Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 354 (18.5.1934)
- Date
- 1934-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 854 — 18. Mal 1934 DIE STIMME Beite 11 Vom Mandat zum Protektorat , (Fortsetzung von Seite 7) Von einer Einmischung d e b Judonataates in die inneren Angelegenheiten anderer Mächte kann um so weniger die Rede sein, als sich seine zwischenstaatlichen Beziehungen streng im Rahmen des Völkerrechtes nach den Regeln eines korrekten diplomatischen Verkehres abwickeln werden. Dasselbe gilt natürlich auch für die Verhandlungen wegen Übergabe der Verwaltung Erez Israels an die Regierung des jüdischen Volkes und wegen Übernahme des völkerrechtlichen Protektorats über den Judenstaat durch England als Beauftragten des Völkerbundes. VII. Vom Mandat zum Protektorat. Es ist klar, daß jede künftige jüdis e he Politik mit England als Vertragspartner rechnen muß, da der gegenwärtige Mandatar seine Hand niemals von Palästina, einem der wichtigsten Stützpunkte seiner Orientherrschaft, gutwillig lassen wird. So ungeeignet Großbritannien ist, als Mandatar die Errichtung des jüdischen Nationalheimes zu fördern, weil ihm die Rücksichtnahme auf die Wünsche der mohammedanischen Inder und der Araber seines Machtbereiches bezüglich Palästinas wichtiger sein muß als die Erfüllung der gegenüber dem jüdischen Volk übernommenen Verpflichtungen, so geeignet wäre das mächtige British Empire als Schutzherr des Judenstaates, wenn die Verantwortung für die Verwaltung Erez Israels von seinen Schultern genommen würde. England hätte also bloß die undankbare Rolle des Mandatars mit der bequemeren des Protektors zu vertauschen. „Vom Mandat zum Protektorat“, muß unsere Losung lauten. Eine kleine Formalität. Geschah dasselbe nicht mit dem Irak? Kommt es nicht bald so mit Syrien? Die Bevölkerung der Nachbarländer Palästinas wird für reif erklärt, eigene Staaten zu bilden; nur das jüdische Volk soll politisch unmündig bleiben, als ob es unfähig wäre, sich selbst und sein kleine« Land zu regieren. Nur durch jüdische Kraft ist Palästina das geworden, was es heute ist, eine glückliche Insel im Meere wirtschaftlichen Zusammenbruches. Wie müßte das Land erst aufblühen, wie würde sich seine Wirtschaft entfalten, wenn eine jüdische Regierung über sein Wohl und Wehe zu wachen hätte! Wie müßte sich der Wohlstand nicht nur der jüdischen, sondern auch der arabischen Bevölkerung mehrön, wie würde er durch friedliche Ausbreitung d^r jüdischen Kolonisation sogar über die engen Grenzen Palästinas hinaus weit in die Nachbarländer hineingetragen werden, wenn seinem Wachstum nicht mehr eine Welt von Hindernissen entgegenstünde! Findet schon durch den Aufbau des Landes die Frage der palästinensischen Araber in wirtschaftlicher Hinsicht eine Lösung, so soll in politischer Beziehung alles geschehen, um der nichtjüdischen Bevölkerung allo ihr nach dem Mandatsvertrag bisher zukommenden Rechte zu garantieren. Nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit soll kein Arabergezwungen sein, dem jüdischen PerBonalstaat anzugehören. Wenn er aberfür den Judenstaat optiert, wird erals Gleicher unter Gleichen willkommen sein. Nur der Illusion müssen die Araber endgültig entsagen, dio palästinensischen Juden auf irgendeinem Gebiete des öffentlichen Lebens majorisioven zu können. Denn dio Majoritätsfrage wird nioht durch das zahlenmäßige Verhältnis cler Araber und Juden in Palästina entschieden, sondern durch das der arabischen und jüdischen Bürger im a 11 w e 111 i c h e n Judenstaat. Im Vergleich zur jüdischen Staatsnation sind dio palästinensischen Araber, gezählt und gewogon, nur eine kleine Minderheit. Dio arabische Minorität soll natürlich ihrer Zahl entsprechend im jüdischon Wollparlamont vertreten sein und hat so, während sie ihre eigenen Angelegenheiten autonom verwaltet, auch an der Gestaltung der Goschioko dos Judenstaates und des jüdischen Nationalheimos ihren verhältnismäßigen Anteil. Damit aber büßt das gofiirchteto Araborproblom ganz seine Problematik ein. VIII. Der Judenstnat als Frledensbrlnger. Sollen Barrikaden errichtet, Regierungen gestürzt, Verfassungen gebrochen werden? Niohts von dom. Eine friedliche Umwälz u n g; oino feierliche Erklärung, Piplo* matonorbeit; woitor nichts. Und die politische «aBRHOHOaiPeOlDOmiMgHE Sportbrief aus Erez Israel (Von unserem Sportberichterstatter.) Fußball. Die Wettspiele um den Pokal des „Fliegenden Kamels“, den die Leitung der Levante- Meseo von Tel-Aviv zur Verfügung stellte, sind beendet. Den Pokal ~ ein heimisches Erzeugnis der Silberwarenfabrik Friedländcr — gewann die Mannschaft der ägyptischen Polizei aus Kairo. Dio Wettspiele um den Pokal nahmen folgenden Verlauf: I. Runde (national): Makkabi Tel-Aviv siegt gegen Makkabi Ness Zioma in Tel-Aviv 1:0 (1:0); Makkabi Hasmonäa Jerusalem siegt gegen Makkabi Avshalom Petach Tikwah in Jerusalem 2:1 (2:0). 2. Runde (international): Makkabi Hasmonäa Jerusalem wiegt gegen „International“ Beirut 3:0 (3:0) und Polizei Ägypten aus Kairo siegt gegen Makkabi Tel-Aviv 7:4 (5:1). 3. Runde (Finalo): Polizei Ägypten siegt gegen Makkabi Jerusalem 2:1 (2:0). Alle internationalen Spiele um den Cup fanden im renovierten Stadion von Tel-Aviv statt. Der Beeuch^'dieser Messeveranstalhung war merkwürdigerweise sehr schwach. Man erklärt diesen Umstand dadurch, daß die Spiele an gewöhnlichen Wochentagen statt.finden mußten, da im Stadion am Sabbath offizielle nicht gespielt werden darf. Ein weiteres Spiel der Ägypter gegen Makkabi Avshalom in Petach Tikwah endete 0:0. Boxen. Vorige Woche fanden in der Makkabihalle von Tel-Aviv die Landesmeisterschaften des palästinensischen Boxverbandes statt, die durchwegs Makkabisiege brachten. Die ’ Sieger der einzelnen Gewichtsklassen sind folgende: Fliegengewicht: Urkiewitsch (Haifa), Federgewicht: Grill (Haifa), Weltergewicht: Bierenzweig (Haifa), Leichtgewicht: Davidowitsch (Jerusalem), Mittelgewicht: Gibor (Tel-Aviv), Halbschwergewicht: Goldberg (Jerusalem), Schwergewicht: Finn (Haifa). Bantamgewicht wurde nicht ausgotragen und auch nicht kampflos vergeben. Als Ringrichter fungierte Herr Alfamdari vom ägyptischen Makkabi. Die Meister von Erez Israel werden noch im Monat Mai im Rahmen einer Meeseveranstaltung gegen Ägypten kämpfen. Der Länderkampf wird im neuen Amphitheater der Levantemesse abgehalten werden. Leichtathletik. Die palästinensischen Athleten rüsteten mit allen Kräften zu den internationalen Messe¬ Welt würde, von einem Alpdruck befreit, aufatmen. England und der Völkerbund wären ihrer Verantwortung für die Verwaltung des jüdischen Nationalheimes ledig und so manches Land soinos drückenden Judenproblems. Aber noch mehr. Die Zusammenfassung aller Juden, die guten Willens sind, zu einem Volksstaat mit Palästina als territorialem Zentrum bedeutet nicht nur die L ö s u n g d e r Judenf r a g o nicht nur die Erfüllung der Zukunftshoffnungen des jüdischen Volkes, sondern den Beginn einer umwälzenden Neugestaltung des Zusammenlebens der Völker überhaupt. Denn die allgemeine Awendung der Prinzipien des jüdischen Personalstaates würde den scharfen Trennungsstrich, den die Grenzen zwischen benchbarten Staaten ziehen, beseitigen ocVer doch verwischen. Dadurch, daß nach dem Sieg des Personalprinzips über das Territorialprinzip die Interessensphären der verschiedenen Gemeinwesen räumlich ineinandergreifen, sich innig miteinander verflechten würden, wäre schon die Entstellung kriegzeugender Konflikte und gar ihre Austragung mit Waffengewalt unmöglich gemacht. Wenn das Trenende vor dem Verbindenden zurücktritt, wenn sich die Basis gemeinsamer Interessen verbreitert, dann wächst ragond auf festem Unterbau das Gobäude der Versöhnlichkeit empor. Der jüdische Volksstaat — ohne Revolution, ohne Gewaltanwendung, ohno Blutvergießen ins Leben gotreton — schreitet nicht nur als Retter eines bedrohten Volkes, sondern auch als Bahnbreohor dos Weltfriedens übor die Schwölle der Menschheitsgeschichte. veranetaltungen am 16. und 17. Mai. Aus dem Ausland kamen die besten Griechen, die Auswahlmannschaft von Syrien und Libanonien, die ägyptische Meistergarde aus Alexandrien, Kairo und Port Said, dio besten Läufer au« Cypern, ferner einige Spitzenathleten aus Polen und Ungarn. Die Laufbahn des Stadions wurde einer Generalreparatur, unter der Leitung des ungarischen Fachmannes, Herrn Ing. Frey, unterzogen. Der neue Generaltrainer des Makkabi Erez Israel, Herr Dr. Gottheiner, von der deutschen Hochschule für Leibesübungen,- hat sein Amt bereits angetreten und mehrere Trainings- und Wettkämpfe veranstaltet. Am 2. Mai fand im Stadion von Tel-Aviv das jährliche leichtathletische Schulsportfeet statt, bei dem über 500 Athleten aus 27 Tel- Aviver Mittelschulen teilnahmen. Sehr gut waren die Leistungen im Kurzstreckenlauf, wo bei den Jungens 11.3 und bei den Mädchen 13.6 erzielt wurden. (Alter 16 Jahre!) Auch im Hochsprung sah man herrliche Leistungen. Die Höhe von 1.60 wurde trotz schlechter Anlage von sieben« Jungens übersprungen. Frau Schoschanah P e r s i t z von der Stadtverwaltung nahm in Anwesenheit sämtlicher Schuldirektoren und Turnlehrer die Preisverteilung vor. Frauenolympiade in London. Das Interesse für die Reise wächst unter den palästinensischen Mädchen von Tag z-u Tag. Die Reisegesellschaft dürfte nahezu hundert Personen umfassen. Außer den Leichtathletinnen und den Reisegästen werden Turnerinnen und Tänzerinnen die Reise mitmachen, um bei jüdischen Propagandaveranstaitungen in London, Liverpool, Manchester, Paris und Rom für die zweite Makkabiah zu werben. Die Leitung des palästinensischen Makkabikreises hat die bekannten Leichtathletinnen Freiwald, Gottlieb (Polen), Ronny Kolbach (Wien), Sybil Kof (New York) und Henoch (Deutschland) zur Verstärkung des Teams eingeladen. Unsere Auswahlmannschaft wird in London nicht als „Palestine Team“, sondern als „Makkabi“ in blau-weißer Dreß mit Magen David und jüdischer Fahne antreten. Schwimmen. Am 20. Mai findet in Haifa ein internationales Schwimmeefcing bei Beteiligung sämtlicher Makkabivereine sowie der Auswahlmannschaft von Syrien statt. Walter Frankl. LITERATURECKE^ „Der Führer“ Schicksalsstunden Theodor Herzls Ein neues Herzl-Buch von Z. F. Finkeistein In den nächsten Tagen erscheint unter obigem Titel in einem Wiener Verlag ein Herzl-Buch von Z. F. F i n k e 1 s t e i n, da« folgende bemerkenswerte Kapitel enthält: „Das Erwachen in Paris“, „Gespenster der Nacht“, „In der Tretmühle des Alltags“, „Der Weg nach Uganda“, „Der letzte Frühling“, „Mutter und der Tod“, „Das Erbe im Blut“. Dem Erscheinen des reich illustrierten Buches des bekannten Essayisten wird von den zahlreichen Freunden von Finkeisteins farbenprächtiger Erzählungskunst mit großem Interesse entgegengesehen. Jüdischer Klub in Baden Am 12. d. M. sprach Dr. Z. F. Fi nkeist e i n über ,,40 Jahre nach dem Dreyfus-Prozeß“ und verstand es, in fesselndor Weise den Zusammenhang zwischen cler antisemitischen Wolle dieser Zeit mit der Geburtsstunde des politischen Zionismus herzustellen. Dio dichtgedrängten Zuhörer dankten dem beliebten Vortragenden mit starkem Beifall und bewiesen, daß der Klub nun auf dem richtigen Wego ist, immer größere Kreise Badens zionistisch zu erfassen. JÜDISCHER KALENDER i8.—24, Mai 1:934 4.—it. Siwan $6$4 Freitag 18. Sabbath-Eingang 7 Uhr 23 Samstag 19. Vorabend des Sdiewuothfestes Sonntag «. I ,thawuo|h Montag 21. f LOKALCHRONIK Dr, S. Sohin ein Siebziger Ein einfacher Soldat in der zionistischen Bewegung! Mit diesen Worten bezeichnete Dr. Bohin selbst seine Stellung, als er vor einigen Wochen, sehr zum Leidwesen seiner. Anhänger und Verehrer, bat, von jeder, lauten Geburtstagsfeier Abstand nehmen zu wollen. Einfach und treu, unauffällig, jeder Lobpreisung aus dem Wego gehend und vor allem mit grenzenloser, zeitweise auch materieller, Aufopferung dient Dr. Bohin schon seit seinem Eintritt in die Kadimah im Jahre 1882 der zionistischen Bewegung. Vor etwa 38 Jahren ließ sich Dr. Bohin übrigens als erster Zahnarzt des Bezirkes in Hernals nieder. Was immer seit dieser Zeit in den Bezirken 16 und 17 für das Judentum geleistet worden ist, sei es auf karitativem oder auf nationalem Gebiet, sei es in der jüdischen Kultus- oder Turn- und Sportbewegung, überall setzte er sich vollauf für die Sache ein und führte sie in seiner wortkargen, aber tatkräftigen Art zum Erfolg. Dr. Boliin erfreut sich durch sein gütiges, hilfsbereites, bescheidenes und von jüdischem Bekennermut durchseeltes Wesen einer uneingeschränkten Beliebtheit und Verehrung. Die zionistische Sektion 16-17, als deren Leiter er sehr viele Jahre hindurch arbeitete und kämpfte und als deren Ehrenobmann er noch immer unermüdlich tätig ist, hat beschlossen, Dr. Bohin durch Einträgen in das Silberne Buch zu ehren. Am 1. Schewuoth-Tage (Sonntag, den 20. d. M.) findet zu Ehren des Jubilars im Huber-Tempel diese Ehrung statt. Gott gebe uns und seiner Familie, daß er noch viele, viele Jahre in seiner jugendfrischen und unverwüstlichen Rüstigkeit unser Mitarbeiter und unser Vorbild bleiben möge. Dr. K u b i n. Grabsteinsetzung für Lobt Taubes $• A, Mittwoch, den 2. ’Sivan (17. Mai), dem ersten Jahrzeitstage Löbl Taubes s. A., wurde durch die Familie über seinem Grab der Grabstein gesetzt. Bei diesem Akte beteiligten sich die Kinder Dr. David Taubes und Frau K r äm e r, namens des Keren Kajemeth Herr Leo Schräge, namens des Misrachi Rabbiner Salomon Friedmann, Rabbiner Dr. Salomon R a p p a p 0 r t; ferner Rabbiner Dr. Zwi Taubes und eine Reihe seiner engeren Freunde. Oberkantor M a r g 01 i e s trug die rituellen Gesänge vor. Bund jüdischer Frontsoldaten Österreichs. Generalappell, Fahnenübergabe, große Kundgebung am 24. Mai 1934, um 8 Uhr abends, im Gebäude des Zirkus Renz, Wien, II., Zikusgasse 44, im Beisein offizieller Persönlichkeiten. Diese Veranstaltung gilt auch als Auftakt für eine Aktion, durch welche dio Heldengräber am Zentralfriedhof, 1. Tor, mit Grabsteinen geschmückt werden sollen. Diese Aktion steht unter dem Protektorat des Präsidiums der Israelitischen Kultusgemeinde. Platzanweisimgen in der Bundesführung, Wien, I., Spiegelgasse 2/29, täglich von 10 bis 1 Uhr und von 3 bis 8 Uhr. Eintritt nur mit Platzanweisung und auf Namen lautende Einladung. Sondervorstellung Dio bekannten Schauspielerinnen Klara M 0 i s e 1 s und Ra hei W e i ß b e r g, den Besuchern des „Jüdischen Theaters“ von ihrer Mitwirkung an der „Freien jüdischen Volksbühne“ und am B a r a t 0 f f- Gastspiel in gutor Erinnerung, veranstalten am Dienst a g, den 29. Mai 1. J., im Theater A s t 0 r, II., Praterstraße 60, eine Sondervorstellung, Zur Aufführung gelangt unter anderem „J 0 f t a b s T 0 c ht e r“, nach einer Erzählung von Frau Cilla W a 1 (1 m a n 11, für die Bühne bearbeitet von A. M e i s e 1 s.