Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 351 (8.5.1934)
- Date
- 1934-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Frei« dieser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG die „Stuntne" 6wt^i UciUc: Palästina stellt aus öttyUtcittecicUt ü&ec die £e'Aantetn6s$& Uv Jtl-Aw 3$Ä Wien, 8. Mai 1934 Redaktion und Administration: Wien, l KirntnerstraQe 38. Tel. R 27-4-«9. Redaktionsschluß Montag und Mlttwooh vorm. | (»3. Jjfar 5694) 7. Jahrgang BSMWM5MBIWIBJWWIilwaiW rieg am Roten Meer Dio letzten Meldungen vom arabischen Kriegsschauplatz berichten über Einleitung von Friedensverhandlungen. Der aufs Haupt geschlagene Imam von Yemen hat die mohammedanische Welt zu einer Intervention aufgerufen, der siedreiohe König Ihn Saud hat als Friedensbedingung die Abdankung des Imams gefordert. Daneben laufen Nachrichten ein, die den eigentlichen Hintergrund dieses Krieges aufhellen: Britische Kreuzer sind vor der wichtigen Hafenstadt Hodeida eingetroffen und haben dort Marinetruppen gelandet: drei italienische Einheiten sind unterwegs. Beides, wie angegeben wird, zum Schutze der Europäer; in Wirklichkeit geht es ihnen darum, bei der letzten Entscheidung zwischen Ibn Saud und seinem Gegner zugegen zu sein. Es wird vielfach behauptet, daß die Krönung dieses letzten Waffenganges die Errichtung eines großarabischen Reiches sein würde. Aber das wäre eine Angelegenheit, die nicht so durch einen Krieg zur Tatsache werden kann. Und wenn daran noch Zweifel beständen, dann wären sie durch das Wettrennen der englischen und italienischen Kriegsschiffe beseitigt. Die beiden Großmächte hätten wenig Freude an einem großarabischen Reich als schwerwiegendste Errungenschaft des arabischen Nationalismus, der von Europa, insbesondere von den englischen Emissären Philby und Lawrence förmlich erfunden worden ist. Die Durchfahrt durch das Rote Meer ist der heikelste Verbindungsweg nach Indien. Es ist ein englisches Gesetz, daß dieser Weg fest in englischen Händen bleibt und weder durch eine europäische Macht noch durch ein geeinigtes arabisches Reich in Frage gestellt wird. Es war deshalb Englands Taktik, zunächst dem Imam Jachja vom Yemen in der Peison des Wahabitensultans Ibn Saud einen Rivalen zu schaffen und dann beide gegeneinander auszuspielen, aber ein Überwiegen des einen oder des anderen, die den politischen Ehrgeiz beflügeln würde, nicht zuzulassen. In diesem Bestreben ist aber England durch Italien gestört worden. Mussolini hat im Jänner den Besuch des österreichischen und ungarischen Ministerpräsidenten dazu benützt, in einer großen Rede zum Jubiläum des faschistischen Systems eine Erweiterung seiner Orient.pläne anzumelden. Daß auch ein asiatischer Souverän, der König von Siam, zugegen war, gab der Veranstaltung ein besonderes Gepräge. Die internationale Sensation, die damals entstand, ist noch in Erinnerung. Man vermutete, daß dio Rede nach Paris adressiert war. Mussolini beeilte sich, die Erregung abzudämpfen und versicherte, daß seine Worte nur an Italiens innere Politik gerichtet gewesen wären. Wie sich jetzt herausstellt, war aber doch Feuer, wo der Rauch aufstieg. Unter den Kriegsgefangenen konnte Ibn Saud auch italienische Stabsoffiziere begrüßen. Das Hochland Yemen, ein zum Teil sehr fruchtbares Land, zieht sich nördlich von dem englischen Protektoratsgebiet von Aden längs der Küste des Roten Meeres. Der Imam Jachja, schon zur türkischen Zeit ein widerborstiger Herr,, hatte sein Äuge auf das herrenlose Assir geworfen, das sein Land von dem Bereich Ibn Sauds trennte, seit dieser vor nunmehr zehn Jahren, von seinem Stammsitz Nedschd aus den Hedschas eroberte und die heiligen Städte Mekka und. Medina an sich brachte. Ibn Saud, dem jpan bisher nur den Ehrgeiz nachsagt j, als religiöser Reformator zu gelten, der die reine alte Lehre Mohammeds wiederherstellen wollte, scheint durch den Besitz der Pilgerzentren auch in große politische Pläne hineingewachsen zu sein. Er hat eine große Anzahl von Stammesfürsten an sich gezogen und schließlich die Grenzstreitigkeiten um Assir als Anlaß zu dem Krieg genommen, der ihn jetzt als Sieger bis Hodeida führt. Ibn Saud hat seine Macht mit Wissen und unter dem Schutz Englands ausgedehnt, das diesen unruhigen Kopf auf der arabischen Halbinsel zu beschäftigen suchte. Dagegen hat sich der Imam Jachja unter italienischen Schutz gestellt und so den schon in der Vorkriegszeit lebendigen italienischen Aspirationen auf einen Platz im Nahen Osten einen Rückhalt geboten. Die Frage ist nun, ob die englische Staatskunst die Tendenzen Ibn Sauds in Schrankon halten kann, wofür sie zwei bewährte Mittel in Bereitschaft hält: die Kanonen oder die St. Georgs- Kavallerie ... Der Vormarsch Ibn Sauds hat auch unter den arabischen Führern ziemliche Erregung verursacht. Der König des Irak, der Mufti von Jerusalem, die „Arabische Union“, vorsuchten vermittelnd einzugreifen. Die Erfolglosigkeit ihrer Bemühungen wirft ein sehr helles Licht auf den so viel und so oft besungenen Siegeszug der panarabischen Idee. Sie ist ein Liebkind der europäischen Feuilletonromantiker und der antijüdischen und jüdisch-assimilatorischen Kreise. So oft sie sich über die jüdische Aufbauarbeit in Palästina ärgern, weisen sie auf die panarabische Bewegung hin. Von einer Bewegung ist keine Rede. Es besteht lediglich England und der Zionasnins London, 3. Mai. Unter dem Vorsitze des Unterhausmitgliedes Barnett Jänner fand in der Shoreditch Town Hall zu London eine von über tausend Personen besuchte Nationalfonds- Versammlung statt, in der dem Vorsitzenden des Pro-Palästina-Komitees im englischen Parlament Colonel John Buch a n und dem Vizevorsitzenden dieses Komitees Colonel Josiah Wedgewood die Diplome über ihre Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds überreicht wurden. Colonel Buchan erklärte, er sei stets für das zionistische Ideal begeistert gewesen. Schon vor zwanzig Jahren habe er die Möglichkeit der Verwirklichung des Zionismus mit seinem Freunde Lord -Balfour besprochen. Der Zionismus, fuhr John Buchan fort, ist eine große Tat der Gerechtigkeit und der Wiedergutmachung für die Grausamkeit und das Unrecht von Jahrhunderten. England legt er eine heilige Ehrenpflicht auf. Wir haben feierlich versprochen, daß der Rückkehr der Juden in ihr Land außer wirtschaftlichen Notwendigkeiten kein Hindernis im Wege stehen soll. Palästina ist nicht ein Altertumsmuseum, sondern im vollen Sinne des Wortes ein Heim für die gegenwärtigen Bewohner des Landes und für ihre alte Rasse. Aber wir haben noch mehr auf uns genommen. Der Zionismus bedeutet für England eine neue Politik im Osten, eine Politik, die eine Brücke zwischen Ost und West schlagen kann. Der neue Hafen von Haifa wird das bedeutendste Handelszentrum des östlichen Mittelmeeres werden; er bildet das Tor zu der einzigen Straße zwischen dem Nil und dem Norden. In den nach Palästina gekommenen Juden hat England machtvolle Mitarbeiter gefunden. Sicher ist, daß die Araber Palästinas sich niemals selbst erhalten könnten. Die Juden bringen das mit, was am stärksten nottut, nämlich Kultur und Tatkraft. Denn für die Judenheit bedeutet die Einwanderung nach Palästina das Wiedergewinnen der Heimat. Ihr Mäner vom Keren Kajemeth und von der Jewish Agency habt Wunder vollbracht; wo früher nur Wüste war, habt Ihr Ackerland und Weingärten geschaffen; und all dies wurde mit Hilfe von Beiträgen gerade der Ärmsten erzielt. Colonel Wedgewood erklärte, die wunderbare industrielle und landwirtschaftliche Entwicklung in dem hundert Meilen langen Gebiet südlich von Haifa sei nicht das Ergebnis einer vorübergehenden Prosperität; in Palästina ist ein finanziell gesundes und wirtschaftlich verständiges Volk im Werden. Wenn Wien und Berlin die jüdischen ärztlichen Kapazitäten gehen lassen, so werden Menschen aus aller Welt bald nach Jerusalem pilgern, um dort die besten Ärzte zu konsultieren. Wenn Palästina das künstlerische, wissenschaftliche und medizinische Zentrum wird, das es zu werden verspricht, so braucht man um die Zukunft des Landes nicht bange zu sein. Diese Zukunft sieht man in leuchtenden Farben. Palästina produziert die beste Orange der Welt. Die Politiker Englands müßten zu der Erkenntnis geführt werden, daß jüdische Prosperität in Palästina englische Prosperität bedeutet, und daß Palästina die Ausfallspforte zu in einigen Intellektuellenzirkeln eine nationalistische Orientierung, die nicht positiv sich auswirkt, sondern rein negativ gegen Europa, insbesondere England, Italien und Fiankreich sich stellt. Sie kann sich mit der auf breite Massen stützenden, Werte schaffenden zionistischen Idee nicht einmal vom weiten her verglichen werden. Und sie zeigt ihre Haltlosigkeit - eben dadurch, daß sie nicht einmal die Königstreitereien durch ihre moralische oder geistige Einwirkung, kennen kann. Auch der panislamitische Hilferuf des Imams wird ihn nicht retten. England hat in seiner vorderasiatischen Politik den arabischen Einfluß zu stark eingestellt und darunter hat das jüdische Werk eine Beeinträchtigung erfahren. Diese englische Politik hat jetzt dazu geführt, daß in der Sicherungskette, vom Mittelmeer nach Indien, ein Loch droht. Überall sind dio Araberführer bevorzugt worden und das hat ihren Appetit gereizt. Das jüdische Palästina ist daran in nur sehr geringem Maße, aus seiner Nachbarschaft interessiert. Rasiere dich sut und billig Österreich^ Qualitäts- Fabrikat Ueberall erhältlich kommt in Massen zu der HEUTE um V49 Uhr abends im Festsaale des Hotel Continental ll.f Taborstraße 8, stattfindenden großen VERSAMMLUNG in weicher prominente Redner der Wiener Judenschaft Uber „Die Lage der Juden" sprechen werden Bethaus „Bene Brith“ XX, Ojseh Chesed Weeraes II, Sanzer Klaus II, Kehilath Jakob I, Chasldlm II, Llwias Chen II, Ahawath Wereuth II, Ojseh Chesed II, Emes Wescholaum II, Bojaner Chasldlm II, Beth Jlzchok II, Jeschioth Chajim XX, Nord-Ost II, Prater Bethausvereln II, Chesed TAwrohom II, Prater Beth Hamidrasch II, Pornche Thora II, Beth Josef II, Prater Bethausverein Pefilath, Brüderliche Hilfe II, „Schomrei Hadath“ XX, „Schomrei Habrith“ XX, Bikur Chaulim XX, Agudas Jeschurim XX, Ausche Emunah XX, Ausche Dath wu Zedek XX, Verein Mischuajith II. Verein Scudath Sabat II, Bethausvereln Machsike Hadath II, Bethausverein Khal Chasldlm II, Bethausvereln Stretiner Chasldlm II, Bethausverein Osch Tow III, Bethausvereln Schomer Israel III, Bethausvereln Beth Hamidrasch, Beth Jakob IX, Bethausvereln GroDrabb. Fried mann Or Tora IX, Bethausvereln Esras Israel IX, Bethausverein Mikdasch Meat II, Betbausyercin Jiid. Kleingewerbetreibender II, Ahavatfi Achim VI, Abavah Israel XJIL JUDEN