Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 321 (19.1.1934)
- Date
- 1934-01-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054070-3054076--3962-3059524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Erscheint Dienstag und Freitag Frais «nsssr Nummer 2$ g V.b.b. Heute 8 Seiten stark Vv JÜDISCHE ZEITUNG Eine Gratisreise nach Palästina ist die Prämie des Preisausschreibens der «Stimme», das am 26. Februar zur Auslosung gelangt. Um S 16'-, das ist der Jahresabonnementpreis für den Bezug der «Stimme», im voraus bezahlt, nehmen Sie an dem Preisausschreiben teil und haben die Chance, gratis zur Levante-Messe nach TebAwiw zu fahren Nummer 321 I Wien, 19. 1. 1934 I Redaktion und Administration: Wien, I., Kärntnerotraße 28, Toi. R-27-4-C5. Redaktionsschluß Montag u. Mittwoch vorm. I (3* Schewat 5694) I?• Jalirgan» Te'-Awiw ladet Sie ein zum Karneval?“ Msa%Tbis «Conte di Savoia» — «Roma» (ompass-Tours Offizieilss Propagandabflro der Stadtgemslndelel-Auiiui IX. Spitalgasse Nr. 3 Telephon B. 42-5 38 Anmeldestelle: Gasen die Hakenkreufier in Amer.ka New York. Auf Initiative Samuel Untermyers wurde die «Anti-Naziliga zur Verteidigung der Menschenrechte» begründet, die sich die Bekämpfung der nationalsozialistischen Judenhetze ln Amerika zum Ziele gesetzt hat. Der Leitung der Liga, die großen Anklang in Amerika gefunden hat, gehören u. a. an: Advokat Samuel Untermyer, JRabbi Abba Hillel Si 1 ver, der frühere Vorsitzende. des..Appeliationsgerichtes Victor Dawllng, Richter Arthur Tompskins, der frühere amerikanische Botschafter in Deutschland James G e r a r d, die Chefredakteure Ab Cahan, Jacob Fishman, Dr. A. Koralnik. Untermyer leitete eine Untersuchung zur Demaskierung der provokatorischen Methoden der deutschen Emissäre in den Vereinigten Staaten ein, die nach bewährtem Muster durch Organisierung einer rücksichtslosen Judenhetze unter den breiten Massen die Grundfesten des Staates erschüttern wollen. Es werden u. a. von den Nationalsozialisten in großen Mengen provokatorische Flugzettel mit der Aufschrift «Boykottiert die Christen — kauft nur bei Juden!» verbreitet Die Resultate der Untersuchung der Untermyer-Liga werden regelmäßig der Kommission des amerikanischen Kongresses zur Erforschung der deutschen Propaganda übermittelt Ruhe in Palästina Jerusalem, 17. Jänner. Ule Demonstrationen der Araber gegen die jüdische Einwanderung, die heute früh im ganzen Lande stattfanden, sind ruh 1 g verlauf e n. Die Regierung hatte angeordnet, daß die Umzüge nur zwischen sieben und acht Uhr früh stattfinden dürfen. Die Beteiligung war nicht sehr groß, ln Jerusalem wurden, wie angekündigt, die Demonstranten vom Großmufti angeführt Arabische Führer in Halt Jerusalem. Im Zusammenhang mit den geplanten arabischen Demonstrationen hat die Polizei eine Reihe führender Persönlichkeiten der arabischen Protestkundgebung in Schutzhaft genommen. Obwohl die Führer der Araber die Erklärung abgegeben haben, daß sie die Aufrechterhaltung der Ruhe garantieren, sind von der Regierung umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, besonders im Hinblick darauf, daß der Boykottausschuß der arabischen Bewegung große Massen der Landbevölkerung in den Städten zusammenzieht. PÄG-BUCHER — woeben er schienen „HEBRÄISCH - LEICHT GEMACHT“ 170 Seiten, Transkription, Hebräisch, Grammatik ,JDet Buchtitel ist berechtigt \ sagt ein hervorragender Pädagoge Preis kart S 7.20 (M 4.20). gebunden S 9.60 (Vf 5.70) bei Vorauszahlung Jüdische Vertretung im Völkerbund ln dem offiziellen Organ des jüdischen Gemeinde-, bundes für Italien, «La Communita Isräelitica» teilt der Oberrabbiner von Rom Dr. S a c e n d o t i mit, daß der antijüdische Boykott vom 1. April 1933 «a u f G r u n d der freundschaftlichen Intervention einer weltbekannten und in erster Reihe stehenden politisch e n Persönlichkeit, die jedem italienischen Herzen besondersteuer ist», abgeblasen wurde. Es ist nicht schwer zu erraten, daß diese Persönlichkeit der. italienische Regierungschef Mussolini ist, der sich mit diesem Akt sicherlich den Dank armer, mißhandelter, wehrloser Menschen und den Dank der jüdischen, Gesamtheit erworben hat Leider , sind die Zustände so geartet, daß solche Interventionen nur dann geschehen, wenn besonders arge Vorstöße gegen Recht und Sitte geschehen. Denn in den anderen Fällen, in denen der kalte, «legale», paragraphenmäßig ersonnene Pogrom sich auslebt, tritt immer die «El nme,ngu n-g i n d i e inneren Verhältnisse» des deutschen 'Staates hindernd auf. Sie ist ein integrierender Bestandteil eines gewissen Gegenseitigkeitsverhältnisses der europäischen Staaten. Der Grundsatz «Haust du meinen Juden, hau ich deinen» ist in anderer Gestalt in die Politik aufgenommen worden. Nun ist aber die Frage der Juden in Deutschland keine innere Angelegenheit Deutschlands. Dies ist i m Völkerbund festgestellt worden und wenngleich die im Völkerbund vertretenen Staaten sich mit der Behandlung der jüdischen Petitionen Zeit lassen — dieselben Staaten haben der Türkei Abdul Hamids gegenüber nicht so viel Geduld gezeigt — so ist doch das Problem in die internationale Sphäre übertragen v/oiden. Hier zeigt sich aber auch schön ein Grundübe! der jüdischen Situation. Immer muß erst irgend eine Regierung, irgend eine nichtjüdische Persönlichkeit für die Frage interessiert werden, und man wird mit der Zeit gewahr, daß die verdammte Gewöhnung ihre abstumpfende Wirkung zeigt Sicher hat Deutschland, das Deutschland von heute,, keinen Freund; es wird von allen Völkern wie ein wildes Raubtier angestarrt, das man niit Entsetzen und mit einer gewissen Angst betrachtet Nicht reizen! — ist die unausgesprochene Maxime und am wenigsten wegen der Juden. Ja, man möchte ihnen helfen, schon, um das böse Beispiel in der Behandlung von Minderheiten abzuschwächen, aber die heilende Wirkung der Zeit wird auch hier sich einstellen. Das ist so die gebräuchliche Ausrede. Wir haben vorhin auf die Türkei verwiesen. Es ist noch erinnerlich, daß während der von E n v e r und Djemai Pascha zur Zeit des Weltkrieges veranstalteten Armenier massak res der amerikanische Botschafter ln Konstantinopel, H en r y .Morgen t a u, den Vorschlag machte, die gesamte armenische Nation auf Schiffen der Entente nach den Vereinigten Staaten zu überführen. Als dieser Vorschlag auftauchte, war es schon zu spät Das armenische Volk war schon fast zur Gänze ausgelöscht. Wir wollen nicht annehmen, daß das offizielle Deutschland die wörtliche Analogie hersteilen wollte. Es bringt die Juden ohne das Aufsehen eines Massenmordes langsamer um, in dem sicheren Bewußtsein, daß es darin von niemandem gestört werden wird. Der kürzlich von japanischen Zeitungen erörterte Gedanke, das gesamte jüdische Volk nach Palästina zu bringen, ist wieder untergetaucht. Und so ergibt sich von selbst mit der eindringlichsten Logik die zionistische Idee als der einzig gangbare Weg: Die Aufrichtung eines freien, jüdischen Staates in P a 1 äs t i n a. das sehr wohl alle Juden in der Welt unter seinen moralischen Schutz nehmen kann, weil seine wirtschaftliche Kraft zugleich auch politische Macht sein wird und dies natürlich unbeschadet der Gleichberechtigung der .Juden in den Ländern der Galuth. Eine internationale Aktion, die die im Völkerbundpakt vorgesehene nationale, jüdische Heimstätte in ein Staatssubjekt'ausbaut, ist gewiß die Voraussetzung. Wir sind bescheiden genug, nicht das Beispiel der Beduinen des Irak beranzuziehen, die bereits die Völkerbundreife erlangt haben. Wir Juden haben irinner viel Verständnis für die Sorgen der anderen, weit mehr Verständnis als für unsere Sorgen. Aber da nun einmal von Italien die Reform, des Völkerbundes in die Diskussion gestellt worden ist — man scheint inzwischen auch in Rom anderer Ansicht geworden zu sein — so wollen wir uns denen zugesellen, die es als notwendig anstreben, daß der Völkerbund nicht eine Versammlung von Ministern, sondern ein Bund der Völker wird, daß ihm auch das jüdische Volk angehört, dessen Problem tatsächlich — hier haben die Nationalsozialisten'.recht -- ein-eigenartiges ist. Und um zu dieser. Stellung zu gelangen, dazu ist nur die Zionisierung der jüdischen Massen, ihre Erfüllung mit der zionistischen Idee vom freien, jüdischen Volk im freien jüdischen Land notwendig. Nun. Das heißt intensivste Aufklärung, zionistische Propaganda, die ins letzte jüdische Haus reicht. Wir wollen das anders fassen: Wenn das jüdische Volk will, wird es das erreichen, was die Sehnsucht seiner Seele ist, daß es so viel Macht erfüllt, um in Zukunft «freundschaftliche Interventionen» unnötig zu machen. Zionismus heißt: Macht und Freiheit und eigener Wille. Oberschlesisch-j üdische Petition vor dem Völkerbundrat Genf. Der Völkerbundrat hat sich am 15. d. mit der Lage der Juden in Deutsch-Oberschleslen befaßt Die Petition des Breslauer Anwalts Dr. G. Simon, der in Beuthen an der Ansübung seines Berufes behördlich gehindert worden ist, wurde der oberschlesischen gemischten Kommission unter dem Vorsitz des Schweizers Calonder zur Prüfung überwiesen. Die Petition der jüdischen Gemeinde von P r a s z k a (Polnisch-Oberschlesien) gegen die Entrechtung und Depossedierung der Juden in Deutsch-Oberschlesien wird von einem Dreier-Komitee des Völkerbundra,tes geprüft Zu einer öffentlichen Debatte über die Position der Juden in Oberschlesien wird es in dieser Session des Rates nicht kommen. Der judenreine Justizdienst Berlin. Der preußische Ministerpräsident Goerlng verkündet in dem Organ des Justizministeriums «Deutsche Justiz», daß die Entfernung der Juden aus den Staatsämtem in Preußen v o 11 e n d e t Ist. Er beglückwünscht die preußischen Beamten zu ihrer Befreiung aus dem «schweren moralischen Joch», in das sie das frühere Regime gezwängt hatte, und betont, die Entfernung der Fremdrassigen aus dem Beamtenkörper stelle den Geist des alten Preußen wieder her. Rasiere Dich gut und billig Oesterreiciiisches Fabrikat lieberall erhältlich / 9595