Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 326 (6.2.1934)
- Date
- 1934-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Erscheint Dienstag und Freitag Prela dieser Nummer 20 g V. b. b. JÜDISCHE ZEITUNG w/mmmmmmmaeammmmmmmmmmmmiammmam Eine Gratisreise nach Palästina IsAt die Prämie des Preisausschreibens der Summe", das am 2ß. Februar zur Auslosung gr bmgt. Um S 16*—, d is ist der Jahresabonn-miontpreis für den Ho>.ug der „Stirn m e", im voraus bezahlt, nehmen Sie an dem Prelsausschrelb e n teil und haben die Chance, gratis zur Levante-Messe nach; Tel'AwIw zu Sahren Die Durchführung der Reise hat das Weltrelsebureau „Com pass Tours“, Wien, IX., Spitalgasse 3, inne. Redaktion und Administration: Wien, l„ KärntnerstraQe 28, Tel. R-27-4-85. Redaktionsschluß Montag u. Mittwooh vorm. | Schwath 5694) j 7. Jahrgang Vom jüdischen Geist Bel einem Kreisappell der Ostmärkischen Sturm- Scharen — das ist eine christlichsoziale Wehrformation — hat am 1. Februar der Landesführer Dr. K a s t e 1 i c eine Rede gehalten, in der er unter dem Schlagwort «Oesterreich den Oesterreichern!» sich mit praktischem Antisemitismus beschäftigte. Er scheint der Ansicht zu sein, daß Oesterreich an inneren und äußeren Problemen zu wenig besitzt und so sucht er sich eines, das nach innen und außen zugleich wirkt und so die vielgesuchte harmonische Synthese schafft. Dieser praktische Antisemitismus soll nach Kastelic die geistige qnd moralische Seite des Judenproblems hervorkehren und er bestünde in einer s t u f e n w e i s e n Be kämp» f u n g des jüdischen Geistes. Die erste Stufe wäre die Revision der Einbürgerungen seit 1918, vielleicht auch schon seit 1914. Denn — so sagt Kastelic — «die Einbürgerungsjahrgänge der Kriegs- und Nachkriegszeit müssen nach der Richtung hin untersucht werden, ob diese Menschen auch tauglich sind, ein öffentlich- <ec h t Iic h es A m t, das sie .auf irgendeine dunkle. Art erhalten haben, auch zu versehen. Und die Frage Wird sein, ob jene Menschen bereits so weit und reif genug sind, in unsere Volksgemeinschaft eingebaut zu werden, denn wir wollen den fremden Geist fernhalten, den sie in alle Gebiete unserer Gemeinschaft gebracht haben, sowohl in der Wirtschaft wie auf Sen geistigen Gebieten, besonders in der Presse.» Leider erfahren wir nicht, was unter «öffentlichrechtlichem Amt» zu verstehen ist. Sollte darunter die Beamtenschaft gemeint sein, so ist der Landesführer nicht ganz gut informiert ln dieser Kategorie von Bundesstaatbewohnern ist der numerus nullus bereits durchgeführt, nicht auf dem Wege der Gesetzgebung, sondern auf dem viel beliebteren Weg der Tatsachen. Von hinten herum. Was aber den fremden Geist anbetrifft, so würden wir ihn noch immer dem Geist vorziehen, der sich von Passau angefangen seit einem Jahre breit macht und eine Tätigkeit entfaltet, die von dem Staatsamt für Propaganda in sehr illustrativer Weise den österreichischen Zeitungslesern vörgeftihrt wird. Fremder Geist — das heißt in der Sprache der Bleichgesichter der Posten, den ein Jude bekleidet. Das wird noch offenkundiger, wenn man die Rede des Landesleiters weiter liest: «Aber auch bei den freien Gewerben wird man nachsehen müssen, ob sich da nicht Leute breit gemacht haben, die schon drei- bis viermal einer. Ausgleich gemacht haben. Jenen wird man die Gewerbeberechtigung und Konzession entziehen müssen.» Das ist in der Tat eine gefährliche Sache. Eine genaue Revision würde nämlich einen recht hohen Prozentsatz von Ariern und allen dazu gehörigen Großmüttern ergeben, die sich eine Sammlung von Ausgleichsverwaltern angelegt haben, und es würde sich auch herausstellen, daß dieser hohe , Perzentsatz von den unbestritten arischen Gebieten, wie Steiermark, Kärnten, Tirol, Vorarlberg gestellt wird. Wir wollen gleich sagen, daß es verfehlt wäre, aus dieser Erscheinung Schlüsse auf Geschäftsmoral zu ziehen. Es dürfte sich ja auch bis in die Kreise des Landesleiters herumgesprochen haben, daß eine Wirtschaftskrise besteht, unter der Erzeuger, Verkäufer und Konsumenten gleich schwer leiden. Rasiere Dich gut und billig f fl |f f flesterreictiiscties jHlij m Ueberall erhältlich Und diese Krise ist erstens eine Folge des Weltkrieges, unter dessen Schöpfern sich, weiß Gott, keine Juden befunden haben, zweitens eine Folge der Ideenlosigkeit der von Ariern geleiteten Regierungen der Nachkriegszeit. Wenn man 1918 einer Kommission von jüdischen Wirtschaftssachverständige n die Aufgabe gestellt hätte, einen Friedensvertrag zu machen, so hätte er sicherlich besser ausgesehen als etwa Brest Litow.sk oder Versailles. Denn es ist jüdische Art, die beste und praktischeste Sachlichkeit zu suchen, Empfindungen von Strafe und Repressalien auszuschalten und einfach, an den Menschen und seine Not zu denken. Die Friedensverträge aber, mit denen 1918 die Weitverwüstung fortgesetzt wurde, sind nicht von Juden gemacht worden. Sie sind eine Entgegnung auf die deutschen A n n e x i o n s p l ä n e und von deren Geist, durchtränkt. Und eine der Wirkungen war das Zerstückeln Oie Londoner Tagung des Beirats für Hilfe an die deutschen Flüchtlinge London. Am 30. und am 31. Jänner fand hier eine gemeinsame Tagung der Ständigen Exekutive des Verwaltungsrates für die deutschen Flüchtlinge und des Rates der Pr i v a t en Fl ü c ti tl i n gs-H i Ifs Organisationen, die beide den. Beirat des Hochkommissars für die deutschen Flüchtlinge bilden, statt. Den Vorsitz führte Lord C e c i 1; neben ihm und dem Hochkommissar James G. MacDonal.d waren der Vertreter Frankreichs Senator Henri Berenger und der Vertreter Hollands Doude van Troostwijk anwesend. Vom Rate der Privaten Organisationen wohnten Direktor Louis O u n g r e (Jewish Colonisatron Association), Felix M. Warburg (American Jewish Joint Distribution Committee), Doktor Chaim Weizmann (Jewish Agency), Fox vom Internationalen Kirchenrat und Professor William Rappard vom Akademiker-H:lfsaus„schuß den Beratungen bei. Anwesend waren ferner Sir Osmond E. d’Avigdor Golds nt i d, James N. R o s e n b e r g, Dr. Bernhard Kahn und Professor Norman B e n t w i c h. Die Sitzung am 30. Jänner war öffentlich, die. am 31. Jänner, mit der die Tagung beendet war, vertraulich. D;e Tagung wurde von Lord Ce eil eröffnet, der sagte: Es ist endlich an der Zeit, das Problem der deutschen Flüchtlinge als Ganzes anzupacken. Etwa 60.000 Menschen, Deutschland-Flüchtlinge, haben ihre Heimat faktisch verlassen; wieviele es in der Zukunft noch tun werden, ist ungewiß. Etwa 7000 Flüchtlinge gingen nach Palästina, etwa 6000 nach Polen. Es bleibt noch für 47.000 Flüchtlinge zu sorgen. 10.000 bis 15000 von ihnen werden hoffentlich aus eigenen Anstrengungen und Mitteln sich fortbringen können. Von den übrigen sind etwa 17.000 Frauen und Kinder und 5000 arbeitsfähige junge Leute, die für einen Beruf ausgebildet oder neu ausgebildet werden können. Für etwa 10.000 Personen in vorgeschrittenem Alter werden neue Erwerbsmöglichkeiten gefunden werden „Hebräisch Isicht gemacht“, 170 Selten Transkription, Grammatik, Hebräisch. — „Der Buchtitel ist berechtigt,“ sagt ein hervorragender Pädagoge. — Bei Vorauszahlung, kartoniert, nur S 7.20, im Ausland Mark 4.20. „Das Palästina-Informationsbuch“, 3. Auflage. — „Das best« Buch seiner Art... 120 Selten Tatsachen und Ziffern,“ urteilt die fachkundige Kritik. — Bei Vorauszahlung S 4.20, Ausland Mark 2.50. PAG r. G. m. b, H., Wien, Vf., Capistrangass« 2. der Monarchie, das jeder Jude in verantwortungsvoller Stellung verworfen hätte, das Zertrümmern von alten, gut organisierten Wirtschaftsgebieten und die finanzielle Belastung ungeborener Generationen. Lauter Dinge, die der jüdische Geist nicht auf sich geladen hätte. Der jüdische Geist ist gegen den wirtschaftlichen Chauvinismus, gegen die Autarkie, die nur politischen Haß und Zollmauern schafft, er ist für freien Handel, freien Vet* kehr, freies Gewissen. Das Gegenteil dieses jüdischen Geistes ist jener Geist, der Deutschland heute beherrscht. Wie er wirkt, mag der Landesleiter in den Publikationen des Propagandaamtes nachlesen. Man kann da viel lernen. müssen. Die Methode bloßer Hilfeleistung ist die iaischeste Art, an das Problem heranzugehen. Es ist von höchster Bedeutung, schon sehr bald einen definitiven Plan zur Durchs führung unserer Aufgabe zu haben. Weizmann über die Aufnahmefähigkeit Palästinas Dr. Weizmann führte aus: Die bisherige Art der Hilfe kann nicht lange andauern. Nehmen wir an, es ge-! schiebt nichts Schlimmes mehr —. ich muß gleich an Oesterreich erinnern —, so haben wir mit einer fluktuierenden Bevölkerung von etwa 60.000 Menschen zu tun. Von diesen müssen rund 4000 aus öffentlichen Fonds versorgt' werden. Diese 4000 allmählich in Palästina, in Frankreich und in England der Arbeitsfront einzureihen, ist durchaus kein unlösbares Problem. Unsere deutschen Freunde informieren uns, daß die Situation in Deutschland halb stabilisiert ist und daß man mit einer jährlichen Auswanderung von 15:000 bis 20.000 Menschen rechnen kann, von denen die überwältigende Mehrheit aus Juden bestehen wird, von diesen 4000 bis 5000 junge Men»* sehen. Gegenwärtig werden 15.000 bis 16.000 Junge Leute für das Leben in Palästina ausgebildet. Aber auch andere deutsch-jüdische junge Leute erklären: «Wir wollen zwar um unsere Existenz in Deutschland kämpfen, aber wenn wir auswandern müssen, wollen wir nach Palästina gehen.» Sie sagen das nicht als Zionisten, aber sie denken folgerichtig: Müssen wir ein neues Leben beginnen, müssen wir neu Wurzel fassen, so wollen wir es dort tun, wo die moralische Atmosphäre dafür vorhanden ist. Bleibt die Einwanderung nach Palästina die gleiche wie 1933 : 38.000 bis 40.000 — Sachverständige glauben nicht, daß sich diese Ziffer verringern wird —, so werden wir in der Lage sein, zwei Drittel der jährlichen deutschen Auswanderung, nämlich 10.000 Menschen, nach Palästina kommen zu lassen. Von diesen 10.000 müßten 5000 junge Leute sein, die in der Landwirtschaft tätig sein wollen. Würde die Mandatarmacht „Thves Statt 14 Kohle Koks •Anthrazit ■■■■■■■■I HÖCHSTER OUAIITXTEN ■■■■■ Baidir IV* Araenliitietslr* 22* Tel« Serie II 47*5'40 1 ■■"■"MMMMEaanaagaBäaaaaaBaBMaHHHM^MM« @9.060 Jüdische Flüchtlinge aus Deutschland 9979