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Die Stimme · 1934-04-20 · Heft 346 (20.4.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 346 (20.4.1934)
Date
1934-04-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g JÜDISCHE ZEITUNG ENGL. HERRENMODE FEINE MASSWÄSCHE EUGEN PRAGER I., SPIEGELGASSE 25 FERNRUF; R 22-3-90 Nr« 346 I Wien, 20. April 1934 I Redaktion und Administration: Wien, i. KärntnerstraSe 28, Tel. R 27-4*85. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. (5* Jjjar 5694) I 7« Jahrgang Pas jüdische Palästina jüdischer Weltkongreß verschoben Jerusalem, 18. April. : Der Beschluß des Zionistischen Aktionskomitees betreffend die Teilnahme der Zionisten an dem Jüdischen Weltkongreß hat *—• so urteilen führende zionistische Kreise — alle verschiedenen Auffassungen innerhalb der zionistischen Reihen zu dieser Frage auf einen Nenner gebracht. Dr. Nahum G o 1 dmann, Vorsitzender des Comite des Delegations Juives in Paris, hat die folgende Erklärung abgegeben: . „Die vom A. C. zur Frage des Jüdischen JVeltkongresses gefaßte Resolution ist absolut zufriedenstellend, obwohl sie eine (Verschiebung der Wahlen zum .Weltkongreß bis zum Jahre 1935 im Gefolge hat. Ursache hiefür ist, daß man sowohl in Amerika als auch in Polen, den Ländern, die die größten jüdischen Gemeinschaften der Welt beherbergen, mit den technischen Vorbereitungen zu den Wahlen, die hunderttausende Wähler an die Urnen bringen Bollen, nicht fertig geworden ist. Auch in änderen Ländern bestehen in dieser Hinsicht noch verschiedene Schwierigkeiten, wie zum Beispiel politische Krisen, Belagerungszustand usw. Die Bedeutung der A. C.- Resolution liegt vor allem darin, daß mit Zustimmung aller zionistischen Parteien offiziell eine positive Stellung seitens der zionistischen Welt zu der Idee des Jüdischen Weltkongresses erreicht worden ist. An der Konferenz in diesem Sommer werden einige hundert Delegierte aus allen jüdischen Gemeinschaften der Alten und der Neuen Welt teilnehmen. Die Konferenz wird folgende drei Themen zu behandeln haben: 1. Die wichtigsten Probleme der jüdischen Diaspora-Politik. 2. Reorganisierung der diese Politk führenden Institutionen. 3. Ausarbeitung einer genauen Wahlordnung für die Wahlen zum Jüdischen Weltkongreß. Die Konferenz wird im August in Genf stattfinden und einen ebenso repräsentativen wie autoritären Charakter tragen. Völkerbundrat und Palästina Genf, 18. April. Der Völkerbundrat, der am 14. Mai Zusammentritt, wird unter anderem das französisch-britische Abkommen über die Grenzziehung zwischen Syrien-Libanon und Palästina behandeln. Weiter wird er über die Niederlassung dor assyrischen Christen im Irak beraten. V»., KAISERSTRASSE 123 ★ IX., ALSERSTRASSE 6 In der Eröffnungssitzung des Zionistischen Delegiertentages in Wien hat Professor Brodetzky, der politische Referent der Exekutive, einen Bericht über die Lage in Palästina erstattet, dem deshalb besondere Bedeutung zukommt, weil der Redner eben aus Palästina zurückgekehrt ist. Er ist der Anschauung, daß Palästina erst am Anfang einer noch kaum zu ahnenden großen Entwicklung steht und daß alle inneren Schwierigkeiten, sowohl die Parteigegensätze unter den Juden als auch die Differenzen mit den Arabern durch die Arbeit am Aufbau überwunden werden. Dabei hat der Vortragende diese Schwierigkeiten keineswegs bagatellisiert, sie vielmehr sehr scharf heraüsgearbeitet. Er hat an Englands Mandatsübung Kritik geübt, ohne sie aber zu überspitzen, und er hat sehr deutlich auf die politische Gefahr hingewiesen, die in der Petitionsbewegung der Revisionisten liegt. Vielleicht der größte Erfolg des politischen Zionismus ist es, daß das jüdische Volk in der Jewish Agency nach 1900 Jahren wieder eine' völkerrechtlich anerkannte Repräsentanz erhalten hat; Durch die Petition kann sehr leicht das Gewicht dieser Vertretung in London und in Genf erschüttert werden. Die Organisatoren dieser Bewegung sollten über diese Seite der Angelegenheit doch ernstlich nachdenken und sich fragen, was selbst nach einem Erfolg ihrer Mühe, das heißt wenn ihre Petition den verschiedenen Staatsoberhäuptern und dem König von England vorgelegt wird, zu geschehen hätte. Der Präsident eines osteuropäischen Staates hat die Petition bereits dem Palästina-Amt seines Landes zugeleitet; auch der König von England würde nichts anderes tun können, als das „Volksbegehren“ an die Jewish Agency weisen. Was dann? Wobei noch die Frage offen bleibt, wie die englische Regierung auf die Anklage — denn eine solche soll es ja sein —, die an andere Staaten adressiert wird, reagieren wird. Sicherlich bestehen sehr schwere und sehr tiefgehende Unstimmigkeiten zwischen der zionistischen Organisation und der Mandatsmacht. Sie liegen vor allem darin, daß die britischen Behörden den Sinn und Zweck des Mandates negieren und in Palästina pur et simple britische Politik betreiben. Sie sehen Palästina als Kolonie an, die nach den Bedürfnissen des englischen Imperiums zu verwalten ist. Und so ergibt sich eine direkte Einwirkung aller Vorgänge im britischen Orient auf Palästina. Wenn man etwa in Indien die moslemitischen Afridis oder Pathans braucht, dann steigt sofort der arabische Einfluß in Palästina. Und wenn dio indische Resistenz ermüdet, dann ist man in Jerusalem den*' Judon etwas freundlicher. Das ist ein unwürdiger, unerträglicher Zustand für die Juden, die schließlich das geschaffen haben, was heute Palästinas Wert für die Welt ausmacht. Wenn heute in Palästina gearbeitet, produziert, gebaut wird, wenn in Palästina ein aktives Budget besteht, Arbeitslosigkeit unbekannt ist, so ist das der jüdischen Tätigkeit zu danken. Haifa wird — sagte Professor Brodetzky — das Tor zum Osten, Palästina der Knotenpunkt aller Straßen vom Westen nach dem Osten. Die Mandatsmacht hat weiß Gott wenig dazu getan, daß es so kommt, und nur die Juden haben dies herbeigeführt, in ihrem felsenfesten Glauben an ihre Kraft und an ihre Zukunft. Palästina ist in der Art, wie es sich der Welt zeigt, jüdisch, und es wird immer mehr jüdisch, je weiter die Einwanderung fortschreitet, je tiefer sich das Volk im Boden verankert. Diese Entwicklung kann von der Mandatsmacht verlangsamt werden, aber sie kann nicht mehr aufgehalten werden. Die jüdische Geschichte geht ihren Weg, und wenngleich wir heute nicht in der Lage sind, das Tempo zu bestimmen, so -ist doch das Ziel nicht mehr aus den Augen zu verlieren. London, 17. April. In der Jahrestagung des Jewiish Board of Deputies (Vertretenschaft der englisoh-jüdiscihen Gemeinden) teilte Leonard G. Monte f i o r e mit, daß die vom Central British Fund in diesem Jahre zwecks Hilfe an die deutschen Juden aufgebrachte Summe diejenige in der gleichen Periode des Vorjahres übertrifft. Auf die für dieses Jahr festgesetzte Zielsumme von 200.000 Pfund wurden gleich in den ersten Wochen 60.000 Pfund gesammelt. Der erbarmungslose Druck, der gegen die Juden in Deutschland geüibt wird, fuhr Leonard G. Montefiore fort, dauert stetig an. Hitler rühmt sich dessen, daß er die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland herabdrücken konnte; aber es werden keine offiziellen Statistiken darüber ausgegeben, wie viele Juden aus ihrer normalen und für die Allgemeinheit nützlichen Arbeit in die Arbeitslosigkeit gestoßen wurden. Wir schätzen die Zahl der Anwälte, Lehrer, Ärzte," Professoren, Musiker, Schauspieler und Journalisten, die durch den Arierparagraphen direkt ihrer Arbeit beraubt wurden, auf mindestens 18.000. In diese Zahl sind die auf dem Gebiete des Handels und der Wirtschaft aus ihrer Position gestoßenen Juden nicht mit inbegriffen. Die Berliner Jüdische Gemeinde mußte sich im Jahre 1933 20.000 notleidender Menschen annehmen. Die Londoner jüdische Armembehörde hatte eich in dem gleichen, Heute lebt eine Viertelmillion Juden inl Land; die Relation zur arabischen Bevölkerung ist ins Gleiten gekommen, und aus deii Tatsache dieses jüdischen Wachstums allein! wird sich auch das Verhältnis zwischen; Arabern und Juden ändern. Schon heute! suchen europäische Faktoren die Freundschaft zu den Juden, zu diesem schaffenden! und verbrauchenden Element, und diese Bedeutung wird in Zukunft immer schärfer in| die Erscheinung treten. Und wenn dies an-i hält, dann wird auch Englands Politik sich’ automatisch ändern. An uns liegt es, diese Entwicklungslinie festzuhalten, Menschen' und Geld und guten Willen zur Verfügung zu stellen, und dann wird im Strom des: Lebens, im Lärm der Arbeit aller Parteien* spuk ins Wesenlose schwinden. * wirtschaftlich' schlimmen Jahre mit 4000 Fällen zu befassen. Es gibt kaum eine jüdische Familie in Deutschland, in der nicht mindestens ein durch den Arierparagraphen ins Elend gestoßenes Mitgliedvorhanden ist. Von den 60.000 jüdischen Kindern im Schulalter in Deutschland besuchen bereits 15.000 jüdische Schulen, aber auch für alle anderen müssen Schulen eingerichtet werden, damit die Kinder der Sphäre der Tyrannei und des Schreckens entzogen werden. Es gibt in Deutschland kleine jüdische Gemeinden, in denen meist alte Leute wohnen, die zu schwach sind, um eine Auswanderung wagen zu können; ihnen muß geholfen werden. Im vergangenen Winter verbot die Regierung, jüdische;, Hilfsaktionen außerhalb des Rahmens der, offiziellen Winterhilfe. Dadurch gerieten diei, jüdischen Gemeinden in Schwierigkeiten, Krankenhäuser und andere soziale Institutionen schließen ihre Tore oder stehen vor der Schließung. Diese große Tragödie roßt! vor unseren Augen ab. Leonard G. Montefiore schloß: loh kanK es nicht verstehen, wie angesichts der erbarmungslosen Angriffe auf Juden nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern in gewissen jüdischen Kreisen auch heute noch eine Politik selbstischer Isolierung befolgt wird. Es geht jetzt ein Angriff auf die Judenheit als Religionsgemeinschaft und als Rasse vor sich. Uns allen, ob Nach Palästina mit der Compass Tours 30.April: Zweite Messereise mit dem Luxus-Motorschiff „Vulcania“ Uber Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut 9. Hai: S. S. „Tel-Aviv“ FürEinzelreisendeSchiffskcH^ Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien, IX.. Spitalgasse 3 * Telephon B 42-5-38 Wie Hitler das deutsche Judentum zugrunde richtet

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