Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 334 (9.3.1934)
- Date
- 1934-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054089--4069-3059644- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 334. — 9. Mäh: 1934 DIE STIMME Seit« T der Veröffentlichungmeines Artikels (Haarez, vom 31. Dezember 1933, Haolom, vom 11. Jänner 193-1) das in der Richtigstellung genannte Herzl-Archiv-Komitee iiberliaupt noch nicht bestanden hat. Das Archiv stand seil jeher in der ausschließlichen Verwahrung und Verwaltung der Testamentsvollstrecker Ilerzls, der Herren Kremenezky und Hciohenfeld. Wichtige, das Archiv betreffende Fragen, wurden im Schoße des obgenannten ITorzl-ÜberfülirungskomRees beraten. So wurde über daß Archiv auch in der erwähnten Sitzung vom 28. September 1933 neben der Frage der letzten Ruhestätte Ilerzls auch die des Bestimmungsortes des Nachlasses verhandelt und hierüber Stimmcneinhelligkeit erzielt. An dieser Sitzung hat außer den oben genannten Herren des Herzltjberfiihriiiigskomitee.s auch Herr Ussischkin teilgcnommcn, der mir hierüber Mitteilung machte und dessen Ansichten sowohl hinsichtlich der Grabstätte alß auch der Aufbewahrung des Archivs vom Komitee akzeptiert wurden. Inwiefern die Beschlüsse dieser Sitzung von der Genehmigung der zionistischen Instanzen abhängig sind, entzieht sich meiner Beurteilung. 3. Ich werde mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln als Journalist, mich auch in Hinkunft dafür einsetzen, daß das Archiv in die Verwahrung, Verwaltung und Bearbeitung der Jerusalemer Nationalbibliothek übergehen werde. Dae Archiv ist ein nationaler Schatz, und jeder Tag, um den die Überführung verzögert wird, bedeutet ein nationales Risiko, für das jeder Zionist die Verantwortung trägt. Die historische Verwendung des Archivs kann meines Erachtens nur unter Kontrolle eines an der Universität in Jerusalem tätigen, von Historikern und sonstigen hiezu berufenen Männern zusammengesetzten Komitees, das auch den Zeitpunkt der Veröffentlichung besonderer Stücke aus dem Nachlaß festzwsetzen haben wird, erfolgen. M. Ungerfeld. JUSISCHER KALENDER 9.—15. März 1934 22.-28. Adar 5694; Freitag (9.) Sabbatb-Eing. 5 Uhr 45 Samstag (10.) Sabbath-Ausg. 6 Uhr 40 Wochenabschnitt: Wajakhel-Pelcudej Eine antisemitische Fälschung Wir erhalten die folgende Zusclirft: S e hr geehrt e r II e r r R e <1 a k t e u r t ln der letzten Nummer der „Stimm©1* wird in einer Notiz unter dem Titel „Die G e t a rate n“ aus den „Depeschen“ öiu antisemitischer Ausspruch zitiert, der lautet: ..Drei Wesen sind zuchtlas: der Hahn unter dem Federvieh, der Hund unter den Vierfüßlern und Israel unter den Völkern.“ | Ich erlaube mir, darauf hmzuweLsen, j daß es sich hier, unter Weglassung der I Quellenangabe, um ein niedriges, schämj loses Plagiat aus dem Talmud bau- delt, wobei nach altgewohnter antisemiti-; seher Methode 3in Ausspruch aus dem Zui sammenhauge herainsgerhsen und durch! eine in böswilliger Absicht gefälschte Übersetzung diesem Ausspruch ein anderer, entgegengesetzter Sinn, gegeben wird, als ihm eigentlich innewohnt, wodurch der unwissende Leser irregeftihrt werden soll. Bei dem hier in Rede stehenden Ausspruch wurde im Text das hebräische Wort „Az“ (ajin + zajin), das „mutig, stark“ bedeutet, mit „zuchtlos“ übersetzt und die Reihenfolge verschoben, damit die Quelle unkenntlich gemacht wird. Dieser Ausspruch befindet sich im Talmud Bablti, Tr. Beza 25 B, und lautet im Zusammenhänge mit dem Vorhergehenden in deutscher Übersetzung wie folgt: „Es wird doziert im Namen des R. Meir: Weshalb wurde (ausschließlich): Israel die -Torah gegeben?“ Antwort: „Weil sie (Israel) mutig (stark) sind.“ „In der Schule des R. Isma-el wurde doziert: Gott sagte: Sie (Israel) sind würdig, daß die ,Gesetzesglut* (,esoh clat*, wio die Torah mach Mos. V., Kap. 33, V. 2, bezeichnet wird) ihnen gegeben wurde.“ Im Zusammenhänge mit dieser Diskussion meint R. Lakisch: Soh’losclia Azin ben Israel bäumet,h keleed bechajoth Wetarnepol beofoth. „Drei Kategorien (unter den Lebewesen) sind besonders „stark** („mutig**). (=hebr. „azim“ pl. von „az“. Raschi erklärt zur Stelle‘das Wort „a.zin“ mit „schwer besiegbar“): „nämlich Israel unter den Völkern, der Hund unter den Tieren und der Hahn unter den Vögeln.“ Der Redaktion der „Depeschen“ zur Beachtung und Richtigstellung empfohlen! Mit Zionsgruß Dr. Samuel R a p p a p o r t.!■—HEEÜBIDIBEiniDIClPB—MF Steckbrief gegen Alfred Döblin Berlin, 5. März. Das Finanzamt Berlin-Neukölln hat gegen den Schriftsteller und Arzt Dr. Alfred Döblin und seine Frau wegen „R e i c h sf 1 u c h t s t c u c r“ in der Höhe von rund 12.000 Mark einen Steckbrief erlassen. Diese Meldung ist im R u n d funk bekanntgegeben worden mit der Aufforderung, Döblin zu verhaften, falls er auf Reichsgebiet betroffen wird. Stockbriefe auf Grund einer nebulösen Beschuldigung, sich der Zahlung der „Reichsfluchtsteuer“ entzogen zu haben, sind ein beliebtes Mittel zur Verfolgung Ins Ausland geflüchteter jüdischer Schriftsteller geworden. Solche Steckbriefe sind auch hinter Arnold Zweig und mehreren anderen jüdischen Schriftstellern und Künstlern erlassen worden. •k Jugendliches Opfer des „Hitler* Terrors“ Istambul, 6. März. Der 1 (5jährige Sohn dos aus Deutschland vertriebenen, jetzt an der Konstantinopeler Universität lehrenden jüdischen Professors K a. n torowicz hat Selbst m o r d begangen. Er war in Deutschland zusammen mit seinem Vater in einem Konzentrationslager interniert und hatte damals einen Nervenschock erlitten, von dem er sich nicht mehr erholen konnte, so daß er nun in den Tod ging. De Valeras Abstammung London, 5. März. Die irländische Regierung hat bekanntlich den Faschisten das Tragen der blauen Hemden verboten. Im irischen Parlament, wo dieses Verbot behandelt wurde, erklärte der Regierungschef de V a 1 e r a: „Wie 1922 wird auch heute eine schmutzige Propaganda gegen mich geführt. Man glaubt, mich schwer zu treffen, wenn man behauptet, ich sei jüdischer Abstamm u n g. Mir persönlich ist es gleichgültig, was man über mich sagt, es ist aber Tatsache: in meinen Adern fließt kein Tropfen jüdischen Blutes. Weit entfernt davon, etwas gegen die Juden sagen zu wollen, erkläre ich, daß ich väterlicherwie mütterlicherseits von Katholiken abstamme. Was geht beim „Bund füdischer Frontsoldaten“ vor? Wie wir erfahren, hat der bisherige Bunde,sführer des Bundes Jüdischer Frontsoldaten, Herr Generalmajor Emil Sommer, die bei der Generalversammlung des Bundes Jüdischer Frontsoldaten vom 1. Februar d. J„ neuerlich auf ihn gefallene Wahl nicht angenommen. Dieser Schritt des Generalmajors Sommer vrird nicht verfehlen, in der jüdischen Öffentlichkeit das größte Aufsehen zu erregen. Die Stellungnahme des Generalmajors Sommer ist darauf izurKckzufübren, daß eine von ihm bei der Generalversammlung beantragte Statutenänderung von einer knappen Majorität abgolehnt wurde. Nach seinem Vorschlag hätte der Ausschuß aus dem Bund esf ühror, einem Exekutivkomitee und den Fachreforenten bestehen sollen. Die Mitglieder des Exekutivkomitees wären von Generalmajor Sommer aus den von der Generalversammlung gewählten Personen zu ernennen gowesen. Außerdem sah sein Vorschlag zur Abänderung der Statuten vor, daß kein Mitglied dos Exekutivkomitees oder Ausschusses beim Bund Jüdischer Frontsoldaten selbst oder bei einer dem Bund nahestehenden Organisation, unter welchem Titel immer, einen Gehalt boziehon diirfo. Wio wir erfahren, herrscht in den Kreisen der Mitglieder des Bundes Jüdischer Frontsoldaten wogen des Rücktrittes dos Generalmajors Sommer, Erregung. Die in don neuen Ausschuß gowählton Herren Dr. G r ü nb a u m, Dr. Richard Koch und Dr. Heinrich S o k a 1 haben ihre Wiederwahl abgeltihnt, beziehungsweise sind zurüokgetreten. Der derzeitige Rumpfausschuß hat es übrigens bisher nicht für nötig befunden, eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufon. Die jüdische öffontdlchkeit wird diese Vorfälle sicher bedauern und die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse heim Bund Jüdischer Frontsoldaten für wünschenswert erachten. An die Allgemeinen Zionisten in Österreich Über Initiative des Verbandes der Allgemeinen Zionisten hat der Kongreß einmütig beschlossen, Menachem Ussischkin anläßlich seines 70. Geburtstages durch Schaffung einer neuen Siedlung „Kfar Ussischkin“ zu einen. Der Dank für seine bereits geschichtlich gewordenen Leistungen ist die Ermöglichung von Neukolonisation. Ein neues P r i n z i p wird bei dieser Ansiedlung in Anwendung gebracht werden: Jede Föderation wird ihre Mitglieder entsprechend ihrem Beitrag zum K f a r Ussischkin a n s i edeln können. Wollen wir also allgemein-zionistische Jugend und Mittelständler ansiedeln, so müssen wir eben alle Kräfte anstrengen. Wir fordern daher die Allgemeinen Zionisten Österreichs auf, sich ganz in den Dienst des „Kfar Ussischkin“ zu stellen. Die Sache spricht für sich. Unsere Antwort soll die T a t sein. Wir verlangen, daß umgehend alle Sektionen und Ortsgruppen die Selbstkontingentierung ihrer Mitglieder durchführen und bei Freunden und Bekannten eifrig sammeln. Propagaudainaterial ist im Büro des Keren Kajemet erhältlich. Die Aktion muß raschest durchgefilhrt werden. In jeder Sektion und Ortsgruppe ist sofort ein Komitee einzusetzen, dem der Obmann der Sektion der KKL-Kommissär angehören müssen. Das Komitee ist für die Durchführungder Aktion verantwortlich. Es bleibt bis zur Beendigung der Aktion in Permanenz. Als Einleitung soll eine Ussischkin-Feier im Rahmen jeder Sektion und Ortsgruppe stattfinden. Von unserer Arbeit und von unseren Opfern wird es abliängen, wieviele Allgemeine Zionisten aus Österreich auf dem Boden des Kfar Ussischkin zur Ansietllung kommen. Jeder Allgemeine Zionist tue daher seine Pflicht! Zionistischer Landesverband für Österreich für das Zion. Landeskomitce Dr. Berge r Dr. G r ii n b a u m P a ß w e g SPRECHSAAL Zur Richtigstellung des Herzl• Archiv-Komitees Wir erhalten die folgende Zuschrift, der wir nach unserem Grundsätze „audiatur et altera pars“ loyalerweiße Raum gewähren und beenden damit die Diskussion. Eß sei mir gestattet, zu der in der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Blattes veröffentlichten Richtigstellung des Herzl- Komitees, Nachstehendes zu bemerken: 1. Ich steile fest, daß Herr Direktor Reiclienfold vom letzton Prager Zionistenkongreß in die Kommission zur Überführung der Gebeine Herzls nicht gewählt wurde. (Siehe Protokoll des XVIII. Zionistenkongresses). Die Zusammensetzung der vom Kongreß gewählten Kommission, deren Mitglieder in verschiedenen Weltteilen leben, unter Nichtberücksichtigung des in Wien bereits bestehenden Komitees (Kremenezky, Reichenfeld, Böhm, Doktor Krasuy, Dr. Rothbhun, Dr. Schwerer, York, Steiner) habe ich aus verschiedenen Gesichtspunkten und gerado deswegen, weil der Testamentsvollstrecker Herzls, Herr Direktor lleiohenfold in Prag, übergaugen worden war, in einem ausführlichen Aufsatz im Haarez und Haolam einer, wie mir scheint, gerechten Kritik, unterzogen. Ich habe in demselben meine Genugtuung darüber ausgesprochen, daß die Kooptierung des Herrn Direktor Reichenfeld zur genannten Kongreßkommission in der Sitzung des Wiener Komitees am 28. September 1938 mit Erfolg vorgeschlagen wurde. Mein Artikel ist von dor zionistischen Presse nahezu von dor ganzen Wolt, insbesondere in Polen, übernommen worden. 2. loh stelle weitere festj daß im Zeitpunkte Aus der MakkabuBewegung MaUhabiah-Konferenz am 3« April in Budapest London. Von der Exekutive des Makkabi- Weltverbandes wird mitgeteilt: Auf Wunsch der Makkabi-Landesverbände in Mittel- und Osteuropa hat die Exekutive des Weltverbandes Makkabi beschlossen, die für den 2. April in Paris angesetzt gewesene Konferenz aufzuheben. Die Makkabiah-Konferenz, verbunden mit der Sitzung des Aktionskomitees, wird nunmehr am 3. April in Budapest stattfinden. Für die westeuropäischen Makkabi-Verbände England, Belgien, Holland, Luxemburg und die Schweiz wird im Laufe des April eine Sonderkouferenz an einem noch zu bestimmenden westeuropäischen Orte abgehalten werden. Jugoslawischer Minister begrüBt Makkabi-Verband Belgrad. Anläßlich der Konstituierung des jugoslawischen MaJdcabi-Verbandes sandte Minister Dr. Lavoslav Hauzek dem Verbandsburoau in Osijek folgendes Telegramm: „Ich begrüße aufs herzlichste den jugoslawischen Makkabi und spreche den jugoslawischen Makkabäern meine Sympathien auß.“ Wettmakkabi und die Berliner Olympiade London. Die Gerüchte, wonach dor Makkabi- Weltverband mit dem Olympischen Komitee wegen der Teilnahme Palästinas an der nächsten Olympiade in Berlin verhandelt, entsprechen nicht den Tatsachen, In Palästina bestellt ein Olymplscheß Komitee mit Oberst Kisch an der Spitzo, welches dom Internationalen Olympischen Komitee in Lausanne untersteht; dieses palästinensische Komitee kommt allein für die Behandlung aller mit der Olympiade zusammenhängenden Fragen in Betracht. Es ißt, bisher noch nicht klar geworden, ob Palästina selbständig teilnahmeberechtigt sein wird. Demzufolge entfallen alle in Presseäußerungen niedergelegten Folgerungen und Kommentare. Boxen Bei der ersten Runde der österreichischen Meisterschaften im Boxen, welche am 6. März 1934 im Bayrischen Hof ausgetragen wurde, mußte sich Führer (Heer), der seit 1932 Meister im Weltergewicht von Österreich ist, gegen den jungen Blau (Makkabi) mit einem knappen Punktesieg zufrieden geben. Blau, ein aufstrebendee Talent, ließ sich durch den Ruf seines Gegners nicht einschüchtern und lieferte ihm einen harten Kampf. Schließlich konnte der Meister einen knappen Punklevorteil für sich buchen, da er Blau in der Fußtechnik überlegen war. Der Kampf, bei dem beide Kämpfer zum erstenmal im Mittelgewicht antraten, unterechied sich durch den schönen Stil, in welchem er ausgetragen wurde, wohltätig von den anderen Kämpfen des Abends. Touristik- und Skiklub „Hakoah“ Die Ausflüge in den Wienerwald wurden wieder aufgenommen und finden jedon Sonntag* regelmäßig statt. Sonntag, den 11. März, Zusammenkunft um 9 Uhr in Mauer. Gäste willkommen. Unsere geselligen Abende finden jeden Freitag itu Klubheini, I., Wiesingerstraße 11, statt. Telophon R 25-0-10. Jüdische Bühne, II., Praterstraße 60. Telephon R 43-4-59. Ab Freitag, don 9. März, täglich: Die ewige Kaie. Ein Volksstück in drei Akten mit Gesang, Prolog und Epilog von S. Salomon. Beginn X-9 Uhr abends: Sonntag nachmittags Uhr.