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Die Stimme · 1934-02-16 · Heft 328 (16.2.1934) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 328 (16.2.1934)
Date
1934-02-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 328 — 16. Februar 1934 abgesetzt und alle Möglichkeiten geboten, um der industriellen und landwirtschaftlichen Entwicklung Erleichterungen zu verschaffen. Sie sei dem Fortschritt des Landes in stärkstem Masse förderlich gewesen, und die Hölie des investierten Kapitals der Gesellschaft ebenso wie die großen Werte, die sie geschaffen habe, hätten sie zu der Erwartung berechtigt, daß die Regierung sie eines so großen Abnehmers, wie die Jerusalemer Wasserwerke, nicht beraube. Sie hätte dies umsomehr verlangen können, als die van ihr gebotenen Sätze für Kraftstrom niedriger gewesen wären, als die tatsächlichen Kosten, die durch die Beschaffung desselben mit Dieselmotoren erwachsen werden. Diese völlig unbegründete Entscheidung der Regierung sei erfolgt, obwohl die Electric Corporation bisher eine proenglische Politik getrieben und Aufträge selbst im solchen Fällen nach England vergeben habe, wo die Preise anderer Länder niedriger waren.P ersönlich — so erklärte Ruttenberg — habe er alles getan, was in seiner Macht stand, um diese Politik eimzuhalten, so schwer es mitunter war. Es sei wohl möglich, daß der jetzt eimgeschlagene Weg auch andere Geschäfte ungünstig beeinflussen kann, aber umso eher werde die Regierung sich veranlaßt sehen, die vitalen wirtschaftlichen Interessen des Landes mehr zu berücksichtigen. Uebersee-Export der Shemen Company. Die Oel- und Seifenfabrik „Shemen“, eine der ersten palästinensischen Industrieunternehmumgem nach dem Kriege, bat in der letzten Dezemberhälfte große Mengen von Olivenöl und Toiletteseifen nach Ostafriika, Italien, Südafrika, Sudan, Holland, Indien, Siam, Irak, Polen, der Schweiz von Haifa aus verschifft. Die Ausfuhr der Shemen-Gesellschaft beschränkte sich anfangs hauptsächlich auf die umliegenden Länder, doch mit der Verbesserung ihrer Fabrikate ist es ihr, wie ficb zeigt, gelungen, ihrem Artikeln in den verschiedensten Ländern der Welt einen Markt zu erobern. Export der Zitrusfrüchte. Bis zum 31. Dezember wurden insgesamt 1,335.700 Kisten mit Zitrusfrüchten verschifft, und zwar: von Jaffa 889.000 von Haifa 358.500 transit via Port Said 88.200 In der Hauptsache handelt es sich um Orangen; 110.500 Kisten waren Crapefruits, 12.700 Zitronen. Vergebung von Fabrikgrundstücken In der Haifa Bay. (Emek-Schulen) Bekanntlich gehören die Böden im Qebdet der Haifa Bay dem Keren Kajemeth und der Palestine Economic Corporation (PEC), welch letztere sich seinerzeit an der Uebernahme der Böden von Haifa Bay Tevelopment Company beteiligte. Die Vergebung dieser Böden geschieht daher auch in enger Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Institutionen. Das Komitee, welches über die vorliegenden Anträge zu beraten hat und aus .Vertretern beider Körperschaften besteht, bewilligte jetzt weitere 21 Gesuche von Industriellen, die sich um Grundstücke für Fabriken in dem neuen Industrieviertel beworben hatten. Die Mörder von Nahallal. Jerusalem. High Commiasioner Sar Arthur Wauchope hat die Strafe Achmed Galiani9, einer der beiden Araber, die im vergangenen Monat vom Appellationsgericht wegen des im Dezember 1932 .begangenen Mordes an den jüdischen Kolonisten Joseph Jaoobi und seinem neunjährigen Sohn in der Kolonie Nahallal zum Tode verurteilt wurden, In eine 15-jährige Kerkerstrafe um gewandelt. Der zweite Verurteilte, Mustafa Ali Achmed, wird durch den Strang hingerichtet werden. Oesterreichs Güteraustausch mit dem Mittleren Osten. Unter den Absatzgebieten der österreichischen Ausfuhr nehmen, was die außereuropäischen Staaten betrifft, die Länder des Mittleren Ostens eine hervorragende Stellung eiin. Oesterreich exportiert nach dem Mittleren Osten mit seinen 45 Millionen Bewohnern durchschnittlich genau so viel wie nach China, Japan, Britisch- und Niederländisch-Indien zusammen, die ja rund eine Milliarde Gesamtbevölkerung aufweisen. Von den Ländern des Mittleren Ostens gewinnt insbesondere Palästina in ständig wachsendem Grade an Bedeutung als Verbraucher österreichischer Erzeugnisse. Warenbezüge aus Oesterreich sind gegenwärtig mit einem Jahresbetrag von 150.000 Pfund Sterling — 4,425.000 österreichischen Schillingen zu bewerten, was der österreichischen Ausfuhr nach Syrien gleichkommt und rund der Hälfte von Oesterreichs Export nach Aegypten entspricht. Dabei sei erwähnt, daß Palästina heute 1,150.000 Bewohner zählt, hingegen Syrien 2,750.000 und Aegypten 14,500.000. Hieraus ist die außergewöhnlich hohe Kaufkraft Palästinas und ihre Bedeutung für den österreichischen Export zu ersehen. Die Entwicklung des Güteraustausches zwischen Oesterreich und Palästina stellt sich folgendermaßen dar: PalSsllna-Einfuhr aus Oesterreich (in Pfund Sirlg.) 1927 127.420 1928 126.531 1929 122.381 1930 130.498 1931 92.179 1932 94.123 1933 (Jan.-S»pi.) 109.794 PalSstina-Ausfuhr nach Oesterreich (in Pfund Sirlg.) 1.293 4.040 2.970 4.259 6.077 2.593 1.062 Aus diesen Zahlen geht hervor, daß nach einem Rückgang im Bedarf österreichischer Waren während der Jahre 1931 und 1932 nunmehr die ersten neun Monate von 1933 bereits wieder einen bemerkenswerten Aufstieg der palästinensischen Wareneinfuhr aus Oesterreich gezeitigt haben. Unter den rund 200 Warengattungen, dde die amtliche Uebersicht des palästinensischen Imports österreichischer Waren aufweist, nehmen jene Gruppen einen besonderen Rang ein, in denen Oesterreich überhaupt der führende Lieferant des palästinensischen Marktes ist So deckt der Bezug österreichischen Druckpapiers, im Werte von 14.000 Pfund Sterling, nicht weniger als 60 Prozent des palästinensischen Druckpapier-Imporls insgesamt. Ferner bezieht Palästina 30 Prozent seiner Gesamt-Glascinfuhr aus Oesterreich. Weitere wichtige Poslen des t a äst'nens s hen Imports österreichischer ProdukteProclukte sind Holz für Ornngcwkisten im Werte von 5.000 Pfund Sterling, Gummiwaren ebenfalls für 5.000 Pfund Sterling, sowie Baumwollstückwaren für 4.000 Pfund Sterling. Der Import von Möbeln aus Oesterreich hat sich seit 1929 verdreifacht und weiterhin ist zu verzeichnen, daß Palästinas Import von Papier- und Pappwaren aus Oesterreich von 1929 bis 1932 von 722 auf 2.110 Pfund Sterling, der Import oesterreichisdher Eisen- und Stahlwaren von 1.751 auf 3.600 Pfund Sterling gestiegen ist. Indessen sollte nicht übersehen werden, daß diesem bemerkenswertem Fortschritte hinsichtlich gewisser Warengattungen auf der anderen Seite auch Abschwächuugen gegenüberstehen, die Oesterreichs Export allerdings durch bestimmte organisatorische Maßnahmen wieder wettmaohen und sogar in neue Expansion umwandeln könnte. Beispielsweise ist Palästinas Import von österreichischen Baumwollgarn, der 1927 noch 5.000 Pfund Sterling betrug auf nur noch 480 Pfund Sterling im Jahre 1932 gefallen, und der Bezug österreichischer Wollstoffe hat sich von 6.000 Pfund Sterling in 1928 auf 191 in 1932 vermindert. Palästinas Warenausfuhr nach Oesterreich setzt sich in der Hauptsache aus Citrus-Früchten (Orangen, Grape-Fruits, Mandarinen, Zitronen) zusammen, woneben noch Olivenöl, Weine und Därme zu nennen sind; auch; hat Oesterreich im Jahre 1933 einige Käufe in palästinensischen Toilettenseifen getätigt. Es besteht gar kein Zweifel, daß in allen diesen Warengattungen noch weitaus größere Umsätze erzielt werden könnten. Die bevorstehende Levante-Messe, welche im Frühjahr 1934 (26. April bis 25. Mai) zu Tel-Aviv der heutigen Handelsmetropole Palästinas, stattfinden, wird, dürfte ausgezeichnete Möglichkeiten gegewähren, den gegenwärtigen Stand des Güteraustausches zwischen Oesterreich und Palästina gründlich zu überprüfen. So wird die Masse in der Lage sein, die entscheidende Anregung für den künftigen Ausbau der Handelsbeziehungen zwischen Oesterreich und dem gesamten Mittleren Osten zu geben. Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde. Predigten und Schlitterklärungen In den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Freitag, den 16. Februar 1934 werden bei den um 5 Uhr 5 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten und zwar: II. Pazmanitengasse 6 IX. Müllnergasse 21 XV. Turnergasse 22 XIX. Dollinergasse 3 Rabbiner Dr. Z. Taubes. Rabbiner Dr. A. Z. Schwarz. Rabbinatskandidat Dr. Benjamin Klar. Rabbiner Dr. A. Frankfurter. Samstag, den 17. Februar 1934 beim Hauptgottesdienste Sohrifterklärungen: XX. Kluckygasäe 11 Rabbiner Dr. B. Murmel stein. XXI. Holzmeistergasse 12 Rabbiner Dr. M. Rosen mann. Vermehrung der Jugend« Gottesdienste, Die Unterrichtskommission (Obmann Prof. Rath) hat heuer mit großer Energie eimgestezt und eine Auffrischung und Neubelebung des Jugendgottesdienstes geschaffen. Am 21. I. nach den Federtagsabendgottesdienst, um 6 Uhr abends, wurde eine Art Studentengottesdienst für die reife Jugend abgehalten. Aus allen Bezirken kamen sie freiwillig, denn Zwang kennt das Judentum nicht, in den Tempel, nahmen am Gottesdienst aktiven Anteil, und lauschten den Worten des Oberrabbiner Dr. Feuohtwang, der als der geistige Führer, zu der jungen zahlreichen Gemeinde sprach. In unserer schweren Zeit bedarf unsere Jugend des Trostes, der jüdischen Emotionen, der begeisternden Flamme der jüdischen Religion und Kultur. Eime Woche später wurde wieder ein neuer Jugendgottesdiemst eingeführt. Er ist gesondert gehalten, um Va5 Uhr, während der regelmäßige, 9ehr gut besuchte Gottesdienst für Volksschüler um 3 Uhr an den Sabbaten stattfindet. Es kam nur die Jugend der Untermittelschule und es sprach der Lehrer Prof. Papo zu seinen Schülern und Schülerinnen. 300 an der Zahl erschienen sie. Was hier geboten und empfangen wurde, war jüdisches bewußtes religiöses Einfühlen. Daraus entsteht das Gefühl des Zusammenhangs mit dem Judentum, und das Bewußtsein, daß das Judentum ihre ureigenste Angelegenheit ist. Letzte Nachrichten. Ausbürgerung von Juden in Preußen, Berlin. Nachdem bereits eine Anzahl südu. mitteldeutsche Provinzen mit der Ausbürgerung von Juden, die n ach dem 9. November 1918 die Staatsbürgerschaft in Deutschland erwarben, begonnen haben und dabei, wie gemeldet, mit äußerster Schonungslosigkeit vorgehen und Personen, die Jahrzehnte in Deutschland wohnen, ja sogar in Deutschland geboren sind und hier für die Oeffentlichkeit wichtige Arbeitsstellen bekleideten, ausbürgern, hat nun auch die preusische Regierung mit der Ausbürgerung von Juden begonnen. Der „Reichs- und Staatsanzeiger“ veröffentlicht soeben eine Liste von 3 5 jüdischen Familien in Preußen, deren frühere Einbürgerung vom Polizeipräsidium Berlin widerrufen wird. Es befindet sich auf der Liste eine Frau Blasbalg, die 1887 in Berlin geboren ist und seither ununterbrochen in Deutschland wohnt, ferner viele angesehene Mitglieder der Berliner Jüdischen Gemeinde, deren Einbürgerung viele Jahre zurückreicht, u. a. eine Anzahl bekannter Redakteure, der auch außerhalb Deutschlands bekannte Komponist Misoha Spolianski, der Theaterleiter Karl Meinhard, u. v. a. Verbot der Versammlungs» tätigkeit jüdischer Vereine, Gladbach-Rheydt. Der Polizeipräsident hat zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit angeordnet, daß sämtlichen jüdischen Vereinen bis auf weiteres verboten ist, Zusammenkünfte in jeder Form, außer dem Gottesdienst in einer Synagoge, zu veranstalten. Hierunter fällt auch die sportliche Betätigung der Sportvereine. Ebenso ist es untersaigt, besondere Propaganda durch Rundschreiben usw. zu betreiben. Juden dürfen nicht Nachtwächter sein. Frankfurt a. M. Dde Gemeinde Sterbfritz (Kreis Schlüchtern) hat vor kurzem aus Sparsamkeitsgründen beschlossen, keine bezahlten Nachtwächter mehr zu beschäftigen, sondern jeden Haushaltungsvorstand zu verpflichten, auf Aufforderung der Gemeindebehörde eine unentgeltliche Nachtwache zu stellen. Das „Frankfurter Volksblatt“ veröffentlicht nun folgende Erklärung Slerbfritzer Bürger: „Wir Sterbfritzer lehnen' es aber, ganz entschieden ab, daß und die Sterbfritzer Juden ebenfalls bewachen sollen. Man hat es tatsächlich fertig gebracht, die Sterbfritzer Juden mit diesem Vertrauensposten zu beauftragen. Daraufhin glaubte sogar ein Nacht Wächter-Jude berechtigt zu sein, das SA-Lokal zu kontrollieren. Da solche Zustände in der hiesigen Ortsgruppe größte Unruhe hervorrufen können, hat Ortsgruppenleiter Pg. Schreiber dem hiesigen Bürgermeister Anweisung erteilt, künftig keine Juden mit dem Nachtwächter-Posten zu betrauen.“ Entfall des Israelit. Jugendgottesdienstes morgen Samstag. Mit Rücksicht auf die Sperre der. Schulen findet der für morgen (Samstag) anberaumte Jugendgottesdienst in den Gemeinde- und Vereinssynagogen nicht statt. Bezugsbedingungen: Monatlich S 1.50, vierteljährlich S 4.20, ganzjährig S 16.— Für das Ausland vierteljährlich: Tschechoslowakei Kc 24.—, Jugoslawien Dinar 40.—, Polen Zloty 6.50, Ungarn Pengü 4.20, Rumänien Lei 120.—, übriges Ausn lantl Schweizer Franken 4.50. Eigentümer, Verleger und Herausgeber: Zionistischer Landesverband für Oesterreich, Wien, I., Kärnterstraße 28. — VerantwortlK eher Redakteur: Dr. Sigmund Finkeistein, Wien, I., Kärntnerstraße Nr. 28. — Druck: Victoria-Druckerei (Singer & Lewit), Wien, IV. Schäffe.rgasse 13 a.

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