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Die Stimme · 1934-02-23 · Heft 330 (23.2.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 330 (23.2.1934)
Date
1934-02-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g Ad Heute 8 Seiten stark JÜDISCHE ZEITUNG AUS DEM INH/ Simon Dubnov: Wozu brauchen wii jüdischen Weltkon Tulo Nüsse nblatt: Zum Tode Heinrid“ Steiners Medizinalrat Dr, I. Schall Aus meinen Erinnei ¥ Wallenstein und die Juden / Hakoah / Auslandsberichte/ bv aus der Provinz u. v. a. J Nr. 330 I Wien, X3. Februar 1934 Redaktion und Administration: Wien, I. Kärntnerstraße 28, Tel. R 27*4-65, Redaktlonssohluß Montag und Mittwoch vorm. \ (8. Adar $694) | 7* Jahrgang Board of Depufies zur Lage der [Juden in Oesterreich London (Z. T. A.) In der Sitzung des Jewish Board of Deputies (Deputiertenrat der englisch-jüdischen Gemeinden) erstattete Leonard G. Montefiore den Bericht des Joint Foreign Committee (Ausschuß zur Behandlung auswärtiger jüdischer Angelegenheiten) und bemerkte zu der heutigen Lage der österreichischen Juden: Die österreichische Judenheit befand sich während der Kampftage in der Lage eines, der auf einem Pulverfaß sitzt; jedes an sich unbedeutende Ereignis konnte eine Katastrophe für sie auslösen. Nun ist die Lage etwas beruhigt. Die Juden Österreichs sind in die katastrophalen Ereignisse nicht verwickelt worden, und die von manchen Zeitungen gebrachten Berichte über eine Massenflucht der österreichischen Juden haben sich in keiner Weise bewahrheitet. Der Präsident des Board of Deputies, N ev i 11 e L a s k i, fügte zu dem Bericht hinzu: Die österreichischen Juden befinden sich am Rande eines Vulkans; wir müssen äußerste Vorsicht walten' lassen und nichts unternehmen, was ihre Position verschlechtern könnte. Die Lage hat sich in den letzten Tagen etwas beruhigt. Ich habe mit jüdischen Stellen in Österreich und in der Tschechoslowakei telephonische Unterredungen gehabt, und aus beiden Ländern wurde mir versichert, daß die Berichte über eine Judenflucht aus Österreich vollkommen aus der Luft gegriffen sind. # Erklärung der österreichischen Gesandtschaft ln London London (Z. T. A.). Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur seitens der österreichischen Gesandtschaft in London mitgeteilt wird, bat die Gesandtschaft auf Anfrage in Wien die Versicherung erhalten, daß entgegen den in einem Teil der Londoner Presse erschienenen Nachrichten keinerlei Massenflucht österreichischer Juden eingesetzt hat. Es wird hinzugefügt, daß die Regierung Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung nicht plant. ULLMANN, RINK & CO., INTERNATIONALE SPEDITION I„ Kurrentgasse 12 Telephon U 22-2-54 Spezialverkehr nach Palästina für Übersiedlungen und Gütertransporte via Donau und Triest Rasiere dich gut und billig MOMMs Qualltöts- Ueberall erhältlich Professor Simon Dubnowi Wozu ein jüdischer Weltkongreß? Wer die obige Frage ironisch stellt, ähnlich wie der Bösewicht in der Peseachhagadah fragt, „was soll Euch diese Zeremonie?“, beweist, daß er den Ernst der Lage nicht versteht, in welcher sich das jüdische Volk in der ganzen Welt befindet. „Wir brauchen keinen jüdischen Weltkongreß!“ Jene Parteifanatiker oder „Diplomaten“, die so antworten, sagen gleichzeitig, daß sie kein jüdisches Volk wollen, das sich zum Kampfe für seine Existenz in einem der gefährlichsten Augenblicke seiner Geschichte zusammenschließt In den letzten 150 Jahren haben wir noch niemals eine derartige Zeit erlebt, da das „Haus Israel“ an allen Ecken wie jetzt brennen sollte. Das Gebäude steht in Flammen, das wir seit der großen französischen Revolution errichtet haben. Noch schlimmer: Sogar das Fundament des Hauses ist in Brand geraten. Die letzte „deutsche Revolution“, wie sich die hitleristische, barbarische Reaktion nennt, hat nicht nur die jüdische Emanzipation zunichte gemacht. Sie hat sich auch als den Gegensatz zur französischen Revolution und ihrer Prinzipien von Freiheit und Gleicheit erklärt, die sie ersetzt hat durch Knechtschaft („Führerprinzip“) und durch Ungleichheit, Rassenhaß und Diktatur. Vom hitleristischen Deutschland geht die neue s o z i a I e E p i d e m i e auf der ganzen Welt aus. Offen oder heimlich dringt sie in die reaktionären Kreise Polens und der baltischen Länder, Rumäniens, Ungarns und Österreichs, welches das wilde hitleristische Untier bereits zwischen seinen Zähnen hält. Quarantänen gegen diese gefährliche Epidemie sind meist nicht vorhanden. Und wo sie existieren — nützen sie nichts. Die größte Gefahr besteht darin, daß die Jugend in fast allen Ländern von der faschistisch-hitleris tischen Seuche ergriffen ist. Es wächst ein Geschlecht wilder Sitten und Gedanken heran, die Generationen des jüdischen Volkes mit Leid erfüllen wird. Es ändert sich nicht nur das politische, sondern auch das ökonomische Antlitz der Welt. Die Weltkrise heischt überall gebieterisch eine gründliche Umschichtung des wirtschaftlichen Lebens der Juden. Davon ist nicht nur Europa, sondern auch Amerika betroffen, nachdem dort die „Prosperity“ verschwunden ist. Noch viel schärfer und tragischer als vor 50 Jahren spitzt sich in der ganzen Welt die Frage der jüdischen Wanderung zu. Millionen müssen wandern — aber jene Tore, die einst weit offen standen, sind jetzt für die jüdischen Wanderer geschlossen. Die Aufbauarbeiten in unserem historischen Erez Israel haben einen Aufschwung erlebt. Dorthin wenden sich Millionen liebender und sehnender jüdischer Herzen und bittender Augen. Können wir aber sicher sein, daß da« Land wirklich unser werden wird, ein Nationalheim für Millionen? Vorläufig läßt man nur Tropfen des Emigrantenmeeres ins Land. Nicht einmal genügend Arbeiter, die für das große Aufbauwerk nötig sind, finden Einlaß. Zwischen Erde und Himmel steht ein riesiges Fragezeichen: Was wird aus dem jüdischen Volke werden? Die Vertreter des ganzen Volkes müssen sich versammeln, um diese Frage zu prüfen und eine klare Antwort zu geben: was zu tun ist. Dazu ist der jüdische Weltkongreß nötig, der seit zwei Jahren in Konferenzen europäischer und amerikanischer Juden geplant ist. Die letzte Konferenz hat beschlossen, den Kongreß auf Grund allgemeiner und demokratischer Wahlen einzuberufen. Das ist ein kluger Beschluß: Es sollen nicht Parteien imd Cliquen wählen, sondern Juden. An den Wahlen kann sich jeder Jude in allen Ländern beteiligen. Ausgenommen in zwei Ländern, wo man ihn deswegen als todeswürdig betrachten würde: im hitleristischen Deutschland und im sowjetischen „China“, das von der ganzen Welt abgeschlossen ist und seine zweieinhalb Millionen Juden vom jüdischen Volk abgeschnitten hat. Wer „teilhaben“ will „an Israel“, muß zu den Wahlen geben ohne Rücksicht auf seine Parteizugehörigkeit. Alle aufrichtigen jüdischen Parteien müssen ihren Mitgliedern volle Freiheit gewähren, am überparteilichen jüdischen Weltkongreß Anteil zu nehmen. Die Partei, welche ihre Mitglieder daran hindert, erklärt, daß sie außerhalb der jüdischen Volksgemeinschaft steht. Der Weltkongreß wird den Beweis erbringen, wieviel Lebenseuergien noch im ältesten Kulturvolk der Welt vorhanden sind, das alle Sturmzeiten der Weltgeschichte überdauert hat. Friede und Arbeit In Oesterreich Es soll Frieden und Ruhe in Österreich werden. Die amtliche „Wiener Zeitung“ spricht dies als Willen der vor Gott und der Menschheit verantwortlichen Regierung aus, und sie zitiert, um dies besonders feierlich zu verkünden, den großen jüdischen Propheten: ,,Ich werde Eure Schwerter umwandeln inPflugscharen und Eure Pfeile zu Sichel n!“ Wird dieser Appell an das Gewissen, die Stimme der Versöhnung überall gekört werden? Jeder Memscih in Österreich hofft dies, jeder sehnt sich danach, daß endlich die Stimme der Vernunft zu ihrem Recht kommt, und daß das große Vergessen sich über die noch frische Erinnerung an diese Tage legt. Vor allem lebt diese Sehnsucht in den Menschen guten Willens, die der Bundeskanzler in seinen Erklärungen angerufen bat, und zu dieser sicherlich die Mehrheit Österreichs bildenden Gemeinschaft zählen vor allem die jüdischen Bewohner des Staates. Gegen keine Gruppe der Bevölkerung soll — so hat dies Dr. Dollfuß in seiner Botschaft an Amerika gesagt — mit Ausnahmsregeln gearbeitet werden; alle Bürger Österreichs, ohne jeden Unterschied, die vaterlandstreu und gut gesinnt sind, die sich in den Dienst der Arbeit am Staate stellen, können auf den vollen Schutz der staatlichen Gewalt rechnen. Diese Erklärung kam in einem Zeitpunkt, in dem die grauenhaften, von Kanonendonner erfüllten Sturmtage vorbei waren, aber doch die Diskussion über Österreich in der Welt draußen in vollem Gange war, und es entsprach voll der Situation, daß der Regierungschef so sprach. Österreich bat in seinem Konflikt mit Deutschland den Völkerbund angerafen, und es wird jetzt zutage kommen, wie sehr die Ereignisse der dritten Februarwoche durch die geistige Einwirkung des deutschen Nationalsozialismus hervoigerufen worden waren. Dr. S t e i d 1 e hat dies in einer großen Rundfunkrede dargelegt. Er bat ausnationalsozialistische Propaganda aus dem geführt, daß diese Katastrophe durch die' Reich über Österreich hereingebrochen ist, daß die Methoden, die von dort kamen, zu Revolten und Blutvergießen führen mußten. Der deutsche Nationalsozialismus bat mit Handgranaten, Bomben, Brandstiftungen, Attentaten hier in Österreich gearbeitet, hat viele Tausende junger Leute zu Mord und Gewalt erzogen, und so die Erregung aller Menschen bis zur Siedehitze gesteigert, „die sich lieber der Hölle als einem Habicht und seiner Gefolgschaft ausliefern“. Das nationalsozialistische Gespenst trieb zur Revolte, nichts als leidenschaftlicher Widerwille gegen eine Machtergreifung durch die Nationalsozialisten löste gerade jetzt diesen Angriff aus. Diese Darstellung des Propa- Nach Palästina mit der Compass Tours Offizielles Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Aviv Am 19. März: Osterreise mit dem Luxusschiff „Vulcania“ über Rom, Neapel, Athen, Beirut Am 17. April: Offizielle Messereise der Kollektiv-Ausstellung Österreichs auf der Levante-Messe in Tel-Aviv unter dem Protektorate der Wiener Handels- und Gewerbekammer von S 530,— aufwärts Billige Gesellschaftsreise nach New York m. 5täg. Aufenthalt, PreisWien-wi nSiso.* Auskünfte und Anmeldungen im h eisebüro Co in pass-Tours Wien, IX., Spitalgasse 3, Tel. B 42-5-58

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