Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 324 (30.1.1934)
- Date
- 1934-01-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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s Erscheint Dienstag und Freitag II—wr 20 V.S.S. JÜDISCHE ZEITUNG Eine Gratisreise nach Palästina l:-f. di* Prämie des Preisausschreibens der ,.^'i i'. <v*. das am 26. Februar zur Auslosung erinnert. Um S16'-, dos ist der Jahresa.bonuement.prels für den. liezniy der „Stimm e“, Im voraus bezahlt« r.elvii'n Sie an dem Prelsausschrelb •' n t^il und haben die Chance, gratis z*mt Levante-Messe naeh Tel-Awiw zu fahren Die Durchführung der Reise ha,t das We.ltretsebureau „Compass Tour s", Wien, IX,, Snltslgrasse 3, inne- N ummer 324 I Wien, 30. I. 19341 mtmmm Hcdaktiqn und Administration; Wien, l„ Kärntnerstraß« 28, Tel. R-2I4-S5. Redaktionsschluß Montag u. Mittwoch vorm. (14* Schwath 5694) I 7* «fahrgas^ Waad Leiunl*Anleihe genehmigt Jerusalem. Der Oberkommissär genehmigte die Aufnahme einer Anleihe von 25.000 Pfund durch den Waad Leumi zur Auszahlung der rückständigen Gehälter an die hebräische Lehrerschaft. Nächste PRG - Paläsiinaveisen ib Wien dO. Jänner, 20. f-tbruar, 20. März, 10. April. 24. April 11. Kl. Schiff, Ul. Kl. D-Zug, 15 Tage Verpflegung n u r S 440.—, detto, jedoch 1. Kl. Schiff S 560... Besuch aller Mitielmeerländer! ’rospekte und Auskünfte PAG r. Gen. m. b. H., IV. :n, VI., Caplstran°fisse 2, M el. B 25-5 81. Reichsvertretung der deutschen Juden an Kanzler Hitler Berlin. Die von allen jüdischen Organisationen und Parteien in Deutschland eingesetzte und von diesen als autoritativ anerkannte Reichsvertretung der deutschen Juden hat kürzlich der deutschen Regierung i m normalen Aratswege ein . Memorandum ztigehen lassen, inwelchem die Lage der deutschen Juden eingehend dargelegt und die Forderung, der Juden nach gerechter Eingliederung in das politische,. kulturelle und wirtschaftliche Leben des neuen Staates ausgesprochen wird. Je ein numeriertes Exemplar dieses Memorandums wurde an Reichskanzler Hitler und an jedes Mitglied der Reichsregierung direkt gesendet. Dem Memorandum sind Dokumente und Daten beigefügt, die beweisen, in welchem Ausmaße die a n t i j ü d ische Propaganda noch heute in ganz Deutschland betrieben wird und wie diese Propaganda den Ruin der Juden auch in jenen Berufs- und Tätigkeitszweigen, die ihnen heute noch offen stehen, zur Folge hat. Das Memorandum hat drei Teile. Der erste Teil befaßt sich mit der antijüdischen Propaganda in der Presse und im öffentlichen Leben, der zweite Teil mit den Auswirkungen des antijüdischen Boykotts und der wirtschaftlichen Entrechtung der Juden; in dem dritten Teil wird dargelegt, was die deutschen Juden von der Regierung fordern müssen, um existieren zu können. Die Reichsvertretung lenkt die Aufmerksamkeit der Regierung nicht nur auf die materiellen, sondern auch auf die moralischen Leiden der, Juden hi Deutschland. Die Regierung wird gebeten, gegen jene Beamten, namentlich in den Provinzstädten, die gegen die Juden über die bestehenden Gesetze und Vorschriften hinaus Vorgehen, einzuschreiten und den Status der deutschen Juden in den Rahmen der Politik des neuen Reiches einzubauen. Amerikanische Zionisten beim englischen Botschafter Washington. Eine Abordnung der amerikanischen zionistischen Organisation, bestehend aus deren Repräsentanten Morris Rothen b e r g, Dr. Stephen S. W i s e, Louis Lipsky und aus den Leitern bzw. Leiterinnen der zionistischen Nebenorganisationen, besuchte den englischen Botschafter in Washington, Herrn L i n d s a y, und überreichte ihm den Text der Resolution gegen die Einschränkung der Einwanderung in Palästina, die in der großen Kundgebung am 10. Jänner in New York gefaßt worden war. Botschafter Lindsay versprach, die Resolution an seine Regierung und die anderen zuständigen Stellen weiter zu leiten. Rasiere Dich gut und billig oesterreichischss faüriksi Ueberall erhältlich Im deutschen Dsehunuel ln Hessen sind hunderte jüdischer Familien in die Wälder geflüchtet. Die Meldung des «M a nchester Guardian» zeichnet eine Tatsache, die sich in Europa erreignet hat. Im Jänner 1934. Ein kriegsbild etwa aus dem Dreißigjährigen Krieg oder aus den Kolonialkämpfen im afrikanischen oder hinterindischen Dschungel — aufgefrischt Im europäischen Frieden. Man muß die Meldung mehrmals lesen und sie als das nehmen, was sie ist; als ein D o k utnent der deutschen Schande, als eines der vielen gleicher Art, die das Dritte Reich bisher geschaffen hat. Jüdische Menschen, Frauen und Kinder, sind von Haus und Hof gejagt und kampieren in den Wäldern bei Fuchs und Hase. Vielleicht sind unter diesen Verzweifelten auch die Nachkommen jenes Heinrich H e r t z, der die drahtlose Telegraphie, jenes Philipp R e i s, der das Telephon erfunden hat... Ihnen dankt jetzt die, deutsche Nation, die. für alles, was.in Hessen, jn Ostpreußen/in Nürnbergs was ui dein ganzen Raum von der. Maas,.bis an die Memel gegen die Juden verübt wird, die Verantwortung trägt Män spreche nicht von dem Terrorismus, der Herrschenden. Deutschlands Situation wird, wie der tschechische Soziologe Rädl kürzlich sehr richtig im «Prager Tagblatt» ausführte, grundfalsch erfaßt: «als ob eine kleine Gruppe von Bösewichten, Hitler, Göbbels, Rohm und wie sie alle heißen, Deutschland vergewaltigen würden und als ob ihre Beseitigung alles wiederum in Ordnung bringen könnte. Welch ein Irrtum! Es ist Deutschland, das heute revoltiert!» Für das Vorgehen gegen die Juden finden die Herrschenden die Deckung in der Volksstimmung, die von Natur aus in Deutschland antijüdisch ist, wenn sie auch vielleicht Brutalitäten solcher Art mißbilligt Judenhaß ist ein integrierender Bestandteil deutschen Wesens, ebenso wie das Landsknechttum, das Bramarbasieren und das «Herrentum». Es ist auch deshalb fehl am Ort, das was in Deutschland geschieht, einfach aus dem Anteil üdischer Renegaten a.mLinkssozialismus zu erklären. So schwer ihre Versündigung ist — an ihrem Anfang steht zunächst der Abfall von der jüdischen Gemeinschaft, der Verrat der Herkunft. Und allem, was immer ihnen mit Recht zur Last gelegt wird, kann man den positiven schöpferischen Anteil der Juden in Wissenschaft und Forschung gerade in Deutschland entgegenhalten. Wenn auch die Deutschen nicht davon reden und die Ergebnisse jüdischer Arbeit eirifach annektieren, so wollen doch w i r nicht daran, an-dieses Soll und Haben vergessen. Wir dürfen auch nicht vergessen, was jüdische Arbeit und jüdisches Organisationstalent i n De utschlands Wirtschaft bedeutet hat. Wer dies abmessen will, der sehe sich 9 1 e Wirtschaft von heute an, diesen blutigen Dilettantismus, der in der Wirtschaftspolitik ebenso verwüstend wirkt wie im geistigen Leben und der schon jetzt Deutschland auf das Niveau der Salomonsinseln heruntergedrückt hat Nie hat das Judentum als bewußte Gemeinschaft irgend etwas Feindseliges oder Destruktives gegen Deutschland unternommen, und wenn heute hier und dort die überstarke Anzahl jüdischer Literaten, Journalisten, Künstler usw. auch von jüdischen Schriftstellern als ein für die Hitlerei bestimmendes Moment angezogen wird, so ist das ein dummes N a c h p I a ppern des Fritschsclien Handbuches zur Judenfräge, eine objektive und subjektive Unwahrheit, an deren Charakter'es nichts ändert, daß sie in die täglichen Gebete des Nationalsozialismus aufgenommen ist Es ist — sagen wir — unnötig, daß juden zum Brand des jüdischen Hauses Holz herzutragen. Für diese sancta simpiieitas weiß Göbbels wenig Dank, und wenn er dankt, so ist das für die Betreffenden eine brennende Schande. Und selbst wenn, alles wahr wäre an diesen Behauptungen der braunen Ideologie, so schwände jede Schuld ins Wesenlose angesichts der unerträglichen Tragik, die die Juden Deutschlands zu erdrosseln droht. Der Berichterstatter des «Manchester Guardian» verweist auf die S e 1 b s t m o r d e p i d e m i e unter den deutschen Juden. Sie haben alle Pflichten des Staats-^ Bürgers, aber nicht die geringsten Rechte.'Sie können sich an kein Gericht wenden, aber aus ihren Steuer-. gCldern fressen sich die Braunen Bonzen dick und fett Das Sc hä c h t v e r b o t greift direkt in! die.r.e 1 ig.i ö s.e Fr ei he i t ein. Die Gesetzgebung ist ganz eindeutig nach einem vonganz o b e n ,b e s t’i m m t e n P l an gegen die Juden gerichtet, auch jetzt, wo doch der angebliche Anlaß, der jüdische Linkssozialismus, gar nicht mehr in Deutschland lebt oder in den Konzentrationslagern, in den Judenkompagnien zu Tode gemartert oder •auf der Flucht erschossen worden ist. Und Rosenberg schickt außerdem seine Fehdebriefe in alle Weit, überallhin, wo es noch Mörder des gleichen Kalibers gibt. Es ist Sache der jüdischen Gemeinschaft, . die Flüchtenden zu betreuen und alle politischen Schritte zu unternehmen, um das Schicksal der in der braunen Flut Erstickenden zu mildern. Und jeder Jude, der hier das Schicksal seines Volkes in der Galuth erkennt, möge das seine tun. Es wäre gar nicht so schlecht, wenn jeder Jude in der ganzen Welt seine Meinung der Regierung und dem Völkerbund schreiben würde. Es wäre dann doch ein Massenwille erkennbar und es wäre vielleicht doch möglich, die Freunde des Hitler, die Macdönald und Genossen auf den rechten Weg zu bringen und zu erzwingen, daß den Verantwortlichen und Unverantwortlichen die Macht des ehrenhaften Europa entgegen tritt. Das ist doch nicht so sehr Sache der Politik. Die Völker können ja an dem jüdischen Beispiel ersehen, wie ihnen mitgespielt würde, wenn das Dritte Reich seine Aufrüstung vollendet haben wird und dann alle Verträge mit der dicken Berta oder mit seinen Giftgasen zerstört. Oesterreich wehrt sich gegen die Stiefelpolitik und ruft Europa an. Auch wir können das tun, auch wenn wir kein organisierter Staat sind. Der Berichte des «Manchester Guardian» London. Der «Manchester Guardian» beginnt mit einer neuen Serie von Artikeln über die Judenverfolgungen in Deutschland. Der Spezialkorrespondent des Blattes führt u. a. aus: «Die volle Wahrheit Über die Judenverfolgungen in Deutschland wird vielleicht niemals bekannt werden. Alle neuen gesetzgeberischen Maßnahmen sind eindeutig gegen die Juden gerichtet. Es gibt in ganz Europa keinen Vergleich zu den auf diesem Gebiet herrschenden Zuständen. Diese Gesetzgebung „Thrss Stars“ KoMe-Koks-AnHtrazM ■■■■■i d4*C«*SYE9 OUALITSTEM ■■UBHBHBB Basch» IV. Araenfimievstr« 22.Tel« Serie U %T-5-40 89