Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 349 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 310. — 1 Mai 1934 Große Werbeversammlung MITTWOCH, DEN 2. MAI 1934, 8 UHR ABENDS, SEKTION WÄHRING, XVHI, WÄHR1NGERSTRASSE 85, CAFE „ZUM WILDEN MANN“ Dr. Josef Löwenherz: »DIE AUFGABEN UND LEISTUNGEN DER KULTUSGEMEINDE IN DER JETZTZEIT« Dir. Dr. Viktor Kellner: »ZUR JÜDISCHEN SITUATION» LETZTE NACHRICHTEN t i g u n g widersprechenden Stellenausschreibungen, bei antisemitischen Presse- Exzessen und dergleichen und haben für sich immer die Legitimation in Anspruch genommen, die jüdischen Bürger auch in anderen all s rein religiösen Angelegenheiten zu repräsentieren und zu vertreten. Es ist auch niemals seitens der Union dagegen Einspruch erhoben worden, daß sich die Kultusgemeinde mit wirtschaftlichen Problemen, wie Fragen der Förderung des jüdischen Gewerbestandes. des kleingewerblichen Kreditwesens usw., befaßt, obgleich diese wirtschaftlichen Fragen sicherlich nicht in den Rahmen der Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder fallen. Die sogenannten politischen Agenden der Kultusgemeinde hatten immer nur die Wahrung der bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung der Juden und die Abwehr der dagegen gerichteten Angriffe zum Gegenstände. Die jüdische Bevölkerung würde es auch nicht begreifen, daß fernerhin ihre Generalrepräsentanz nicht dazu berufen sein soll, diese Aufgabe zu erfüllen, und daß an Stelle einer einheitlichen Führung wiederum die Parteienzersplitterung, das Wettlaufen und die Konkurrenz einzelner kleiner Gruppen treten soll. Das Bekenntnis eines großen Teiles der österreichischen Juden zum jüdischen .Volkstum wird der jüdischen Gesamtheit in den Augen der nichtjüdischen Bevölkerung in Österreich nur zum Vorteil gereichen können. Es genügt wohl, in diesem Zusammenhang auf die Meinung des katholischen Führers Dr. Ignaz Seipel hinzuweisen, der ein prominenter Vertreter des europäischen Minoritätenrechtes war und ebenso wie andere hervorragende Führer der christlichen Bevölkerung Österreichs immer für die national-kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung gutes Verständnis zeigte. Niemand in Österreich, besonders nicht die heutige Regierung, verlangt von den Juden ein Bekenntnis zum Deutschtum. Der Hinweis auf den deutsch-christlichen Charakter des neuen Staates ist vollkommen unangebracht. Wenn die Argumentation der Union logisch und richtig wäre, müßte sie dazu führen, daß in einem Lande wie Österreich mit seiner national einheitlichen deutschen und christlichen Bevölkerung und dem christlich-deutschen Staatsgedanken für die jüdische Minorität ohne Unterschied, ob sie sich als nationale oder konfessionelle Minderheit fühlt, im Staatsleben kein Platz sei. Die Gleichheit aller vor dem Gesetze darf aber keinen Unterschied der Rasse, der Konfession und der Nation kennen und muß den Juden das Recht geben, sich ohne Beeinträchtigung ihrer staatsbürgerlichen Stellung zu jenem Volkstum zu bekennen, dem sie sich zugehörig fühlen. Zum Schlüsse soll noch hervorgehoben werden, daß sich im zionistischen Lager „in den allerletzten Wochen“ keinerlei Änderungen vollzogen haben, die der Union irgendwie hätten Anlaß bieten können, die gegenseitigen Beziehungen zu revidieren und, gerade in der jetzigen Zeit, in der die Einheit mehr denn je not tut, der Zersplitterung innerhalb des österreichischen Judentums Vorschub zu leisten und der Autorität der eigenen Gemeinderepräsentanz Abbruch zu tun. Eine Pfingetreise nach Polen ohne Visum Am 17. Mai 1934 findet unter bewährter Führung eine billige Pfingstreise statt. KraJtau, Lemberg, Stanislau usw. Reservierte Plätze, bequeme Wagen, mäßige Preise. Die günstigste Gelegenheit, Pfingsten m Polen zu verbringen. Nähere Auskünfte: Bureau Dr. S. Tocker, I., Kärntnerring 12, Tel. U 40-301, Austrobus, L, Ring des 12. November 12, Tel. U. 24-0-10. Gerüchte über Ermordung des Jerusalemer Mufti ln Mekka Von europäischen Zeitungen verzeiclinete Gerüchte, wonach der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, in Mekka, wo er sich um die Herstellung des Friedens zwischen König Ibn Saud von Neschd und Hedschas und dem Irnan Yehia vom Yemen bemüht hatte, ermordet worden sei, werden von maßgebenden Kreisen in Jerusalem mit Vorsicht aufgenommen. Aus Mekka ist kein solcher Bericht eingelaufen und man hält die diesbezüglichen Gerüchte für unbegründet. ★ Gerüchte um Wauchope Die Zeitungen in Bagdad brachten Mitteilungen, wonach der High Commissioner für Palästina, General Sir Arthur Wauchope, nach dem Irak versetzt werden und seine Stelle in Jerusalem Herr Humphrys einnehmen soll. Das Londoner Kolonialamt bestreitet die Richtigkeit dieser Mitteilung. Wie aus Bagdad telegraphiert wird, besteht die Presse des Irak unbeschadet des Londoner Dementis auf der Richtigkeit ihrer Information und erklärt, es bestehe in London die Absicht, das palästinensische Verwaltungsystem im Hinblick auf bevorstehende politische Änderungen — Proklamierung des Emirs LOKALCHRONIK Von der Landesschekelkommission Die Landesschekelkommission für Österreich fordert alle Schekelreferenten der Sektionen (Ortsgruppen), Vereine und Jugendbünde auf, ehestens bei Gg. Dr. Rudolf Glücklich, Wien, I., Kärntnerstraße 28, Schekelhefte pro 5694 zu beheben, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte. Die Döblinger Judenschaft feiert Herzl. Anläßlich des Geburtstages unseres unvergeßlichen Führers veranstaltete die Sektion Döbling einen „Herzl-Abend“, der sich zu einer imposanten Kundgebung für Herzls unsterbliche Idee gestaltete. Die Gedenkrede hielt Professor Dr. Wilhelm Stein. Seine, mit großem Beifall auifgenommenen Ausführungen gipfelten in der Feststellung, daß Herzl nicht nur seherisch die Lage der Juden erkannt, sondern, daß er auch diie Konsequenzen durch die Tat gezogen hatte, Herzl habe die Wendung von ästethischer Weltanschauung zur ethischen vollzogen. Der musikalische Teil des Abends wurde vom Violinvirtuosen Kurt Fuchsgelb, begleitet von Walter R. Spitz, bestritten. Er brachte eine Suite von Ernest Bloch (Verzückung, Nigun und ein ohassLdiischer Tanz „Simchah Thora“) zum Vortrag. Sein hervorragendes Spiel hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Starker Applaus dankte den Künstlern. Nun wenden wir uns an sämtliche Sektionen, zionistischen Vereinigungen usw. mit dem Ausspruch: „E v e r y f u 1 f i 1 h L s d u t y...“ gegenüber dem Wegbereiter der jüdischen Renaissance. Dr. F. Picikholz. Mifal Arlosoroff Das Komitee des Mifal Arlosoroff teilt mit: Obgleich diese Aktion schon seit beträchtlicher Zeit beendet ist, sind trotz vielen Urgenzen eine größere Anzahl von Sammelbogen noch ausständig, so daß eine Schlußabrechnung bisher unmöglich gewesen ist. Die Sammlungen haben den präliminierten Betrag von S 1000.— überschritten. Bisher abgeliefort wurden S 30.100.—. Besonders haben sich um die Durchführung der Aktion und dio Sammolarboit verdient gemacht die GG. Professor B a t s c h a, Dr. Ernst Brunner, Du- 1 i t z k y, Ing. S. Ehrlich, Dr. Fritz E kstein, Eva Eliasberg, Stella Ho ehr Abdullah zum König von Palästina und Transjordanien — umzugestalten. * Emir A b d u 11 a empfing in seiner Hauptstadt Amman den politischen Referenten der Palästina-Exekutive der Jewish Agency Mosche S h e r t o k zum Lunch und erklärte bei dieser Gelegenheit, alle Mitteilungen der Auslandpresse darüber, daß er, der Emir, sich nach London begebe, um dort. Verhandlungen betreffend seine Proklamierung zum König von Palästina und Transjordanien zu führen, seien lächerlich; er habe nie auf diese Königswürde prätendiert. Gesetz gegen Rassenhaß vor dem Staatsparlament von New York Der in A 1 b a n y tagende Senat des Staates New York hat zwei in erster Reihe gegen antisemitische Propaganda gerichtete Gesetzentwürfe angenommen, denen zufolge öffentliche Aufreizung zu Verachtung, Haß oder Verspottung einer Bevölkerungsgruppe aus Gründen der Rasse, der Hautfarbe oder des Religionsbekenntnisses strafrechtlich verfolgt werden soll. Die Gesetzentwürfe wurden nach ihrer Annahme im Senat an das Unterhaus des Staatsparlaments zur weiteren Behandlung geleitet. s t i m, I. Kaiser, Dr. Amalia Kantor, Piper, Lotte Plaschkes, Dr. Siegfried Plaschkes, Dr. Kurt R e i k, Hermann Roth, Dr. S. Schönberg, Max Stern, Dr. M. Stöckel, Berta Teller, Sabine Weiner, Hans Weinberg, Em. Zuckerberg. Hervorgehoben seien die sehr erfolgreichen Bemühungen der Herren Direktor Fr. G r üb e 1 und Dr. Isr. Waldmann. In der Provinz haben sich um die Aktion die GG. Hermann Glück, Baden, Dr. Rose n h e k, Mödling, Eugen H i r s c h 1 e r, Eisenstadt und Fritz Pisinger, Linz, besonders verdient gemacht. Allen Genannten sowie den vielen ungenannten Mitarbeitern sei auf diesem Wege bestens gedankt! Das Komitee des Mifal Arlosoroff bittet die Inhaber von Sammelbogen nochmals um eheste Ablieferung und Abrechnung. Gründung der Bezirksgruppe IV—V der W. I. Z. O. Im Zuge ihrer Propagand&aktion ist die W. I. Z. 0. bemüht, ihre Organisation auch in bisher noch wenig erfaßten Bezirken auszubauen. So konnte am 9. April 1934 die Gründung der Bezirksgruppe IV—V vorgenommen werden. Aus diesem Anlaß erstattete die Präsidentin der Organisation Sofie Löwcnherz ein eingehendes Referat Uber das Palästina- W. I. Z. O.-Werk. Anschließend daran sprach Vizepräsidentin Blanka Federn über die Galuth-Arbeit der W. I. Z. 0. Beide Refercntinnen ernteten mit ihren Ausführungen lebhaften Beifall. Eine größere Anzahl von Damen hat sich zu einer aktiven Mitarbeit bereit erklärt. In der am 26. April abgehaltenen konstituierenden Sitzung dieser Gruppe wurden Frau Dr. Amalie Kantor zur Leiterin, Frau Julie Ho'imann, Helene Garfunkol zu ihrer Stellvertreterin, Frau Stella Höchst i in zur Kassierin, Frau Mayer zur Schriftführerin und Frl. K rivaeok zur Keron- Hanasohim-Referentin gewählt. FUrsorgezentrale der israelitischen Kultusgemeinde Sektion Prater. Die Fürsorgekommission Prater feierte Sonntag, den 25. März 1934, in der Ausspeisehalio in der Sebastian-Kneipp-Gasso 11, die Schlußfeier der Tee- und Wärmestube. Der Obmann der Kommission Dr. K rep pol bogrüßte den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Desdder Friedmann samt Gemahlin, die Vizepräsidenten Dr. J. LöwenherjJ samt Gemahlin und Dr. 0 r n s t e i n, den Leiter der Fürsorge Dr. N. Blauer, den Obmann von Seudath Safebath Dr. Landau und Dr. N. Frey. In Anwesenheit vieler Fürsorgeräte und Rätinnen des Praters gab Dr. Ivreppel einen Überblick der Leistungen und dankte dem Präsidium der Kultusgemeinde und der Leitung der Fürsorge für ihre Initiative und Mitarbeit. Präsident Dr. Friedraann sprach über das Werk der Winterhilfe im Prater, für die ein anonym bleibender Spender einen namhaften Betrag zur Verfügung stellte, und sprach dem Obmann Dr. Kreppei, der Leiterin Frau Adele Lupu und allen anderen Mitarbeitern für ihre aufopfernde Arbeit den Dank aus. In rührenden Worten dankten Frau Lupu und Frau Abraham mit dem Versprechen, auch in Zukunft für dieses Werk 7Ai arbeiten. Den Dank der Unterstützten brachte eine Befiirsorgte zum Ausdruck. Zionistischer Vortragskalender Dienstag, den 1. Mai: 2. Bezirk: Sektion II und Klub Erez Israel, II., Praterstraße 13, 8 Uhr abends: Seminar für jüdische Geschichte, Leitung: Dr. Tulo Nussenblatt. 6. Bezirk: Sektion Mariahilf-Neubau, VLy Loquaiplatz 11, 8 Uhr abends: Kurs für jüdische Geschichte, Leitung: Dr. Richard Taussig.' Mittwoch, den 2. Mai: 4. Bezirk: Sektion Wieden-Margareten, Re-1 staurant Kolarik, V., Margaretenplatz 7. Große Werbeversammlung. Dr. Desider Friedmann: „Die Lage der Juden.“ Frau Dr. Hennie Rappaport-Lichtenstein: „Die Zukunft der jiw dischen Familie.“ 18. Bezirk: Sektion Währing, Restaurant „Zum wilden Mann“, Währingerstraße 85. Große Werbeversammlung. Dr. Josef Löwenherz: „Die Aufgaben und Leistungen der Kuh tusgemeinde in der Jetztzeit.“ Direktor Doktor Viktor Kellner: „Zur jüdischen Situation.“ 15. Bezirk: Sektion XII/XIV/XV, XV., Herklotzgasse 21, Y< 9 Uhr abends: Erwin Rotteri „Über de Landeskonferenz.“ Anschließend ge«i mütliches Beisammensein anläßlich „La<g- Baomer“. Mittwoch, den 2. Mai, 1/>9 Uhr abend^ spricht, Josef Baratz, der Mitbegründer der jüdischen Siedlung in Merchawia und der Kolonie Dagania, über: „W io wir inEreä Israel leben“ in der vom Verband Radikaler Zionisten veranstalteten Versammlung! im Kaffee Produktenbörse, II., Taborstraßo 10. Donnerstag, den 3. Mai: 6. Bezirk: Sektion VI/VII u. Wizo, VI., Loquaiplatz 11, y<9 Uhr abends: Frau Dr. Hennie Rappaport-Lichtenstein: „Die Zukunft der jüJ dischen Familie.“ 20. Bezirk: Sektion XX, XX., Jägerstraße 30, 8 Uhr abends: Seminar für jüdische Geschichte, Leitung: Professor Dr. Leo Menczer. Freitag, den 4. Mai, 11 Uhr vormittags: Eröffnung der Herzl-Ausstellung, I., Rathausplatz 8. „Nagana? — Nagana!“ Der dramatische Film „Nagana? — Nagana!“, der die Liebe und Abenteuer einer mondänen weißen Frau (Tala Birell) im schwarzen Erdteil zeigt, die zwischen zwei Männern steht, gelangt am 4. Mai zur Erstaufführung. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, I.. Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glücklich. Wien. I., Kärntnerstraße 28. — Druck: Vernay A.-G^ Wien, IX., Canisiusgasse 8—10.