Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 345 (17.4.1934)
- Date
- 1934-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054099--4149-3059742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer SO g V. b. b. Heute 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 345 | Wien, vj. April 1934 | Redaktion und Administrations Wien, L KärntnerstraBe 28, Tel. R 27-4-86. RedaktlonssohluB Montag und Mittwooh vorm. Uttseec beuti Theater' und Kunst-ßeiiage bringt: Eine Thora-Rotte aus der Inquisitionszeit aufgefunden Aus dem Lande der zehn Plagen Ausstellung für Synagogen-Architektur ln London Erziehung zur Musik u* v, tu Die Sport-Stimme bringt: Die Leistungen der Hakoah Im vergangenen Jahre Letzte Sportnachrichten usw• | (*• Jljar $694) | 7- Jahrgang Minderheiten und Völkerbund sondern durch seine aus allen Parteien zusammengesetzte Friede nsde legati on aus* drücklieh sein Einverständnis erklärt. Eini Die polnische Regierung hat im Völkerbundsekretariat den Antrag eingebracht, auf die Tagesordnung der September- Session die Frage der Erweiterung des Minderheitenschutzes zu stellen. Es sollen alle Staaten, die den auf die Minderheiten bezüglichen Teil des Völkerbundpaktes nicht in ihre Verfassungen aufgenommen oder in anderer Form verbindlich parzipiert haben, veranlaßt werden, dies jetzt nachzuholen. Es ist noch fraglich, ob dem Antrag stattgegeben wird und ob der Völkerbund, der ohnedies nur ein Schattendasein führt, seine mit der Abrüstung belastete Herbstsession feiner Belastungsprobe aussetzen kann. Und selbst wenn die Minderheitenfrage vor das Plenum gelangt, kann höchstens im Augenblick nur der Beschluß erreicht werden, eine Kommission zum Studium des Problems einzusetzen, die der nächsten Session, also im Winter dieses^ Jahres zu berichten hätte. Dann erst wäre eine Generaldebatte möglich, die bestenfalls im Frühjahr 1935 au Ergebnissen führen könnte. Es ist demnach bei der schleppenden Verhandlungspraxis der Genfer Maschinerie selbst im besten Falle — die Bereitwilligkeit aller Faktoren vorausgesetzt — ein sehr langer und dorniger Weg zurückzulegen und dann erst stünden die Staaten, um die es sich handelt, vor der Aufgabe, die Aufträge des Völkerbundes daheim durchzusetzen. Trotzdem aber ist der Schritt der polnischen Regierung eine dankenswerte Demonstration für die Menschlichkeit. Das Minoritätenproblean ist der Vorkriegszeit völlig fremd gewesen. Die Regierungen hatten nur mit der rumänischen Judengesetzgebung und mit den Armeniern der Türkei zu tun; erst der Beginn des 20. Jahrhunderts brachte die Zusammenstöße des pangermanischen Hakatismus mit der polnischen Minderheit in Posen — der Fall von Wresohen — und der elsässich-französißchen Bevölkerung — der Fall von Zabern — beides also Konflikte in Deutschland, um dann im Jahre 1912 den durch das Schicksal der slawischgriechischen Bevölkerungsteile in der Türkei hervorgerufenen ersten Balkankrieg. Nach dem Weltkieg brannte dann als Folge der neuen Grenzziehungen das Problem der nationalen Minderheiten als eine der quälendsten Sorgen auf. Nur die Sukzessionsstaaten der Donaumonarchie glichen ihre Verfassungen dem Völkerbundpakt an, unter ihnen auch Österreich. Eine einheitliche Behandlung des Minderheitenschutzes durch alle Bundesmitglieder kam nicht zustande, zumal Italien, das deutscho und slawische Splitter aufgenommen hatte, von ihrer An¬ Rasiere dich gut und billig OMchtt Qualitäts- Fabrikat Ueberall erhältlich erkennung als Minderheiten nichts wissen wollte. Deutschland, das erst spät in den Völkerbund kam, hat gleichfalls den Minderheitenschutz nicht inkorporiert, sich aber in den Klagen der oberschlesischen Deutschen sehr gerne auf den Pakt berufen. Durchbrochen wurden die Schutzbestimmungen zuerst von Ungarn durch das antijüdische Numerus clauses-Gesetz und dann. von Österreich, das die Flüchtlingsausweisung des Landeshauptmanns Sever in Genf gegen Polen vertreten mußte und sachfällig wurde. Es ist im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht Unangebracht an dieses Detail zu erinnern. Zu brennendster Aktualität ist die Frage durch Deutschland geführt worden. Man hat seinerzeit alles Vertrauen in Stresemanns Erklärungen gesetzt, daß Deutschland die Völkerbundbestimmungen ihrem Geist nach aufnehme. Aber diejenigen, die Stresemann in den Tod getrieben und heute sogar sein Denkmal im befreiten Rheinland geschändet haben, zeigten vor allem in der Judenfrage den neuen Geist, der die Traditionen des Hakatismus fortsetzte und bis zum offenen Pogrom vorgeschritten ist. Was in Deutschland, insebsondere in Hessen und in Fanken verübt wird, erinnert an die schlimmsten Zeiten der Hunnen. Es werden Juden gemordet, geplündert, geprügelt; sie verrecken zu tausenden in der Dachauer Kiesgrube und in anderen deutschen Erziehungsstätten, und das Ausland, das diese Vorgänge im großen ganzen kennt, rafft sich nicht nur zu keiner Aktion auf, sondern behandelt die diplomatischen Vertreter dieses Staates als gleichberechtigt. England hat nach dem Belgrader Königsmord seinen Gesandten abberufen; im Falle Deutschland, wo von irgend einer Rechtsübung überhaupt keine Rede mehr ist, zeigen alle Staaten und voran England, der mit der Errichtung des jüdischen Nationalheimes betraute Staat, der ein näheres Verhältnis zum jüdischen Volk haben sollte, nur die kalte Schulter. Der Antrag Polens zwingt alle diese Zaungäste der deutschen Barbarei zu einer Stellungnahme und es ist dies um so aktueller, als vom Beispiel Deutschlands ausgehend auch in Österreich und Rumänien starke Strömungen für eine Entrechtung der Juden sich geltend machen. Was Österreich anbetrifft, so ist durch die Bestimmungen des Friedensvertrages allen derartigen Treibereien ein starker Riegel vorgeschoben. Österreich hat diese Bestimmungen nicht unter Zwang angenommen, Wie bereits mitgeteilt, findet die diesjährige Landeskonferenz (Delegiertentag) des Zionistischen Landesverbandes für Österreich am Dienstag, den 17. d. M., und Mittwoch, den 18. d. M., statt. Die Eröffnungssitzung findet heute Dienstag, um 8 Uhr abends, im Niederösterreichischen Gewerbeverein, Wien, 1., Eschenbachgasse 8, statt. Das politische Referat hält an diesem Abend das Mit- Wortbrucfa ist da unmöglich. Aber auch Jtip.r ebenso wie in Rumänien und wo sonst *der Nürnberger Trichter angesetzt wird,; wird es ein heilsames Signal sein, wenn zu dem Antrag Polens Stellung genommen' werden soll. Es gibt ja auch deutsche Minderheiten, deren Wohl und Wehe in Frage steht. Uns handelt es sich selbstverständlich nur um unser Volk, nur um die jüdischen! Minderheiten hier und in anderen Staaten! und wir können, wenn der Antrag Polens bekannt wird, erwarten, daß die Aufmerksamkeit der anständigen Menschen auf die Ereignisse im Konzentrationslager Deutschland von neuem gelenkt wird. Dies wird geschehen, obzwar Deutschland in voraussohauender Vorsicht aus dem Völkerbund davongelaufen ist und seine eigenen Minderheiten in tückischer Freiheit preisgegeben hat. (Den Wortlaut dos polnischen Minderheitenantrages veröffentlichen wir im Innern des Blattes. Red.) glied der Zionistischen Exekutive, der Leiter des Außenpolitischen Departements der Jewish Agency in London, Prof. Selig Brodetsky. Eintritt zur Eröffnungssitzung finden nur Mitglieder des Zionistischen Landesverbandes. Karten zum Preise von S 2.—i — für Jugendliche ermäßigt — im Zionistischen Landeskomitee, I., Kärntnerstraße 28, Telephon R 27-4-86. Heute und Morgen: Landeskonferenz der österreichischen Zionisten Am Vorabend der Landeskonferenz Heute und morgen findet die ordentliche Landeskonferenz des Zionistischen Landesverbandes für Österreich statt, der durch die Anwesenheit des Mitgliedes der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, Professor S. B r o d e t z k y, ein besonderes Gepräge verliehen wird. Die Landeskonferenz tritt in einem höchst bedeutsamen Zeitpunkt zusammen. Es ist noch keine vier Jahre her, da tagte ein Delegiertentag unter traurigen Umständen. Die Organisation drohte unter einer großen Schuldenlast zusammenzubrechen und die Zahl der Organisierten war außerordentlich gering geworden. Die Sezession der Opposition schien das Schicksal des Zionistischen Landesverbandes besiegelt zu haben und der allgemeine Zionismus in Österreich galt in weiten Kreisen als erledigte Erscheinung. Heute ist das anders. Der Zionistische Landesverband ist wohl fundiert. Seine Finanzen sind geordnet. Seine Mitglieder zählen nach Tausenden, ebenso seine Anhänger. Neue Bezirkssektionen schießen förmlich aus dem Boden. „Die Stimme“ erscheint zweimal wöchentlich, unsere Jugendorganisationen — vor vier Jahren hatten wir keine Jugend 1 — blühen und in Mifraz Haifa haben wir einen blühenden Kibbuz junger allgemeiner Znonisten aus Wien. Wie war das alles in so kurzer Zeit möglich? Wir hatten doch keine klingenden Parolen und der allgemeine Zionismus ist auch heute noch nicht konsolidiert. Des Rätsels Lösung ist ' einfach. Es waren eben Männer und Frauen da, in den Sektionen und Ortsgruppen und im Landeskomitee, die unbeirrbar ihren Weg gingen, einen saueren, mühseligen Weg unermüdlicher und täglicher Kleinarbeit. Arbeit für den Zionismus und die Organisation war ihnen nicht unangenehme Pflicht, sondern Selbstverständlichkeit und der erste und schönste Punkt des allgemein-zionistischen Programms: Primat des Volkes vor den Sonderinteressen von Klassen und Ständen, war ihr Leitstern. So können wir heute, da wir unsere Landeskonferenz eröffnen, ruhig sagen: Wir haben das unsere getan. Wir wollen nicht in Selbstüberheblichkeit auf die anderen Gruppierungen herabsehen. Aber unseren Erfolg können wir an ihrem Stand ermessen. Sie hatten die gleichen, ja besseren Möglichkeiten als wir, wo aber stehen wir heute und wo stehen sie! Trotz allem haben wir keine Machtgfelüste. Aber für Opposition um der Opposition willen, für Prestigepolitik und fruchtlose Diskussionen haben wir kein Verständnis. Die Tore unserer Organisation stehen allen Gruppen offen, die guten Willens sind, und jene Disziplin halten wollen, der wir uns selbst unterworfen haben, ohne die auch keine auf freiwilliger Mitarbeit beruhende Organisation existieren kann. Unsere Stellung als Zentrum der Zionistischen Organisation wird immer für das Schicksal der Gesamtorganisation ausschlaggebend sein. Wir dürfen daher unsere Hände nicht müßig in den Schoß legen. Unserer Jugend müssen wir in Palästina Lebensraum verschaffen und in der Galuth harren unserer Heueröftoung Wiens Sensation .A i# Jwmrnmmm ® ® Ecke KärntnerstraBe und AnnagasseS Luftiger Saal für 700 Personen Suppen 25 Gr. 2 Zuspeisen 35 Gr. Gulasch oder 2 Zuspeifeen mit Flei8cbauflage 50 Gr. Braten mit 2 Zuspeisen S 1«— Menüs S 1*30 Naturweine von 35 Gr. aufwärts Faßbier */a 15 Gr.