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Die Stimme · 1934-01-09 · Heft 318 (9.1.1934) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
7 (1934)
Issue
Heft 318 (9.1.1934)
Date
1934-01-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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nm* OTE STIMME Nr. 318 — 9. Jänner 1934 1033 sind 2025 jüdische Einwanderer mit einem Eigenvernögen von je mindestens J000 Pfund ins Land gekommen. Durch diese Einwanderer wurden somit mindestens ywei Millionen Pfund nach Palästina gebracht. Außerdem sind die Gelder zu berücksichtigen, die durch Institutionen ins Land gesandt wurden oder von Touristen investiert wurden, die später das Land verlassen haben, ln den vorangegangenen Jahren war die Kapitalisteneinwanderung weit schwächer. Die Levante-Messe Im Ausschuß der Levante-Messe, die am 26. April in Td-Awiw eröffnet werden und einen Monat dauern wird, teilte Bürgermeister Meir D i z e n g o f f mit, daß für die Errichtung von AussteUungsgebäuden 140.000 Pfund aufgewandt werden sollen. Schon jetzt sind auf dem Messegelände 500 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, ihre Zahl wird bis zur Eröffnung der Messe auf mindestens 1000 steigen. Weitere bedeutende Steigerung des österreichischen Exports nach Palästina Hatte schon der Wert des Exports österreichischer Waren ira ersten Halbjahr 1933 fast den gesamten Export des Jahres 1932 erreicht, so hat die Ausfuhr ln den Monaten Juli bis November 1933, über die die Statistik vorliegt, weiter besondere Zunahme aufzuweisen: Juli 1933 3381 q S 436.000.—, August 1933 3760 q S 529 000.—, September 1933 4580 q S 615.000—, Oktober 1933 3708 q 5 617.000.—, November 1933 2981 q S 516.000.—. Während im ganzen Jahr 1 9 32 insgesamt 15,361 q für S 2,045.000— aus Oesterreich exportiert wurden, sind von Jänner bis Ende November 19 3 3 30.208 q für 4,245.000.— Waren nach Palästina ausgeführt worden. Die österreichische Regierung, und vor allem der Herr Bundesminister S t o c k i n g e r, haben die große Bedeutung der Förderung der Warenlieferungen nach Palästina hervorgehoben. In der den Vertretern Oesterreichs für die Levante-Messe in Tel-Awiw gewährten Audienz, über die wir bereits berichteten, wurde eine ansehnliche und mög- 4 liehst geschlossene Beteiligung aller interessierten österreichi- ., sehen Industrien empfohlen. 12.000 Einwanderer aus Polen Jerusalem. Durch Vermittlung der Palästinaämter der ' Zionistischen Organisation in den polnischen Ländern sind im Verlauf des Jahres 1933 11.916 Juden aus Polen nach Palästina gekommen. Diese Ziffer schließt sämtliche Einwandererkategorien ein. - *PAG-Pa|ä«tinar«iMn. sind konkurrenzlos" -7so lautet . ..das JJrteLl von Reisetellnehmern, die schon wiederholt nach VaJäaftbm führen und dabet alle möglichen Erfahrungen gemacht'haben. Sie ersparen sich Geld und Aerger, wenn Sie Vor Reiseantritt die Prospekte anfordern bei der PAG r. Gen. m. b. H., Wien, VI., Capistrangasse 2 (Tele- . phon. B-25-3-81). Bevölkerungspolitik In Wien hat dieser Tage eine Konferenz zum Schutze der Familie stattgefunden. Der Primarius des St. Annen- Kinderspitals, Dr. Herbert Orel, erstattete das wichtigste Referat über individuelle und soziale Familienhygiene. Er ging von den volkspolitischen Folgen des Krieges aus und wollte eine dreifache Veränderung in der Bevölkerungsstruktur Oesterreichs nachweisen: die Einwanderung *us dem Osten und die dadurch hervorgerufene Aenderung im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Wiens, die Abnahme der Kinderzahl und das Fehlen der 35- bis 55jährigen Männer. Die Zahl der unehelichen Kinder sei 1932 auf 37 gegen 100 eheliche gestiegen, während bei den Juden Wiens die Zahl kaum fünf Prozent betrug. Der Referent benützte diese Erscheinung zu einem Kriegsruf gegen da« «A s y i r e c h t». Der Sinn dieses Referates ist klar. Es wird wieder die Rassentheorie hervorgeholt und der Grundsatz «cuins regio — illius religio* in die Politik hineingestellt. Daß die «Einwanderung aus dem Osten*, diese beliebte Tarnung antijüdischer Tendenzen, das gesellschaftliche und kulturelle Leben Wiens geändert hätte, ist vollkommen unrichtig, Wenn hier eine Änderung ei/jgetreten ist, so ist sie der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit zuzuachrnben, von depen das Judentum noch stärker ergriffen worden ist als die christliche Bevölkerung. Man lese die Insolvenzenliste «nd die Aufrufe der Kultusgemeinde. Auch der Rückgang der Eheschließungen ist in wirtschaftlichen Momenten begründet Und für den Ausfall einer ganzen Generation möge der Referent nicht den «marxistisch-liberilistischen Geist* verantwortlich machen, sondern die Personell, die den Weltkrieg angezündet haben. Diese Gesellschaft war judeqrein. firoBfleisclihauerei SIEGM. KORNMEHL Zagtral« IX, Borgeaase IV, r«i. A Ij-i-uö u. A 16-9-34 Lieferant >Ur ueilansteitei Abteilung«!« fOr ^ps-Fleisch «teil AaWdrt des Ehrwürdigen Rabbinats dar israe» UtUebeo Kuitusgemeinde Wien Aeteanaieiiuno «oiitnio» % Berggtaie n XVlti. Währlngerairaöe ‘ Aba. Dr. Anselo Goldstein (Prag): Die Juden und d:e Volkszählung in der Tschechoslowakei Eine Antwort auf ungarische Abgriffe Die Volkszählung in der tschechoslowakischen Republik im Jahre 1930, deren Ergebnisse vorläufig für drei slowakische Städte, Bratislava, Kosice und Uihorod publiziert worden sind, zeigte, daß während das nichtmagyarische Element in diesen Städten im Hinblick auf die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Aenderungen gewachsen ist, die Stärke der magyarischen Bevölkerung sich im wesentlichen nicht geändert hat und ihr perzentueller Anteil in diesen Stkdten unter die 20 Prozent-Grenze gesunken ist. Dieses Ergebnis ist zweifellos in gewissem Maße auch durch den Umstand herbeigeführt worden, daß die Vorschriften für die Volkszählung es der jüdischen Bevölkerung ermöglicht haben, ohne Rücksicht auf ihre Muttersprache sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen. Von ungarischer Seite wird die jüdische Nationalität als eine teuflische Erfindung der Tschechen erklärt, die darauf abzielt, die Verringerung des zahlenmäßigen Standes der ungarischen Minorität herbeizuführen. Das ist entweder Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse oder die Absicht, sie der Welt anders darzustellen, als sie in Wirklichkeit sind. Schon in der österreichisch-ungarischen Monarchie forderten die Juden die Anerkennung der jüdischen Nationalität, da.dies das Programm der jüdisch-nationalen Renaissance verlangt. Behauptet man* daß die tschechoslowakische Regierung dieser alten Forderung der Juden nur aus Gründen der Zählungsstrategie entsprochen habe, so ist es nötig, dagegen die geschichtlichen Tatsachen anzuführen. Am 28. Oktober 1918, dem Tage der tschechoslowakischen nationalen Revolution, übergab im tschechoslowakischen Nationalrat der jüdische Nationalrat ein Memorandum, in dem neben anderen Freiheiten von der künftigen tschechoslowakischen Regierung die Anerkennung der jüdischen Nationalität gefordert wurde. Von den Mitgliedern des Nationalstes wurde die Erfüllung dieser Forderung zugesichert. Im Jahre 1919, zurzeit der Pariser Konferenzverhandlungen, fuhren die Vertreter desselben jüdischen Nationalrates nach Paris und verhandelten mit dem Delegierten der tschechoslowakischen Republik, Doktor B e n e s c h, neuerdings über die Forderung nach der Anerkennung der jüdischen Nationalität Sie erhielten die verpflichtende Zusicherung, daß diese Forderung verwirklicht würde. Die Nationaljuden in der Tschechoslowakei, ohne Rücksicht auf ihre politische Ueberzeugung und religiöse Schattierung, betrachten die Anerkennung der jüdischen Nationalität als einen wertvollen Gewinn in. ihrem Kampfe um die politische und» kulturelle Befreiung. Mit Rücksicht darauf, daß die Aktion des jüdischen , Nationalrates und die Entstehung der tschechoslowakischen . Verfassung in eine Zeit fallen, in der man ohnehin an eine Volkszählung nicht dachte, halte ich es als der gewählte Vertreter der jüdischen Minderheit im tschechoslowakischen Parlament für notwendig zu erklären, daß die Auslegung, als ob die Konstruktion der jüdischen Nationalität in der tschechoslowakischen Verfassung und in den tschechoslowakischen Volkszählungsvorschriften darauf abzielen, daß die Juden aus der Slowakei und Podkarpatska Rus von der ungarischen Minorität abgetrennt wurden, vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Die Juden in der Tschechoslowakei haben aus Gründen ihrer vitalen Interessen jene Errungenschaft begrüßt, für die sie unter dem alten Regime vergeblich gekämpft haben. Infolgedessen schufen sie in der Tschechoslowakei die jüdisch-nationale Partei, deren Erfolge bei den Kommunal- und Abgeordnetenwahlen bekannt sind. Im Hinblick darauf, daß bei den letzten Parlamentswahlen für die gemeinsame jüdisch-polnische Kandidatenliste mehr als 110.000 Stimmen abgegeben worden waren, von denen auf diepolnische Minorität 29.000 Stimmen entfielen, kann ich ruhig behaupten, daß ich für mehr als die Hälfte der jüdischen Minorität in der Tschechoslowakei spreche, die mich in das Prager Parlament entsandt hat; um so mehr kann ich für die jüdische Minorität in Karpathorußland sprechen, die auf meine Kandidatenliste 17.000 jüdische Stimmen vereinigt hat. Wenn von ungarischer Seite behauptet wird, daß die Muttersprache der Juden in Karpathorußland und in der Slowakei die ungarische und deutsche, und keinesfalls die hebräische ist, so muß ich mit dem ganzen Gewicht, das mir die Umstände gewähren, die ich gerade erwähnt habe, erklären, daß die jüdische Bevölkerung dieser Länder ein ihr eigenes Idiom spricht, das unter dem Namen Jiddisch bekannt ist. Weiters muß erwähnt werden, daß die im östlichen Teil der tschechoslowakischen Republik und hauptsächlich im Karpathorußland siedelnden Juden sich nicht nur durch ihre Religion, sondern auch durch ihre ganze Lebensweise und vor allem durch ihre Sprache von der Bevölkerung der übrigen Nationalitäten und darum auch von der ungarischen Bevölkerung unterscheiden. Die Juden in Muka£euo und Uzhorod sprechen in der überwältigenden Majorität jiddisch. Im Rahmen der kulturellen Tätigkeit der Partei, die ich vertrete, sind wir um die kulturelle und materielle Besserstellung der Juden in der Tschechoslowakei bemüht. Dank dieser Tätigkeit gelang es uns, ein Netz von hebräischen Elementarschulen in Karpathorußland auszubauen und ein eigenes hebräisches Gymnasium zu errichten, Wir sind fest über?- zeugt, daß die tschechoslowakische Republik, sobald es ihr die wirtschaftlichen Verhältnisse ermöglichen, zur Verstaatlichung dieses hebräischen Schulwerk» s schreiten wird. Es tat also zu ersehen, daß die Prinzipien, welche in die Verfassung Eingang gefunden haben, nicht nttr theoretisch ge dacht sind, sondern auch ZU ernsthaften Konsequenzen im Leben der Jüdischen Minorität in der Tschechoslowakei führen. Wenn bei dar letzten Volkszählung in der Tschechoslowakei Im Jahre 1930 die Zahl der Juden, die sich in der Slowakei und in Karpathorußland zur jüdischen Nationalität bekannt haben, gegenüber den früheren Volkszählungen vermehrt hat, so hatte dies ernsthafte Ursachen. Im Jahre 1919, zurzeit des Einfalls ungarischer Truppen in die Slowakei, war es nur begreiflich,’wenn viele Judert aus Angst vor der Rückkehr des magyarischen Regimes und gewohnt an den ungarischen Druck, sich als Ungarn bekannten. Sie waren nicht an das Maß der politischen demokratischen Freiheiten gewöhnt, die in der tschechoslowakischen Republik der gesamten Bevölkerung und darum auch ihnen zuteil wurden. Sie waren darum anfangs mißtrauisch, sowohl gegenüber dem Regime als auch gegenüber den Erneuerungsbestimmungen der jüdisch-nationalen Bewegung. Das System der öffentlichen Wahlen in die Vertfetungsinstitutionen, das in Ungarn bestand und auch heute noch besteht, unterstellte sie der Kontrolle der ungarischen Aemter. Sie wählten darum stets diejenigen, die an der Macht waren. Jetzt ständen sic in Verlegenheit vor diesen westeuropäischen Institutionen der Demokratie, welche durch die Errichtung der tschechoslowakischen Republik bis in das Innere Osteuropas gedrungen waren.. Die jüdischen nationalen Bestrebungen gewannen jedoch bei ihnen im Laufe der Jahre immer an Boden. Das streng antisemitische System, das nach dem Fall des Bolschewikenregimes in Ungarn zur Herrschaft gelangte, die Verfolgung der Juden im öffentlichen, wirtschaftlichen Und kulturellen Leben Ungarns vollendeten diese neue Orientierung der Juden. Ich kann konstatieren, daß ich keine einzige Beschwerde eines Juden bekommen hatte, der gezwungen worden wäre, sich zur jüdischen Nationalität zu bekennen, obwohl er sich zur ungarischen Nation hätte bekenne» wollen, und tatsächlich war keinerlei Druck nötig, keinerlei Zähiurigsmachinationen, damit sich die Juden von Ughorod, Kosice und Bratislava zur jüdischen Nationalität bekennen. Die jüdisch-nationale Bewegung in der Tschechoslowakei, hat ein Lebensinteresse daran, daß sich die Juden zur jüdischen Nationalität bekennen. Sie entfaltet zu diesem Zwecke eine Tätigkeit mit allen Mitteln der Information und Propaganda. Sie tut dies keinesfalls aus einer Unterwürfigkeit der Regierung gegenüber, sondern aus der tiefen und aufrichtigen! (J^berzeiigung.' dk'ß jrre^' dem materiellen uhd kulttfrellen.'Er- %lrdehiissen-1fer^Ü<fec1fe'h' Bewegung ln' diesent" Staate,Ja in der"gaii2eh^ Wtelt: efitSpridlftr \ Es muß auch gefechterweise festgestellt werden, daß diese Politik nicht hur die Minderheitennationen, sondern auch das Mehrheitsvolk in der Tschechoslowakei trifft.- Es ist wahr, daß viele Juden, die sich unter dem ungarischen Regime zur ungarischen Nation bekannten, Sich nun ' als Juden melden. Es ist aber ebenfalls war, daß eine nicht unbeträchtliche Anzahl' Juden, deren Muttersprache tschechisch oder slowakisch ist, die Möglichkeit, die ihnen die tschechoslowakische Verfassung gibt, wahrgenommen und sich ebenfalls zur jüdischen Nationalität bekannt haben. Als Abgeordneter des tschechoslowakischen Parlamentes, der in geheimen Wahlen gewählt wurde, fühle ich mich berufen, zu erklären, daß die große jüdische Majorität, die mich gewählt hat, und der geheime Charakter dieser Wahlen ein Beweis für die Korrektheit der Zählungsergebnisse, soweit sie die Juden: betreffen, sind. Uebrigens werden die nächsten Wahlen in das Abgeordnetenhaus definitiv diese Angelegenheiten klären,- die zum Großteil als unklar hingestellt werden, aus Gründen; die den Interessen der jüdischen Minorität fremd sind. Eine wirkliche Demokratie enthält und bildet selbst die Mittel zur Kontrolle Ihrer Einrichtungen und ermöglicht es so, daß letzten Ende« dr Wahrheit siegt. 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