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Die Stimme · 1934-04-27 · Heft 348 (27.4.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 348 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis dieser Nummer 20 g V. b. b. Erscheint Dienstag und Freitag Heute 8 Selten stark Nr. 348 I JÜDISCHE ZEITUNG Wien, 27. April 1934 Redaktion und Administration t Wien, i. Kärntnerstraß© 28, Tel. R 27-4-85. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. 1 Die „Stimme" faincft heute zum 25 {äUüCf&H Jubiläum Ttl-Auw»: Das jubilierende Tel-Aviv Begegnung mit Bürgermeister Dizengofifi I/oh De. Jakob Jloeeutkul (11. JJjar 5694) | 7» Jahrgang Die zionistische Landeskonferenz beendet Nach fünfstündiger Dauer ging Donnerstag, den 26. d., um >52 Uhr früh, die Schlußsitzung der diesjährigen Landeskonferenz des Zionistischen Landesverbandes für Österreich mit der Annahme einer Reihe von Resolutionen und der Neuwahl des Präsidenten des Landesverbandes und des Landeskomitees zu Ende. Die Wahlen erfolgten mit allen gegen eine Stimme. Zum Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes für Österreich wurde Herr Dr. Oskar Grünbaum wiederge- W ählt. Überdies wurden die Mitglieder des Landeskomitees gewählt. Über den Verlauf der Schlußsitzung sowie über die gefaßten Beschlüsse berichten wir im Innern des Blattes. * Veitrauenskundgebung für Präsidenten Dr. Desider Friedmann Die zionistische Landeskonferenz nahm in Ihrer Schlußsitzung die Gelegenheit wahr, um dem Präsidenten der Wiener jüdischen Gemeinde, Herrn Dr. Desider Friedmann, für seine im Interesse der österreichischen Juden geleistete Arbeit den Dank und die Anerkennung auszusprechen. ¥ Dank für Präsidenten Dr. Oskar Grffinbaum r In der Schlußsitzung wurde unter anderem huch folgende Resolution gefaßt: Die Zionistische Landeskonferenz spricht dem abtretenden Landeskomitee und insbesondere seinem Präsidenten Dr. Oskar Grünbaum für die geleistete Arbeit Dank und Anerkennung aus. Johann Kremenezky — Ehrenbürger von Tel-Aviv Nach einem aus Tel-Aviv eingetroffenen von Bürgermeister Meier D i z e ng o f f unterfertigten Telegramm wurde Johann Kremenezky, in Würdigung seiner großen Verdienste um die zionistische Bewegung, anläßlich seines fünfundachtzigsten Geburtstages vom Tel- Aviver Stadtrat einstimmig zum Ehrenbürger der Stadt Tel-Aviv ernannt. Johann Kremenezky ist bekanntlich auch Ehrenbürger von Wien. VII., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSEBSTBASSE 6 EsgibtJteinejJudenfrage Ein Führer der Vaterländischen Front hat vor einigen Tagen in einer Versammlung angekündigt, man werde eines Tages an die Judenfrage herantreten müssen, doch werde dies in einer der österreichischen Kultur entsprechenden Weise geschehen. Im übrigen sei diese Frage, wie er hinzufügte, nebensächlicher Art. Wir meinen, daß es eine Judenfrage in diesem Sinne weder in Österreich noch in irgendeinem anderen Staate überhaupt nicht gibt und daß nur künstlich immer wieder ein Problem heraußgezorrt wird, an dem sich die Haßinstinkte entzünden können. Ein Judenproblem ist gewiß vorhanden. Es ist die abnormale Lage des jüdischen Volkes, das sozial falsch geschichtet ißt und nirgends als Herr, seines Geschickes auf treten kann. Das Problem existiert also lediglich von der jüdischen Seite her und die Bestrebungen, das jüdische Volk mit dem Bewußtsein seiner Situation zu erfüllen, es auf der Baßiß des nationalen Gedankens und der. .nationalen Selbstbefreiung zu einigen — bilden das Problem, das freilich nur geklärt, erleichtert und auf den Weg^ der Lösung geführt werden kann. Ein nationales Problem kann nicht wie eine mathematische Gleichung gelöst werden, da doch das Leben eines Volkes niemals starr wird, immer fließt und immer neue Aufgaben stellt. Immer wird es außerhalb Palästinas Juden geben; aber die Errichtung einer freien, autonomen jüdischen Zelle in Palästina wird die Lage der Juden in der Welt befruchtend beeinflussen und auch ihre soziale und wirtschaftliche Gliederung ändern. Eine Frage von der Art, wie sie in den Hetzreden und Aufsätzen dargestellt wird, besteht nicht und bis zu der sogenannten deutschen Umbruohrevolution ist auch das Verhältnis der Juden in den Staaten von der breiten Masse gar nicht als Frage empfunden worden. Erst die Tatsache, daß in Deutschland tausende jüdischer Existenzen vernichtet wurden, um ihre Stellen, ihren Besitz, ihr Vermögen zu ergattern, hat außerhalb des Dritten Reiches die gleichen Triebe geweckt; die Agitation, das Beispiel des deutschen Nationalsozialismus zu befolgen, wird von Halb- und Dreiviertel-Intellektuellen getragen und nennt sich Judenfrage. Es arbeitet viel deutsches Geld in dieser Propaganda, wie es ja stets das Bestreben der deutschen Weltfeinde bleibt, vom Judenpunkt aus Bresche in den Bau der Kultur und Zivilisation zu legen und dann den großen Kaßsensturm zu unternehmen. In Deutschland ging’s zuerst gegen die Juden, dann gegen die katholische Kirche und schließlich gegen das Christentum überhaupt. In Österreich wäre der Weg auch kein anderer und die maßgebenden Führer des Staates haben sich denn auch in richtiger Erkenntnis der Gefahr gegen die braune Terrorpraxis mit allen Kräften gewehrt. Die katholische Bevölkerung weiß, um was es geht, und es muß eigentlich wundernehmen, wenn ihre Sprecher immer wieder den archimedischen Punkt übersehen, von dem aus die Jünger des Goebbels diesen Donaußtaat aus den Angeln werfen wollen. Sie erliegen der Suggestion der Gleichschalter und reden von einer Judenfrage und dann in falscher Logik von ihrer Lösung. Auch der Abgeordnete Kunschak, [der sich sonst ein richtigeres und klareres Urteil gewahrt hat, fällt in dieses Lied ein. Es sei aus seiner letzthin am Dienstag gehaltenen Rede das folgende (nach dem Be* rieht der „Reiohspost“) zitiert: „Pflege des Volkstums heißt treues Be« kennen der Schicksalsyerbundenheit aller Volkszugehörigen. Volkstum heißt aber auch Leben in der aus Geschichte und Schicksal erwachsenen Eigenart. Volkstum heißt schließlich opferfreudige und konsequent© Wahrung der Eigenart. Von diesem Standpunkte aus rückt auch die Judenfrage in den Kreis ernster Betrachtung. Nicht ohne Interesse und Befriedigung können wir feststellen, daß innerhalb der Judensohaft die Betonung des religiösen und des nationalen Momentes immer schärfer hervortritt. In dieser Tatsache scheint mir der Schlüssel zur Behandlung und Lösung der Judenfrage zu liegen. Die Reinerhaltung des eigenen Volkstums durch eine reinliche Scheidung in religiöser und nationaler Hinsicht scheint mir der Weg zu sein, der uns der Lösung der Judenfrage näher bringt.“ Was soll da mit der „reinlichen Scheidung“ angedeufcet sein? Wenn- Kunschak’ meint, daß das Judentum als nationale Individualität, seine nationalen Bedürfnisse, seine Jugenderziehung usw. selbst ordnen und verwalten soll, 60 sind wir damit einverstanden. Wir wünschen nicht, daß Juden in die Fragen deß deutschem. Volkes oder der katholischen Kirche sich einmengen, wir lehnen dies alb und nicht erst seit gestern oder heute, sondern seit je. Unsere Umwelt hat den Kampf, den das nationale Judentum geführt hat, nie beachtet, also auch nicht verstanden. Wir nehmen Kunsohaks Äußerung als ein Zeichen, daß sich dies bessert, und wir verstehen eie dahin, daß er den Kampfruf gegen jüdische Existenzen nicht aufnehmen will. Die berugsständische Verfassung Am 1. Mai soll die neue beruf ss tändle che Verfassung verkündet werden. Am 31. März wurde bereits im Landesgesefczblatt für Wien die Stadtordnung der Bundeshauptstadt publiziert. Der' neue Bürgermeister von Wien Richard Schmitz ließ kürzlich eine Broschüre „Der Weg zur berufsständischen Ordnung in Österreich“ erscheinen, der mit Rücksicht auf die Stellung des Verfassers eine besondere Bedeutung zukommt. Die christliche Gesellschaf talehre, die Papst Leo XIII. in mehreren Rundschreiben verkündete und die Enzyklika Quadragesimo anno sind für Schmitz die Basis der berufsständisehen Ordnung. „Nicht eine absolute Gleichheit der Teile, sondern organischer Aufbau der Gesellschaft ist richtig. Soziale Übelstände, vor allem Klassenkampf und Plutokratie, sind als Hindernisse und Gegensätze des Gemeinwohles, das nach Gott das höchsto Gesetz und Gut ist, zu bekämpfen.“ Schmitz zitiert auch die Enzyklika Quadragesimo anno: „Staatsmänner und gute Staatsbürger mtisson im heißen Bemühen trachten, aus der Auseinandersetzung zwischen den Klassen zur einträchtigen Zusammenarbeit der Stände uns emporzuarbeiten, indem wohlgefügte Glieder des Gesellschafts- Organismus sich bilden... Berufsstände oder berufsständische Körperschaften.“ Der Berufsstand ißt nach Schmitz „ein Funktionsverband, eine Gesellschaft,sgrappe, die durch im gleichen Beruf geübte gemeinsame Funktion innerlich gebunden ist.“ Er verurteilt den Klassemkampf, der die Vernichtung oder doch die Unterdrückung der Gegenklasse und die Alleinherrschaft der obsiegenden Klasse bezweckt und stellt ihm die von der christlichen Gesellschaftßlehre gepredigten thomistischen Grundsatz gegenüber: „Ordnung ist Einheit in wohlgegliederter Vielheit.“ Dabei soll das Gesetz der Subsidiarität gelten, das Quadragesimo anno „den obersten sozialphilosophischen Grundsatz“ nennt. Das ßoil bedeuten, daß der Staat nicht durch ein Übermaß von Obliegenheiten und Verpflichtungen belastet werden soll. Die Berufßstände sollen in ihren Angelegenheiten selbständig arbeiten und dien Staat entlasten. Der autoritäre Staat interveniert erst subsidiär, wenn dies erforderlich ist. In wirtschaftlichen Dingen vertritt Schmitz dio Anschauung, daß es keine souveräne Eigengesetzlichkeit der Wirtschaft geben darf, vor der Staat- und Sittengesetz Halt Nach Palästina mit der Compass Tours 15. Mal: Ab Wien Uber Triest mit dem Eildampfer „Italia“. Jeden Mittwoch ab Triest. Ffirjtfnzelreisendejfclii^^ Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3 M Telephon B 42-5-38

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