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Die Stimme · 1934-02-20 · Heft 329 (20.2.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 329 (20.2.1934)
Date
1934-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g JÜDISCHE ZEITUNG ) EINE GO ATI «RI NACH PALÄST Ist die Prämie des Preisaus.* der „Stimme“, das am 26. Fc Auslösung gelangt. Um S 16.- das ist der Jahresabonnemer den Bezug der „81 i m m m e‘ Im voraus beza It nehmen Sie an dem Pr schreiben teil und haben d GRATIS zur Levante-Kesse fel-Aviv zu fahret Die Durchführung der Reise ha bttreau „C orn pass Tour IX., Spitalgasse 8, inne. Nr. 329 I Wien, 20. Februar 1934 i Redakt’on und Administration: Wien, I. Kä»ntnerst»aß< Tel. R 27*4-85, RedaktlonssohluS Montag und Mittwoch v ($. Adar $694) 7. Jahrgang Für Oesterreich Eine Erklärung des Bundeskanzlers Am Sonntag, dem 18. d. M. sprach Bundeskanzler Dr. Dollfuß Im Radio, Seine Rede wurde auf die amerikanischen Sender fibertragen. Der Bundeskanzler erklärte unter anderem: ,,Man hat in der abgelaufenen Woche viel mit Gerüchten gearbeitet, als ob die österreichische Regierung gegen einzelne Gruppen unserer Bevölkerung mit Ausnahmsmaßregeln arbeiten wollte. Ich kann Ihnen, Frauen und Bürger des amerikanischen Volkes, In aller Offenheit und Wahrheit sagen: Alle Bürger ö s t e r re 1 c h s, ohne jeden Unterschied, die vaterlandstreu und gut gesinnt sind, die sich in den Dienst der Arbeit am Staate stellen, können auf den vollen Schutz der staatlichen Gewalt rechnen.“ * Vizekanzler Fey zur Judenfrage In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des „Reggeli Ujsag“ erklärte Vizekanzler Fey auf die Frage des Berichterstatters, ob die Judenfrage in den Vordergrund der österreichischen Politik treten werde, folgendes: „Ich kann bloß von meiner Zeit sprechen, und da hat es keinen Antisemitismus in Österreich gegeben. Es wird auch in Hinkunft keinen gebe n.“ Die Position der Juden in Danzig Kiel. Der nationalsozialistische Präsident des Senats des Freistaates Danzig, Dr. Raus ehrt I g, erklärte ln einem ln der Universität Kiel gehaltenen Vortrag, der Freistaat Danzig sei an die Bestimmungen des Versailler Vertrages betreffend Schutz der Minderheiten gebunden und dürfe auf keinem Gebiete des öffentlichen Lebens Unterscheidungen hinsichtlich der Rasse oder der Religion machen. Lettländischer Sejm lehnt Ntune* vus clau-us-Antrag ab Riga. Der lettländische Sejm hat mit überwältigender Mehrheit einen antisemitischen Antrag, für jüdische Angestellte den Numerus clausus einzuführen, abgelebnt. In der Debatte bemerkte der ”idIsche Deputierte Rabbiner Dubin, es würde den Juden garnicht so schlimm ergehen, wenn sie in allen Berufskategoiien, auch ln der Beamtenschaft, entsprechend ihrer Zahl vertreten sein würden. Die bewaffnete Revolte des sozialdemokratischen Schutzbundes, die sehr stark an die Spartakus Aufstände in Berlin erinnert, ist von der österreichischen Regierung mit bewaffneter Macht niedergeschlagen worden. Mit gutem psychologischem Geschick hat der Bundeskanzler einen Pardon gerade im richtigen Augenblick verkündigt Die weiße Fahne war das Ergebnis, und so konnte der Regierungschef, schon seit mehr als einem Jahr eine Vordergrundfigur der Welt, mit stärkster Autorität sich zu einer Politik der Befriedung bekennen. In einem Gespräch mit dem Vertreter des Pariser „Journal“ erklärte Dr. Dollfuß sich ausdrücklich gegen alle Diktaturpläne; sein politisches Ziel ist und bleibt die Unabhängigkeit Österreichs, wobei er immer „die braune Gefahr“ im Auge behält Der Sieger muß den Helm fester binden, aber er kann auch an Versöhnung denken, ln der Gewißheit, daß er von jetzt ab das Vertrauen der nur an Ruhe und Arbeit denkenden Bevölkerung in noch höherem ÄusmaB^SS^^ijie’ “Regterung kann die Ruhe sichern, sie kann Arbeit schaffen. Voraussetzung ist die Mitarbeit eines jeden ehrlichen Arbeiters. Die jüdische Bevölkerung steht von Natur aus hinter der Regierung. Sie ist immer staatstreu und bleibt es. Sie hat dies im Weltkrieg bewiesen, sie hat ihren Teil beigetragen zum Aufbau des Staates nach dem Krieg, bei der Ordnung der Verhältnisse in der voll verstandenen Pflicht des Bürgers, der da weiß, daß er für Wohl und Wehe der staatlichen Gemeinschaft in einem höheren moralischen Sinn mitverantwortlich ist. Die jüdische Bevölkerung hat immer Treue an den Tag gelegt, und sie hat das Recht, zu erwarben, daß sie auch in Zukunft ungestört und als gleichwertiger Faktor innerhalb der Schichten, in denen sie heute.steht, an Leben und Entwicklung des Staates mitarbeiten wird können. Die .Judenschaft will mitarbeiten, und sie begründet ihren Willen einfach aus der Tatsache ihres Daseins. Sie lebt hier; dieser Boden, unter dem unsere Eltern oder Kinder ruhen, ist uns allen lieb und teuer. Wir haben es nicht notwendig, uns auf Seßhaftigkeit und Bodenständigkeit zu berufen, obzwar die jüdische' Siedlung im Donaubecken bis in die grauesten Tage der Vergangenheit hinaufreicht. An dem gewaltigen Aufschwung der Österreichischen Monarchie zum HandeLsgroßstaat hat jüdische Kraft in der Zeit des Liberalismus mitgewirkt, jene* Liberalismus, den man beute verdammt und der doch sogar die organisatorischen Grundlagen des Staatswesens von heute gebaut hat. Innerhalb des Judentums freilich hat dieser Liberalismus verheerend gewirkt. Er hat die Assimilation erzeugt' und, gefördert, er hat es bewirkt, daß das Judentum sich selbst verlor, sieh selbst fremd wurde, daß es sich von seiner eigenen Geschichte, von seiner Tradition losznsagen begann. Dieser innere Verfall hat aber an der treuen Verbundenheit mit dem Staat nichts geändert. Er hat nur uns betroffen. Er war . die Folge der Emanzipation des Individuums, die sich als eine Belohnung für Abfall herausstellte. Wir Juden von heute, die wir uns wieder als Volk empfinden, arbeiten. an der Emanzipation als Nation, die wir aus unserer eigenen Kraft, aber mit Hilfe der Kulturvölker zu vollenden hoffen. Und auch hier bleibt unsere Stellung zu Staat und Gesellschaft unberührt und unverändert. Wir haben unsere Pflicht als Bürger stets erfüllt, und wir haben das Recht als Bürger. Der Hagelschauer von Verhetzungen und Lügen und Verleumdungen, der täglich über uns niedergeht, kann uns nicht irre machen. Wir sind ■— das zeigt der staunenden Welt unser Werk in Palästina -rstaatsbaueiid und wir sind staatserhaltend. Man sehe das jüdische Gemeindewesen. Die jüdische Gemeinde verwaltet sich selbst, sie hat ihre Fürsorge für Arme, für Kranke, für Kinder, sie führt in musterhafter Korrektheit ihre Geschäfte, sie belastet weder Staat noch Gesellschaft, entlastet sie vielmehr und trägt schwer an der Bürde der Zeit Sie wird dies nicht mehr lange können, die Last wird immer drückender, nicht zuletzt dadurch, daß die Gemeinde nichts vom Staat erhält, und dadurch, daß sich die Zahl der Gemeindemitglieder immer weiter verringert hat Das ist die Schuld des Abfalles, die Schuld der Gesellschaft, die die Konfessionslosigkeit und die Judentaufe gefördert und belohnt hat, die Schuld der Weltverbesserer, deren Wirken für uns, für die gesamte jüdische Gemeinschaft verderblich und unheilvoll war. Die Umoral der Assimilation, der bürgerlichen wie der sozialistischen, haben wir bis ins letzte Haus verspürt; wir bewußten Juden haben seit dreißig Jahren gegen diese Würdelosigkeit einen aussichtslosen opfervollen Kampf geführt, von der bürgerlichen Gesellschaft, die aus Einzelerscheinungen Generalfälle machte, allein gelassen und unverstanden, von den Klassenkämpfen verhöhnt und verspottet Mit banger Ahnung haben wir den Ablauf der Dinge beobachtet, immer wieder auf die Gefahr aufmerksam gemacht Wie ist heute die Situation? Es gibt keine Assimilation mehr. Diejenigen, die noch aa sie glauben, erkennen die Wahrheit nicht Links ist ein leerer Raum, rechts eine kaum verhüllte Abneigung, verschärft durch Haß und Hetze. Wir müssen uns als Juden, als jüdische Nation zusammenfinden und als solche geschlossen an der politischen und sozialen Befriedung, an dem Werk der Regierung mitarbeiten, als solche geschlossen unser Recht vertreten. Unsere Stellung zum Staat ändert sich nicht Wir bejahen ihn und geben ihm, was des Staates ist Aber wir müssen unseren inneren Bau ändern. Die holländische Regierung gegen den Antisemitismus Haag. Im holländischen Parlament wurde von der Regierung angesichts der zunehmenden staatsfeindlichen und antisemitischen Propaganda gewisser Kreise ein G esetzesentwurf zum Schutze der öffentlichen Ordnung eingebracht. Das Strafgesetz soll durch zwei Artikel erweitert werden, nach dem die Verächtlichmachung in Wort, Schrift oder Bild einer Gruppe der Bevölkerung bestraft werden soll mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 300 Gulden. Unter Strafe gestellt ist auch die Verbreitung von Schriftstücken oder Abbildungen beleidigenden Inhalts für eine Bevölkerungsgruppe. Wie das neue Gesetz verstanden werden soll, ergibt sich aus der Begründung zum Gesetzeisantrage, in der es unter anderem heißt: „ln letzter Zeit werden auch hierzulande wiederholt ln der Öffentlichkeit Äußerungen getan, die kränkend oder verletzend für Gruppen der Bevölkerung sind. Man denke unter anderem an neuere Äußerungen ß b e r unsere israelitischen Mitbürger. Diese Erscheinung ist um so bedenklicher, da sie seit dem Weltkrieg eine Art epidemischen Charakter angenommen hat. I n verschiedenen Ländern in- und außerhalb Europas werden Bevölkerungsgruppen, die sich durch Gottesdienst, Rasse oder auf sonstige Weise unterscheiden, zunächst planmäßig in ein schlechtes Licht gestellt, dann vielfach auch als nicht mehr gleichwertig behandelt und zuweilen sogar geradezu verfolgt, ln dem einen Lande waren es die Christen im allgemeinen, in einem anderen Lande die Römisch-katholischen, anderswo die Israeliten, oft auch die Diener des Gottesdienstes, die Exzessen und entehrenden Begegnungen ausgesetzt waren. Gleiche Ausschreitungen auch in unserem Lande müssen auf jeden Fall verhindert werden. Innerhalb unserer Grenzen besteht hiezu auch kein einziger Grund. Die Regierung betrachtet es daher auch als ihre „THREE STARS* KOHLE ♦ KOKS > ANTHRAZIT ■■■■■■■■■■■ HÖCHSTES QUALITÄTEN ■■■■■«■■■£■■ BASCH, IV., ARGEN HNIERSTRASSE 22. TEL. SERIE U 47-5-40

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