren um 1806, .verbrachte seine Lehrzeit wohl außerhalb der Heimatstadt, eröffnete dann ein Kleidergeschäft, das' sich' gut entwickelte, ihm frühe Heirat (zirka 1824) und seiner Familie ein behagliches Leben ermöglichte. Er war klug, und wie es scheint, ziemlich freidenkend; sein Witz war in der Gemeinde berühmt. Die Kinder — zwei Söhne und drei Töchter — hat er offenbar ganz weltlich, ganz in der Bildung der Umwelt aufgezogen. Der jüngere seiner Söhne, Wilhelm, nahm 1848/49 am ungarischen Freiheitskampf teil, und brachte es bis zum Oberleutnant, worüber er 1867 eine Bestätigung erhielt.'Herzls Mutter Jeanette, die jüngste Tochter, hatte Witz und Klugheit von ihm geerbt — und wieder auf ihren Sohn weitervererbt. Die tiefliegenden schwarzen Augen, die träumerisch iind zugleich unerbittlich die Schleier äußeren Scheins zu durchdringen, in das Wesen der Dinge einzudringen schienen, diese rätselhaften Augen, die jedem Betrachter auch an dem Sohne auffielen, hatte sie wohl von ihrer Mutter. Bei ihr sieht der Blick schon fast krankhaft in seiner Trostlosigkeit aus. Sie muß eine schwere Jugend, viel Schweres in ihrem Blut gehabt haben. Ihre Mutter Theresia Abeies (Theodor Herzls Urgroßmutter), die sie 1806 in Budapest gebar, war schon nach kurzer Ehe (spätestens als 30jährige) verwitwet und schlug sich als Hausiererin durchs Leben. Ihr Gatte war aus Nickelsburg zugewandert — mehr wissen wir nicht über ihn. Hing seine Familie vielleicht mit jenem Prager Handschuhhändler Lazarus Abeies zusammen, der 1694 unter der Beschuldigung, seinen zum Christentum übergetretenen zwölfjährigen Sohn Simon ermordet zu haben, ins Gefängnis geworfen wurde und dort seinem Leben selbst ein Ende machte? Das Aussehen von j Herzls Gorßmutter läßt solche dunkle Familienschicksale als möglich erscheinen. In Herzls Mutter war, wie schon angedeutet, die tiefe Schwermut, gemildert, veredelt durch des Vaters leichteres Naturell. Ihre Zeitgenossen wissen viel von der aufsehenerregenden Schönheit des MädchenB, der jungen Frau, . zu erzählen. Die tiefschwarzen, vollen Haare, die hohe Stirn, die direkt in die gradgeschnittene Nase überging, der kleine Mund, der fest verschlossen, fast bitter aussah, sich aber leicht zu Witz und Spott, zu kluger Belehrung öffnen konnte — gaben dem Gesicht eine eigenartige Prägung. Die Art sich zu halten und zu geben, hatte etwas Ehrfurchtgebietendes. Sie war eine Persönlichkeit, sie wußte es auch. Gerühmt von den Nahestehenden wurde auch ihre Güte; man erzählte sich zahlreiche Anekdoten, unter welchen Vorwänden sie das für ihre Toiletten bestimmte Geld und ihre Kleider verschenkte, die abgetragenen, wie die noch guten, die dann nicht mehr gut sitzen, nicht mehr gefallen oder sonstwie überflüssig sein sollten — für solche Zwecke mochte sie dann mit Ausreden nicht sparen. Sonst aber ging ihr Wahrhaftigkeit über alles, war ihr Lüge ein Greuel. Man weiß, wieviel von diesen Eigenschaften der Sohn von ihr geerbt hatte. Die dichterische und satirische Veranlagung, überhaupt das Ungewöhnliche, Nervösvibrierende, Sensible in seinem Wesen kam ihm sicher von mütterlicher Seite her, wie auch der Ausdruck seines Gesichts ganz ihr Gepräge trug. Die äußere Form von Gesicht und Körper, der breite eckige Schädel, die freie Stirn, der hohe Wuchs ähnelte dem Vater; auch von dem energischen Mund des Vaters war etwas auf den Sohn Übergegangen. Die Nase des Vaters war am Ende leicht gekrühimt. Grundlegend verschieden waren die Augen. Die blickten beim Vater hell, klar, scharf. Er stand mit festen Beinen in der Welt, war ein zäher, energischer Arbeiter und Kämpfer, von pedantischer Ordnungsliebe und Genauigkeit, mit besonderer Aufmerksamkeit für das Detail. Sein harmonisches, wohlabgewogenes Wesen liebte die feierliche Geste. Wie merkwürdig und glücklich haben sich diese Eigenschaften im Sohn mit denen der Mutter verschmolzen. das Vibrierende gebunden und geordnet und jene chaotischeren Kräfte erst I zu wirklicher Leistung befähigt! Handwerk niederlegen. Allein in Lublin wurden 3544 Handwerkern im Verlauf eines Jahres empfindliche Strafen auferlegt und 622 Werkstätten wurden geschlossen. Die Lodzer Handwerkerkammer hat 2730 Pro* tokolle in einem Jahr gegen illegale Werk* Stätten angelegt. Die betroffenen Handwerker verbergen sich in Keller- und Dach verließen, um arbeiten zu können. Es droht die Gefahr, daß d o r jüdischen Jugend der Weg zum Handwerk überhaupt versperrt wird, da nur Mitglieder der Handwerker- Zechen Lehrlinge aufnehmen dürfen; in diesen Zechen gibt es aber nur wenige jüdische Meister. Es bat sich ein Komitee zur Wahrnehmung der Interessen des jüdischen Handwerk gebildet, das mit Hilfe aller jüdischen Faktoren auf die maßgebenden Regierungsstellen in dem Sinne einwirken wird, daß den jüdischen Handwerkern Gelegenheit geboten wird, sich Handwerkerlizenzen zu erwerben, und daß der jüdischen Jugend der Zutritt zum Handwerk erleichtert wird. Zsolnay will Kein Jude sein Prag, 2. Juli. Paul Zsolnay, Inhaber des gleichnamigen Verlages, richtete an die Berliner „Deutsche Wochenschau“ ein Schreiben, in dem es unter anderem heißt: „In Ihrer Nummer vom 9. Juni... erkühnen Sie sich, mich als ungarischen Juden zu bezeichnen, was eine Unwahrheit ist. Ich ersuche Sie, ebenso höflich als dringend, in der nächsten Nummer Ihres Blattes eine Richtigstellung vorzunehmen, so zwar, daß ich tschechoslowakischer Staatsbürger bin und der dort lebenden deutschen Minderheit angehöre. Mein ständiger Wohnsitz ist Oberufer bei Preßburg, woselbst ich ... seit neun Jahren evangelischer Kircheninspektor und Schulvater der dortigen deutschen evangelischen Schulgemeinde bin . . . Des weiteren verbitte ich mir, daß Sie mich als Verleger von Frkschauer, Franz Werfel, Max Brod und Salten anführen, wenn dies ohne Aufzählung der anderen namhaften Autoren des Verlages geschieht. ...“ Dieser Brief ist schlimmer als alle Angriffe der „Deutschen Wochenschau“ gegen seinen Verlag. Zsolnays Vorfahren waren noch ungarische Juden, und sein Vater ist, his er sich taufen ließ, als ungarischer Jude in der Monarchie reich geworden. Außerdem ist Paul Zsolnay mit einer Tochter Gustav Mahlers verheiratet und seine Schwiegermutter, die einstige Frau Gustav Mahlers, ist jetzt die Frau Franz Werfels. II. Jahrgang Nr. 9, Juli-Heft soeben erschienen, 44 Seiten stark, reich illustriert, S 1*— Bei den Kolporteuren erhältlich oder direkt zu beziehen vom Verlag I., Petersplatz Nr. 7 Orth. 1^3 PENSION KOHN Balatonszemes am Plattensee (Ungarn) houhliegeiul, 2 Miaute» vom Bad uud Bnhuliot, großer sandiger Strand. Anerkannt vorzügliche Küche. Verlangen Sie Projekte. Referenzen in Wien : Oherkuntor Simon Weiß, IV., Belvedereg. 42. iznk Preminger, IV., Rainerg. 27. S. Stern, II., Taborstr. 62a. Dr. R. Weiß, VL.Mnriuhilferstr. 1)5. Julius Kohn,II.,Reinbrandtntr 17/ti, Km. Iloffinann, VI., Unieng, 34 In Bratislava: II. Buxbaum, Zochova 3. Absolventin derSeluieiderokademie oder der Frauengeuerbesthule wird von erstklassiger Horrenw.'iscliofabrik zwecks Ausbildung zur Werkstättenleitorin aufgenommen. 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