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Die Stimme · 1934-02-27 · Heft 331 (27.2.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 331 (27.2.1934)
Date
1934-02-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag untf Freitag Frei« Stier Nummer 20 g ^r< SSl'T Wien, 27. Februar 1934 JÜDISCHE ZEITUNG AUS DEM INH Die jüdische juge Katholizismus uit Judentum Arabische Wand und englische | Die indische Jud Kofay Sabbathausganc Alexandrien Paläsfinanachrichten, bericht a. v. a. Redaktion und Administration: Wien, I. Kärntnerstraße 28, Tel. R 27-4-85. Redaktionsschluß Montag und Mittwoch vorm. | (12. Adar 5694) f 7 Bundeskanzler Dollfuß erklärt: „Oesterreichs Regierung ist nicht antisemitisch“ Wien. Bei einem Lunch der Anglo-American Trust Association erklärte Bundeskanzler Dr. Dollfuß u. a.: „Die österreichische Regierung ist nicht antisemitisch eingestellt.“ Ein maßgebender Regierungsf u n k t i o n ä r erklärte hiezu dem Wiener JTA.-Vertreter: Bundeskanzler Dollfuß hat gestern vor den englisch-amerikanischen Journalisten auf eine Anfrage erwidert, die Regierung stehe nicht auf dem Rassestandpunkt und sei auch nicht antisemitisch. Dem kann noch hinzugefügt werden, daß die Befürchtungen, es könnte bei einem Akkord mit dem nationalistischen Deutschland eine Änderung der Stimmung der Regierung in der Judenfrage eintreten, vollkommen unbegründet sind. Ein Akkord mit Deutschland kann nur auf Basis der gegenseitigen Nichteinmischung in die innerpolitischen Verhältnisse Zustandekommen oder er wird nicht Zustandekommen. Die Regierung denke nicht daran, Innerpolitisch eine Änderung in dem Sinne des nationalsozialistischen Arier-Standpunktes eintreten zu lassen. Die nationalsozialistische Bewegung in Österreich wird im Auslande In ihrer Bedeutung Überschätzt. Eine Anzahl wohlorganisierter junger Leute verstehe die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, obwohl sie in der Bevölkerung keinen entsprechenden Anhang habe. Die Regierung sei jedenfalls in der Lage» gegebenenfalls auch mit der nationalsozialistischen Bewegung fertig zu werden. Zur Lage ln Oesterreich Gefängnisstrafen für antisemitische Exzedenten in Lodz Warschau. Das Lodzer Kreisgericht hat elf junge teute, die in der vorigen Woche an den Juden feindlichen Ausschreitungen in Lodz teilgenommen, Überfälle auf jüdische Passanten verübt und Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte zertrümmert haben, zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Inzwischen gehen die Terrorakte bationaldemokratisoher Jugendlicher gegen Juden weiter. Jüdische Läden in einem jiichtjüdischen Viertel Warschaus wurden von Nation aide m ok-raten anj griffen, die Fensterscheiben eingeschlagen. In deg, Nähe des Warschauer Hauptbahnhofes wurden drei Universitätshörer, unter ihnen ein Mädchen, verhaftet, die eben daran waren, die Schaufensterscheiben eines jüdischen Geschäftes zu zertrümmern. In ihrem Besitz fand man eine Liste von Geschäftsläden, auf die Überfälle verübt werden sollten. Im Ausland tobt der Kampf der Meinungen über die blutigen Vorgänge in Österreich. Die Lager sind naturgemäß je nach der parteimäßigen Einstellung geteilt und das ist wohl selbstverständlich. Nicht selbstverständlich ist es aber, wenn mau sieht, daß sich sonst erbitterte Feinde brüderlich finden, wenn es gilt gegen Österreich zu einem schweren Schlage auszuholen. Die Nationalsozialisten und ihre unnatürlichsten Verbündeten aus anderen weltanschaulichen Lagern -hetzen gegen Österreich. Die Welt wird mit einem Trommelfeuer von Nachrichten überschüttet, die oft, als aus Wien gemeldet bezeichnet werden, in Wirklichkeit aber, in gewissen Redaktionsstuben fabriziert werden. Und diese Nachrichten finden ein kräftiges Echo bei den Nationalsozialisten und sogar bei einem Teil der bürgerlichen Presse des Auslandes. Von Oxenstjerna stammt das Wort, die Menschen wüßten nicht, mit wie wenig Verstand sie regiert würden. Im vorliegenden Fall muß man sagen: Die' Menschen wissen nicht wieviel Dummheit ihnen ihre Führer und Drahtzieher zumuten. Man vergegenwärtige sich die Situation! Der Völkerbund, eine der wenigen Errungenschaften des Weltkrieges, liegt in Agonie. Die Abrüstungskonferenz ist lahmgelegt. Hitler-Deutschland trotzt der ganzen Welt und will eingestandenermaßen Österreich annektieren. Da kommt es in Österreich zu einem unglaubseligen Bürgerkrieg, der auf beiden Seiten schwere Opfer an Menschenleben erfordert und den schließlich die staatliche Gewalt zu ihren Gunsten entchieden hat. In diesem Augenblick kündigt Herr Habicht einen entscheidenden Schlag gegen Österreich an. Bisher stand der Nationalsozialismus allein als offener der schwersten Stunde Österreichs, prasselt einer Hagel tendenziöser Berichte auf Österreich nieder. Was in Österreich geschehen ist, war ein geschichtliches Ereignis in einer krisenhaften Zeit der Gärung und die Geschichte wird einmal Licht und Schatten gleich verteilen und ihr Urteil sprechen. Es ist aber durch nichts zu rechtfertigen und ein frivoles Spiel, wenn gewisse Auslandskreise, entweder unrichtig informiert oder tendenziös eingestellt, gegen Österreich eine maßlose Hetze betreiben und damit Hitler •Schützenhilfe leisten. Das tun dieselben, die den Kampf gegen den Nationalsozialismus zu führen behaupten. Alles ist ihnen plötzlich recht, wenn es nur gegen Österreich geht. Das sind die Kiebitze, denen kein Spiel zu hoch ist, das sind die „Poliker. von der Bierbank, die immer nur Wiederkäuen, was ihnen ihre Parteiorgane mundgerecht machen. Jeder von ihnen ist ein Cato, der unerbittlich den Sturz der ‘österreichischen Regierung fordert. Sie alle können es doch nicht wollen, daß Österreich gleichgeschaltet wird. Gestern noch deklarierten sie, daß Österreich heute die Rolle zukommt, die im Jahre 1914 Belgien hatte und heute soll ihnen das alles gleichgültig sein? Heute dürfen sie den Stab über Österreich brechen? Heute maßen sie sich das moralische Recht an, Österreich dem Henkerbeil des Nationalsozialismus auszuliefern? Glücklicherweise scheint sich ein Umschwung vorzubereiten. Manche Auslandszeitungen lenken ein, manche von den Hetzern werden kleinlaut. Vielleicht dämmert ihnen die Wahrheit auf, vielleicht erkennen sie, daß manchen ausländischen Kabinetten die armen Menschen, sehr gelegen starben, die in den blutigen Fa- Gegner Österreichs da. Nun aber, gerade in' schingstagen in Wien ihr Leben lassen mußten. Die Diplomatie braucht Atrappen, hinter denen sie Geschichte machen will. So zetert man jetzt über die Vorfälle in Österreich und will dadurch verschleiern, daß es um ganz andere Dinge geht: Um die Abrüstungskonferenz, um den Völkerbund, gegen die Revision der Friedens vertrüge und — last but not least — um d i-e Macht im Donaurau m. Die Diplomaten in verschiedenen Hauptstädten ziehen an den Drähten — sie werden sich, ausgenommen Deutschland, früher oder später mit einer Neuordnung in Österreich abfinden — und diejenigen, die ihnen heute applaudieren, werden zu spät erkennen, wozu sie mißbraucht werden. Nie seit dem Ende des Weltkrieges hat es eine so ernste internationale «Situation gegeben wie jetzt. Das Hakenkreuz, dieses Symbol des ungezügelten Machtwillens und der Kulturlosigkeit will gegen Österreich losgehen und die tausendjährige österreichische Kultur vernichten. Und da kommen Menschen, denen verschiedenes in Österreich mißfällt — ob mit Recht oder Unrecht, bleibt hier dahingestellt — und leisten Zutreiberdienste für das Hakenkreus und damit Handlangerdienste für den Untergang Europas. Soweit darf es nicht kommen! Hitlers Hakenkreuzfanal darf nicht über Europa aufflammen. Alle Gutgesinnten müssen die Hetzer von links und rechts abschütteln. Es geht nicht um die Juden allein, es geht nicht nur um Österreich. Es geht um die Zukunft Europas. Wer nicht selbst in der braunen Flut ertrinken will, muß heute Österreich helfen. Österreichs Situation ist schwer genug. Der Sinn der europäischen Politik kann nur der sein: Österreich zu stützen, ihm die Möglichkeit zu geben, selbständig zu bleiben und in Frieden zu leben. Soll das ermöglicht werden, dann darf nichts geschehen, was die Einführung nationalsozialistischer Methoden in Österreich fördert oder erleichtert. Rasiere dich gut and billig MKS QuoIIfäts- Fabrlkat Ue&ierall erhältlich JDiejüdischejJugend^ Die Verwirrung dieser Zeit hat uns alle betroffen, am schwersten aber jenen Teil der jüdischen Jugend, der sein Herz an die sozialistische Idee gehängt hat, der, ohne Erfahrung, sich willig dem ach so süßen Programm der Verbrüderung ergeben hatte, der, fasziniert von der riesenhaften Ausdehnung der sozialistischen Parteien auch darin einen Beweis für die über jeden Zweifel erhabene innere Stärke gesehen hatte. Nun hat ein Taifun diese Millionenparteien erfaßt und zerbrochen. Vor zehn Jahren hat dieser Prozeß begonnen, als in Italien der Sozialismus vernichtet wurde. Nun hat die Welt das zweite Stadium hinter sich. Es hat sich zuerst in Deutschland, jetzt in Österreich vollzogen. Und jedem, der bis ins tiefste erschüttert diesen letzten Ereignissen in Wien gefolgt ist, ist als augenfälligste Erscheinung die Tatsache aufgefallen, daß es nur ein geringer Teil der Sozialdemokratie war, der sich das Ende wählte, mit wehender Fahne in den Tod zu gehen. Die Mehrheit schloß sich, nicht an, und diese ihre Passivität besiegelt in weitaus stärkerer Eindringlichkeit das Urteil über die Partei. Und damit auch über ihre tragende Idee vom wirtschaflichen Materialismus und dem Klassenkampf, auch über den Internationalismus, die Lehre von der Überwindung aller nationalen Schranken durch die Kraft des sozialistischen Programmes. Und gerade dieser letzte Punkt war es, der so viel jüdische Jugend an diese Partei fesselte. Es ist ein Traum gewesen, aber er ist zu Ende, und die aus der Gewohnheit des Tages . durch Schüsse und Salven aufgeschreckte jüdische Jugend sieht verstört in das Treiben. Sie ist noch haltlos, aber das Judentum muß und kann ihr den Halt bieten. Wir stellen der Idee vom Klassenkampf, der auch im Judentum schwere Verwüstungen angerichtet hat, die Idee vom Aufbau des jüdischen Volkes gegenüber, die Idee, die das jüdische 17-Millionen- Volk auf der ganzen Erde als eine einzige unzerstörbare Einheit auffaßt, die ihre ab- Nach Palästina mit der Compass Tours Offizielles Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Aviv Am 19. März: Osterreise mit dem Luxusschiff „Vulcania" über Rom, Neapel, Athen, Beirut Am 17. April: Offizielle Messereise der Koiiektiv-Aus- Stellung' Österreichs auf der Levante-Messe in Tel-Aviv unter dem Protektorate der Wiener Handels- und Gewerbekammer Von S 530. aufwärts Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass-Tours Wien, IX., Spitalgasse 3, Tel. B 42-5-38

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