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Die Stimme · 1934-03-16 · Heft 336 (16.3.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 336 (16.3.1934)
Date
1934-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Krsehelnt Dienstag und Freitag VMi fl*Mr Nummer tO g V. t». b. Heut^Jugendbeilage! JÜDISCHE ZEITUNG WeimEinkauf ist Vevlrauenssadie! Verlangen Sie ausdrücklich: PfllBSTINfi-UJEINE RISHON ZION PßOPR. BARON ROTHSCHILD'* ln allen emsehlüg. Geschäften erhältlich Autor. Vertreter für Österreich: Gustav Wilder, Wien, IV., Ralnerg. 31 Tel. U 42-4-84 |^(Z9^da^694)^J^^^ahrgang Redaktion und Administration. Wien, l. Kgrntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85. RedaktionssohluB Montag und Mlttwooh vorm. Das Treiben der Getarnten Nun ist feöhdri ein Monat seit den schweren Föbruartagen Österreichs vorbei. Sie haben die Umwälzung, die sich schon seit zwei Jahren angekündigt hatte, begonnen, eine große, mächtige, bis ins letzte Detail wöbldrganisferte Partei zum Verschwinden gezwungen, und der Regierung freies Feld für'ihre.auf Umgestaltung des Verfassungsupd Vertretungslebens gerichteten Bemühungen geschaffen. Noch im Laufe dieses Monates soll die definitive Stände Verfassung und die Übergangsverfassung der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden und dann wird der zu diesem Zweck aus seinem lethargischen Schlaf zu erweckende Nationalrat die Gesefczwerdung der beiden Elaborate vollenden haben. Es ist eine ungemein schwierige und komplizierte legislatorische und' organisatorische Arbeit zu leisten,- die sich, nirgends an. ein Vorbild anlehnen kann u*f<t die naturgemäß wenigstens in der ersten Zeit Unstimmigkeiten und Härten nicht wird vermeiden können, die nur durch eine sorgliche Prüfung der gesamten Öffentlichkeit herausgeschält werden können. Unbedingtes Prinzip jeder Reform kann selbstverständlich nur die volle und voraussetzungslose Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetze sein und dieses gleiche Recht muß ge wä b r 1 e i s te t sein, zumal ja die internationalen Verträge, insbesondere die Bestimmungen über den Minderheiten'ec.h.u tz dies ganz eindeutig verschreiben. Pie Erklärungen, die der Bundeskanzler kürzlich, wie er selbst sagte, auf Grund seiner christlichen Weltanschauung an Krotten und. Slo w e nen gerichtet hat, nehmen auch die Juden für sich, in Anspruch, unbeschadet aller für Österreich geltenden anßenpoli tischen Bindungen. Das Reformwerk ist undenkbar, wenn es ßich nicht in einer Atmosphäre der inneren Ruhe und der Mitarbeitsbereitschaft der Bevölkerung vollziehen kann, wenn nicht alle Schichten vop . der. Überzeugung erfüllt sind, daß Hader lind Hetze nur den an der Grenze lauernden Feinden des Staates in die Hände arbeiten. Es leben im Lande zur Genüge Agenten, bezahlte und unbezahlte, dieses Annexionismus, denen jede Gelegenheit willkommen ist, Haß und Feindschaft zu erzeugen, und die sich die Gelegenheit, wenn sie nicht gleich zur Hand ist, selbst erzeugen. Vor allem geht da die Judenhatz weiter, die in eine Verbindung mit allen Sorgen des Volkes gebracht worden ist Davon läßt ßich sehr gut leben. Die einen schreiben Bücher, die anderen lügen in Zeitungen, daß sich die Balken biegen, und ziehen gute Honorare aus dieser Tätigkeit. Selbstverständlich sind diese Preßorgane treffliche Schrittmacher des Nationalsozialismus, dessen Gift sie, dank einer milden Auslegung der Presseverordnungen der Regierung, ungestört verbreiten können. Man tibersieht in den leitenden Kreisen, daß der Nationalsozialismus, dessen äußere Erscheinungsform als Partei und Formation verboten ist, auch einen inneren, sozusagen geistigen Inhalt hat, die ungefähr der Theorie des Kannibalismus gleichkommt. Er wird machiavellistisch aufgetan, tritt unter allerlei Masken auf und gibt eich in Österreich in weiser Anpassung an die Polizeivorschriften heimattreu und österreichisch und sucht überall nach den schwachen Punkten der Front. Der Judenhaß ist so eine Stelle, von der aus zur Bresche angesetzt werden kann, von der die innere Ruhe sich ausheben ließe. „Die Juden“ — das sind die Juden schlechtweg, als Gesamtheit, wie als Einzelindividuum, „die Juden“ aber sind auch Menschlichkeit, Bildung, Ehrlichkeit gegenüber eingegangenen außenpolitischen Verpflichtungen, „die Juden“ sind Loyalität und gute Sitte. Alles, was den Getarnten nicht in den Kram paßt, wird als „jüdisch“ verschrieen und in den Kreiß ihrer Lügen einbezogen. Dem Zweck der Verschleierung der wahren Ursachen der Not dient das Geblödel über die „jüdische Vorherrschaft“, dient der dem Österreicher ursprünglich ganz fremde Rassenunsinn, dient die Hetze gegen jüdische Intellektuelle, jüdische Gewerbetreibende, dient auch die Intrige gegen Staatsfunktionäre, die in ihrer Treue zu Eid und gesundem Menschenverstand sich dem Postensturm widersetzen. In den verschiedensten Verkleidungen treiben die Habicht-Agenten ihr Unwesen. Es würden eich kuriose Dinge ergeben, wenn die Preßpolizei einmal in diese Schlupfwinkel hineinleuchten und die Einbläser der bekannten Artikel über Gewerbereform und Btirgerschaftsrevision dingfest machen würde. Das Dritte Reich, und die Goebbels-Kassen epielen da stärker hinein, als man sonst annimmt, und die Verpestung des öffentlichen Zusammenlebens durch Naderertum und Spitzelei macht sich in Reichsmark gut bezahlt. Die jüdische. Bevölkerung Österreichs ist sich ihres guten Rechtes,, ihrer Staatstreite zu sehr bewußt. Sie ist selbstverständlich) voraussetzungslos' und ohne Hintergedanken zur Mitarbeit an der Gesundung der-Wirtschaft bereit. Man kann aber, nicht von ihr erwarten, daß sie sich widerspruchslos von den dunkeln Subjekten, von anonymen Schreibgesindel anspucken läßt. Die Judenschaft hat volles Recht darauf, daß von amtlicher Stelle im Interesse des guten Namens dieses Staates gegen die Brunnenvergifter eingeschritten, wird. Wir haben alles Verständnis für freie Meinungsäußerung, aber keines für getarnte bezahlte Hetze einiger Schubjaken, für offene Aufreizung gegen Gesetz und gute Sitte. Staatsreform und Judenhetze In den letzten Tagen mehren sich die Anzeichen eines aggressiven Antisemitismus, Unter dem Deckmantel der Arbeit für die- Neugestaltung Österreichs sind manche Kreise darauf aus bisher von Juden besetzte Posten zu ergattern. So wurden alle im Dienste der Stadt stehenden Ärzte und die einzige jüdische Krankenpflegerin entlassen. Wir verweisen unsere Leser auf die folgenden-uns bisher zugekommenen Berichte und werden auf die Sache noch ausführlich zurüokkommen. Wir aber halten uns an den hier geschilderten Tatbestand und verlangen das Eingreifen des hier zuständigen Sozialministeriums. Lohnabzugssteuer hat mit Zuständigkeit und Konfession gar nichts zu tun. Darüber müssen die, die es angeht, von dem zuständigen Ressort belehrt werden. UiiJIANN, RINK er co.t INTERNATIONALE SPEDITION I, KtjrreMftuwe 12 Telephon U 22*2-54 tipiptalvorlMlpr «uioh Palästina fftr Obersfetflunfen Gütertransporte via Donau ua4 Triest Ein Fragebogen der Arbeiterversicherungs- Kasse Die Arbeiter-Krankenversicherungißkasse in Wien (I., Wipplingerstraße 28) hat an die Angestellten und Ärzte ein Rundschreiben gerichtet, welches „anläßlich der Abrechnung der Lohnabzugs- Steuern für 1933“ die Ergänzung der Änderung in den Personal- oder Familiendaten auf Grund des § 24 der Dienstordnung für die Angestellten und des § 20 der Dienstordnung für die Wiener Kassenärzte einfordert. Dem Rundschreiben liegt ein Fragebogen bei, der., vollständig und wahrheitsgetreu zu beantworten ißt. Dieser Fragebogen unterscheidet sich von dem gesetzlichen Zählungsblatt dadurch, daß er die Frage nach dem Datum der Zuständigkeit und nach der Religion stellt. Was die Abrechnung der Lohnabzugs- Steuern mit Zuständigkeit und Religion zu tun hat, kann niemand begreifen. Aber >im Zusammenhang mit der ganzen Situation, mit den unter verschiedenen Bezeichnungen auftretenden antijüdischen T< d e n z e n bekommen diese Fragen ihren besonderen und verständlicheren Inhalt. Wenn da so im Handumdrehen das gesetzlich vorgeschriebene Formular gemäß den ariech-rassischen Forderungen abgeändert wird, so wird ein Präjudiz geschaffen, das aber nicht nur in Österreich, sondern auch anderwärts wirken kann. So kann zum Beispiel in der Tschechoslowakei auf Grund des in Österreich geschaffenen Vorbildes ein dort versicherter Angestellter jederzeit nach Zuständigkeit und „seit wann“ gefragt und je nach der Antwort behandelt werden. Die deutsch-arischen Rechtsanwälte Der Verband deutsch-arischer Rechtsanwälte Österreichs versendet an die Rechtsanwälte ein Schreiben, in welchem es heißt: „Mit Bezug auf verschiedene der Verbandsleifcung aus Kreisen der Mitglieder und der arischen, christlich-deutschen Presse zugegangenen Anregungen sieht sich der Vorstand veranlaßt, zu statistischen Zwecken jenes Material zu sammeln, welches geeignet wäre, zahlenmäßig die Ursachen und Auswirkungen des wirtschaftlichen Niederganges der arischen Rechtsanwaltschaft dareines nicht arischen Vertreters bedienen, wobei Sie krasse Vertretungsverhältnisse dieser Art besonders hervor heben wollen. Sie -werden weiters ersucht, der Verbandsleitung mitzuteilen, ob und in welcher Weiße Sie bereit wären, sieh an den Arbeiten zur Vorbereitung eines „Wirtschaftsverbandes der arischen Erwerbsstände Österreichs“ werktätig zu beteiligen, allenfalls welche Verbände (Genossenschaften, Gewerkschaften u. a.), beziehungsweise Großfirmen und Einzelpersonen z u diesbezüglicher Mitarbeit und finanzieller Hilfeleistung heranzuziehen wären. Die Formblätter zur Beantwortung der beiden vorangeführten Fragen sind beigeschlossen.“ Der Zweck dieser „Statistik“ ist einfach Kundenfang, versucht durch Spitzelei; nicht sehr geschickt, wie das nun einmal in diesen Kreißen so ist. Aber man muß doch die Rührigkeit dieser Rechtsanwälte bewundern, die aus einer gegebenen Situation die für ihre Tasche besten Konsequenzen zu ziehen wissen und man muß sich dies als Muster nehmen. Eß werden sich auch die jüdischen Verbände „mit den krassen Vertretung® Verhältnissen dieser Art“ statistisch befassen müssen. „Die Ausschaltung jedes jüdischen Einflusses" Als drittes Dokument aus der Zeitgeßchichte möge hier ein Flugblatt erwähnt Zu diesem Zwecke werden Herr Kollege zunächst ersucht, ehegefälligst jene Fälle bekanntzugeben, in denen sich arische Firmen und sonstige Parteien des In- und Auslandes] wenden, das der „J o s e f s t ä d t, e r Nach Palästina mit der Compass Tours 17« Aprils Offizielle Messereise 30» April i Zweite Messereise mit dem Luxus-Motorschiff „Vulcania“ Uber Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut WjJInwIwI««^^^ Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3 4t Telephon B 42-5-38

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