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Die Stimme · 1934-01-23 · Heft 322 (23.1.1934) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 322 (23.1.1934)
Date
1934-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Erscheint Dienstag und Freitag Pwto Nummer SS g V. b. L. JÜDISCHE ZEITUNG Eine Gratisreise nach Palästina ist, die Prämie des Preisausschreibens der «Stimme>, das am 26. Februar zur Auslosung gelangt. Um S 16*-, das ist der Jahresabonnementpreis für den Bezug der <Stimme>, im voraus bezahlt, nehmen Sie an dom Preisausschreiben teil und haben die Chance, gratis zur Levante-Messe nach Tel-Awlw zu fahren Nummer 322 | Wien, 23. I. 1934 Redaktion und Administration: Wien, I., Kärntnerstraße 28, Tel, R-27-4-85. Redaktionsschluß Montag u. Mittwoch vorm. (7« Schwath 5694) [ 7* Jahrgang Die Verderber der Well mw 1/1 NlfMAND VERSÄUME DIESE SEITENS 0ELEOENHEIT/ ' NUSTIN1NEIDET: Nationalsozialistische Hetze in Palästina Jerusalem. In Haifa wurde ein Araber verhaftet, der nationalsozialistische Flugblätter mit Lobreden auf Hitler und seine jadenfeindliche Politik in französischer Sprache verteilt hat. Der Verhaftete erklärte, die Flugblätter habe ihm ein Offizier des Dampfers «Smyrna» von der deutschen Levante-Linie zur Verteilung übergeben. Die «Smyrna» hat in Haifa Orangen für Deutschland in Ladung genommen. Ruhiger Verlauf der Araberdemonstration Jerusalem. Die von der arabischen Exekutive zu Ende des Ramadan-Festes am 17. Jänner veranstaltete Kundgebung gegen jüdische Einwanderung und jüdischen Bodenkauf ist, wie bereits mitgeteilt, im ganzen Lande ruhig verlaufen. In Jerusalem nahmen an dem Straßenzug, der sich um 8 Uhr morgens von der König-David-Straße in Bewegung setzte und bis zum Zion-Tor geführt wurde, nicht ganz 2000 Personen teil. Am Zion-Tor wurde eine Resolution verlesen, wo dann die Polizei den Zugauflöste. In Jaffa demonstrierten etwa T500'Araber. Ein Streik wurde nicht proklamiert, die Arbeit im Hafen ging normal vor sich. In Haifa machte die Demonstration keinen besonderen Eindruck. Gleiche Nachrichten laufen aus dem ganzen Lande ein. Die Gerüchte, daß maßgebende arabische Führer ln Präventivhaft genommen wurden, sind unzutreffend und auf eine Verwechslung zurückzuführen; es wurden einige kommunistischer Umtriebe verdächtige Personen in Schutzhaft genommen. Schwache Beteiligung Aus den letzten Nachrichten über die Kundgebungen geht hervor, daß die Beteiligung an diesen Demonstrationen noch schwächer war, als es auf Grund der ersten Meldungen angenommen wurde. Nirgends zeigte sich Begeisterung für die Losungen der arabischen Exekutive. Sogar ln arabischen Kreisen wird zugegeben, daß die Aktion der Exekutive ein Fiasko war. Ein bemerkenswerter Zwischenfall ereignete sich ln A k k o. Als der dortige Mufti eine Ansprache an die Menge hielt, trat ein Mann, der nach Verbüßung einer Strafe wegen Teilnahme an den Unruhen Im Jahre 1929 erst vor wenigen Tagen aus dem Gefängnis von Akko entlassen worden war, vor und erklärte, unter den Folgen der arabischen Propaganda hätten stets nur Leute aus dem Volk zu leiden, während die Führer, die Schuld an der Verhetzung trügen, straflos ausgingen. Während des Aufmarsches in Jerusalem wurden aus alten türkischen Kanonen, wie dies anläßlich der Beendigung des Ramadan-Festes üblich ist, Salutschüsse abgegeben. Schnee in Palästina Jerusalem. In Palästina hat starker Schneefal! eingesetzt. Jerusalem und die umgebenden Hügel sind ganz In Schnee gehüllt und bieten ein hier selten gesehenes malerisches Bild. Aus dem Verlauf einer einzigen Woche: Der ' (österreichische Bundeskanzler stellt fest, daß ein wesentlicher Teil des Sprengmaterials der nationalsozialistischen Terrorakte aus Deutschland gekommen ist; die Untersuchung der Ermordung Ducas hat ergeben, daß die Petarden deutschen Ur-. Sprungs sind und daß die bei der Eisernen Garde gefundenen militärischen Instruktionen in deutscher Sprache abgefaßt sind; in Griechen!and -ist eine von deutschen Nationalsozialisten organisierte, faschistisch-royalistische Verschwörung aufgedeckt worden; die Führer der weißgardistischen Pogromisten in der Mandschurei sind deutsche Nationalsozialisten,* in. Ungarn und in der Schweiz arbeiten deutsche Agenten an dem «Erwachen»; die internationale Regierungskommission des Saargebietes führt in ihrem Bericht an den Völkerbund scharfe Klage gegen den Krieg, den die deutschen Nationalsozialisten in diesem Gebiet gegen jüdische Eltern und Schulkinder betreiben. In den Vereinigten,Staaten ist eine mit riesigen Geldmitteln ausgestattete Gesellschaft deutscher Nationalsozialisten am Werk; in Jugoslawien erscheinen plötzlich zwei extrem-antisemitische Blätter in kroatischer Sprache; in F r a n k r e i c h hat sich erwiesen, daß der Betrüger S t a w i s k y und sein Freund D u b o i s — beide Arier — im Dienst der nationalsozialistischen Propaganda standen. In P a 1 ä s t i n a ist ein arabischer Hafenarbeiter dabei betreten worden, als er französische antisemitische. Hetzblätter, die ihm ein deutscher Schiffsoffizier Übergeben hatte, zu verteilen suchte. Kein Land ist von dieser Pest frei und Überall setzen die Emissäre mit der Judenhatz ein, die sie sowohl als Ding an sich betreiben, aber auch als gutes Mittel zur Unterwühlung der Staatsautorität und der Gesellschaft überhaupt hochschätzen. Aus dieser letzteren Absicht ist vor allem der Sturm auf Oesterreich zu erklären. Es ist Gepflogenheit der Nationalsozialisten, sich nur Wehrlose und Schwächere zum Gegenstand des Triumphes zu wählen. Das kleine Oesterreich, die heikelste Stelle Europas, müßte eine sorgliche deutsche Politik als zweiten deutschen Staat mit Freundlichkeit behandeln und mit Glacehandschuhen anfassen. Solange Deutschland im Völkerbund saß, wäre Oesterreich seine natürliche Rückendeckung gewesen; nach dem Austritt aus dem Völkerbund hätte Oesterreich wieder als sein natürlicher, selbstloser Vertreter auftreten müssen. Deutschland hat aber, solange es noch ln Genf war, Ammonitbomben und Individuen 4 la Alvensleben nach Oesterreich geschickt, durch die Tausend-Mark-Sperre die österreichische Fremden Wirtschaft schwer geschädigt, durch die Münchener Habicht-Reden eine zornige Verstimmung der österreichischen Politik heraufbeschworen, die sich auch schon in Genf gezeigt hat. Nach dem Austritt aus dem Völkerbund — eine der für das deutsche Volk bedeutsamsten und gewichtigsten Dummheiten des deutschen Faustrechtes — ist der Krieg gegen Oesterreich fortgesetzt worden, mit dem Resultat, daß erstens der Völkerbund wieder zu Autorität kommt, daß England, Frankreich und Italien sich zum Schutze Oesterreichs zusammenfanden. Ja, Mussolini hat den Unterstaatssekretär Suvich nach Wien entsendet, um hier den Willen Roms deutlich und eindeutig auszusprechen. Dieser Herr Suvich hat in seiner Jugend a 1 s Student in Oraz diese deutsche Studentenschaft In ihren Methoden kennen gelernt. In seine Jugend fällt, auch die Demolierung der italienischenFakul- tät in Wilten durch deutschnationale Studenten. Der heutige Nationalsozialismus, das direkte Produkt dieses deutschen Studierens, ist von Herrn Suvich sicherlich richtig eirigeschätzt worden und es ist1, vor allem von der moralischen Seite her zu werten, wenn der Vertreter Mussolinis, etwa wie einst Popilius’Laenas, . mit dem Stab die linübersteigbare Linie zog. Nebenher bemerkt: Es ist weit gekommen'mit Deutschland;, der Staat, der unter Bismarck die Welt führte, das 65-Mil-» . lionen-Volk ist a u ß e n p o l i t i s c h g a n z u n d gar. von Italien abhängig. In Vorahnung der kommenden' Dinge — der Er-= klärungen Suvichs'urid def sensationellen Anklagerede des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß * — hat der deutsche Vizekanzler P a p e‘n in einer Rede'in Gleiwitz £s versucht, die Mädchenfrage «Mama, was ist ein, Leutnant?» ins Politische zu * übersetzen. «Die ösierfeiphiscli£iV Bischöfe haben Ui IftreflV Hirtenbrief Vier Grundirrtümftr herausgearbeitet: Rassenhaß, radikaler Antisemitismus, extremes Nationalitätenprinzip, nationalkirchliche Bestrebungen. Solche Irrtümer wären zu verurteilen; wenn sie in der Tat die Doktrin des Nationalsozialismus d.arstellfen. Indessen* die Doktrin des Nationalsozialismus und ihre Anwendung wird ausschließlich vom; Führer bestimmt und nichts ist uns bekannt, das es rechtfertigen würde, einen der genannten Irrtümer dem Nationalsozialismus zur Last zu legen.» Was ist Nationalsozialismus? fragt unschuldig Herr von Papen, der von Goebbels so feurig angespuckte Führer der Herrenkaste, der Reaktion. Herren von Papen ist nichts bekannt. Aber den in den Konzentrationslagern Verhun- Nüchsie PAG - PaiäsiinareUen ab Wien 30. Jänner, 20. Februar, 20. März, 10. April, 24. April n. KL Schiff, IIL KL D-Zug, 15 Tage Verpflegung ourS 440.—, detto, jedoch I. KI. Schiff S 56:».-. Besuch aller Mittel meerländer 1 Prospekte und Auskünfte PAG r. Qen. tn. b. II., W ün, VI., Capistrangasse 2, Tel.. B 2.V3-81. geraden, den Familien der «auf der Flucht» Erschossenen, den um Existenz, Gesundhe.it, Vermögen Betrogenen ist alles bekannt Und jetzt wird es auch den Verantwortlichen io den vom deutschen Wesen bestrahlten Staaten bekannt, daß nämlich von Deutschland aus mit dem gestohlenen Geld und mit den Steuerpfennigen des Volkes eine Verschwörung gegen die Gesittung, gegen die Ehre und gegen den Frieden organisiert wird, eine. Verschwörung, die sich an die Troglodytehinstinkte wendet, Mord und Brand und frechste Lüge als erstes und letztes, als einziges Mittel ihres verfluchten Systems verwendet. Dieses System hat keinen geistigen Inhalt, keine Idee. Es hat nur Revolver und Gummiknüttel. Wenn Oesterreich fiele — man male sich die Situation aus: Die S. A. und S. S. an der tschechischen, Italienischen, ungarischen, jugoslawischen Grenze: Dann kämen Holland, Belgien, Schweiz, Dänemark, Polen dran. Daran hat wohl auch Herr Suvich gedacht, als er vom Südbahnhof über den Ring zum Hotel fuhr. Und er hat erkannt, was dem Herrn von Papen nicht bekannt ist. M Three Slait“ Kohle Koks •Anthrazit ■■■■■■ HÖCHSTER QUALITÄTEN ■■■■■■ Basch» IV* Avqanflnterstr. 22. Tel« Ssri« II 4I-5-&0

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