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Die Stimme · 1934-05-08 · Heft 351 (8.5.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 351 (8.5.1934)
Date
1934-05-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 351 — 8. Mai 1934 schwinden, sonst, würden sie dem Tode verfallen. In einigen dieser Briefe wird den Empfängern eine Frist von 48 Stund'’,i zum Verlassen des Landes gestellt. Der jüdische Kaufmann Carasso, der einen solchen Brief erhielt, brachte eine Klage gegen Unbekannte ein, um die Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens herbeizufiihren. Nicht weniger intensiv -wird die antisemitische Propaganda der EEE in den P r o v i n z o r 11 n geführt. In dannina, wo J bisher die, Beziehungen zwischen Juden und Christen sehr gute, waren, wurden zwei jüdische Hausierer überfallen und erheblich verletzt. Di° fortgesetzte antisemitische Propaganda hat unter der Bevölkerung eine so aggressive Stimmung gegen die Juden erzeugt, daß zahlreiche Juden, namentlich Kleinhändler und Hausierer, nicht mehr wagen, ihr Gewerbe auszuüben und sich um Zertifikate zur Reise nach Palästina werben. * Niederlage des Cuza« Kandidaten ln Radautz Czernowitz, 2. Mai. Bei der Nachwahl zum Parlament im Bezirk R a d a u t z in der Bukowina wurde der Kandidat der Regierungspartei 0 t u 1 e s c u mit 8942 Stimmen gewählt; der cuzistische Kandidat blieb trotz wüstester Agitation mit 8025 Stimmen in der Minderheit. Gegenüber Dezember 1933 haben dieCuzisten einen Zuwachs von etwa 3000 Stimmen zu verzeichnen, dies darum, weil die Deutschen, die in diesem Wahlbezirk in geschlossenen Siedlungen leben, und die verhetzten ukrainischen Huzulen für den antisemitischen Kandidaten gestimmt haben. Am Tage der Wahl durchstreiften cuzistische Gruppen in Autos den Bezirk und mißhandelten jüdische Passanten. Der Bäcker Berger wurde mit blutenden Wunden ins Spital gebracht. In Unter-Wikow werden die Juden Ehrlich und Karpel Rotm a n schwer mißhandelt. Cuzisten brachten die Lokalbahn zum Stehen und mißhandelten die jüdischen Passagiere. In Radautz selbst wurde mehrere jüdische Einwohner schwer mißhandelt, so der Musiker Richard Fischer, der tiefe Kopfwunden erhielt, Abraham L i n h a r d t, M. Wacher, Moses Liebersohn, Jechiel Eisenstein, N. Einstein und viele andere. Zwei Cuza-Studenten wurden verhaftet und bald wieder in Freiheit gesetzt. Tatarescu über die Minderheiten Cluj (Klausenburg), 4. Mai. Anläßlich des in Cluj stattgefundenen Ministerrates hielt Ministerpräsident Tatares c u eine für die Öffentlichkeit bestimmte Ansprache, in der er eine Warnung an die Unruhestifter erließ und mit Bezug auf die Minderheiten sagte: „Die mit uns zusammenwohnenden Minderheiten werden auch weiterhin vollste Freiheit genießen und sich aller Rechte erfreuen, mittels welcher ihnen die Pflege ihrer Sprache, ihres Glaubens und ihrer Tradition zugesichert wird. Sie sind aber verpflichtet, sich den permanenten Interessen des rumänischen Volkes anzupassen.“ Benesch an die Juden Karpathorußlands Prag, 4. Mai. Der Außenminister der tschechoslowakischen Republik Dr. Benesch traf am 3. Mai in U z h o r c d, dem Hauptort von Karpathorußland, ein. Minister Benesch erklärte in einer Ansprache, die Regierung der tschechoslowakischen Republik werde die Aut or. o m i e Karpathorußlands so durchführen, wie sie sich hiezu verpflichtet hat und wie sie der Konstitution der Republik einverleibt ist. Eine seinerzeitige augenblickliche Autonomie, sagte der Minister, hätte mit Rücksicht auf die magyarische und jüdische Minderheit, welche aus der Zeit des alten Regimes wirtschaftlich und politisch besser ausgestattet war als die ruthenische Bevölkerungsmehrheit, bedeutet, den Weg für eine nichtdemokratischb Regierungsweise freizumachen. Die Minderheit hätte die Mehrheit beherrscht. Die Regierung ist der Ansicht, daß der psychologische Moment zu einer allmählichen Verwirklichung der Autonomie näherrückt, dies im Hinblick auf die wachsende wirtschaftliche und politische Reife der Mehrheitsbevölkerung. Die ungarische und die jüdische Minderheit werden natürlich uneingeschränkt ihre Minderheitenrechte genießen. Das jüdische Element in Karpathorußland wird seine Minderheitenrechte wie in der ganzen Republik so auch in Karpathorußland gesichert haben und wird daher zur karpathorussischen Autonomie loyal sein. Den Minderheiten wird sprachliche und kulturelle Gleichberechtigung gesichert sein. Die Regierung werde nun auch darauf sehen, daß das ruthenische Element in Handel und LOKAICHROWK Dr« Richard Taussig, ein Sechziger Heute, Dienstag, feiert Dr. Richard Taussig seinen 60. Geburtstag. Dieser bescheidene, ruhige Mann ißt trotz seine« leider geschwächten Gesundheitszustandes einer der unermüdlichsten Arbeiter in unserer Organisation. In seiner angestammten Sektion (VI./VH.) bekleidet er die Stelle eines Vizepräsidenten und leitet dort Kurse über jüdische Geschichte, auf deren Gebiete er ein besonderer Kenner ist. Die Sektion VL/VJI. wird ihn an seinem heutigen Geburtstage ehren. Auch das Zionistische Landeskomitee schließt sich den zahlreichen Gratulationen an und wünscht Herrn Dr. Taussig, daß es ihm noch viele Jahre vergönnt sein möge, in unserer Organisation mitzuarbeiten. Zionistischer Vortragshalender Dienstag, 8. Mai: 1. Bez.: Zionistischer Landesverband für Österreich, I., Rathausplatz 8 (neben Caf6 Reichsrat), 8 Uhr abends: Herzl-Feier. Gedenkrede: Dr. Oskar Grünbaum. Anschließend: Führung Dr. Tule Nussenblatt. 2. Bez.: Sektion II und Club „Erez Israel“, II., Praterstraße 13, 8 Uhr abends: Seminar über zionistische Geschichte unter Leitung Dr. T. Nussenblatt. 2. Bez.: Hotel „Continental“, II., Taborstraße Nr. 8, K9 Uhr abends. Massenversammlung über „Die Lage der Juden“, in welcher prominente Redner der Wiener Judenschaft sprechen werden. Einberufer die Obmänner von 50 Bethausvereinen. 6. Bez.: Sektion und Frauengruppe 6/7, Loquaiplatz 11, K9 Uhr abends. Ehrenabend anläßlich des 60. Geburtstages von Dr. Richard Taussig. 20. Bez.: Wizo 20 Jägerstraße 30, 8 Uhr abends: Frau Prof. Dr. Martha Hoffmann: „Warum sollen wir Frauen uns in der Wizo betätigen?“ 1. Bez.: Sektion III, Wiener Ring-Cafe, I„ Stubenring 18, 8 Uhr abends: Dr. A. Groß: „Aktuelle zionistische Probleme.“ 6. Bez.: Sektion VlfVlI und Wizo, VT., Loquaiplatz 11, 8 Uhr abends: Kurs für jüdische Geschichte unter Leitung Dr. R. Taussig. Mittwoch, 9. Mai: 6. Bez.: Klub Junger Zionisten, VI., Loquaiplatz 11, Geselligkeitsabend mit Vortrag: Elli Strauß: „England, Juden und Araber.“ 15. Bez.: Sektion XII/XIV/XV, XV., HerkJotzgasse 21, 8 Uhr abends: Direktor Wilh. Epstein: „Allegemeine Zionistische Probleme in der Galuth.“ 17. Bez.: Sektion XVI/XVII und Wizo, XVII., Frauengasse 27, Frau Dr. Gteela Blauet: „Gegenwartsprobleme im Zionismus“; Frau Bianca Federn; „Kulturelle Frauenarbeit in Palästina“; Dr. Paul Berger: „Moderne Jugendbewegung“; Dr. Ludwig Rubin: „Kfai Ussischkin“. Mittwoch, den 9. Mai, K9 Uhr abends, Verband radikaler Zionisten, Saal des Cafd Produktenbörse, IL, Taborsträßo 10, Vortrag Dr. Z. F. F i n k e 1 s r e i n: „40 Jahre nach D r e y f u s“. Gäste willkommen. Donnerstag, 10. Mai: 12. Bez.: Wizo Me,i Hing: Großes Kinderfest in Schönbrunn, im Prachtgarten des Caf6 Schlössel (Einging: Meidlinger Tor), XII., Schön/brunnersfraße 309. 3 Uhr nachmittags. Tanz im Freien. Kinder-Jazzkapelle Anschließend diverse Belustigungen. Bei ungünstiger Witterung findet dieses Fest am Sonntag, den 13. Mai, um 3 Uhr nachmittags, statt. 6. Bez.: Sektion und Frauengnippe Mariahilf- Noubau, VI., Loquaiplat.z tt, Ci 9 Uhr abends: Vortrag. Zionistische Bezirkssektion XII, XIV, XV, XV., Herklotzgasse 21. Mittwoch, den 25. April 1934, hielt Professor Dr. Alfred Spitzer einen ausgezeichneten Vortrag über „Jüdische Erziehung“. Er wies in seinen Worten auf die Wichtigkeit, der Erlernung der hebräischen Sprache, religiöse Erziehung und körperliche Ertüchtigung der Jugend hin, wobei die heutige Jugend mehr Gelegenheit hatals früher, durch das Bestehen von hebräischen Kursen, Turn- und Sportvereinen. Zum Schlüsse kam der Vortragende noch auf die Umschulung der Jugend für Palästina zu sprechen, wohei er an Hand von Beispielen auf die Überfüllung der geistigen Berufe, die Erlernung manueller Berufszweige und Errichtung von Ackerbauschulen in der Nähe jüdischer Zentren hinwies. Starker Beifall ■ beendete den Abend. Neuer hebräischer Kurs in der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt. Donnerstag, den 12. Mai 1. J.. um 8 Uhr abends, wird in der Zionistischen Bezirkssektion Leopoldstadt ein neuer hebräischer Anfängerkurs (Leitung Herzberg) eröffnet. Der Kurs wird jeden Montag und Donnerstag von 8 bis 9 Uhr abends gehalten. Anmeldungen täglich von 5 bis 10 Uhr abends im Sekretariat der Sektion, II., Praterstraße 13. SPRECHSAAL Für den Inhalt der in dieser Rubrik veröffentlichten Mitteilungen tragen die Einsender allein die Verantwortung. Margarete Bachs Aufenthalt ln Amerika Von der Vortragskünstlerii? Fräulein Margarethe Bach erhalten wir die folgenden Zeilen mit der Bitte um Veröffentlichung: In einem Montagblatte ist anläßlich meines Vortragsabends am 14. d. M. ein sehr liebenswürdiger Aufsatz über mich erschienen, von dem ich nur richtigstellen möchte, daß ich in der Radio-Übertragung aus Washington meinen Eltern keine Festgrüße zu Weihnachten übersendet. sondern sie mit Erlaubnis der National Broadcasting Company nur begrüßt habe. Margarethe Bach. Offener Brief an die „Aguda Isroel Ortsgruppe Wien“ Von Herrn Markus Hornstein, Zentralratsmitglied der Agudas Isroel, erhalten wir, mit der Bitte um Veröffentlichung, folgende. Zuschrift: ,3 ehr geehrte Herren! Vor etwa 2% Jahren hat der Vorstand der Aguda Isroel, Ortsgruppe Wien, in meiner Anwesenheit den Antrag eingebraeht, daß sämtliche lokale, religiöse Angelegenheiten von der Tätigkeit der A.guda Isroel auszuschalten seien. Trotz meiner Einsprache dagegen wurde diesem Antrag stattgegeben. Als Protest gegen diesen Beschluß habe ich damals mein Mandat als Vizepräsident der Aguda Isroel Wien niedergolegt. Ich frage nun, was veranlaßt die Aguda Isroel, sich jetzt mit religiösen Angelegenheiten — betreffend die Wiener Israelitische Kultusgemeinde — zu beschäftigen? Die Veröffentlichung dieses offenen Briefes wurde durch die Herren der „Jüdischen Presse“ abgelohnt. Mit Aguda Gruß Markus Hornstein, Zentralratsmitgiied der Weltorganisation der Agudas Isroel.“ JÜDISCHER SPORT Der Konflikt der jüdischen Sport* bünde geschlichtet Den zwischen dem Sport,Bund des R. j. F. und dem Deutschen Makkabi-Ivrcis ausgebrochenen Konflikt, über den wir in der Vorwoche berichteten, hat die R e i c h s- Vertretung deutscher Juden durch einen Schiedsspruch beigelcgt. Die genannten beiden Organisationen haben sich auf Richtlinien geeinigt, in denen sie sich verpflichten, hei allen Verhandlungen mit Behörden es zu unterlassen, den Vertragspartner zur Unterstellung unter den eigenen Verband zu bringen, wie auch den anderen Verband nicht herabzusetzen. Die Führer beider Verbände verpflichten sich, auf die ihnen nahestehenden Organisationen dahin einzuwirken, daß auch diese sich hei der i n n e r j ti d i s c h e n A u s e i n a n d e r- Setzung und iin Auftreten nach außen solcher Formen bedienen, rlin der g ee a m t j ii rl i s e h e n V e r a n t v n r t u n g in dieser Zeit, entsprechen. Makkahi, Kreis Österreich, Freitag, den 11. Mai, findet, um J-J8 Uhr abends im Kluhlieini der .JIa.koa.lv’, Wien, I., Wiesingerstraße 1t. oiuo Delegiertenhespreclumg statt. Alle Vereine werden höflichst ersucht, ihre Delegierten zu entsenden. Der Schwimniklub „Hakoah“ eröffn et a Sonntag, den 6. Mai, seine Freibadtsaison im Hiefzinger Strandbad. Ab Donnerstag, den 10. Mai. ist auch das Stadion als Klubbad geöffnet, wo das gesamte Rennschwimmertraining stattfindet. Der beste Zane Grey-Roman verfilmt! Wie bei allen Zane-Grey-Komanen besorgte auch diesmal die Fox-Film die meisterhafte Verfilmung mit George O’Brien in der Hauptrolle. Der neue Sensatiomsfilm der Fox „Das Geheimnis der Goldmine“ läuft ab Freitag im Kreuz-Kino und Kino Maria,hilf. „Sehnsucht nach der Einen“ — Freitag! Eine Tonfilm-Operette mit dem berühmten Operntenor Kammersänger Marcel] Wi.tt r i s c h und dem neuen Filmstar Maria Beling erscheint kommenden Freitag im Elite-, Schottenring-. Lustspieltheater-. Saschapalast- und. Flotten-Kino unter dem Titel „Sehnsucht nach der Einen“. „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis“, Wien, II., Taborstraße 59, Telephon A 42-3-16, bittet die p. t. Arbeitgeber, angesichts der Notlage der jüdischen Arbeitslosen, um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergehenden Bedarfes an qualifizierten kaufmännischen Angestellten. Arbeitern. Handwerkern, Sekretären, Nachhilfelehrern und Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst berücksichtigt. Von einem erstklassigen, streng rituell geführten Hotel in der Schweiz wird eine sehr tüchtige Köchin (Jüdin) mit großer Praxis in guten Betrieben und guten Referenzen gesucht. Für ein rituell geführtes Kindererholungsheim wird über den Sommer eino tüchtige, jüngere, jüdische Köchin, die bereits in ähnlichen Stellen gearbeitet hat, per 15. Mai aufgenommen. Auskünfte täglich, außer Samstag, in der Fürsorgezentrale, I., Seitenstettengasse 2, Tür 17, Registratur. Eine Pfingstreise nach Polen ohne Visum Am 17. Mai 1934 findet unter bewährter Führung eine billige Pfingstreise statt. Krakau, Lemberg, Stanisiau usw. Reservierte Plätze, bequeme Wagen, mäßige Preise. Die günstigste Gelegenheit. Pfingsten in Polen zu verbringen. Nähere Auskünfte: Bureau- Dr. S. Tocker. 1„ Kärntnerring 12, Tel. U 40-301. Austrobus, I., Ring des 12. November 12, Tel. U 24-0-10. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—. Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50. Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20. Rumänien vierteljährlich Lei 120.—. übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113 546. Polen Nr. 191.199. Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer. Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, 1.. Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glücklich. Wien. Kärntnerstraße 28. - Druck: Vernay A.G., Wien, IX., Canisiusgasse 8—10. bej Gewerbe mit, gleichen Chancen mit. den ungarischen und jüdischen Faktoren konkurrieren kann.

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