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Die Stimme · 1934-02-27 · Heft 331 (27.2.1934) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 331 (27.2.1934)
Date
1934-02-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 6 WESTtWHI Nr. 33L - ß7. Februar 1984 Wirtschaftlicher Niedergang der Juden ln Polen Warschau. Aus soeben veröffentlichtem amtlichem statistischem Material ist zu ersehen, daß für das Jahr 1934 die Zahl der behobenen Einzelhandelslizenzen um 27.136, das ist 10%, niedriger ist als im Jahre 1933. Es Ist anzunehmen, daß es sich bei diesen 27.000 Kleinhändlern, die nicht mehr In der Lage ■waren, die Taxe für die Handelslizenz zu bezahlen, und somit aus dem Wirtschaftsprozeß vollständig ausgeschaltet wurden, zum größten Teil um jüdische Kleinkaufleute handelt, die nunmehr der Deklassierung anheimfallen. Abraham Shtplacoff gestorben New York. Im Alter von 57 Jahren ist in New York Abraham Shiplacoff, eine der führenden Persönlichkeiten der jüdischen Gewerkschaftsbewegung, gestorben. Ursprünglich ein Gegner der zionistischen Bewegung, wurde er später ein begeisterter Anhänger des Palästina-Aufbau« und trat 1929 als Vertreter der Nichtzionisten in den Rat der Jewish Agency ein, Unter 292 Mitgliedern der Sowjetexekutive 40 Juden Moskau. Unter den von der 17. Konferenz der Kommunistischen Partei in die Körperschaften der Parteiexekutive gewählten 292 Personen sind 40 Juden. Dem 71gliedrigen Zentralkomitee gehören folgende Juden an: Lazar Kaganowitsch (gleichzeitig einer der drei Sekretäre der Partei und Mitglied de« Polit-Büros), dessen Bruder Moses Kaganowitsch, der Minister des Äußern Maxim L-itwinow, der Direktor der Kohlenindustrie des Don-Bassins Moses R u c h 1mowitsch, G. Jagoda von der Ogpu, der Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee J. Jak ir, der Landwirt-schaftsminister Jacob J^kpwlew, das Mitglied des Militärrates und Vizekriegsminister I. B. Garmamik und Chatejowitsoh, einer der Führer der Kommunistischen Partei der Ukraine; ferner als stellvertretende Mitglieder: der Chef der Zivilflotte Joseph U nschlicht, deT Leiter der Ural-Bergwerke Moses Kalmanowitsch, der Generalsekretär der Sowjet-Gewerkschaften Salomon Lozowsky, der Minister für auswärtigen Handel A. Rosengolz, S. Schwarz, G. B r o j d a und G. Weinberg. Dem 61gliedrigen Parteikontrollkomitee gehören folgende Juden an r Lazar Kaganowitsch, Emilian Jaroslawsky, Wladimir Groman, R. Davidson, B. Dwinsk, A. Lewin, M. Tdomkin, A. Fränkel, S. Chawkin und W, Scharangowifcsch. Der 70gliedrigen Kommission der Sowjet-Kontrolle gehören die Juden an: Belenki, einer der Leiter der Ogpu, der Vorsitzende der Waldarbeiter-Gewerkschaft G. Anzelowitsch, A. Gejster vom Finanzministerium, einer der Führer der Gewerkschaftsbewegung A. Zichon, R. Zemliatschko vom Verkehrsministerium, B. Rosenman vom Verkehrsministerium, B. Rosenman von der Staatskontrollkommissiion, der Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes Z. Weinbaum, der Chef eines Departements in der Ogpn M. Trelisar, J. Gindin der Direktor des Bau-Trusts, M. Deutsch, R. Kissis, G. Melamid und W. Feigin. Der 22gliedrigen Revisionskommission gehören vier Juden an: J. Scheliches, Leiw Aronstam, Jakob Sofar und E. Kogan. Ule rumänischen Juden ln Amerika protestieren gegen Hitler-Deutschland New York Z. T. A). Der alle rumänisch-jüdischen Organisationen Amerikas umfassende Verband rumänischer Juden, der jetzt den 25. Jahrestag seines Bestehens feiert, faßte eine Resolution zur Bekräftigung des im Jänner 1934 im Senat der USA, eingebrachten Antrags, in dem Präsident Roosevelt ersucht wird, der deutschen Regierung die Verwunderung und den Schmerz, die das amerikanische Volk über die Verfolgung der Juden ln Deutschland empfindet, zum Ausdruck zu bringen und die Hoffnung zu äußern, daß Deutschland sehr bald seine antijüdische Taktik ändern und seinen Juden die ihnen genommenen Bürgerrechte wieder zurückgeben wird, —In einet .weiterer* Resolution wurde die Beunruhigung über das Anwachsen der Nazipropaganda in Rumänien, die ln der Ermordung Ducas gipfelte, zum Ausdruck gebracht. Schließlich erklärte der Verband rumänischer Juden Amerikas seine Bereitschaft, an dem Jüdischen Weltkongreß teilzunehmen. AUS DEM DRITTEN REICH Der Kampf gegen die Jüdischen Firmen Berlin. Die „Guben* Zeitung“ vom 13. Februar berichtete über eine Betriebsversammlung der Hutfabrik S fc e i n k e, die sich u. a. damit beschäftigte, daß infolge des starken Anschwellens der uniformierten Verbände die Hutfabriken große Absatzmöglichkeiten verlieren. Um hier vorzubeugen, fuhr eine Abordnung der Hutindnstrie unter Führung des Oberbürgermeisters von Guben zur Reichszeugmeisterei nach München, um für die Betriebe die Genehmigung zur Herstellung von Uniform-Kopfbedeckungen zu erlangen. Das Verlangen wurde abschlägig beschieden. Die Genehmigung wird unter keinen Umständen erteilt, wenn in dem betreffenden Betriebe jüdisches Kapital arbeitet. Auch die Genehmigung zur Herstellung von Arbeitsdienstmützen wurde kürzlich vom Arbeitsministerium an die Bedingung geknüpft, daß die jüdischen Betriebe sich bis zum 15. März gleichgeschaltet haben, d. h. in arische Hände übergegangen sind. Der Oberzeugmeister legte u. a. dar, daß die Reichszeugmeisterei nie und nimmer eine Genehmigung zur Herstellung von Parteidienstkleidung an Firmen erteilen werde, die in jüdischen Händen oder die abhängig seien von jüdischem Kapital. Es sei ein Irrtum, wenn jüdische Kapitalisten und Geldgeber glaubten, die Arierfrage würde von der NSDAP, wieder beseitigt oder nicht ernst genommen. Im Gegenteil, die Nationalsozialisten fordern für den deutschen Arbeiter die deutsche Führung, und di©se sei nur möglich, wenn die Fabriken unabhängig von jüdischem Kapital gemacht würden. Es könne auf die Dauer nicht geduldet werden, daß der hochwertige deutsche Arbeiter zur Arbeitslosigkeit oder zur Kurzarbeit verdammt werde, weil die Fabriken sich in jüdischem Besitze befänden. Es sei Pflicht der NSDAP, als Träger des Staatsgedankens, hier eine Lösung zu finden. Es wären auch bereits Verhandlungen aufgenommen, um die Fabriken, die heute noch von jüdischem Kapital beherrscht würden, in deutsche Hände überzuführen. (Aus den Worten des Reichszeugmeisters geht hervor, daß auf eine Ausmerzung der Juden aus der deutschen Industrie hingearbeitet wird.) * Ein Jüdischer Richter mißhandelt Berlin. Wie wir der „Westfälischen Landeszeitung“ („Rote Erde“), Dortmund, entnehmen, „stand der 35jährige Bücherrevisor Josef K. vor dem Schöffengericht unter der Anklage der Körperverletzung und tätlichen öffentlichen Beleidigung des Land- und Amtsgerichtsrates G e r s o n. Der Angeklagte gab zu, den Gerichtsrat am 30. Jänner 1934, mittags, an der Ecke Kaiserstraße-Heiliger Weg in einer Anwandlung sinnloser Wut verprügelt zu haben. Ein dunkler Fleck auf der linken Gesichtshälfte des Angegriffenen zeugt außerdem heute noch von einem unglaublichen Geschehen.“ Land- und Amtsgerichtsrat Gerson ist einer derjenigen jüdischen Richter, die als Kriegsteilnehmer von der Regierung zugelassen worden sind. Das Gericht verurteilte K. zu einem Jahr Gefängnis und behielt ihn sofort wegen Fluchtverdacht in Haft. Der Angeklagte habe durch seine Handlungsweise die ganze deutsche Richterschaft getroffen. ★ Josef Kasteln ln Deutschland verboten Berlin. Das „Buchhändler-Börsenblatt“ teilt mit, daß lau* Verordnung dee Reichspräsidenten vom 28. Februar 1933 sämtliche Werke von Josef Kaetein (dem jungen modernen jüdischen Historiker), u. a. „Eine Geschichte der Juden“, „Sabbate! Zewi“, „Uriel Acosta“, in Deutschland verboten wurden. Ar Rassenhunde ln den deutschen Schulen Hamburg. Die Zeitungen veröffentlichen ein Rundschreiben der Hamburgischen Landesunterrichtsbehörde an die Volksschulen über Erblehre und Rassenkunde, worin dein Geschichtsunterricht unter anderem foigendo Aufgaben gestellt werden: „Die Judenfrage ist besonders geeignet, den Willen zur Arteinheit triebsicher zu machen. Nachdem die Gefahr einer Verjudung Deutschlands durch fremdrassige Vermischung, wirtschaftliche Ausbeutung, politische Vorherrschaft und kulturelle Zersetzung noch einmal kurz dargestellt ist, sind die Lösungsmöglichkeiten der Judenfrago auch an außerdcutschcn geschichtlichen Beispielen zu erörtern: die Ausrottung (Pogrome) ist ganz verwerflich; die Auswanderung (Zionismus) ist sehr beschränkt; die Angleichung (Assimilation) ist gerade gefährlich; die Absperrung (Ghetto) ist nicht wiederherstellbar; nur die klare rechtliche Scheidung zwischen Wirts- und Gastvolk, wie sie in der Gesetzgebung des Dritten Reiches angebahnt ist, verspricht Erfolg. Schrifttum: Theodor Fritsch, „Handbuch der Judenfrage“. Hammer- Verlag, Leipzig, 34. Auflage, 1933, Leinwand 4.50 RM.“ Fritschs „Handbuch der Judenfrage“, das hier den Schulen empfohlen wird, ist neben den „Protokollen“ das verlogenste und verleumderischste Pamphlet, das je gegen die Juden geschrieben wurde. * Arierparagraph für Kindergärten Hamburg. Das Landesjugendamt und das Jugendamt Hamburg teilten den jüdischen Kindergärtnerinnen (Besitzerinnen von Kindergärten ixsw.) mit, daß ihnen nach den bestehenden Vorschriften, wonach die Erziehung und Pflege arischer Kinder mir durch Arier geschehen darf, die Erziehung und Pflege arischer Kinder untersagt wird. Bis zum 31. März 1934 müssen die arischen Kinder aus diesen Kindergärten ausgeßchieden sein. * Umschichtung Im Jüdischen Sport München. Die bayerische politische Polizei hat die bayerischen Landesverbände der jüdischen Sportorganisationen M a k k a b i und Reichsbund jündischer Frontsoldaten, die im November 1933 von der Reichsregierung als die einzigen legalen deutsch-jüdischen Sportorganisationen anerkannt wurden, aufgelöst und den Verband jüdischer Gemeinden Bayerns ermächtigt, eine neue jüdische Sportorganisation für Bayern unter den folgenden Bedingungen zu bilden: Die Beamten, die jüdische Frontsoldaten sein müssen, sind vom staatlichen Sportkommissär zu ernennen. Diese Beamten müssen an jedem ersten und dritten Mittwoch des Monats vor dem Münchener Sportkommissär erscheinen, um über die Arbeit. der Organisation zu berichten. Die Organisation kann Mitglieder der aufgelösten jüdischen Sportorganisationen aufnehmen, aber nicht in geschlossenen Körperschaften, sondern als Einzelpersonen. Kinoprogramme der Wodie; Leopoldstüdter Volkskino Telephon Vom 27. Februar bla 2. Mün: CSIBI (Der Fratz) mit Ftanxlska Gaal Wochentags 7,6, 7,8. 7 J0 Uhr, Sonnu. Feiertags 7»4 Uhr Protokoll des 18. Zionistenkongresses. Wie das Zionistische Zentralbüro in London berichtet, erscheint demnächst das offizielle Protokoll des 18. Zionistenkongresses, der im vergangenen August und September in Prag tagte. Das Buch wird über 600 Seiten stark sein und den wörtlichen Bericht über die im Kongreß gehaltenen Referate und Reden sowie reichliches statistisches Material enthalten. In Anbetracht des Interesses, welches der letzte Kongreß in der weitesten jüdischen Öffentlichkeit erweckt hat, wird dem Erscheinen dieses Buches mit Spannung entgegen* gesehen. Die .Redaktion dies Protokolls wurde diesmal wieder, von Dr. Hugo Herrmann, Brünn, besorgt. YTom Stadtkibbuz des Gdud-Z’irint Dank der Unterstützung des jüdischen Jugendhilfswerkes konnte der .Sfadtkibbuz des Gdud-Zirim in der Ferdinandsstraßo 1!) am 1. Februar seine Wohnung beziehen und seine vielversprechende Tätigkeit eröffnen. Nachdem die Erhaltung des .Sfadtkibbuz mit großen Ausgaben verbunden ist, ersuchen wir alle Zionisten, dieses Werk nach Möglichkeit zu unterstützen. Für die Einrichtung der Wohnung benötigt der Kibbuz Zimmermöbel und Küchengeräte (zum Beispiel Betten, Kästen, Tische, Sessel, Ottomanen, Bücherregale, Geschirr usw.). Gesinnungsgenossen, welche In irgendeiner Weise dem Stadtkibbuz dienstlich sein können, werden ersucht, sich entweder direkt an den Stadtkibbuz, Wien II., Ferdinandsstraßo 4/9, Telephon R-45-0-91, oder an das Zionistische Landeskomitee, Wien I., Kärntnerstraße 28, zu wenden. Eröffnung einer Tee-, Brot- und Wärmestube in der Leopoldstadt. In den großen Lokalitäten des unentgeltlichen täglichen Armenausspeisungsvereines „Sendat Sa,bat“, II., Malzgasse 2, wurde vor kurzem eine Tee-, Brotu n d Wärmestube eröffnet, welche «ich' eines großen Zuspruches erfreut. Die Wärmestube wird von 8 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags in gutgeheizten Räumen täglich von 120 bis 150 Menschen besucht, wo auch um 3 Uhr nachmittags Brot mit Marmelade oder Jam und Tee verabreicht wind. Merkurbank In der gestern unter Vorsitz des Präsidenten Ingenieur Dr Anton Apnld abgehaltenen Sitzung des Verwaltungsrates der Mercurbank wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 1933 vorgelegt und genehmigt, Es wurde beschlossen, der Generalversamms lung den Antrag zu stellen, von dem nach' Gewann per S 94.572.56 den Betrag von S 50.000.— zur Dotierung des Reservefonds II zu verwenden und den Rest auf neue Rechnung vorzutragen. Herr Dr. Ingenieur Dr. jur< Otto Kämper, Berlin, wurde ln den Verwaltungsrat kooptiert. Bell. konz. Realbüro Ing. M.Mühlbauer Kauf und Verkauf von Realitäten, Hypolheken I., II. und III. Sätze, Bau- und Zwisdienkredlle, Gebäudeverwaffung ★ Büro: Franz josefs-Kai 11 Tel. R-25-0-44 Wohnung: II., Vorgartenslr. 150, Tel. R-41-8-88 GROSSFLEISCHHAUEREI UEGM. KORNMEHL ZENTRALE, IX., BERGGASSE NUMMER 19 TELEPHONNUMMER: A 17-3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen f. unter Aufsioht des EhrwQrdigen Rabbinatsder israelitischen Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX., Berggasse 15, XVIII.,Währlngerstraße 17 Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstraße 59, Tel. A 42-3-16, bittet die p. t. Arbeitgeber angesichts der Notlage der jüdischen Arbeitslosen um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergebenden Bedarfes an qualifizierten kaufmännischen Angestellten, Arbeitern, Handwerkern und Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst berücksichtigt. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich Kö 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer, Vorleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich, Wien, I., Kärntnerstraßo 28/ — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Sigmund Finkolstoin, Wien, I., Kärntnerstraßo 28. — Druck: Vcrnay A.-G., .Wien, IX., Canisiusgasso 8—10.

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