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Die Stimme · 1934-06-01 · Heft 357 (1.6.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 357 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer SO g V. b. b. Heute 8 Seiten stark JÜDISCHE ZEITUNG ENGL. HERRENMODE FEINE MASSWÄSCHE EUGEN PRAGER I., SPIEGELGASSE 25 FERNRUF: R 22-3-90 Redaktion und Administration; Wien, 1 Kärntnerstraße Ö8. Tel. R 27*4-80. RedaktionsschluQ Montag und Mittwoch vorm. J^j(I8^iwan5694)|7^Jahrgang Celdsammliingen der .«Union“ Im Auslände Es ist nichts Neues, daß humanitäre Vereine ihren notleidenden Finanzen von Zeit zu Zeit durch Geldsammlungen außerhalb des Kreises ihrer Mitglieder aufzuhelfen versuchen. Daß aber politische Vereinigungen zu dem gleichen Mittel greifen, is-t wenigstens bisher nicht üblich gewesen. Wie wir erfahren, hat die „Union österreichischer Juden“, die sich so gerne das Attribut der ältesten und angesehensten Vereinigung der österreichischen Juden beilegt und deren Mitgliederzahl in der letzten Zeit immer mehr im Sinken begriffen ist, vor einigen Monaten zu ihrer Sanierung zu einer großangelegten Sammelaktion ihre Zuflucht genommen. Durch Vermittlung eines Vorstandsmitgliedes kam die Union im Sommer vorigen Jahres mit Herrn Franz P. in Verbindung. Herr P. hatte sich bis dahin im Zeitungsfache als tüchtiger Propagandist und erfolgreicher Akquisiteur betägtigt. Die Union schloß mit ihm einen förmlichen Vertrag, indem sie sich verpflichtete, ihm für die von ihm einzuleitende und durchzuftihrende Geldsammlung die notwendigen Empfehlung gen beizustellen. Als Provision wurden Herrn P. 40 Prozent der ■Sammelgelder zugeßichert. Nachdem Herrn P. von dem rührigen Sekretär der Union, Regierungsrat Lenk, die notwendigen Informationen und Instruktionen erteilt worden waren, ging er im August v. J. an die Arbeit. Er besuchte in Wien verschiedene jüdische Persönlichkeiten, insbesondere solche, die bisher außerhalb des jüdischen Parteilebens standen, und erzielte recht gute Erfolge. Nicht zuletzt kam Herrn P. ziu Hilfe, daß ihm diie Union zu seiner Einführung bei den anzuzapfenden Spendern die Führung des Titels eines „administrativen Direktors“ der Union österreichischer Juden taxfrei gestattete. Die von Herrn P. in Wien erzielten günstigen Resultate ermutigten die Union zu einer ausgreifenden Erweiterung der glücklich begonnenen Aktion. Mit dem notwendigen Reisevorschuß ausgestattet, fuhr Herr P. nach der Schweiz. Dort blieb allerdings das erwartete Ergebnis aus, weil der Schweizer israelitische Gemeindebund zurzeit selbst eihe Sammelaktion für die geflüchteten deutschen Juden diurohführte. Herr P. mußte sich mit einer Zusage für später zufriedengeben. Unterdessen zogen die schweizerischen Juden in Wien Erkundigungen ein, und als sie erfuhren, worum es sich handle, zogen sio sich schleunigst zurück. Von der Schweiz begab eich Herr P. nach Frankreich; aber auch dort blühte ihm kein Glück. Man verhielt sich in Frankreich, wo man die österreichischen Verhältnisse ziemlich gut kennt, zurückhaltend, und auch die nachdrücklichen Hinweise des Herrn P. auf die hervorragende humanitäre, charitative und politische Betätigung der Union konnte daß Mißtrauen der französischen Juden nicht beseitigen. Herr P. aber ließ sich durch das Scheitern seiner Mission in der Schweiz und Frankreich nicht niederdrücken. Sein nächstes Reiseziel war England. Hier stellte sich endlich der gewünschte Erfolg ein. Herr P. lief unermüdlich die Treppen der ihm anempfohlenen wolhabenden englischen Juden ab, beehrte die Londoner jüdischen Vereinigungen mit seinem Besuche und engagierte, um auch in ostjüdische Kreise vorzudringen, einen eigenen, des „Jiddischen“ mächtigen Subvertreter. Schon nach Verlauf von wenigen Wochen konnte Herr P. der Union mitteilen, daß auf ihrem Konto bei der Midland- Bank 1400Pfund, das sind40.000 Schilling, erliegen, und Herr Doktor Feldsberg, dem von der Union die Leitung der Finanzaktion anvertraut war, erteilte die notwendigen Dispositionen über die Hälfte dieses Betrages. Denn die andere Hälfte, das sind 20.000 Schilling, floß in die Tasche des Herrn P„ nachdem seine Provision „f ü r Auslandsgeschäfte“ von 40 auf 50 Prozent erhöht worden war. Gerade als Herr P. auf dem Gipfelpunkt seiner Erfolge stand, mußte er über Weisung der Union seine Tätigkeit abbrechen und nach Wien zurückkehren. Der Grund hiefür war der, daß die Sache in Wien ruchbar war und höchst unangenehmes Aufsehen erregte. Man war in Wien der Meinung, daß es nicht angängig sei, jüdische Gelder im Ausland für Vereinzwecke zu sammeln, die viel besser für die notleiden- Die neuerliche Terroroffensive der Nationalsozialisten hat die Österreichische Bundesregierung zu einer Erweiterung der Standrechtsbestimmungen veranlaßt. Es ist kein Zweifel, daß die Regierung, die sich die Festigung des inneren Friedens zur Grundlage ihrer Tätigkeit gemacht hat, sich nur sehr ungern zu dieser Maßnahme entschlossen hat. Aber sie kann es nicht ruhig ansehen, wie ihre Milde von einer auf ausländisches Kommando hörenden Strömung mißachtet wird, die im Dunkel der Nacht heimtückisch und meuchlerisch Attentate gegen Leben und Gesundheit der Einwohner, gegen Verkehrsinstitutionen und lebenswichtige Anstalten begeht und den Fremdenverkehr lahmlegen will. Es ist eine unheimliche Gesellschaft, die sich gegen den Staat und seine Freiheit verschworen hat, die seine Existenz von innen her sprengen will und deren Tun und Treiben in keiner Weise aus wenn auch irregeleitetem politischem oder sozialem Idealismus gerechtfertigt werden kann. Es ist politisches Gangstertum, das sich den Staat unterwerfen will; es ist nicht Idealismus oder auch nur Fanatismus, wenn Anschläge auf Eisenbahngeleise oder Elektrizitätswerke verübt werden, wenn auf viel begangenen Straßen Böller niedergelegt werden, durch die unden öffentlichen jüdischen 'Institutionen benötigt werden. Herr P„ der mit seiner Abberufung aus England nicht einverstanden war und der Ansicht ist, daß die ihm von der Union anbefohlene Einstellung der Sammlung „zur Unzeit“ erfolgte, beabsichtigt nun, wie wir hören, die Einberufung des vertragsmäßig vorgesehenen Schiedsgerichtes zur Entscheidung über die von ihm gestellten Ersatzansprüche wegen vorzeitiger Lösung seines Vertrages. Er beruft sich darauf, daß für den Abbruch seiner mit großer Mühe und großem Fleiß aufgebauten englischen Schnorr-Aktion kein hinlänglicher Grund vorhanden gewesen sei. Er machte geltend, daß er den von ihm angegangenen Spender über die Tätigkeit der Union nur solche Mitteilungen gemacht habe, die ihm von dem Sekretär der Union vor Antritt seiner tteise an die Hand gegeben wurden. Er selbst sei vor seinem Engagement den jüdischen Dingen in Wien vollkommen ferne gestanden und infolgedessen davon überzeugt gewesen, daß alles das, was ihm über die Erhaltung von Waisenhäusern durch die Union, über die Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland, über die großzügigen politischen Abwehrmaßnahmen gegen den Antisemitismus und über die ideelle und finanzielle Förderung der Harrand-Bewegung erzählt worden sei, auf Wahrheit beruhe. schuldige Kinder zu Schaden kommen. Es ist bösartigste Ausartung einer bis zur Siedehitze, bis zur Raserei gesteigerten Wut über die Widerstandskraft, die der Staat entwickelt, um sich, seine Einwohner, seine Kultur vor der alles vernichtenden Dampfwalze der neudeutschen Totalität zu schützen, sich gegen den Nihilismus zu wehren, der jenseits der Grenzen das Leben von fast 70 Millionen Menschen vom Grund aus zerstört hat und seine innere Sterilität jeden Tag von neuem beweist. Die Menschen, die hinter der in tiefste Roheit gesunkenen Jugend stehen, wissen sehr wohl, was das nationalsozialistische System aus Deutschland gemacht hat. Der einst so reiche Staat ist bettelarm und muß seine Gläubiger um ein Moratorium angehen. Er kann seine Verpflichtungen nicht einlösen und vorpraßt seine letzten Gelder und das noch nicht vorhandene Vermögen der kommenden Generationen in Rüstungen und unsinnigen Bauten. Die berühmten deutschen Hochschulen sind nichts anderes denn Exerzierplätze, die Theater veröden, die Zeitungen sterben, und aller öde Klimbim, alle Musikaufzüge und schmetternden Feste sind nicht mehr imstande, das dumpfe Murren in der gesamten Nation zu übertönen. Außenpolitisch ist das Reich in einer Er sei daher vollkommen berechtigt gewesen, den Spendern je nach ihrer E i nstellung zu den vielfachen von der Union behandelten Problemen nach Bedarf Sammelbögen für humanitäre Zwecke und solche für Zwecke der politischen Abwehr vorzulegen. Zu der Verdrießlichkeit des Sehiedsgerichtsprozesses kommt aber noch ein« zweite hinzu. Einzelne Londoner Spender — unter ihnen befinden sich eine ganze Reihe bekannter Zionisten — sind der Ansicht, daß sie irregeführt wurden, weil bei ihnen die Meinung bestand, daß ihr Geld öffentlichen Zwecken in Wien zugewendet werde. Sie wußten nicht, .daß es sich um eine professionelle Geldsammlung handle, daß ihre Spenden a metä zwischen einem privaten Verein und Herrn P. aufgeteilt werden und wollen daher verlangen, daß ihre unter unrichtigen Voraussetzungen hingegebenen Spenden solchen Zwecken zugewendet werden, für die sie ihrerseits bestimmt waren. Denn es ist natürlich den Londoner1 Juden niemals eingefallen, Beiträge dafür zu geben, daß die Union ihre Vereinskasse auffüLlt, wohlbestallte Sekretäre bezahlt und geräumige kostspielige Vereinslokalitäten mietet. Man darf jedenfalls auf den Ausgang dieser Affäre, über die wir noch interessante' Einzelheiten nachtragen werden, gespannt sein. bitteren Vereinsamung; an allen seinem Grenzen klirren die Waffen, und in der französischen Kammer hat der Außenminister unter allgemeiner Bewegung erklärt, daß ihm feierliche Versicherungen des Dritten Reiches nicht genügen. Deutschland bietet das Bild des zaristischen Rußland vom Frühjahr 1914. Es ist von einer grauenhaften vulkanischen Explosion bedroht und setzt seine ganze Hoffnung auf den Krieg. Es sind Akte einer kaum mehr meßbaren Verzweiflung, aus denen sich die Regierungstätigkeit im Dritten Reich zusaramensetzt, eine in die Knochen gestiegene schlotternde Angst vor der Stunde der Abrechnung. Diese Furcht treibt dazu, uferlos Bestechungsgelder in das Ausland zu werfen, die Desperados und Destochados in aller Welt für das Hakenkreuz zu gewinnen, eine Internationale des Mordes und des Hasses zu schaffen, gegen waffenlose Juden mit glühenden Augen loszustür- Nur in die guten billigen Neudeseer Fahrschulen Wien. VIII., Neudeggergasse 18, Tel. B 46-5-72 und Inzersdorf (Nied.-Österr.) II! elektrisches Lehrchassis I I I Oesterreichs innerer Feind

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