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Die Stimme · 1934-04-05 · Heft 342 (5.4.1934) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 342 (5.4.1934)
Date
1934-04-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Kr. 849. — 8. April 1934 DIE STIMME Seite S Aflsland^Cfc^owiit llllllllllllllllllllllllll!llllllUlllllll[||llllllllilllllllllllUHIIIIIIIIIlllllllllllllllllillllllllllll!lll[llllllllll!l[lllllllllllllllllllll[lllllllllll[[li[lllllllll[llill>N[Nllllllllllllllll[lHlll[llllllllllllllllllllllli[llillll[lllllHllllllHfi:illll ganz Mit (elf rank oi) an. In Neustadt an dor Aich wurde den Blickern und Lebensmittolhärt.llem verboten, Brot au Juden zu verkaufen, eo daß dio jüdische Bevölkerung hungern m u ß. In der gleichen Stadt wurden die Inhaber jüdischer Geeehiifto gezwungen, Plakate mit. der folgenden Inschrift an ihren Läden anzubringen: „Streicher hat recht, die .Indien .sind der Deutschen Unglück!“ ★ Ein Film mit dem jüdischen Boxmeister Max Baer verboten Das Tschechoslowakische Preßbureau teilt aus Berlin mit: Der amerikanische Sport film „Männer um eine Frau“, in welchem der amerikanische Jude Max B a o r, der vor einigen Monaten den deutschen Boxmeister Schmeling besiegt hatte, au ft ritt, wurde verboten. Der Film lief in Berlin bereits 14 Tage, ohne daß das Publikum irgend welche Abneigung gegen ihn an den Tag gelegt hätte. * Rasse-Delirien Das im offiziellen „NS Druck und Verlag“ erschienene und vom Organ des Reichspropaganda-Ministeriums „Der Angriff“ warm empfohlene Buch „Der Jude als Rassenschänder“ von Dr. Kurt Plischke enthält u. a. folgende Stellen: „Der Judo hat eine unstillbare Gier, nichtjüdische Frauen und Mädchen zu schänden und sie in den Sumpf seiner gemeinen Gesinnung horabzuzerren.“ „Die jüdische Rasse ist die Hauptträgerin der Geschlechtskrankheiten unter den Völkern, was ja bei ihrer tierisch-sinnlichen Veranlagung und ihrem ausschweifenden Leben nicht zu verwundern ist.“ „Der Mädchenhandel ist fast ausschließlich in den Händen von Juden.“ „Es ist notwendig, für das deutsche Volk ein Rassenschutzgesetz zu schaffen. Darin muß das Verbrechen der Rassenschändung wie früher mit dem Tode bestraft werden. Und zwar mit dem Tode durch den Strang.“ Einem Artikel des Amtsblattes der NSDAP, für den Gau Baden, „Der Führer“, Ist zu entnehmen: „Kreisleiter Epp ging in einer Beamtenversammlung mit den jüdischen Rasseschändern scharf ins Gericht. Er kündigte auch an, daß er nicht zuriiekschreeken werde, artvergessene Volksgenossinncn, die in Gesellschaft von Juden verkehren, öffentlich durch Namensnennung zu brandmarken.... Selbstverständlich wird der nationalsozialistische Staat in absehbarer Zeit die gesetzlichen Grundlagen zur Bekämpfung jüdischer Wüstlinge schaff e n ... Es kommt darauf an, auch den letzten Volksgenossen und die letzte Volksgenossin über die Juden- und Rassenfrage so aufzuklären, daß sie im Juden den Todfeind völkischen Lebens erkennen und ihn wie die Pest meiden.“ Palästina- Reisebüro in bester Lage, vollständig eingerichtet, zu verpachten Beteiligung möglich. EiloiFerto unter „Sofort“ an dio Expedition dos Blattes £!n jüdischer Kaufmann aus dem Saargebiet ins Dritte Reich vef schleppt Saarbrücken. Das Berliner oi'iizielle Deutsche Nachrichtenbureau meldet, am 27. März aus Trior, daß ein jüdischer Kaufmann aus Deutschland, clor sich vor einem Jahr In Saarlouis niedergelassen hatte und dieser Tage mit einem Auto über die Saargronzo auf deutsches Gebiet, kam, verhaftet wurdo. „Deutsche Freiheit“ und andere saarländische Blätter melden mm aus zuverlässiger Quelle, daß diosor Kaufmann, es handelt sich um den Juden Katz, bei Schwemmlingen im Saarland ergriffen und auf deutsches Gebiet geführt wurde. Katz wurclo in eine ihm gestellte Falle g o 1 o ck t. Die Nazis, die ihm die Falle gestellt hatten, sitzen jetzt im Suangobiot iira Gefängnis und worden sich demnächst wegen dieser Verschleppung vor dor Strafkammer in Saarbrücken zu vorant- .Worten haben. Ehrungen für Stephan Wise Rabbi Dr. Stephen S. Wise, Ehrenpräsident des American Jewish Congress, war aus Anlaß seines (iü. Geburtstages Gegenstand mannigfacher Ehrungen seitens des amerikanischen Judentums. Auf einem D i nn e r, dem zahlreiche prominente Juden und Nichtjuden beiwohnten, hielten der frühere Außenminister der Vereinigten Staaten, Bainbridge C o 1 b i, und der Bürgermeister von New York, La Guardia, Ansprachen an den Jubilar, dessen vielseitige öffentliche Arbeit sie rühmten. Im Mittelpunkt des Abends stand eine Ansprache Prof. Albert Einsteins, der ausführte, Stephen Wise sei mit den Qualitäten eines Führers begnadet, er zeige immer einen rühmenswerten Mut, wo es gilt, die Selbstachtung des jüdischen Volkes zu heben. Stephen Wise wurde 1874 als Sohn eines Rabbiners in Budapest geboren. Er ist einer der besten Kanzelredner der Vereinigten Staaten und entfaltet eine umfassende öffentliche Tätigkeit im jüdischen und nichtjüdischen Lager. Er war ein Freund des Präsidenten Wilson, um dessen Zustimmung zur Balfour-Deklaration er sich sehr verdient machte. Nach dem Weltkriege ging er als Mitglied der amerikanischen Delegation nach Versailles, wo er sich auch um die Durchsetzung der jüdischen Minderheitsforderungen bemühte. Er ist einer der Gründer der American Zionist Federation, war ein scharfer Gegner der Erweiterung der Jewish Agency und ist einer der Führer des radikalen Zionismus. 1922 gründete er das „Jewish Institute of Religion“, ein modenies Rabbiner-Seminar, das auch Sozialarbeiter heranbilden soll. Seit 1919 ist er Ritter der französischen Ehrenlegion. ★ Zum Tode Otto H. Kahns New York, 3. April. Der führende amerikanische Bankier Otto Hermann Kahn, Chef des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., ist am Donnerstag, den 29. März, in seinem Bureau einem Herzschlag’ erlegen. Otto Hermann Kahn wurde 1867 in Mannheim, Baden, geboren, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, ging dann nach New York, wo er sich zu dem führenden Finanzmann und Bankier emporgearbeitet hat. Er stand an der Spitze mehrerer großer Konzerne, unter anderem des „Equitable Trust“. 1917 nahm er die amerikanische Staatsangehörigkeit an. Er heiratete die Tochter des berühmten jüdischen Philanthropen Jakob Schiff, war somit ein Schwager von Felix M. Warburg. Er schuf unter anderem New Yorks neueste und eleganteste Prachtstraße, die Park Avenue. Er war ein großer Förderer deutscher Kunst und Künstler In Amerika, finanzierte große Reinhardt-Gastspiele und baute die deutsche Stagione in der Metropolitan Opera aus. Die Bestattung fand am 2. April im engeren Familien- und Freundeskreis auf Kahns Besitztum in Long Island unter Assistenz von Rabbi Goldenson statt. ¥ Dr, Silberfarb gestorben ln Warschau verstarb im Alter von 58 Jahren der bekannte jüdische Politiker, Publizist und Sozialarbeiter Dr. Mosche Silberfarb, Direktor des V erbandos Ort für Polen, an den Folgen eines schweren Herzleidens. Dr. Mosche Silberfarb war Jahrzehnte hing oine bekannte Figur im jüdischen Leben. Als Kind einer angesehenen Cliassid- Familie in Rowno geboren, kam er als junger Mensch nach Berlin, um hier an der juridischen Fakultät zu studieren. Wegen seiner Teilnahme an der sozialistischen Bewegung wurde er von der preußischen Polizei ausgewiesen und gleichzeitig mit einigen anderen Leidonagenossen an die russische Polizei direkt ausgeliefert. Dies gab Anlaß zu einem ungeheuren Sturm im deutschen Roichsfcag. Bebel, Liebknecht und die anderen sozialistischen Führer protestierten entrüstet gegen dieso Maßnahmo, die sie als barbarisch bezelchnoten, und brachten den damaligen Reichs kanzlor von B tt 1 o w derart ins Gedränge, daß dieser sich nicht anders helfen konnte, als indem er ironisch ausrief, man möge nicht ßo viel Wesens machen von diesen „Rosenbaiims und Silberfarbs, Schnorrern und Verschwörern“. Dieser Ausspruch Biilows wurde als Kennzeichnung preußischer Engstirnigkeit und Engherzigkeit zu einem geflügelten Wort. Ais nach dem Waffenstillstand mit Rußland Dr. Silberfarb als Mitglied der ukrainischen Regierung Verhandlungen mit Vertretern der Hohenzollern-Monarchie führte, erinnerte die Presse daran, daß der einstige „Schnorrer und Verschwörer Silberfarb“ nun den deutschen Ministern iL gleicher Partner gegenübersteht. Silberfarb beteiligte sich .später ata Organisator und als Publizist an der russischen Sozialrevolutionären wie an der jüdischen sozialistischen Bewegung. Mehrere Male machte er Bekanntschaft mit den zaristischen Gefängnissen. Nach der russischen Revolution beteiligte er sich als u k r a i n ischer Minister an dem Abschluß des Abkommens zwischen der ukrainischen Zentralrada und der großrussischen Regierung Kerenski. Er wurde Minister für jüdische Angelegenheiten der Ukraine, legte aber 1918 diese Würde nieder und widmete sich ausschließlich sozialer jüdischer Tätigkeit. Er wurde Vorsitzender der jüdischen Kulturliga und Leiter der jüdischen Volks- Universität in Kiew. Unter der Herrschaft des zarischen Generals Denikin in der Ukraine wurde er als ehemaliger ukrainischer Minister vor ein Feldgericht gestellt, bevor aber das Todesurteil gesprochen wurde, gelang es ihm, freizukommen. Seit 1921 lebte er in Polen und widmete sich hier neben einer umfangreichen publizistischen Tätigkeit fast ausschließlich der Aufbauarbeit des Verbandes zur Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Industrie unter den Juden „Ort“. SPANNUNG UND ■ SENSATIONEN! 1 Der Unsichtbare | iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiii H NACH H. G. WELLS | AB HEUTE: I Gartenbau-Kino i. I Ufa-Ton-Kino II. I Stafa-Klno VII. I Votivpark-Kino IX. I MIW^aaWB Universal-Fllm Was macht James MacDonald? Im „Pariser Tageblatt“ führt Professor Georg Bernhard unter anderem aus: Dor Amerikaner MacDonald erweist sich als ein großer Schweiger. Er hat einige große Reisen unternommen. Er ist sogar nach Deutschland gefahren. Aber dort hat ihn keiner der führenden Nationalsozialisten empfangen. Das war voauszusehen. Wie überhaupt von Anfang an die Idee völlig verfehlt war, im guten mit Hitler-Deutschland arbeiten zu wollen. Dort versteht man nur eine harte Sprache und ein festes Zugreifen. Der Kommissar in Lausanne ist vom Weltgewissen als dessen Exekutor gegon die Barbarei des Dritten Reiches eingesetzt worden. Davon merkt man bisher gar nichts. Bisher verlautet nicht einmal darüber etwas, daß in der für die Emigration so überaus wichtigen Paßfrage ein Beschluß gefaßt und wenigstens ein Anfang zur Ausführung gemacht worden ist. Noch immor sohoint das Problem der deutschen Emigration und besonders das Problem dor jüdischen Emigration dahin aufgefaßt zu werden, daß für einige tausend Leute, die sich bereits außerhalb Deutschlands befinden, Zuflucht erbettelt werden muß. In Wirklichkeit handelt es sich — wenigstens soweit die jüdische Emigration in Frage kommt — um ein W a n d er u n g’ s p r o b 1 e m v o n riesigen Ausmaßen. Sehr bald wird ein neuer Sturm gegen die deutschen Juden einsetzen. Aber ivuch ohnehin wird die noch jn MBBUMBg Hitler-Deutschland lebende jüdische Jugend dort auf die Dauer kein Betätigungsfeld in einer moralisch erträglichen Atmosphäre mehr finden. Den jungen Juden in Österreich wird auch das Dasein immer mehr erschwert. Und in den östlichen Ländern ist das dort immer vorhanden gewesene Emigraüousproblcm durchaus nicht etwa zum Stillstand gekommen. Es handelt sich liier um Wanderung?,- Probleme von welthistorischer Bedeutung, die nicht — wie ns manche jüdische Magnaten sich und anderen gern einreden möchten — mit der Errichtung einer Abschiebungs-Kartothek gelöst werden können. Aber wie denkt, der Hohe Kommissar in Lausanne darüber? Vielleicht bricht er endlich sein „fürchterliches Schweigen“. naaamramffracw Leopoldstfidter VolKskmo Msnss Vom 6. bis 10. April Joseph SChm’tilS in: „Mn du jung hist, gehört dir die Heit“ mit Szöke Szakall und Otto Treßler WochentaRB '/«6. 7,8, */*10 Uhr, Sonnu. l'c.icrlatfe ’M Uhr mit Uraufführung Tel. B 27-1-47 Tel. U 22-1-12 gtraaajMp Tel. B 35-5-19 WiMMl Stagnation des Emigrantenwerhs des Völkerbundes Der jetzt in den Vereinigten Staaten weilende Emigrantenkommissär MacDonald kehrt demnächst nach Lausanne zurück. Seit der durch den Völkerbund beschlossenen Begründung des internationalen Ililfswerks für die Emigranten aus Deutschland sind nunmehr beinahe vier Monate verflossen, ohne daß von einer nennenswerten Tätigkeit dieser Institution irgend etwas berichtet werden konnte. Wie wir erfahren, beabsichtigt MacDonald, für Ende April eine Vollsitzung des im Dezember v. J. geschaffenen Beirates der Privatorganisationen, sowie eine Vollsitzung des ans Vertretern der Regierungen zusammengesetzten Verwaltungsrates einzuberufen. * Eine Bibliothek der „Verbannten*4 und „Verbrannten“ Im Hause von Lady A s q u i t h versammelten sich die Mitglieder des provisorischen Komitees zur Gründung einer Bibliothek jener deutschen Autoren, deren Werke im Früjahr 1933 in Deutschland verbrannt wurden. Prinz Hubertus zu Löwenstein entwickelte das Programm des Komitees, das Bücher der verfemten deutschen Autoren in Paris und London lierausgeben will, und schlug vor, die Tätigkeit auch auf New York auszudehnen. Doktor Kantorowitz, Sekretär der neuen deutschen Bibliothek in Paris, teilt mit, daß Hunderte Emigranten Privatarchive herübergebracht haben, die jetzt zu einer Bibliothek vereinigt werden, die über 200.000 Dokumente enthalten und Gelehrten und Schriftstellern zur Verfügung stehen wird. Dio Pariser deutsche Bibliothek verfügt bereits über Räumliehkeiten zur Unterbringung von 15.000 Bänden denI scher Autoren vom 8. bis zum 20. Jahrhundert. An den Berufungen beteiligten sieh der frühere Kriegsstaatssekretär Lord Marley, dor Dichter Louis Golding, Frau Haida ne und Ellen Wilkinson. GROSSFLEISCHHAU ERE t ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMMER: A 17-3,90 und A V--9-34 Lieterant tür Heilanstalten Abteilungen f."\£’2*HciscH unter Aufuicht das Ehrwürdigen - Rabblnatsdar Israelitischen Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos |X„ Berggasse15, XVIII.,Währ hgerstraße 17

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