Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 341 (4.4.1934)
- Date
- 1934-04-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Kummer SO g V. b. bc JÜDISCHE ZEITUNG (b$AS> //St’UiA'ffoC' Mckwd \ toacUtot'itäct'gs I Wien, 4. April 1934 | Redaktion und Administration Wien, i Kärntnerst»a6ö 28. Jel. R 27-4-85 Rodaktlonssohluß Montag und Mittwoch vorm. (19* Nisan 9694) 7* Jahrgang Per braune Skorpion Wie ein Krämer seine Ware um so lauter lobt, je weniger sie wert ist, so bemühen sieh auch die nationalsozialistischen Rassen forscher immer krampfhafter, den Wert der „arischen“ Rasse und die Minderwertigkeit der „jüdischen Köterrasse“ zu beweisen. In der Praxis entdeckt man, daß die ganze Ariertheorie nichts anderes ist als ein geschickt kaschierter Raubzug gegen die Wirtschaftspositionen von Menschen, die keine arische Großmutter nachweisen können. So wurden kürzlich zum Beispiel in Deutschland 500 Offiziersfamilien unglücklich gemacht. Da wurde einfach in der Reichswehr der Arierparagraph eingeführt und 500 Offiziere, vom Leutnant bis zum General, flogen aufs Pflaster, 500 andere Offiziere rücken dank ihrer arischen Großmama in höhere Stellungen ein und 500 andere Arier werden neu eingestellt. Wer jetzt noch nicht glaubt, daß die Ariertheorie die Menschen veredelt, der wird nicht selig. Der Arierparagraph für die Professoren, Richter, Rechtsanwälte und Notare in Deutschland zeigte ähnliche „wohltuende“ Wirkungen. So rühmte sich kürzlich der preußische Justizrainister Kerrl, daß unter seiner Amtsführung in Preußen der Richterstand gründlich gesäubert wurde. Von 13 Vorsitzenden bei Berufungsgerichten wurden 11 entlassen, von 18 Generalstaafcsanwälten 11 und von 86 Vorsitzenden Richtern erster Instanz 50. Von 1040 Richtern in Berlin wurden nur 370 auf ihren Posten belassen, 670 flogen also aufs Pflaster. Bei der Reichspost wurden im Jahre 1933 8000 Beamte entfernt, bei der Reichsbahn 7000 Beamte. In anderen Ländern nehmen es Justizminister als ihr Verdienst in Anspruch, wenn sie moderne Gesetze eingeführt und die Rechtspflege verbessert haben. Der Justizminister Kerrl rühmt sich dessen, daß er in einem einzigen Jahre hunderte Richter davongejagt hat, weil sie keine arische Großmama hatten. Wer es jetzt nicht glaubt, daß die Rechtspflege in Preußen tipp topp ist, der wird nicht selig. In den Schulen Deutschlands wird Rassenkunde vorgetragen. Den Kindern wird eingotrichtert, daß sie einer Herrenklasse angehören, daß sie von Großmamas Gnaden nordische Übermenschen sind und den Kindern wird Haß und Verachtung gegen Juden und Judenstämmlinge eingeimpft Das wird im theoretischen Unterricht gelehrt. Die praktische Rassenkunde lernen die Kinder im Leben jedes Ortes, im Dorf und in der Stadt Ein Beispiel möge das beweisen. In Rindskopf in Westfalen wurde der jüdische Inhaber des größten Geschäftes unter der Beschuldigung verhaftet und dem Gericht in Herne eingeliefert, er hätte 16 Verkäuferinnen vergewaltigt Die Anzeige gegen den 61jährigen Mann wurde von seinen Konkurrenten erstattet So will man die Ariortheorie in die Praxis umsetzen. „Nur ruhig verleumde n!“ predigten auch die Nazi in Österreich. Es macht sich bezahlt. Wie man aber in Deutschland zu einer Existenz kommen wird, als waschechter Arier wohlgemerkt, wenn es keine Mensehen mit jüdischer Großmutter’ mehr geben wird, das wissen die Götter. Eines kann für diesen Zeitpunkt als sicher angenommen werden: Die niedrigen Instinkte, die der Nationalsozialismus geweckt hat, werden als Bumerang wirken, der den Nationalsozialismus und seine Parteigänger selbst treffen wird. Das ist schon heute erkennbar. Die nationalsozialistischen Führer müssen sich schon heute wiederholt öffentlich gegen „Denunzianten“ wenden. Das in der „unblutigsten aller Revolutionen“ abhandengekommene Schamgefühl scheint sich wieder bemerkbar zu machen, manchmal sogar dann, wenn die Betroffenen Juden sind. Kürzlich versuchten in Darmstadt ein Nationalsozialist Die Debatte auf der A. C-Taguns (Eigenbericht der „Stimme“.) Jerusalem, 30. März. Shertok erklärt, die Regierung wolle einen Druck auf die Juden ausüben, daß sie Araber beschäftigen. Im Verlauf der Hauptaussprache legte das Mitglied der Jerusalemer Zionistischen Exekutive, Mosche Shertok, die Argumente der Regierung und die Gegenargumente der Jewish Agency hinsichtlich der Höhe der Einwanderungs-Schedule dar und kam zu dem Schlüsse, daß die Hauptgefahr in der Einwanderungsfrage in der Diskrepanz zwischen PrasidentjDoktorFrmdmann^bei^^undeskanzler Amtlich wird gemeldet: Bundeskanzler Dr. Dollfuß empfing Donnerstag mittags den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Desider Friedmann, wobei er im Laufe einer längeren Aussprache auch Gelegenheit nahm, Präsidenten Dr. Friedmann über den kulturpolitischen Teil der neuen Bundesverfassung zu unterrichten. Zu dieser Meldung schreibt die Ita: Aus der Fassung dieses Kommuniques ist deutlich zu entnehmen, daß die Information über den kulturpolitischen Teil der künftigen österreichischen Verfassung nicht den ausschließlichen Gegenstand der einstündigen Unterredung gebildet haben kann. Es ist als sicher anzunehmen, daß der Vertreter der österreichischen Judenschaft die Gelegenheit benützte, mit dem Chef der Regierung die jüdische Situation in Österreich eingehend zu besprechen und auf diejenigen Tatsachen hinzuweisen, welche in letzter Zeit vielfach Anlaß zu berechtigten Beschwerden gegeben haben. Daß in der neuen Verfassung keine Änderung der staatsbürgerlichen Stellung der Juden vorgenommen werden kann, steht bei der eindeutigen, durch den Friedensvertrag geschaffenen Rechtslage außer jedem Zweifel. Zu unterstreichen ist nur, daß nach Artikel 62 des Friedensvertrages nicht nur „kein Gesetz und keine Verordnung“, sondern auch „k e inerlei amtliche Handlung“ mit den Grundsätzen der Gleichberechtigung in Widerspruch stehen darf. Es muß das besondere Augenmerk der verantwortlichen jüdischen Faktoren darauf gerichtet sein, daß die verfassungsmäßigen Grundsätze der gleichen Behandlung aller Religionen und die Gleichheit aller Staatsbürger ohne jeden Unterschied nicht nur eine theoretische Deklaration bleibe, sondern in allen Zweigen der öffentlichen Verwaltung sowie des gesamten staatlichen und wirtschaftlichen Lebens ohne jeden Vorbehalt und ohne jede Einschränkung gehandhabt werden. Wie wir erfahren, hegt die bedeutsamste Änderung, welche die neue Verfassung auf kulturpolitischem Gebiete bringt, darin, daß alle Religionsgesellschaften eine öffentlich-rechtliche Stellung eingeräumt wird. Hiedurch wird sich die Möglichkeit zur Bildung einer autonomen, repräsentativen Vertretung der österreichischen Judenheit bieten. (Damit würde eine der wesentlichen Forderungen des zionistischen Kultusgemeinde-Programras erfüllt werden. Die Red.) und seine Frau einen Juden zum Schmuggel von Geld zu bewegen und verlangten von ihm 1500 Mark zur Bestechung der Zollwächter. Der Jude lehnte ab und wurde daraufhin von dem Nationalsozialisten und seiner Frau verdächtigt, er habe „Greuelpropaganda“ betrieben. Dieses bewährte Rezept versagte aber merkwürdigerweise. Das nationalsozialistische Ehepaar ging fürchterlich ein. Der Mann bekam fünf Jahre und die Frau zweieinhalb Jahre Kerker. Der Staatsanwalt hatte diese hohen Strafen beantragt und damit begründet, daß „die anständigen Juden“ geschützt werden müßten. Wir glauben, daß dieses Urteil bloß eine Geste gegenüber dem Auslande ist, dessen Boykott wie eine würgende Hand Deutschlands Wirtschaft schon hörbar röcheln läßt. Die Ariertheorie, ausgesounen von blutigen Phantasten und Ignoranten, vom Nationalsozialismus bewußt als Sturmleiter zur Erringung der Macht mißbraucht, wird dem deutschen Volke einmal noch viel zu schaffen geben. Die Niederknüppelung des Geistes, verlogenes, wissenschaftlich verbrämtes Bramabarsieren, rücksichtsloser Gebrauch der Ellenbogen, alle diese Schändungen menschlicher Würde und Gesittung werden dem deutschen Volke noch viel Abbruch tun. Das Hakenkreuzgift wird noch Generationen hindurch wirken. Daran mögen auch jene Kreise in Österreich denken, die offen oder getarnt nationalsozialistische Ideengänge kopieren und die Ariertheorie in die Praxis umsetzen möchten. Deutschland gleicht heute dem Skorpion, der sich selbst den giftigen Stachel ins Herz treibt. Wer vom Nationalsozialismus ißt, stirbt daran. dem Einströmen von Kap ital und dem Einströmen von Arbeit Hegt. Die Regierung scheine von der Furcht beherrscht zu sein, daß der rapid fortschreitende jüdische Aufbau Palästinas der arabischen Entwicklung nicht genügend Raum lasse. Die Regierung hat offenbar keine Neigung, ihre Politik den erhöhten jüdischen Möglichkeiten anzupassen, sondern sie habe die Taktik angenommen, Juden zu zwingen, mehr arabische Arbeiter zu beschäftigen. Diese Politik hat einen Exodus der jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter aus der Landwirtschaft und ihr Einströmen in die Industrie zur Folge, was anderseits zu einem Einströmen von Arabern aus den Palästina benachbarten Ländern und ferner zu einem arabischen Zustrom aus den rein arabischen Distrikten in die jüdischen Distrikte innerhalb Palästinas selbst führt. Diese Politik wird leider auch durch gewisse jüdische Elemente gestützt. Shertok spielte dabei auf den Verband jüdischer Kolonisten an. Shertok wandte sich an die Allgemeinen Zionisten und Misrachisten, die die Exekutive der ' der politischen Schwäche beschuldigen und ein stärkeres Hervorkehien der politischen Protesthaltung fordern, mit der Gegenforderung, sie mögen sich vergegenwärtigen, daß es ihre Pflicht sei, zu helfen, daß in der Frage der jüdischen Arbeit in Palästina der Jischuw der Regierungspolitik eine eiserne Front enf> gegenstellen könne. Gewiß sei eine politische Aktion gebieterisch notwendig, aber eine politische Aktion ohne die organisatorisch zum Ausdruck kommende Weigerung des Jischmv, arabische Arbeiter zu beschäftigen, heißt, mit dem Hammer auf den Sand, statt aut den Amboß zu schlagen. Shertok ging zur Analyse des arabischen Problems über und unterstrich die Notwendigkeit, zu versuchen, den arabischen Geist zu beeinflussen; dies nicht allein, tun des Friedens willen, sondern auch um das Einwanderungsproblem einer Lösung näher zu bringen und damit die Befürchtungen zu zerstreuen, die betreffend die künftige Haltung der Palästina-Regierung in Einwanderungsfragen gehegt würden. Shertok machte in diesem Zusammenhang. Anspielung auf die Fühlungnahme, die bereits mit arabischen Politikern zu informativen Zwecken genommen wurde und deutete die Möglichkeit der Aufnahme einer politischen Aussprache mit diesen an. Professor Selig Brodetsky richtete an alle Parteien der Zionistischen Organisation den Appell, ein Kompromiß zwecks Herstellung einer starken Einheitsfront zu schließen. Er schilderte die Schwierigkeit Rasiere dich $ir und billig Fabrikat UeberaU erhältlich