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Die Stimme · 1934-06-26 · Heft 364 (26.6.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 364 (26.6.1934)
Date
1934-06-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis dieser Nummer SO g V. b. b. Ra« und Hilfe ImI Fufi» und Bvudddiden Alle KRANKENPFLEGE« A r t ikel auch LEIHWEISE! Führendes Fachinstitut HnndaqEn-lHTholnBth Wien, Tabor str. SS, Tel. R 47-1-85, R 41-0-60 jüdische zeitung Nr. 364 | Wien, 26. Juni 1934f Redaktion und Administration Wien, KgrntnerstraBe 28 Tel. R 27-4-86 Redaktionsschluß Montag und Mlttwooh vorm. Grandioser zionistischer Wahlsieg in Baden Vernichtende Niederlage der Agudae Jisroel - Die blau-weiAe Fahne weht vom indischen Gemeindehause Baden, 25. Juni. Gestern fanden in Baden die Kultusgemeindewahlen statt, bei welcher der Zionistenblook und der unter seiner Patronanz stehende Wirtschaftsverein als vereinigte Wahlwerber gegen die Agudas Jisroel auftraten. Das Wahlergebnis war sensationell. Die Agudas Jisroel erhielt nicht ein Mandat. Sämtliche 12 Mandate wurden vom Zionistenblock und Wirtschaftsverein besetzt. Von 397 Wahlberechtigten (beteiligten sich 352 Wähler an der Wahl, das ist eine Wahlbeteiligung von 90%. Gewählt wurden alle Kandidaten der Liste der Wirtschaftspartei und Zionistenblook. Dadurch entsteht eine klare zionistische Majorität. Der Kandidat der Wirtechaftspartei und des Zionistenbloctos, der die wenigsten Stimmen auf sioh vereinigte, bekam um 100 Stimmen mehr als der Kandidat der Aguda, der in der unterlegenen Gruppe die meisten Stimmen erhielt. In den Vorstand wurden gewählt: Dr. Josef Ales, Moriz Brandes, Dr. Deutsch Samuel, Gelles Ignatz, Gurari Michael, Grünwald Ludwig, Dr. Rudolf Laokenbacher, Letzter Moritz, Schiallinger Benno, Dozent Dr. Josef Singer, Stern Anton, Ungiar Josef; Ersatz: Gelles Adolf, Glück Hermann, Elemburg Heinrich, Reis Wilhelm. In den erweiterten Ausschuß wurden gewählt: Dr. Alt Emmanuel, Deutsch Max, Dr. Ehrlich Eduard, Dr. Katz Leo, Kohn Rudolf, Ing. Kollisch Otto, König David, Löbl Max, Löwinger Josef, Sohneider Albert, Stern Siegfried, Viola Heinrich. * Der Erfolg der Zionisten ist umso bemerkenswerter, als die Agudas Jisroel und die Union österreichischer Juden alle Anstrengungen gemacht hatten, um die Niederlage der Agudas Jisroel zu verhindern. Die Herren Dr. Deutschländer, Doktor Ticho, Dr. Lenk und Dr. Foldaberg waren nach Baden geeilt und warben für die Agudas Jisroel. Bemerkenswert ist, daß Herr Dr. Lenk mit seinen Sprüchlein, die aus der Wiener Wahlschlaoht im Jahre 1932 stattsam bekannt sind, in einer Agudah-Versammlung in Badeu sehr böse Erfahrungen machte. Seine Ausführungen fanden bei den Agudi stein stürmischen Widerspruch. Er mußte seine Rode unterbrechen und sein Abzug aus dem Saale sah einer Flucht verteufelt ähnlich. Die Wahlergebnisse wurden von der jüdischen Bevölkerung Badens mit großer Begeisterung aufgenommen. Auf dem jüdischen Gemeindehause wurde die blauweiße Fahne gehißt und die begeisterte Menge sang die T i k w a h. Der zionistische Sieg bei den Badener Kultusgemeindewahlen hat große symptomatische Bedeutung. Er zeigt, daß die zionistische Idee in Österreich, die bereits bei den Kultusgemeindewahlen in Wien im Jahre 1932 einen Triumph feierte, unwiderstehlich Gemeingut der jüdischen Bevölkerung in Österreich wird. Der zionistische Sieg in Baden zeigt aber auch weiters, daß die Agudas Jisroel, die sich immer als die patentierte Hüterin der Religiosität ausgibt und die Schützenhilfe der „R e i c h s p o s t“ in Anspruch nimmt, eine bedeutungslose kleine Gruppe ißt. Der Mißerfolg, den die Herren Dr. Lenk und Konsorten von der Union österreichischer Juden in Baden erlitten, beweist, daß das volksbewußte Judentum in Österreich auch von dieser Gruppe nichts wissen will. Dieser an einem rapiden Mitgliederschwund leidenden kleinen Gruppe gelang es zwar kürzlich noch durch den Erfolg einer Geldsammlung in London, von der sie selbst behauptete, er sei durch „unerhörte Übertreibungen und Unwahrheiten“ zustandegekommen — was sie aber nicht hindert, das Geld zu behalten — die leere Vereimskassa etwas aufzufüllen. Es kann ihr aber nicht mehr gelingen, neue Anhänger zu gewinnen. Sie ist durch alle politischen Wässer geschwommen, vom Liberalismus bis zu ihrem Wahlpakt mit den sozialdemokratischen werktätigen Juden bei den letzten Wiener Wahlen, und eilt von Niederlage zu Niederlage. Das Fiasko ihrer Bemühungen in Baden beweist, daß die Union österreichischer Juden politisch ausgespielt hat. Unsere Badener Gesinnungsgenossen haben der Agudas-Jisroel und der Union österreichischer Juden eine v e r ni c htende Niederlage beigebracht. Wir beglückwünschen unsere Freunde und Geßinnungsgenoss e n zu ihrem prächtigen Erfolg und hoffen zuversichtlich, daß nunmehr die jüdische Gemeinde in Baden, deren Leben bisher vollkommen erstarrt war, von einem neuen — dem zionistischen Geist — erfüllt sein wird und mit zur Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes beitragen wird. Barthou antwortet Cuza Ein eigenartiges Zwischenspiel hat die rumänische Kammer am 21. d. gesehen. Der Regierungsantrag, den französischen Außenminister Barthou zum Ehrenbürger des Staates zu ernennen, gab allen Parteiführern Gelegenheit, den Gast zu begrüßen. Auch Cuza, der Antisemitenführer, nahm das Wort und er konnte die Gelegenheit nicht vorbeilassen, seinen besonderen antijüdischen Standpunkt zu betonen. Er rühmte Barthou als Vertreter des nationalistischen und christlichen Frankreichs, schilderte die jüdische Herrschaft in Europa und schloß mit einem Hoch auf das christliche und nationalistische Frankreich. Die Rede war unter den gegebenen Verhältnissen in Frankreich, wo sich die nationalistischen Staatsfeinde unter Herausstellung des christlichen Moments gegen die republikanische Regierung sammeln, eine Taktlosigkeit, und Barthou behandelte die Sache auch als solche. Er sei, sagte er in seiner Dankrede, Nationalist und Christ; als Nationalist fordere er die Achtung der Gesetze, aber auch Achtung für alle unterdrückten Völker; und als katholischer Christ verlange er, daß auch jede andere Religion respektiert werde. Die Antwort ist scharf pointiert gewesen und sie sagt alles, was in diesem Augenblick dem Cuza zu sagen war. Doch mehr, sie ist eine Warnung an Cuza und die miit ihm Sympathisierenden vor einem Angriff auf die Minderheiten und unter ihnen die Juden. Sie ist ein Signal an Rumänien, wo Ducas Ermordung ungesithnt geblieben ist, nicht in die deutsche Straße einzubiegen. Denn Cuza ist so etwas wie ein Statthalter des Hitlers und seine eiserne Garde, eine Vereinigung . von Halbintellektuellen und Studenten, trägt das Hakenkreuz als äußeres Symbol ihres auf Judenmord gestellten Programmes. Der französische Außenminister hat für seine Warnung, die weit über Cuza hinaus adressiert ist, auch einen sehr einprägsamen Augenblick wählen können. Er sprach aus der Situation heraus, die durch Deutschland geschaffen worden ist und die für alle Regierungen und Völker ein Gegenstand ängstlichster Sorge geworden ist. Die Machtübernahme durch die großsprecherischen Nationalsozialisten hatte bei allen Strömungen, die den Bau der Gesellschaft Umstürzen wollen, hochgespannte Hoffnungen geweckt. Die Weltkrise ist so groß und umfassend geworden, daß sie nur durch das weitgehendste friedliche Einverständnis aller Völker eingedämmt werden kann. Dies setzt den unbedingtesten Willen voraus, jeden Gedanken an Krieg beiseite zu lassen, da doch der Krieg wieder nur ein unsinniges Verpulvern der Produktion ist und kein einziges Problem lösen kann. Krieg aber ist das Um und Auf der Chauvinisten; sie können nur im Hurrahgeschrei gedeihen, ihr Nährboden ist die Stimmung des gegenseitigen Mißtrauens und sie erzeugen den Blutrausoh, indem sie zunächst alle Haßinstinkte gegen die Minderheiten und besonders gegen die Juden mobil machen. In Deutschland ist es zuerst gelungen, mit Hilfe des Antisemitismus eine Art Revolution zu erzeugen und im Verlauf dieser Entwicklung ist es in verhältnismäßig kurzer Frist klar demonstriert worden, daß der angewandte und regierende Chauvinismus nichts schaffen kann. Eine halbe Million Juden ist ruiniert worden. Das ist der ganze und einzige Erfolg. Was sonst versprochen wurde, bat sich als Lüge herausgestellt. Dieses System aus Mord, Brutalität und Augenauswischerei bricht in sich zusammen. Die Führer, in brennender Angst vor der Stunde der Abrechnung, versuchen mit Kinkerlitzchen, mit Fest und Freudegeschrei das unterirdische Grollen zu übertönen. Feldzug gegen die Miesmacher und Kritikerstar, erneute Hetze gegen die zu Boden getretenen Juden, Säbelrasseln und Drohungen einerseits, feiges Ducken anderseits vor jedem Bewaffneten, hilf was helfen kann! Goering fliegt nach Belgrad und muß dulden* daß man ihm dort aus weicht wie einem Pestkranken; Goebbels geht nach Polen und muß um eine Audienz bei Pilsudski bitten; Hitler bettelt bei Mussolini um Hilfe und hört eine rauhe Antwort: Daß die Barbarei Deutschlands die Idee des Faszismus kompromittiert, daß der Rassenwahnsinn und die Gemeinheit gegen die Juden eine permanente Beleidigung aller nichtdeutsohen Völker darstellt; daß das Revanohegesohrei alle Völker zum Wettrüsten zwingt; Italien kann nicht helfen, wenn nicht Deutschland in den Völkerbund zurückkehrt und wenn es nicht die Attacken gegen Österreich einstellt. Deutschland — so hat Mussolini gutem Vernehmen nach dem braunen Kanzler vorgehalten — behauptet seine ReparationeVerpflichtungen nicht zahlen zu können; aber es hat Geld, um in Österreich Banditen zu bezahlen, um Österreichs friedlichen Aufbau zu stören und auch diesen Staat in den Abgrund hineinzureißen. Hitler hat dies anhören müssen und ist dann hehngeflogen. Und als er heimkam, faßte Papen Mut zu der bekannten Rede, die wie ein Blitz die innere Lage Deutschlands beleuchtet hat. Und die Reaktion der Nationalsozialisten, der gegen Kritik intoleranten Weltbefreier — war ein lendenlahmer Zeitungsaufsatz des Rosenberg. Der Stern des Hakenkreuzes ist unerblassen ... Und damit fällt auch das Prestige dieser ausgezeichnet organisierten Mordmasohinerie. Nur in Österreich gibt es noch einen nennenswertem Anfang der Nationalsozialisten, dessen Aktivität Goebbels mit viel Geld alimentiert. Rings um Deutschland wächst eine Allianz des Zorns und der stärksten Entschlossenheit, schließen sich die Reihen der ehrenhaften und anständigen Menschen zusammen, um die Kultur zu retten. Im Namen der zum Gegenstoß sich bereitmachenden europäischen Zivilisation sprechen alle, die noch Verantwortung fühlern: Gömbös, die Mi- Rasiere dich M und billig Qualltiits- FabrlKat Ueberall erhältlich

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