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Die Stimme · 1934-02-02 · Heft 325 (2.2.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 325 (2.2.1934)
Date
1934-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag and Freitag mi <n«Mr Mtumntr to 8 v.t». * Heute 6 Seiten stark JÜDISCHE ZEITUNG anlässlich der, Jahresbilanz verlässlich durch r das Finanzblatt derANIACEBOTS WIEH.I.Giuckgasse 2 iTelefoo: R-23-3-92 Nummer 325 I Wien, 2. II. 2934 Redaktion und Administration: Wien. I., Kärntnerstraße 28, Tel. R-27-4-85. Redaktionsschluß Montag u. Mittwoch vorm. (17* Sehwath 5694)1 7« Jahrgang Nach Palästina mittler COmPOS» TOURS Offiziell js Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Awiw am 21. Februar 1934 von S MOaufwärts tour und retour Auskünfte und Anmeldung Comnass Toms iasa cv Vor einer Massenwanderung deutscher Juden nach Amerika? Berlin. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdi* »chen Telegraphenagentur bestätigte der amerikanische Konsul in Berlin, Herr Geist, daß er und die anderen amerikanischen Konsuln. In den europäischen Ländern von der Regierung in Washington Instruktionen erhalten haben, die Gesuche von deutschen Juden um Ausfolgung von Visen zur Einwanderung nach den. Vereinigten Staaten e n t gegen kommend zu behandeln. Von anderer Seite erfährt die J. T. A., daß die deutsche Regierung sich bereit erklärt hat, jeder aus Deutschland nach Amerika auswandemden jüdischen Familie die Mitnahme von 15.000 Reichsmark zu gestatten, ähnlich wie dies bei nach Palästina auswandemden Familien der Fall ist. Von autoritativer jüdischer Seite wird erklärt, daß die von der Regierung der Vereinigten Staaten gebotene Möglichkeit zur Einwanderung von 20.000 deutschen Juden nur dann wird ausgenutzt werden können, wenn die Judenheiten außerhalb Deutschlands einen entsprechenden Wandererhilfsfonds schaffen. Die deutschen Juden hoffen, daß Ihre amerikanischen Brüder, nachdem es ihnen nun gelang, die Tore der Einwanderung für 20.000 deutsche Juden zu öffnen, auch die Mittel werden aufbringen können, um diesen Wanderern finanziell beizustehen. «Tribuna» gegen Goebbels Rom. Die Tageszeitung «La Tribuna» veröffentlicht als Antwort auf einen aus dem Goebbelschen Propagandazentrum stammenden Artikel, in dem unter Ablehnung der Rassentheorie und der aus ihr gezogenen Folgerungen die gesetzliche Einführung des Arierparagraphen für bestimmte Berufszweige in Deutschland mit der Ueberflillung des ärztliphen und Rechtsanwaltsberufes durch Juden erklärt worden war, eine Zuschrift Prof. Roberto Bacchis, in der mit großem Nachdruck darauf hingewiesen wtfd, daß das deutsche Judentum sich hohe Verdienste um sein Vaterland erworben hat. Prof. Bacchi erwähnt, daß das deutsche Judentum im Weltkrieg unverhältnismäßig hohe Blutopfer gebracht habe und daß sein Anteil an den Intelligenzberufen nur dann richtig beurteilt werden könne, wenn man die statistischen Angaben für das gesamte Reich, nicht aber für einzelne Großstädte, in denen die Juden zusammengedrängt leben, berücksichtige. Es sei schwer einzusehen, daß 600.000 Angehörige einer Rasse, die zwar als minderwertig bezeichnet werde, aber Deutschland sechs Nobelpreisträger gegeben hat, eine Gefahr für eine Bevölkerung von 60 Millionen darstellen sollen. «Gegen Deutsche und Juden» in Lettland Riga. Die Koalition der nationalen Letten und der Russen, die die Mehrheit im Studentenrat der Rigaer Universität bilden, hat beschlossen, mit Juden und Deutschen nicht zusammenzuarbeiten und hat demgemäß nur Letten und Russen in die Le tung und die Komissionen gewählt. Ein Geburtstag un<l eine Rede Die Geburtstagsfeier ist vorbei: Die Begeisterung bei Gleichschaltern und Gleichgeschalteten war sehr groß und sie sollte durch die Reichstagsfanfaren womöglich noch gesteigert werden. Eine sorgsame Regie hatte den Knalleffekt schon einige Tage vorher steigen lassen: die Verständigung mit Polen. Dieses Musterbeispiel neudeutscher diplomatischer Arbeit, die immer von dej Unfähigkeit der Demokratie herumschwätzt, muß man sich genauer ansehen, obzwar diese Angelegenheit scheinbar aus dem Betrachtungskreis dieses Blattes hinausfällt. Aber sie ergänzt die Zeichnung von der Augenauswischerei und von. der unglaublichen Ignoranz der hochmütigen Gesellschaft, die gegen den «jüdischen Geist» ausgezogen ist. Kein Minister der «Judenrepublik» hätte sich von den Unterhändlern irgend eines anderen Staates, eines Staates zumal, der sich noch immer nicht so ganz von der Demokratie loslösen will, so tragisch hineinlegen lassen. Was kriegtei» da die deutschen Leser — soweit es solche in* Dritten Reich-noch gibt — in der Uniformpresse vorgesetzt! Unerschöpflich ist der Vorrat an Dithyramben bei dieser Schreibfachschaft! Historisches Ereignis, Verständigung mit Polen, Bresche in die Mauer des Mißtrauens! Und der Reichskanzler setzte in derReichstagsrede das Werk fort, und da im deutschen Lexikon von heute die Zusammensetzungen mit Erb eine so wichtige Rolle spielen, sprach er von der deutsch-polnischen Erbbelastung, die jetzt vorbei ist. Wie groß steht doch die außenpolitische Tüchtigkeit und Voraussicht Deutschlands am Ende dieses ersten Jahres da! In Wirklichkeit hat Polen einen geradezu riesenhaften Erfolg ohne jede Mühe, nur mit einer sehr geschickten Ausnützung der nationalsozialistischen Psychologie nach Hause getragen. Liest man den Vertrag mit Beiseiteschiebung des wahrscheinlich in Berlin gewachsenen Pathos durch, dann ergibt sich, daß Deutschland zumindest für zehn Jahre die Fragen Korridor und Oberschlesien nicht aufrollen kann. Das sind Herzenspunkte des nationalsozialistischen Programms, für deren Erfüllung die Führer den Einsatz von Blut und Leben gelobt haben. Weiters findet sich in dem Pakt nur mehr eine einzige sachliche Vereinbarung, die nämlich, in der die Regierungen ihre Absicht aussprechen, sich in allen gegenseitigen Fragen, welcher Art immer, u n m i 11 e 1 b a r zu verständigen. Das sieht so wie eine Geste gegen Frankreich aus und die nationalsozialistische Gescheitheit hat denn auch im «Angriff» deutlich nach Paris gesagt, daß Deutschland selbst die Hände gegen Westen frei bekommt, was zur deutlichen Illustrierung des Friedenswillens in der Epoche der Abrüstungskonversation nicht sehr dienlich sein kann. Aber ist diese erwähnte Bestimmung denn mehr als eine Selbstverständlichkeit? jeder, der mit einem anderen eine Differenz hat, sucht sich doch zuerst mit ihm unmittelbar zu PAG-BÜCHER - soeben erschienen „HEBRÄISCH - LEICHT GEMACHT“ 170 Seiten, Transkription, Hebräisch, Grammatik „Der Buchtitel ist berechtigtsagt ein hervorragender Pädagoge Peels kart. S 7.20 (M 4,20). gebunden S 9.60 (M 5.70) bei Vorauszahlung verständigen. Erst wenn dies mißlingt, kommt die Anrufung eines Dritten. Nun ist aber dieses neue, so bejubelte Abkommen eine Ergänzung des Schiedsvertrages von 1925, denn der neue Pakt nennt als «Verfahrensarten» die Methoden, die in -den anderweitigen Ab ko m m e n vorgesehen sind. Der Vertrag nun sieht vor, daß in jenen Streitfällen, in denen es sich um nicht gerichtsfähige Konflikte — also politische Fälle — handelt, der R a t d e s Völkerbundes zur Entscheidung anzurufen ist. Da wäre also Deutschland wieder von jener Institution abhängig, die es eben mit Donner und Blitz verlassen hat und dies sogar «demokratisch» durch sogenannte Wahlen hat bestätigen lassen! Polen gehört dem Völkerbund an, Deutschland nicht mehr. Und so wie in der Saar frage, die Deutschland so hübsch den Franzosen in die Hände gespielt hat, würde es in Zukunft bei allen Streitkräften mit Polen in einer mißlichen Situation sich zu Gericht stellen müssen. Die. Rejchs.tagsrede Hitlers ging von Polen gleich auf Oesterreich über, gab sich so als eine öffentliche rhetorische Antwort auf die bekannte Beschwerdenote der Donaurepublik. Der Reichskanzler trat als Demokrat auf und mahnte die Wiener Regierung — in einer schnoddrigen Art, die in der Diplomatenloge ziemliches Aufsehen machte — Wahlen vorzunehmen. Das System, das zuerst mit dem Reichstagsbrand und dann mit dem Hinweis auf die Konzentrationslager hat wählen lassen, als Verfechter freier Wahlen! Und was soll es heißen, wenn der Reichskanzler erklärt, die österreichische Regierung müsse persönlich für die Folgen ihrer eigenen Politik die Verantwortung übernehmen? Was ist «persönlich»? Man muß diese Ausdrucksart mit den sehr vorsichtigen Worten Über die Schweiz vergleichen, die «keine Klage über den Versuch einer Einmengung deutscher Kreise in ihre inneren Angelegenheiten Vorbringen könnte». Ja, ist nicht am Tage vor der Rede eine Schweizer SA.-Gruppe in Berlin auf Einschreiten, der Schweiz aufgelöst worden? Natürlich liegt der Fall der Schweiz, anders. Hinter den französischen Schweizern steht Frankreich, hinter den italienischen Italien, und so muß das nationalsozialistische Befreiungsprogramm wieder in die Tischlade geschoben werden. Da ginge es .nicht an, eine Legion k la Lechfeldlager aufzustellen, Rundfunkreden zu senden und Ammonit in Kohlenwagen . zu schicken. Oesterreich gegenüber glaubt das Dritte Reich unangefochten das alles tun zu dürfen. Aber wenn die Sache nun doch vor den Völkerbund kommt, dem Oesterreich angehört, in welcher Position ist Deutschland? Gewaltpolitik ist eben nur gegen Schwächere möglich und auch dies nur solange, als sich nicht eifersüchtige Stärkere der Sache annehmen. Das Dritte Reich kann das kleine Oesterreich schikanieren, kann unbewaffnete Juden foltern und in die Wälder treiben, Monarchisten, Nationale, Katholiken, Protestanten in rasende, zähneknirschende Wut jagen, Wehrlose hinter elektrisch geladenen Stacheldraht abwürgen — aber wenn so die Bajonette Polens, die Waffen Frankreichs und Italiens in der Sonne aufschimmtrn, — dann kommt die Beteuerung des Willens zum Frieden. Der Reichskanzler sprach auch von der Rassentheorie. Und zwar das folgende: «Der Rassengedanke und die Rassenerkenntnis führen nicht zu einer Geringschätzung oder Minderbewertung andrer Völker, sondern zur Erkenntnis einer allein Sonntag, 4. Februar, um 8 Uhr abends spricht Benzion Mossinson (Tel-Awiw) im Gewerbeverein, I., Eschenbachgasse 11

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