Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 352 (11.5.1934)
- Date
- 1934-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Heute 8 Seiten stark i&V/j.ti'vL JÜDISCHE ZEITUNG Die „SiitMne" fcütQi heute: \ Aus dee aca&iscUeH Wett f Imposante Masseuhund^ebuHfrdec Wienes lüdensdurft Aus dee (üdiscUen Ac&eitsnacUweisstelle Dec11tüttedafydeeU/vzeu.v.a. Nr. 352 Redaktion und Administration i Wien, I. Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. (26. Jjjar 5694) | 7. Jahrgang Mit Gaspistolen und Höllenmaschinen Emir Abdullah will in London mit Dr. Weizmann verhandeln Jerusalem, 7. Mai. Den Jerusalemer Zeitungen wird aus 'Amman berichtet, Emir Abdullah von Trans Jordanien habe in einem Privatgespräch erklärt, er hoffe in London mit Dr. Weizmann zusammenzutreffen, um mit ihm Probleme zu besprechen, die für Araber und Juden von Interesse sind, darunter auch solche, die sich auf die Entwicklung Palästinas und Transjordaniens beziehen. Der Emir habe, so wird weiter berichtet, der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die britische Regierung keine Einwände gegen dieses Zusammentreffen machen werde. Ungeachtet aller Dementis, behauptet die arabische Presse Palästinas, daß die Reise des EJmirs Abdullah mit dem Plan einer Vereinigung Palästinas und Transjordaniens unter seiner Herrschaft in Zusammenhang steht. Einige Zeitungen lehnen eine solche Möglichkeit aufs entschiedenste ab. „Dschaimea al Arabia“, das Organ des Großmufti, warnt die Araber Palästinas davor, einem solchen Plan näherzutreten und behauptet, eine Vereinigung beider Länder unter dem transjordanischen Emir würde ungünstige Folgen für die Araber Palästinas haben. * Abdullahs Unterredung mit Shertoh Ein von der Kanzlei des Emirs Abdullah ausgegebenes Presse-Communique wendet sich gegen die von der arabischen Presse an Emir Abdullah ini Zusammenhang mit dem Besuch des Mitgliedes der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Mosche Shertok in Amman geübte Kritik. In dem Communique wird der arabischen Presse Palästinas das Recht abgesprochen, an angeblichen Verhandlungen des Emirs, betreffend Verpachtung von transjordanischem Grund und Boden an Juden Kritik zu üben, da ja von den Arabern Palästinas sehr gern Boden an Juden verkauft werde. Zum Schluß bemerkt das Communique: Mit den Bodenverkäufen, die jetzt in Palästina getätigt werden, hat Seine Hoheit nichts zu tun. Nur ein Drittel der angeSordertenZertifikate bewilligt Jerusalem, 7. Mai. Das Amtsblatt gibt bekannt, daß die Zahl der von der Palästinaregierung der Jewish Agency für das nächste Halbjahr bewilligten Arbeitereinwanderungszertifikate 5600 beträgt. Dies entspricht e i n e in Drittol der Zahl von Zertifikat e n, die von der Jewish Agoncy für diese Periodo angefordort wurde. Dio mit der Leitung des politischen Departements betrauten Mitglieder der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Bon G u r i o n und Mosche Shertok, haben sich zum Iligh Commissioner Sir Arthur W a u c h o p o begeben, um ihn über die Gründe zu befragen, dio zu dieser Kürzung geführt haben. Es liegen also neue Manifestationen nationalsozialistischer Welterlösungspraxis vor. Der 17jährige Hans Günter Patzig ist aus Dresden nach Österreich gegangen, in der Absicht, für das österreichische Volk zu kämpfen. Dies wollte er durch ein Attentat auf den Bundeskanzler kundtun, und er hat, als er angehalten wurde, einen Zollbeamten mit einer Gaspistole fast geblendet. Am folgernden Tag wurde in einem Wiener Caf6 eine Höllenmaschine zur Explosion gebracht. Der Täter flüchtete, konnte jedoch eingeholt und verhaftet werden. Es ist der Nationalsozialist Anton Geckei. Diese beiden Vorfälle reihen sich würdig in die bewährte Tradition nationalsozialistischer Kultur ein, und es kann niemandem einfallen, sie als Einzelerscheinung zu betrachten. Sie sind Äußerungen dieses Systems, dessen Geistigkeit sich auf Waffenkunde beschränkt und das in seiner geradezu entsetzlichen politischen und wirtschaftlichen Sterilität sich nur erhalten kann, wenn es auf ununterbrochene Nervenreizungen ausgeht. Die Finanzkraft der lebenden Generation ist erschöpft, die nächsten Generationen sind mit nicht weniger als 6 Milliarden Mark vorbelastet, wobei die internationalen Verpflichtungen, von denen sich diese Politik drücken will, nicht mitgerechnet sind. Den zwei Milliarden inneren Schulden, die Ende 1932 vorhanden waren, haben diese größten Staatsmänner der Welt, diese sparsamsten und wirtschaftlichsten Verwalter noch vier Milliarden hinzugefügt. Daß jeder von ihnen seinen Mammutgehalt, sein Prachtauto, sein Nationalgeschenk, seine Verwaltungsratsstellen in der Tasche hat, davon kann das Volk nicht leben. Und so muß es mit immer gewagteren Mitteln aus seinem Nacihsinnen aufgestört und beschäftigt werden. Und da stellen sich die Rundfunkreden und Zeitungshetzon gegen Österreich von selbst ein. Und sie haben Wirkung daheim und Wirkung in die Ferne. Hans Günter Patzik steckt die Gaspistole ein, Geckei trägt eine Bombe in ein Kaffeehaus und läuft dann davon. Es gibt ja noch andere junge Leute, an denen man studieren kann, wh das Dritte Reich die deutsche Seele erneut und erhebt. So ist der 14jährige Hitler-Junge Heinz Christen zu erwähnen, der den 13jährigen Hitler-Jungen Fritz Valkenhorst in Essen mit dein Kopf in den Sand gedrückt hat, bis er tot war; Grund: Christen wollte ihm die schöne Uniform abnehmen. Sind das nicht Prachtexemplare von Früchten, an denen man die erkennen kann, die henimerzählen, daß sie den Lauf der Entwicklung für die nächsten 30.000 Jahre festgelegt haben? Täglich geifern sie in ihren Zeitun- VII., KAISERSTRASSE 123 Ar IX., ALSERSTRASSE 6 gen, in dem Radio, das der Jude Hertz wissenschaftlich vorbereitet hat, wider den jüdischen Geist; Hitler sprach am 1. Mai davon, daß die alten deutschen Bauernsymbole Sichel und Hammer von jüdischen Literaten gestoülen wurden; Goering nannte den 1. Mai eine galizisohe Erfindung; Streicher stellt einige 130 jüdische Ritualmordfälle zusammen. Täglich fristet das System von der Judenhetze sein jämmerliches Dasein, und es bezieht in diese jüdische Front die Wissenschaft, den Geist, die Vernunft ein; selbstverständlich auch die Ruhe in den Nachbarstaaten. In Frankreich wühlen nationalsozialistische Maulmacher gegen die demokratische Republik, in Amerika, in der Schweiz, in der Tschechoslowakei, in Griechenland, in Rumänien, in Marokko, im Orient; überall findest du die Sendboten des neuen Heils. Ihr Volk verdorrt und versklavt, läßt sich von Ignoranten sein Lernen, seine Literatur, sein Theater verludern — und könnte sie mit einem einzigen Ruck abschütteln; dieses Volk, das den Juden das Dulden als Feigheit ankreidet, läßt es sich bieten, daß die braunen Großverdiener täglich in ihren Reden erzählen, die SS. und SA. seien zum Niederschlagen da und die Konzentrationslager seien notwendige Erziehungsmittel. Was ist doch aus dem deutschen Volk in diesen zwei Jahren geworden! Und wie es in der Zukunft aissehen wird, das erkennt man an den Patzigs und Christen und ihren österreichischen Kameraden. Es ist selbstverständlich, daß diese Verwilderung von den Nachbarn mit Angst und zorniger Aufmerksamkeit verfolgt wird. Schon hat Gömbös im ungarischen Abgeordnetenhaus erklärt, die Regierung werde Jerusalem, 8. Mai. Seit Erscheinen des Paßfield-Weiß- Buch es im Jahre 1930 befand sich die palästinensische Judenheit nicht in einem solchen Zustand der Empörung gegenüber der englischen Regierung wie jetzt, da die englische Administration unbeschadet des akuten Mangels an Arbeiterhänden in Palästina nicht mehr als 5600 Chaluz-Einwanderungszertifikate für die kommende Sechs-Monate-Periode bewilligt hat. Verschärft wird die Stimmung der Empörung, namentlich in den jüdischen Arbeiter kreisen, dadurch, daß die Palästina-Regierung soeben eine Verordnung erlassen hat, wonach es Juden ausdiücklich verboten ist, Streikposten bei Unternehmungen zu stehen, in denen arabische Arbeiter beschäftigt werden. Durch diese Verordnung wird der gemeinsame Kampf aller jüdischen Parteien unter Führung des Waad Leumi für jüdische Arbeit in jüdischen Betrieben zu einem illegalen gemacht. Die hebräische Arbeilertageszeitung „D ahandeln müssen, wenn solche Bestrebungeü in Ungarn nach der Macht greifen sollten; und die Großmächte stehen jetzt bereits in einem Gedankenaustausch über die Volksabstimmung im Saarland. Schon heute, fast ein Jahr vor dieser Prozedur, gebärden sich die Nationalsozialisten dort als die Herren, drangsalieren sie Juden, Katholiken und „Marxisten“. Es wird im Völkerbund zur Aussprache kommen — bei der Deutschland dank seiner politischen Geschicklichkeit fehlen wird — und es wird drr Weg gewählt werden, daß die Abstimmung entweder vertagt oder das Land von internationalen: Kontingenten besetzt wird, um die Freiheit des Votums zu sichern. Das ist im Saarland* Wie es in Danzig zugeht, konnte man dieser Tage aus einem von der Wiener „Reichspost“ publizierten Brief über die Leiden der katholischen Jugend erfahren. Und was iri Österreich möglich wäre, zeigen Patzig und die Bombenwerfer, zeigen die Zeitungen, die mit Lügen, mit Photomontagen, mit falschen) Zitaten Judenhetze betreiben, zeigen die geheimen Weisungen intellektueller Organisationen an ihre Mitglieder, zeigen tausend Symptome. Und das alles wird aus Deutschland genährt und bezahlt, aus diesem Deutschland, das vor den Augen der ganzen! Welt ausgeplündert wird und in den Abgrund taumelt. Es hat kein Brot, keine Ruhe, keine Ordnung. Und um diesen Idealzustand auch der übrigen Menschheit zu bringen, kommen die Burschen mit Gaspistole und Höllenmaschinen. Und diesen’ Elementen soll ein so edles Volk, wie das jüdische, ausgeliefert sein, soll die alte, schöne Kultur Österreichs, soll der Frieden: der ganzen Welt preisgogeben werden! v a r“ verbreitete in den Straßen von Tel? Aviv, Jerusalem und Haifa in vielen Tausenden von Exemplaren eine Flugschrift mit dem Titel: „Die Regierung knebelt die jüdische Einwanderung!4< Die Exekutive des palästinensischen Arbeiterverbandes Histadruth Haowdim hielt eine außerordentliche Sitzung ab und erließ darauf eine Proklamation, in der dent beiden letzten Akten der Regierung, der Verkündung der verkleinerten Chaluzquote und dem Verbot der Streikposten vor jüdischen Betrieben, die Araber beschäftigen, entschlossener Kampf angesagt wird. Diese neuen Maßnahmen der Regierung werden in der Proklamation als eine zweite Ausgabe des Weiß-Buches vom Oktober 1930 bezeichnet, welches unter der Judenheit in der ganzen Die guten billigen Neudesser Fii!ir$cfiuien Wien, VIII., Neudeggergasse 18, Tel. B 4G-5-72 und Inzersdorf (Nied.-Österr.) I I! Elektrische Lehrchassis S! I Empörung im Jisdiuw über die Einwanderungsquote i