Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 329 (20.2.1934)
- Date
- 1934-02-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 329. - 20. Februar 1934 genfon de? Auslände?, die künftigen Konzerte der Palästinemser Musiker zu leiten. Die Menschen liier sind voll dankbarer Freude über diesen genialen, jüdisch und menschlich fühlenden Meister. Welche Perspektiven, daß endlich die jüdischen Geistesgrößen wieder zu ihrem Volk und Land heimtinden!...“ AUS DEM DRIT EN REICH_ axoammmmmamammmmmmmm Weltoffensive des Hakenkreuzes gegen die Juden Jüdischer Chirurg rettet Führer S. A.* Berlin. Der Leiter des israelitischen Krankenhauses in Berlin, Prof. Dr. Rosenstein, erlebte dieser Tage eine soltene Überraschung. Die Reichskanzlei rief telephonisch an, um mitzuteilen, daß ein SA. Chef aus der U mgebung Hitlers im Hospital ankommen werde und sofort durch Rosenstein operiert Innenminister Dr. Fr ick führte aus: Berlin. Auf einem vom Außenpolitischen Amt der Nationalsozialistischen Partei für das Diplomatische Korps und die Berliner Vertreter der ausländischen Presse veranstalteten Vortragsabend, sprach Reiehsinnenminister Dr. Fr ick Über die Rassengesetzgebung des Dritten Reiches. Unter den Güsten befanden sich der gegenwärtig in Berlin weilende griechische YVirtschaftsminister Pezmazoglou, die Gesandten von Ungarn, Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien, Irland, Estland, Brasilien, Polen und Persien, ferner Staatssekretär von B ü- 1 o w vom Auswärtigen Amt, sowie Staatssekretär Dr. Ffundtner, der Rassensachverständige Dr. Gercke und Ministerialrat M e t z ii fi r vom Reichsinnenministerium. werden müsse Der berühmte Chirurg machte darauf aufmerksam, daß es sich um e i n jüdisches Krankenhaus handle, und erhielt folgende Antwort: „Das macht nichts, keine Diskussion — bereiten Sie die Instrumente vor.“ Eine halbe Stunde später geschah die Operation. Das Leben des SA.-Fiihrers wurde gerettet. * „Salamander“ gleichgeschaltet Paris. Der Zeitschrift „Das neue Tagebuch“ wird geschrieben: Die Zeitschrift „Der Stürmer" bringt ein Inserat der Schuhfirma Salamander A. G., in dem man folgendes liest: „Die Firma Salamander A. G., die bisher nicht zu den rein deutschen Unternehmungen gerechnet werden konnte, ist nunmehr in völlig arische Hände übergegangen. Die im Besitze von Juden befindlichen Aktien wurden durch vertragliche Abmachung der Dresdner Bank als Treuhänderin übergeben und dem Börsenhandel zugeleitet. Die im Betriebe selbst befindlichen Angehörigen der jüdischen Rasse werden laufend abgebaut und durch Deutsche ersetzt. Die gesamte Leitung des Unternehmens ist nunmehr in deutschen Händen. Die Firma Salamander A. G. unterhält hier am Platze Filialen in der Karolinenstraße 23 unter neuer Geschäftsleitung des Herrn Seidel. Die vor einigen Monaten neu eröffnet« Filiale in der Kaiserstraße 37 leitet Pg. Krengel, ein alter SA.-Mann.“ * Jüdische Unternehmer suchen „nur arische Herren“ Paris. „Pariser Tageblatt4 schreibt: „Wer sich dagegen einmal die Mühe macht, den umfangreichen Stellenmarkt durchzugehen, wie er in der „Frankfurter Zeitung“ jeden Sonntag veröffentlicht wird, kann dort feststellen, daß jeder ausgeschriebene Posten nur für Arier bestimmt ist, daß also Juden von jeder wirtschaftlichen Beschäftigung ausgeschlossen werden. Besonders eifrig auf der Suche nach arischem Personal scheinen allerdings die jüdischen Warenhäuser und Groß Unternehmungen zu sein, denn in einer einzigen Nummer finden wir, daß für die Conrad Tack A. G.. die große deutsche Schuhfabrik, die Hermann Wronker A. G. und das Leinenhaus Bielschowsky Breslau „nur arische Herren in Frage kommen“. Es ist gleich schön, so die Lügen der nationalsozialistischen Regierung, wie die durch nichts zu entschuldigende Schwäche dieser jüdischen Unternehmer zu entlarven.“ Ausschaltung jüdischer Ärzte Berlin. Die juristisch-wirtschaftliche Beratungsstelle des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teilt mit: In verschiedenen Orten sind neuerdings auf Veranlassung des Verbandes Privater Krankenversicherungsunternehmungen Deutschlands, Leipzig, von der Privatvcrsieherung Leipziger Verein-Bannenia „Listen staatsfeindlicher und nichtarischer Ärzte“ aufgestellt worden, deren Rechnungen von den Gesellschaften der privaten Krankenversicherungen nicht mehr erstattet würden. Auf Grund dieser Listen haben zahlreiche Bezirksdirektionen die Erstattung der Rechnungen jüdischer Ärzte, die bei den reichsgesetzlichen Krankenkassen kraft Gesetzes nicht mehr zugelassen sind, verweigert, zum Teil auch die Rechnungen für die Behandlung jüdischer Patienten. Wer den Sinn der deutschen Revolution von 1933 verstehen will, muß wissen, daß | sie das Ziel hat: „Deutschland den Deut- I?chen unter deutscher Führung!“ Die na- 1 tionale Revolution befreite das deutsch« Volk von dem artfremden Einfluß, der gleichermaßen dei deutsche Politik, Kultur, Wirtschaft, Finanz, Presse, Theater, Film und Rundfunk, die Parteien und das öffentliche Leben in verhängnisvollster Weise ebherrsehte und lähmte. Frick wandte sich der Besprechung der deutschen Gesetzgebungauf der Grundlage des Rassenprinzips zu, wobei er vorausschickte, daß diese Gesetze sich in keiner Weise gegen die Ausübung der jüdischen Religion oder die Freiheit des jüdischen Glaubens richten. Auch habe das Deutsche Reich niemals an eine zwangsweise Aussiedlung der Juden gedacht, etwa ln der Art des zwischen der Türkei und Griechenland 1923 abgeschlossenen Austausch Vertrages. Deutschland habe nur sein Berufsbeamtentum wieder so hergestellt, wie es zur Sicherung des Reiches und seiner Verwaltung nötig erschienen sei. Daher sind die Angriffe gegen die deutschen Gesetze und insbesondere gegen die Einführung des sogenannten „Arierparagraphen“ völlig unbegründet. Von Anfang an waren es namentlich die Juden selbst und eine Anzahl von vermeintlichen „Menschenfreunden“ in der ganzen Welt, die das harte Schicksal beklagen, das die Juden in Deutschland betroffen habe. Gerade in dieser Beziehung ist aber wohl im Laufe der Zeit eine ruhigere Beurteilung des Problems eingetreten. In anderen Ländern hat man oft das gleiche Ergebnis wie in Deutschland auf anderem Wege angestrebt und auch erreicht, und in der Praxis, ohne den Gesetzgeber zu bemühen, die Juden oder andere Volks- und Rassenangehörige aus Staatsstellungen entfernt oder sie dazu überhaupt nicht oder doch nicht in dem Maße zugelassen, wie es in Deutschland seit dem November 1918 geschehen ist. Noch stärkeren Anfeindungen sind wir deshalb ausgesetzt, weil die Gedanken des Arierparagraphen auch über die unmittelbare Sphäre des Staates hinaus auf kulturelle Gebiete und auf die freie Wirtschaft Ubergogriffeu haben. Spielte bei den Gesetzen und Verordnungen ein starkes öffentliches Interesse an der Ausschaltung nichtarische Einflüsse mit, so schießt es doch Uber das Ziel hinaus, wenn, wie es manchmal geschehen ist, die Grundsätze des § 3 w a h l- und kritiklos auf Gebiete übertragen werden, für die sie nicht bestimmt sind. In zahlreichen Fällen sind solche Fehlgriffe bereits durch die zuständigen Behörden richtiggestellt worden. Die deutsche Rassengesetzgebung will kein Urteil fällen über die Güte und den Wert anderer Völker und anderer Rassen. Aber wir Deutschen möchten meinen, daß auch andere stolze Völker auf dem gleichen Standpunkt stehen und grundsätzlich ebenso Wert darauf legen, ihre rassische Zusammensetzung möj_ liehst unverfälscht und unvermischt zu erhalten. Vom Standpunkt des Volkes, der Nation aus gesehen, muß das, was dem ein zelnen zugemutet wird, zurücktreten gegenüber den Notwendigkeiten der Gesunderhaltung des Stammes, der Rasse und des Volkes... Mag der einzelne leiden, ja selbst vergehen — wir können und wollen ihm unsere menschliche Teilnahme, unser Mitgefühl nicht versagen! Sein Opfer aber ist notwendig, damit der Quell klar bleibe, faus dem Tausende, Millionen, ja ein ganzes "Volk Gesundheit, Leben und Zukunft trinken. stattflndendeti II. Braunen Messe gibt bekannt, daß Juden von der Teilnahme ausgeschlossen sind. Als Ziel der Messe wird die Förderung des arischen Kleinhandels angegeben. Die Vereinigung nationalsozialistischer Kaufleute, die gemeinsam mit dem Institut für deutsche Wirtschaftspropaganda die „Braune Hansa- Messe“ organisiert, kündigt die Eröffnung einer Schule zur Ausbildung von Propagandi 81en an und erklärt, daß sie die Unterstützung der Parteiautoritäten und der NS-Arbeitsfront hat. Die Veranstaltung des Außenpolitischen Amtes für ausländische Diplomaten und Journalisten scheint ein Glied in der Kette der Politik der Reichsregierung, durch Hinaustragung antisemitischer Anchauungeu in die Welt eine Entspannung der außenpolitischen Situation der deutschen Staatsführung zu erreichen, zu sein. Dabei wird darauf spekuliert, daß die deutschen Juden sich nicht wehren können und daß die Welt darum die Behauptungen über eine Vorherrschaft der Juden in Deutschland, die überwunden werden mußte, widerspruchslos hinnehmen würde. In Wirklichkeit ist es unwahr, daß die Juden in der Periode der Weimarer Republik Deutschland beherrschten, das deutsche Beamtentum hatte eine sehr beschränkte Anzahl Juden. Zahlreich vertreten waren die Juden nur In den freien Intelligenzberufen; dies aber nur, weil sie ein städtisches Element sind und eben in die Beamtenschaft nur in beschränkter Zahl hineingelassen wurden. Dieses Problem war weder ein staatliches noch ein rassisches, sondern einzig ein soziologisches, an dessen Lösung die Juden selbst interessiert waren, das aber durch die Ausmerzungspolitik der nationalsozialistischen Staatsleitung keiness aus der Welt geschafft worden ist. Ignaz Petschek gestorben In Aussig starb am 15. d. der Großindustrielle Ignaz Petschek im Alter von 77 Jahren. Zwei Tage vorher erst konnte Petschek mit seiner Gattin das Fest der Goldenen Hochzeit feiern und stiftete aus diesem Anlaß Millionen für soziale Zwecke Petschek, einer der reichsten Männer Europas, entfaltete eine großzügige Wohltätigkeit. Auch in der jüdischen Sphäre betätigte sich Ignaz Petschek als groß" zügiger Philanthrop. Keine Transitpost über Deutsch- 1 and Warschau. Die polnischen Wirtschaftsorganisationen wandten sich an das Postministerium mit der Beschwerde, daß für England bestimmte Briefe und Pakete unterwegs in Deutschland aufgehalten und wahrscheinlich auch kontrolliert werden, da sie mit sehr großer Verspätung in England eintreffen. Das Postministerium wird ersucht, nach England und dem übrigen Westeuropa bestimmte Postsendungen nicht mehr über Deutschland, sondern über den Hafen Gdynia und auf dem Seewege gehen zu lassen. Die Leipziger Messe Warschau. Die Direktion der Leipziger Mustermesse hat sich an die jüdischen Firmen in Polen durch Tausende Prospekte und Einladungen mit der „aufrichtigen Bitte“ gewandt, daß diese „alten und in Deutschland gut bekannten Firmen“ die Leipziger Messe wieder mit ihrem Besuch beehren mögen. Der Zentralausschuß für die wirtschaftliche Anti- Hitler-Aktion spricht nun in einer Erklärung die Überzeugung aus. daß auch diesmal wieder kein jüdischer Käufer oder Industrieller nach Leipzig fahren werde. In dem Aufruf wird zu Schlüsse gesagt: „Solange die jüdische Bevölkerung in Deutschland. nicht alle bürgerlichen und Menschenrechte zurückerlangen wird, wird kein polnischer Jude mit deutschen Firmen in Gesehäftsbeziehungen treten und weder die Leipziger Messe noch irgend ein anderes deutsches Unternehmen besuchen.“ ¥ Die Bremer Messe schließt Juden aus Ungeachtet der Order F r i c k—G ö r i n g, daß das Arierprinzip in der Wirtschaft nicht gelten dürre, werden die Bemühungen, die Juden aus der Wirtschaft Deutschlands auszustoßen, unentwegt fortgesetzt. Die Leitung der vom 9. bis 24. Juni in B r e m e n SPRECHSAAL Wir erhalten folgende Zuschrift: Verehrlicha Redaktion! Unter Bezugnahme auf die in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 321 vom 19. Januar 1934 auf Seite 7 unter der Rubrik Sprechsaal der Stimmo erschienene Notiz ersuche ich höfliclist als laut beiliegender Vollmacht vom 18. Oktober 1933 ausgewiesener Machthaber der Firma Karl Schmoll, Schuhcremel'abrik, Wien, XVIII., Theresiengasse 11, im Sinne des § 23 P. G., um Aufnahme folgender Entgegnung: Es ist unwahr, daß Herr Schmoll, Inhaber der Firma Schmollpasta, sich vor N. Regenbogen und Herrn Jakob Hailicza, II., No.dbahnst'aße 28 mit Aussprüchen wie folgt produziert: „Seine größte Freude werde es sein, wenn alle Ostjuden ans der hiesigen Geschäftswelt entfernt sein werden, auch werde er sein Möglichstes dazutun.“ Wahr ist vielmehr, daß sich kein Gesellschafter der offenen Handelsgesellschaft Karl Schmoll, welche in ihren Unternehmungen zahlreiche Angestellte jüdischen Glaubens, sogar in führenden Stellungen, beschäftigt, mi*- obigem Ausspruche produziert hat. Wahr ist weiters, daß die Firma Karl Schmoll mit N Regenbogen seit 1930 in keinerlei Geschäftsverbindung steht und den Gesellschaftern der Finna eine Person namens Jakob Hiülieza vollkommen unbekannt ist. indem ich Ihnen im Voraus für die Ein-1 Schaltung verbindlichst danke, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung D. Sameseb. Frieluäer & DeuM Wien, I.. Seitenstettengasse lir. 2 Tel. U 18-1-28 XI., Zenfralfrledhof, neben dem I. Tor. Tel. U 18-0-85 Billige Reise nach Polen! Ohne Paß und Visa. Vom 21 Februar bis 7. März. Billig, bequem. Anmeldung raschest: „Frauoopol“, III., Reunweg 1 „Marienbriicke“, I., Roten* turmstraße 26. . Auskünfte: E. Ferstel, L, Kärntnerring 42. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstraße 59, Tel. A 42-3-16, bittet die p. t. Arbeitgeber angesichts der Notlage der jüdischen Arbeitslosen um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergehenden Bedarfes an qualifizierten kaufmännischen Angestellten, Arbeitern, Handwerkern und Hauspersona! aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst beiicksichtigt. Bezugsbedingungen: Monatlich S 150, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.—. Für das Ausland: Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei vierteljährlich K6 24.—, Jugoslawien vierteljährlich Dinar 40.—, Polen vierteljährlich Zloty 6.50, Ungarn vierteljährlich Pengö 4.20, Rumänien vierteljährlich Lei 120.—, übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.50. Postscheck-Konti: Österreich Nummer D 113.546, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.879. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Österreich, Wien, I., Kärntnorstraße 28. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Sigmund Finkeistein, Wien, I„ Kärntnerstraße 28. — Druck: Vernay A.-G., Wien, IX., Canisiusgasso 8—10. Umtausch der 6% igen Dollar-Anleihe der Stadt Wien vom Jahre 1927 Laut Kundmachung vom 10. Februar 1934 in der „Wiener Zeitung“ werden die Inhaber von Bonds der 6%igen Dollar-Anleihe dor Stadt Wien vom Jahre 1927 eingeladen, diese Bonds in 6%ige, auf Schilling lautende Schuldverschreibungen umzutauschen. Der Umtausch erfolgt unter Zugrundelegung dor Wertrelation 1 Dollar =* 6 Schilling. Die neuen Schlllingohligationen sind mit derselben Wertsicherungsklausel wie die österreichische Trelleranleihe versehen und steuerfrei. Die | baulich. Inhaber der Bonds der 6%igen Wiener Dollar- Anleihe, die von dem Umtauschangebot Gebrauch machen wollen, haben ihre Dollarobligationen in der Zeit vorn 12. Februar 1934 bis einschließlich 10. März 1934 mit den am l. Mai d. J. fälligen und allen später fällig werdenden Kupons zu erlegen. Erlagsformularien sowie der alle näheren Details enthaltende Prospekt sind bei a'len Banken und Sparkassen ln Wien und deren sämtlichen Zweiganstalten er-