Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 339 (27.3.1934)
- Date
- 1934-03-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« ft DIE STIMME Vr. m. - sfr. Mi« im Der Eidgenosse Ein Züricher Rechtsanwalt, hat vor einigen Monaten bei der Züricher Staatsanwaltschaftden Herausgeber der Zeitschrift „Der Eidgenosse“ (Kampfblatt der Schweizer Nationalsozialistischen Partei), Theodor Fischer, wegen eines Artikels verklagt, in welchem unter andern: gesagt war: „Judentum sei organisiertes Verbrechertum“, „Alljuda müsse sterben“, „die Völker müssen sich dieses Verbrechertums entledigen“ usw. Der Kläger begründete, seine Klage damit, daß er sich als Jude durch diesen Artikel in seiner Sicherheit bedroht fühle, und stützte seine Klage auf Artikel 91 des Schweizer Strafgesetzbuches. In einer nunmehr herausgegebenen Verfügung hat die Züricher Staatsanwaltschaft diese Klage a b g e 1 e h n t. Es kann nicht verkannt werden — heißt es in der Verfügung — daß alle diese unflätigen Angriffe im Interesse des Rechtsfriedens eines strafrechtlichen Schutzes bedürfen, aber es geht zu weit, von Bedrohung im Sinne des Strafgesetzbuches zu sprechen. Es sei fraglich, ob der Kläger zur Klage legitimiert sei, das heißt ob die Drohung gegen seine Person gerichtet war und ob sie vom Standpunkt des Rechtes der freien Rede rechtswidrig sei. Die Bejahung dieser Fragen erscheine nicht gerechtfertigt. Diese Entscheidung der Züricher Staatsanwaltschaft hat insofern eine prinzipielle Bedeutung, als in Basel und Bern Prozesse noch schweben, die von den dortigen jüdischen Gemeinden gegen die Herausgeber und Verbreiter verschiedener antisemitischer Schriften, insbesondere des Pamphletes der „Weisen von Zio n“, angestrengt wurden. Diese Klagen gründen sich ebenfalls auf das Prinzip der Kollektivbeleidigung. Die Verfügung der Züricher Staatsanwaltschaft kann zu der Annahme führen, daß infolge des Mangels entsprechender Gesetzesvorschriften in der Schweiz Klagen auf Kollektivbeleidigung keine Aussicht auf Erfolg haben. ★ Die Situation der Juden im Saargebiet Wie der J. T. A.-Vertreter aus gut unterrichteter Quelle erfährt, soll das heute in Genf zusammentretende Juristenkomitee für Saarfragen neben vielen anderen auch die Frage zu beantworten haben, ob der Rat kompetent ist, von dem Lande, zu dessen Gunsten das Plebiszit ausfallen kann (Deutschland oder Frankreich) Garantien für die. Rechte der rassischen, sprachlichen und religiösen Minderheiten im Saargebiet zu verlangen. Das Juristenkomitee besteht aus Professor E. B o r e 1 (Genf), Dr. Kosters, Vizepräsident des Obersten Gerichtshofes in Holland, und Dr. Marks v. Württemberg, Präsident des Appellationsgerichtshofes in Stockholm. Die Beratungen des Juristenkomitees, die streng geheim sind, werden einige Tage dauern. Ihr Ergebnis wird in Form eines Berichtes dem Unterausschuß des Völkerbund rates zugehen, der sich aus den Vertretern Italiens (Baron A 1 o i s i), Argentiniens (C a s t i 11 e) und Spaniens (Olivian) zusammensetzt. * In der Emigration gestorben Als Emigrant verstarb heute in Prag der früher in Deutschland sehr erfolgreiche Theaterschriftsteller und Bühnenleiter Fritz Friedman n-Frcderic-h. Er war lange Zeit Direktor das Berliner Mefcropaltheatenß und anderer Büihnen. Seine Bühnenstücke gingen durch alle deutschen Theater. Sehr erfolgreich waren auch seine Stücke aus jüdischem Milieu wie „Die fünf Frankfurtei-“ und ,,Mayers“. * NK-Hago will den jüdischen Nachwuchs in Handwerk und Handel vollkommen ausmerzen Berlin, 25. März. Die Zeitungen geben die Rede, die Doktor Häuser von der Berliner Gesamtleitung der NS-Hago auf einer Kundgebung der Berliner NS-Hago hielt, wieder. Dr. Häuser erklärte: In der letzten Zeit häufen sich die systematisch unternommenen Versuche der jgadea, fbre Söhne Ja Handwerk tufid Handel unt-erzubringen. Dagegen müsse die NS- Hago Front machen. Es müsse verhindert werden, daß sich für die Juden neue Einflußsphären eröffnen. Unsere heroische Zeit verlangt, die Abstreifung des Händlergeistes. * Was in Deutschland nicht gemeldet werden darf Paris, 25. März. „Das Neue Tagebuch“ reproduziert Anweisungen des Berliner Propagandaministeriums an die Pressekonferenz vom 9. März, wonach Kommentare über den Abbruch des Bergner-Films nicht gebracht, werden dürfen; auch darf über das New-Yorker Meeting mit dem Titel „Zivilisation contra Hitler“ nichts gedruckt werden. * Professor Freundlich aus dem Einstein-Turm hinausgeworfen Prag, 25. März. „Neuer Vorwärts“ veröffentlicht eine Reihe Dokumente, die illustrieren, wie der bekannte Gelehrte Prof. Dr. E. Finley Freundlich, Vorstand des Einstein- Turms in Potsdam, der bekannten Forschungsanstalt für Sonnenphysik, von seinem Posten entfernt wurde. Der administrative Leiter des Instituts H. L u d e n d o r f f, ein Bruder des Generals, machte es in einem Zirkular allen Beamtem und Angestellten des Instituts zur Pflicht, den Hitler-Gruß auch im Verkehr mit Juden anzuwenden. Gleichzeitig teilte er Prof. Freundlich mit, daß seitens des Direktors des Geodätischen Instituts eine Beschwerde über Freundlich wegen Nichterwiderung des deutschen Grußes eingelaufen ist und daß er die Beschwerde auf Ersuchen des Prof. Vahlen dem Kultusminister Dr. Rust übermittelt habe. Die ministerielle Erledigung bestand darin, daß Prof. Freundlich entlassen wurde. Hitlers „Mein Kampf“ in Litauen verboten Kowno, 22. März. Die litauischen Behörden haben die Einfuhr und die Verbreitung von Hitlers „Mein Kampf“ auch für die Zukunft verboten und dabei betont, daß das Buch keinerlei wissenschaftlichen, sondern einzig einen tendenziös-agitatorischen Charakter trage; dessen rassetheoretische L^ehre sei nicht ernst zu nehmen. Uniformverbot für Brith Prumpetdor in Griechenland Saloniki, 22. März. Die griechische Regierung hat der antisemitischen EEE und dem Brith Trumpeldor das Tragen von Uniformen verboten; sie erlaubte aber dem EEE eine Reorganisation unter andersdenkenden Führern und das Tragen einer neuem Uniform. JÜDISCHER SPORT Schlänger (Makkabi) österreichischer Meister Die Boxsektion des Makkabi IX, die durch die Abwanderung der beiden jüdischen österreichischen Meister Laub und Lindenheim zum Berufssport eine große Einbuße erlitten hat, konnte bei der diesjährigen Meisterschaft beweisen, daß sie noch immer wertvolle sportliche Arbeit leistet und ihre führende Stellung im österreichischen Boxsport nicht aufzugeben gedenkt. Die Starter des Makkabi bei der Landesmeisterschaft Blau und Schlänger, welche beide das erstemal bei der Landesmeisterschaft starteten, konnten recht gut gefallen. Blau durch seinen schönen Kampf gegen den langjährigen Weiter- und nunmehrigen Mittelgewichtsmeister Führer (Heer); Schlänger durch seine Siege gegen den Tiroler P r o d i ng e r (Innsbruck) und gegen den Wiener Lejolle (Turnverein). Schlänger konnte seinen Innsbrucker Gegner, der wegen seiner Erfolge gegen italienische und süddeutsche Repräsentativboxer als aussichtsreichster Anwärter auf den Titel des Fliegengowichtsmeisters galt, mühelos bei ständiger Überlegenheit abfertigen. Dem Wiener Lejolle war er derart überlegen, daß er Ihn treffen konnte wann und wo er wollte, ohne selbst getroffen zu werden. Die Preisverteilung nahm der zuständige Sportkommissär Major Lahr vor. Fürst Starhemberg beglückwünschte den neuen Meister. Schlänger ist nunmehr aussichtsreicher Bewerber für die nächsten Monat in Budapest itattfiadenden Europameisterschaften. Zionistischer Vortrag in Graz Direktor Wilhelm Eppstein, Mitglied des zionistischen Landeskomiteee, spricht am Donnerstag, den 29. d. M., auf Einladung der zionistischen Ortsgruppe Graz über „Zionistische Gegenwartsfragen“. Der Vortrag findet, im großen Sitzungssaal der Israelit. Kultusgeraeinde Graz statt und beginnt um ^9 Uhr abends. Eine neue zionistische Broschüre Anfangs April erscheint im Verlage des Zionistischen Landeskomitees eine Broschüre: „Der Zionismus und sein Werk.“ Sie behandelt, u. a. die Geschichte und die Organisation der zionistischen Bewegung, die Leistungen der Organisation in Palästina, Wirtschaft- und Verwaltung Palästinas, sowie die Einwanderungsbestimimmgen. Ankündigungen und mit. TEILUNGEN Dienstag, den 27. März: Sektion 2. Praterstraße 13, Seminar, Doktor Nussenblatt, 8 Uhr abends. Sektion 3, Wiener Ring-C'afe, Stubenring 18, X>9 Uhr abends, Ussischkin-Abend mit Lichtbildern, Dr. Rothblum. Sektion 6/7, VI., Loquaiplatz 11, Kurs fiir jüdische Geschichte, Dr. Taussig, 8 Uhr abends. Sektion 19. Billrothstraßc 49, Cafe Döblinger Hof, „Palästinaabend“: a) Filmvorführung, Reportagefilm aus einer Palästinareise von Ingenieur Heinrich Goldberg und Richard Müller; b) Auskünfte über Reise- und Geschäftsmöglichkeiten in Palästina von Ing. Rudolf Seiden, Dir. der Pag, 8 Uhr abends. Sektion 20, Jägerstraße 30, 8 Uhr abends, 0. Glaser, Talmudvortrag. Mittwoch, den 28. März: Akademischer Verband Allgemeiner Zionisten, II., Praterstraße 13, 9 Uhr abends, Arbeitsgemeinschaft über die Geschichte des Zionismus. Klub junger Zionisten, VI., Loquaiplatz 11, Vortrag, anschließend geselliges Beisammensein. Sektion 12, 14, 15, Herklotzgasse 21, Generalversammlung, Vortrag Dir. Dr. Viktor Kellner: „Das Programm des Allgemeinen Zionismus“, 8 Uhr abends. Donnerstag, den 29. März: Sektion 6, Loquaiplatz 11, Rechtsanwalt Dr. A. Groß, „Die neue Gewerbeordnung“, 8 Uhr abends. Sektion 13, Hietzinger Hauptstraße 22, Cafe Hietzinger Hof, 8 Uhr abends, Oberfinanzrat Dr. Benedikt: „Die Juden in der Kultur des Altertums und des Mittelalters.“ Die Zion. Bezirkssektion Leopoldstadt und der Klub „Erez-Israel“ veranstalten am Sonntag, den 1. April 1934, um 8- Uhr abends, im Festsaal des Hotel „Continental“, II., Taborstraße 4, ihre schon traditionelle „3. Sedernacht“ (Akademie mit. Tanz). Danksagung Herr Apotheker J. Groß ersucht uns um Aufnahme folgender Zeilen: „Außerstande, für die uns anläßlich der Vermählung unserer Tochter Fritzi mit Dr. Chanilna Lehr zugegangenen Glückwünsche einzeln zu danken, bitte ich alle, insbesondere die ,Wizo‘ und die Sektion VIII/IX, unseren innigsten Dank auf diesem Woge entgegonzun ehmen. Apothekor J. Groß und Frau.“ Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultus gemeinde Statistische und finanzielle Ergehnisziffern des Verwaltungsjahres 1933. Wie alljährlich anläßlich der Verfassung des Rechnungsabschlusses für das abgelaufene Verwaltungsjahr liegen auch nunmehr dem Vorstände der isr. Kultiisgemeinde Wien die statistischen und finanziellen Nachweisungen aus den einzelnen Zweigen der Gemeindeverwaltung vor. Das lebhafte Interesse, welches diese Daten im Kreise der Gemeindemitglieder finden, veranlaßt das Präsidium, in den amtlichen Verlautbarungen der Kultusgemeinde fortlaufend deren Veröffentlichung kapitelweise vorzunehmen. 1. Kultus und rituelle Angelegenheiten: In den Gemeindetempeln haben im Jahre 1933 695 Trauungen stathgefumden. Hievon wurden 150 unentgeltlich vollzogen. Im Jahre 1932 hat die Zahl der Trauungen 69t\ die der unentgeltlichen 124 betragen. Inisgesamt hat die Einnahme ans Trainingstaxen im Jahre 1933 S 38.630.— gegen S 45.540.— im Jahre 1932 betragen. Die Zahl der Eheaufgebote in den Gemeindetempeiln belief sioh im Jahre 1933 aiuf 706, im Jahre 1982 auf 750. Die Einnahmen an Aufgebotsta.xen betrugen im Jahre 1933 S 3700.—, im Jahre 1932 S 3774.—. Vor dem Rabbinate der isr. Kultusgemeinde Wien haben im Jahre 1933 insgesamt 346 rituelle Ehescheidungen stattgefunden, hievon 115 ohne Entrichtung einer Taxe. Im Jahre 1932 hat die Zahl der Scheidungen 318 betragen, hievon 74 taxfrei. Die Einahmen aus Ehesc-heidnngstaxen beliefen sich im Jahre 1933 auf S 21.192.— gegen S 25.771.— im Jahre 1932. Das Ergebnis der Sammlungen bei Trauungen, welches zur Unterstützung armer verwaister Bräute verwendet wird, belief 6ich im Jahre 1933 auf S 5645.— gegen S 9336.— im Jahre 1932. Für die Beteilung armer Bräute sind im Jahre 1933 S 6936.—, im Jahre 1932 S 7851.— aufgewendet. worden. An Bethausspenden wurden in den Gemeindetempeln und bei den von der Kultiisgemeinde veranstalteten Gottesdiensten anläßlich der hoben Feiertage im Jahre 1933 für verschiedene Wohltätigkeitszwecke insgesamt S 97.157.— oespendet, während das Ersamt S 97.157.— gespendet, während das Erplus 10 Dollar betragen hat. Der Gesamterlös für Besitzkarten beläuft sich im Jahre 1933 auf S 135.735.—, im Jahre 1932 betrug er S 151.272.—. Die Anzahl der Besucher des rituellen Bades hat im Jahre 1933 insgesamt 45.734 (1932: 49.258) betragen. Hievon 10.510 (11.072) Frauen und 35.224 (38.186) Männer. Die Zahl der im Jahre 1933 verabfolgten Gratisbäder hat 13.772 (1932: 13.124) betragen. Die Einnahmen beliefen sich im Jahre 1933 auf S 23.450.— gegen S 29.807.— im Jahre 1932, Das Betriebsdefizit im Jahre 1933 belief sich auf S 21.052.— gegen S 9433.— im Jahre 1932. Die Ergebnisse der rituellen SchlacBw t u n g e n weisen folgende Ziffern auf, wobei die in Klammer angeführten Vergleichsziffeni das Jahr 1932 betreffen. Großvieh . . , g , . s . 9.572 (12.1471 Kleinvieh 11.538 (14.346) Schafe 89 ( 114) Hievon ergaben sich als „trefe“ im Jahrd 1933 insgesamt 2877 Stück, gegen 3637 Stück im Jahre 1932. Das finanzielle Ergebnis des Schecbitai stellte sich im Jahre 1933 auf S 158.104.— gegen S 200.141.— des Jahres 1932. Die Refundierung an die Adass Jisroel hat pro 1933 S 48.063.— (im Jahre 1932: S 60.843.— betragen. Im Geflügel schäohtlokal der isr. Kui» tusgenieindo Wien sind im Jahre 1933 insgesamt 769 Gänse und 68.190 Hühner geschlachtet, worden. Unter Aufsicht der isr. Kultusgemeinde standen 35 Koscherfleischbänke, welchö an Aufsichtsgebiihren insgesamt S 24.085.— (S 25.327.— im Jahre 1932) entrichteten. Wenige Tage trennen unsnoch von Pessach und die Erzeugung und der Versand der Mazzoth ist in vollem Gange. Unter den vielen Erzeugnissen erfreuen sich Strum-Mazzoth einer besonderen Beliebtheit, die auch infolge der hohen Qualität derselben berechtigt ist. — Strum-Mazzol-h sind nach einem besonderen Vorfahren durch eigons hierfür konstruierten Maschinen erzeugt, die von jüdischen Arbeitern bedient werden. Die Maschinen worden in kurzen Intervallen von Maschgichim ausgcweohsolt und geputzt, so daß während dor Reinigung der einen die anderen im Betrieb sind — ein Vorgang, dor in bozug auf Kaschruth von großor Bedeutung ist. Die Maschgichim über wachen den ganzen Prozeß, den jede Mazza durehzumachon bat — von der Versorgung des Wassers, des sogenannten Majim scbolamj, das schon tags vorher, und zwar big Sonnenuntergang des vorangegangcneri Tages boreitsgostellt, sein muß, bis zum Auswerfen der Mazzoth durch den elektrisch betriebenen Drehofen, von wo aus sio von geschultem Personal der sorgfältigsten Verpackung zuge führt. werdon. Die Strum-Mazzothbäckerei, 1L, Rotensterngasse 11, steht, unter Aufsicht Sr. Ebrwürden Rabbiner Babad Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich. Wien, I., Kärntnerstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Rudolf Glücklich. Wien. I., Kärntnerstraße 28. — Druck: Vernay A-G., Wien, IX., Canisiusgasse 8—10.