Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 328 (16.2.1934)
- Date
- 1934-02-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Preis dieser Nummer 20 g v. b. b. Stimme Nummer 328 _JÜDISCHE ZEITUNG -_r. , „ II <An. | Redaktion und Administration: Wien, I., Kämtnerstraße 28 I Wien, lu. II. 1934 I Tel. R27-4-85. Redaktionsschluß Montag u. Mittwoch vorm. g Eine Gratisreise nach Palästina ist die Prämie des Preisausschreibens der „Stimme“, das am 26. Februar zur Auslosung gelangt. Um S 16.—, das ist der Jahresabonnement preis für den Bezug der „S timme“, im voraus bezahlt, nehmen Sie an dem Preisausschreiben teil und haben die Chance. gratis zur Levante-Mette nach Tel-Aviv zu fahren Di© Durchführung der Reise hat das Weltreisebureau „Compass Tours“, Wien, IX. Spitalgasse 3, inne. (1. Adar 5694) | 7. Jahrgang t!iS£i!Li!L^iS^!SS!S!!2£!!£ Organisation! Die österreichische sozialdemokratische Partei ist nicht mehr. Ihr Ende hat sich in Gestalt einer blutigen Tragödie vollzogen. Die absoluteste und unbedingteste Partei Oesterreichs, die lange vor den Nationalsozialisten den Gedanken der Totalität in ihrem Machtbereich in die Wirklichkeit umgesetzt hatte, ist verschwunden und dies schafft für die gesamte weitere Politik unsererseits völlig neue Verhältnisse. Vor allem aber für diejenigen Juden, die blind für die wahre Entwicklung der Zeit, sich dieser Bewegung verschrieben hatten, blind auch für den wahren Zustand in dieser Bewegung, die wie eine Dampfwalze Äber die Lebensinteressen des jüdischen Mittelstandsvolkes hinwegrollte. Die Stellung, die die österreichische Sozialdemokratie zu den jüdischen Fragen eingenommen hat, war stets negativ. Für die sozialdemokratische Führung war die Judenfrage nie existant. Die Wiener Juden galten nur als Stimmvieh, das ruhig und geduldig bei allen Wahlen seinen Zettel für die Sozialdemokratie abzugeben hatte. Die jüdischen Deserteure, die in die Führung der Partei gelangten, haben ihre Abkunft durch gesteigerten Haß vergessen machen wollen. Das zeigte sich auch in Kleinlichkeiten. Für die jüdischen Sportvereine gab es keine Subventionen aus dem Rathaus, keine Turnsäle; die jüdischen Kulturbestrebungen wurden mit Verachtung beiseitegeschoben, die hebräische Sprache war ein alter Plunder, der Zionistenkongreß eine konfessionelle Veranstaltung. Für das Riesenwerk des jüdischen Aufbaues in Palästina hatten diese Renegaten keine Sympathie, kein Verständnis, nicht einmal platonische Höflichkeit. Und das so hochmütige und überhebliche Zentralorgan, die „Arbeiter-Zeitung" verstand den Kampf gegen die antisemitische Kulturseuche nur so zu führen, daß sie den Christlichsozialen immer vorwarf, sie seien gar keine Antisemiten. Der Zionismus, das jüdische Volksbewußtsein, — das war der sozialdemokratischen Partei ein Dorn im Auge. Man weiß es aus vielen Aeußerungen, daß der Proletarier, der einfach und gerade denkende Mann auf der Straße, dem Zionismus das gleiche Recht beimaß wie jedem, wie seinem eigenen nationalen Empfinden. Und die Sozialdemokratie Englands, Frankreichs, Belgiens sah im Zionismus nichts als den gesunden Lebenstrieb eines nach Ruhe und Sammlung drängenden Volkes. Die „konfessionslosen“ Juden in der österreichischen Sozialdemokratie aber waren in ihrem ganzen Denken und Fühlen antijüdisch und ihre Anschauungen übertrugen sich unter regster Mithilfe der „jüdischen“ Redakteure des Zentralorgans auf die nichtjüdischen Genossen. Herr Sever, der seinerzeit Landeshauptmann von Niederösterreich, war der erste Funktionär, der eine diffamierende Ausweisungsordre gegen die jüdischen Flüchtlinge erließ. Und diese Haltung der Sozialdemokratie, der Partei der Uebernationalität, des Geistes, der Kultur, dieses System der langsamen, ideologisch verklärten Vertiefung des Judenhasses hat sehr viel zur Ausbreitung der antisemitischen Pest beigetragen, mehr als man sich sonst denken kann. Und dazu kam noch die Steuerpraxis der sozialdemokratischen Gemeinde, die einen übergroßen Teil ihrer Mammuth-Einnahmen aus den Taschen der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden herauspreßte, aber trotzdem den Juden jede Mitarbeit und Mitkontrolle versagte. Die jüdische Vertretung in der Leopoldstadt wurde von der Sozialdemokratie mit den schimpflichsten Mittelchen genommen und die „Arbeiter-Zeitung“ jubelte von der historischen Mission, die die Sozialdemokratie gegen den Zionismus vollbrachte. Die Sozialdemokratie Oesterreichs besteht nicht mehr und für viele Juden bedeutet dies eine vollkommene Umwertung ihres Seins. Ihr zukünftiger Weg ist aber durch Entwicklung und Natur klar vorgezeichnet. Sie sind von einem ähnlichen politischen Schicksal ereilt wie die Assimilationsjuden in Deutschland und sie haben wie diese den Weg zum Judentum zu gehen. Sie müssen zurück — und das so rasch wie möglich. Auch diejenigen, die mit ihrer ganzen Seele bei der Sozialdemokratie waren, diejenigen, denen wir bewußte Juden seit Jahren immer wieder das Unhaltbare ihrer Position, die Würdelosigkeit der Assimilation vergebens vor Augen geführt haben — sie alle haben keine andere Möglichkeit, als sich in das nationale Judentum einzufügen. Sie sind untreu I gewesen ihrem eigenen Haus, ihrer Abkunft, ihrem jüdischen Stolz; eine Katastrophe hat kommen müssen, um sie aufzurütteln. Sie haben heute keine politische Unterkunft mehr; ihre Götzen hat ein Taifun zerschlagen. Sie müssen sich besinnen und zur Treue erwachen. Die Organisation des nationalen Judentums, die diese Wendung hat kommen sehen, hat immer die Juden davor gewarnt, sich mit der Sozialdemokratie zu solidarisieren, deren Programm letzten Endes die Vernichtung des jüdischen Mittelstandes bedeutet, ohne den jüdischen Proletariern etwas anderes als Versöhnungsphrasen zu bieten; mit einer Partei zu gehen, die alle Tage sich gegen den Vorwurf des „Judenschutzes“ verwahrte; es ist die Partei, an deren Anfang das Judenpamphlet Karl Marx’ steht und die demgemäß immer gegen alles echte An unsere Leser! Infolge der Ereignisse der letzten Tage konnte die bereits fertiggestellte druckbereite Dienstag-Nummer der „Stimme“ nicht mehr erscheinen. Durch die Sperre der Druckerei, in der die „Stimme“ bisnun hergestellt wurde, sind wir gezwungen, unser Blatt in einer anderen Druckerei drucken zu lassen. Die hiedurch entstandenen technischen Schwierigkeiten bringen es mit sich, daß die vorliegende Nummer noch nicht im vollen Umfange erscheinen kann. Es sind jedoch bereits alle Vorsorgen getroffen* um ab nächster Woche unser Blatt in seinem bisherigen Umfang wieder erscheinen zu lassen. Wir bitten daher unsere Leser einstweilen um Nachsicht. Die Redaktion der „STIMME“. ses, und der Executive des Comite des Dölögations Juives, die bis Sonntag über Mitternacht hinaus dauerte. An den Sitzungen, die vom Vorsitzenden des Comöitö des Dölögations Juives, Dr. Nahum Goldmann, geleitet wurden, beteiligten sich die folgenden Vertreter der mittel- und osteuropäischen Länder: Schereschewsky, Dr. Rosmarin und Dr. Rotten streich aus Polen; Dr. Mayer Ebner aus Rumänien; der Präsident der Wiener Isr. Kultusgemeinde Dr. Desdider Friedmann und Oberbaurat Robert Stricker aus Oesterreich; Dr. Emil Margulies—Leitmeritz; Rabbiner Nurok aus Lettland; Hadm Farchy aus Bulgarien; ferner Dr. Benzion Mossinson aus Tel-Aviv. Dr. Goldmann berichtete über die laufenden politischen Aktionen des Comiitö des Dölögations Juives, insbesondere soweit sie mit der deutschen Judenfrage Zusammenhängen. Eingehend besprochen wurde dann die Frage der Beziehungen der jüdischen Minoritäten zum Europäischen Minderheitemkorugreß. Der Präsident des Minderheitenkangresses Dr. Wilfan war zu diesem Teil der Besprechungen eigens aus Wien nach Prag gekommen und legte den Standpunkt des Ausschusses des Mimoritätenkongresses bezüglich der weiteren Mitarbeit der jüdischen 'Minoritäten dar. Es wurde beschlossen, die Frage durch die Instanzen der verschiedenen jüdischen Minoritäten erörtern zu lassen, damit dann in einer für Mai in Aussicht genommenen Sitzung über die Beziehungen der jüdischen Minoritäten zum Minoiitätenkonigreß definitiv Beschluß gefaßt werden soll. Ein großer Teil der Verhandlungen galt den Fragen der Vorbereitun des Jüdischen Weltkongresses. Da am .25. d. in Paris eine Sitzung der westeuropäischen (Mitglieder des Executivkomitees für den Jüdischen Weltkon¬ und wahre jüdische vorging. Nun ist diese Partei zerstoben. Was können die Juden, die ihr verbunden waren, tun? Ihre Logik, ihr Denken muß sie zum Zionismus, zum jüdischen Volk zurückführen. Hinein in die zionistische Organisation! greß stattfindet, werden die definitiven Beschlüsse bezüglich Ort und Zeit des Weltkongresses, sowie Tagesordnung u, WahlmodaJitäten erst nach der Pariser Besprechung gefaßt werden. Es steht schon jetzt fest, daß der Weltkongreß im Sommer dieses Jahres, vermutlich im August in der Schweiz stattfijnden wird. Es wurde ferner eine grundsätzliche Übereinstimmung darüber erzielt, daß gemäß den Beschlüssen der Genfer Vorkonferenzen grundsätzlich demokratische Wahlen in den Ländern, aus denen die Delegierten des Weltkongresses hervorgehen werden, stattzufinden haben. Aus den Berichten der Ländervertreter ergab sich, daß mit einer starken Wahlbeteüigung zu rechnen ist. Kommission des Völkerbundes sind neuerdings verschiedene Beschwerden oberschlesischer Juden wegen unterschiedlicher Behandlung enigedaufen. Neben Beschwerden, die Zurücksetzungen von Juden auf rechtlichem und wirtschaftlichem Weltmisracki für — amert~ kaniscke Zionisten gegen Jen Weltkongreß. Die Leitung der Weltorganisation der orthodoxen Zionisten „Misraohi“ hat beschlossen, sich an dem im August d. J. stattfimdenden Jüdischen Weltkongreß zu beteiligen. Die Exekutive der Zion. Organisation Amerikas hat einen Antrag, durch den sich die Organisation für die Einberufung des Jüdischen Weltkongresse» aussprechen sollte, zunächst durch Zuweisung an eine Sonderkommission erledigt. Hauptredner in der Aussprache waren der Initiator des Kongresses Dr. Stephen S. Wise und das Mitglied der Executive der Jewish Agency Louis Lipsky. _ Neue ßesekwerden oker» sclilesisclier Juden. Kattowitz. Bei der in Kattowitz domizilierenden, unter dem Vorsitz des früheren schweizerischen Bundespräsidenten C a 1 o n d e r arbeitenden Gemischten Jüdischer Weltkongreß wahrscheinlich 11 im August in der Schweiz. i I Prag. Am 10. d. begann hier eine Sitzung des Executivkoinitees für die Vorbereitung des jüdischen Weltkongres-