Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 7 (1934)
- Issue
- Heft 318 (9.1.1934)
- Date
- 1934-01-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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Erscheint Dienstag und Freitag <f« v.*.* JÜDISCHE ZEITUNG Nummer 318 | Wien» 9* 1« 1934 | F.öd.Vrrtioh und Administration: Wien, I.,-Kärntnerstraße 28, Ta!. R-27-4-S5. Redaktionsschluß Montag, u.- Mittwoch vorm. | (XI. Thebet S694) 7. Jahrgang Araber für nationale Kantone in Palästina Der Hakenkreuz- Nihilismus Nach Bukarester Meldungen ist die Ermordung Pucas von der Eisernen Garde beschlossen worden. Dem zur direkten Ausführung der Tat bestimmten Constantiheseu war sogar: selbst der Tod angedroht worden: für .den Fall, daß Ihm die Nerven versagen sollten. Duca war verurteilt worden, weil er «das Vaterland den; Juden ausgeliefert hatte»-. Das ist die typische Vorgangs- : weise-der Nätforialsöziäliismus. Er terrorisiert alle, die Sieh' Ihm nicht voll ariscbließen, und diffamiert jede Ge- - Strinung» die nicht der seinen entspricht, als todeswür- . diges Verbrechen.. Es ist «jüdisch», wenn man nicht oder ypicht ganz'gegen die Juden ist, und weil Düca die von Deutschland aus organisierte Eiserne Garde nicht gutheißen wollte, : mußte er sterben. Ducas Tod ist ein v$ignäl .für dje ganze Kulturwelt oder, wie das die nation^sbaialistische Terminologie nennt, ein Fanal. Es zeigt, wie .größ ' die Gefahr dernationalsozialistischen Ausstrahlung für die Völker, für die,Regierungen, besonders aber Tür die Jugend--alter Natiphen ist. ’fteuer Nihilismus, der sich vor aller Augen " gej3il^et/hat, ungW&te1 Gelder zur Veffügiipg steberi, Man trifft die Mdrdagitatiön tn der gahz.Cn Welt. Wir in "Oesterreich .' habeni erst vor kurzer Zeit die Ermordung des Juweliers FutferW:eit, die. Amimohitbohiben ln Favoriten und in der . Produktenbörse in Wien, die Anschläge gegen den Bundeskanzler pr. Dollfuß und den Sicherheitskommis- ~ sär Dr.SieiÖle erlebt, die unendliche Zähl von Tränen- gasanSchlägen im ganzen Bundesgebiet,. die Boykott- : Agitation, - die Schüsse an der tirolisoh-bayrischen Grenze. Deutsche Agenten arbeiten in Deutschböhmen und Südmähren an der Insürgierung der deutschen Bevölkerung; deutsche Agenten sind in Ungarn tätig, um die Reste der Hejjas-Banden zu einer neuen antijüdischen Tätigkeit zusammenzubringen, in Südtirol. überall deutsches Geld, deutsche Hakenkreuzpresse, .deutsche Haßprediger. Man spürt sie in Aegypten, in Marokko, sogar in Palästina und wahrscheinlich steckt deutsches Geld hinter der sich neu aufziehenden panarabischen und muselmanischen Bewegung im Lande des jüdischen Nationalheimes. Der .deutsche Nationalsozialismus . ist letzten Endes eine gegen den europäischen Geist, gegen alle Formen europäischer Gesittung und Kultur gerichtete Verschwörung einer Nihilistengesellschaft, ein verwegener Erpressungszug, der überall die gleichen Methoden, die gleichen Schlagworte benützt, und zunächst mit dem Judenhaß operiert. Er sucht sich die schwächste Stelle des Widerstandes, bleibt aber dort nicht stehen. In Deutschland ist er nach der Vernichtung der jüdischen Position zum Angriff auf die anderen Parteien übergegangen und hält jetzt bei dem offenen Kampf gegen das Christentum. Dort in Deutschland, wo er über den Staatsapparat und über die finanzielle Kraft eines 65-Millionen-Volkes restlos verfügt, kann er sieh ganz entwickeln, und vor den Augen der-ganzen Welt zeigt sich Seine Unfähigkeit, positiv zu wirken. Wo nicht mit Gewehr und Gummiknüttel gearbeitet werden kann, dort hat der. Nationalsozialismus nichts zu sagen. Er verelendet sein eigenes Volk, saugt es bis zur Ohnmacht aus, treibt es in eine militaristische Psychose. Er verabscheut Geist und Geistigkeit. Die Zeiten der Völkerwanderung, als irgend woher aus der innerasiatischen Etappe ' germanische Stämme über Europa sich ergossen,, sind wieder da und mit ihnen die Roheit und Bedenkenlosigkeit jener Epoche. Die Influenz erstreckt sich auf alle Staaten und vor allem sind es die Auslanddeutschen, die sich willig dem Waffenzauber ergeben und den Sendboten des Dritten Reiches gerne Unterschlupf bieten, und diese Sendboten sind nicht nur politische Organe* sondern auch militärische Spitzel und Aufwiegler. Es gehen starke Fäden von den Berliner und Münchner Zentralen zu den Ukrainern, zu den Iren, zu den Berbern, den Mohammedanern, Indern, Chinesen, zu d*n Aufständi- Jerusalem. «Fälastiit» : berichtet, die . palästinensischarabischen Führer hätten in ihren Besprechungen mit dem Direktor im Koionialamt Parkinson und anderen Beamten Vorschläge, betreffend die Errichtung jüdischer und arabischer Kantone in Palästina, unterbreitet Diese Vorschläge, erklärt das Blatt, würden von den Jüdischen Führern ab' gelehnt, insbesondere von den Führern der jü di sehen Arbeit e r, da ihre Durchführung mit einer Begrenzung der jüdischen Einwanderung verbunden wäre. Die arabischen Führer hingegen bestünden auf rascher Lösung des Problems, bevor noch das gesamte Ländvon deir jüdischen. Kölcwüsation erfaßt sei. Den Angaben des «Falastin» zufolge gehen die arabischen Vorschläge, betreffend Einführung des Kantonsystems, auf folgendes hinaus: Palästina soll ln zwei unabhängige politische E ln bei te n Js^iljt werden, einen arabischen -Kanton, zudem die Gebiete Von ‘Bher Sheba, Gaza, Mejdel, ' Jaffa, Ramteh, Nablus, Venln. Tulkerem, Acco, die Jördänebene und Beisan gehören sollen, und einen j ü d i s c h e n Kanton, der sich von Tel-Av^iw längs der Küste nach Haifa, östlich begrenzt durch die Eisenbahnlinie, weiters von Haifa nach Beisan, nördlich der Hedschas-Eisenbahn und dann hinauf nach Tiberlas und zunT Huleh-Gebiet »-strecken soll Jerusalem, Hebron, Bethlehem, Nazareth und Safed sollen internationale religiöse Zonen sein. Haifa soll zum Freihafen Gesamtpalästtaas erklärt werden. Juden soll im allgemeinen der Erwerb von Land in der arabischen Zone n i c h t gestattet sein. Auch sollen sie dort kein Niederlassungsrecht erhalten. Jene Juden, die ausnahmsweise in diesem Gebiet Landbesitz haben oder dort wohnen, sollen den dort geltenden: arabischen Gesetzen unterworfen sein. Dasselbe gilt für die Araber im jüdischen Gebiet, diese würden unter jüdischem Gesetze stehen. Für das gesamte Land soll eine Zentralteglertsng eingesetzt werden, die aus Arabern und Juden , im Verhältnis zu ihrer zahlenmäßigen Stärke in beiden Gebieten bestehen sott. Der Zentralregierung sott die: Regelung der Gesetzgebung für das gesamte. Land, die Leitung von Post und Telegraph, Zottwesen, Verkehrswesen, Währung, öffentlicher Sicherheit und Grenzverteidigung übertragen werden. Jeder der beiden Kantone soll. A u t o n o m i e auf dem Gebiet des Erziehungswesens, des; Gesundheitswesens, der lokalen Polizei und der Verwaltung »halten. Hebräisch soll nur im jüdischen, Arabisch mir im arabischen Kanton als offizielle Sprache gelten. Als zweite -Amtssprache soll für beide Gebiete Englisch eingeführt werden. In jedem der beiden Gebiete soll für eine bestimmte Zelt eine sclien in den südamerikanischen Staaten, überall hin, wo Unmut und Mißstimmung herrscht. Wie der Kommunismus betreibt der Nationalsozialismus sein Werk und er hat immer nur Gewalt und Hetze als Mittel. Den Regierungen, denen die Wirtschaftskrise den Atem nimmt, entgeht es, daß der Antisemitismus nur ein Teil dieses Nihilismus ist. Einer der wenigen Politiker, denen das ganze Wesen dieses Systems offen geworden ist, der frühere französische Ministerpräsident Tardieu, hat vor kurzem geschrieben: «Was den Juden, den Sozialisten, den Kommunisten, dem Zentrum ge- Anzahl britischer Beamter als Berater Verwendung finden. Für die arabische Zone soll ein arabisches, für die jüdische Zone ein jüdisches Parlament errichtet werden. Ein Exekutivrat,. bestehend aus Vertretern beider Parlamente, soll mit der Verwaltung der allgemeinen und gemeinsamen Interessen beider Teile des Landes betraut werden. Der britische High Commissioner hätte die Rotte eines Mittlers zwischen den beiden Teilen des Rates zu spielen. Fragen, .die, nachdem sie dem High Commissioner unterbreitet wurden, keine Lösung finden konnten, sotten dem englischen Obersten Gerichtshof oder dem Völkerbund zur Entscheidung vorgelegt werden. An die Mandatarmacht soll das Ersuchen gerichtet werden, Bemühungen zum Anschluß Transjordanlens an 4cn arabischen Kanton emiüleiten. Fürden arabischen Kanion wird die Bczeich nung «Südsyrien», für . den jüdischen «Erez Israel» vorg» schlagen. Neue Siedlungen Jerusalem.. Südlich von Jerusalem sollen in einem Ge biete, das inalter Zeit ein Zentrum des Obstbaues War, wieder Obstplantagen errichtet werden. Der Gärtner S. Z. Holzmann aus Rechowoth hat an der Straße, nach Hebron in einiger Entfernung von den Teichen Satoniöns unter finanzieller Beteiligung des amerikanischen Seidenfabrikanten Isaak Sachs aus Ramath Gan ein Gebiet yon 5000 Dunarn erworben, auf dem 200 Familien auf der Grundlage des Obstbaues angesiedelt werden sollen. Bewasserungsmöglichkeiten sind in weitem Ausmaße vorhanden. Die Initiatoren des Projektes stehen in Verhandlungen wegen Ankaufes weiterer Grundstücke in dieser Gegend. In Ras et Ain bei Petach Tikwah hat die Kommission zur Unterbringung von Neueinwanderem, die vom Petach Tikwaher Arbeiterausschuß eingesetzt wurde, 1000 Dunarn zur Anlage einer neuen Arbeitersiedlung erworben. Das Grundstück grenzt, an das Araberdorf Pajja und an das @67 biet der Yarkon-Konzession. Geplant ist die Ansiedlung von 200 Familien, davon 50 Familien deutsch-jüdischer Einwanderer. Die übrigen Siedler sind landwirtschaftliche Arbeiter aus der Scharon-Ebene und Judäa. Nach Uebergabe dei Besitztitel haben Mitglieder des Irgun, der landwirtschaftlichen Siedlungskooperarive, mit den Pflugarbeiten begonnen Die Kapitaleinwandemwg Jerusalem. Der Jahresbericht der Handelskammer von Tel-Awnv teilt mit: ln den ersten neun Monaten des Jahres scheiten ist, das droht uns allen!» Was von den Friedensbeteuerungen dieses Systems zu halten ist, das ist heute jedermann klar, mit alleiniger Ausnahme Mac- Donalds und Sir Simons. Es gibt niemanden, der Deutschland Vertrauen entgegen bringt, aber keine Regierung zieht aus ihrer Erkenntnis die notwendigen Schlüsse: daß das internationale Pest-Abkommen auch auf den Nationalsozialismus ausgedehnt werden muß. Ducas Ermordung ist ein Signal, dessen Eindringlichkeit nicht tibersehen werden sollte. Noch ehe cs zu spät Ist, „Thres St«»«" KoWt» Koks •Anfkrazit ■■■■■■HM ««Kto'iriER OIIAUTXTEN MHMMMI- Batch, IV* Avaenfinlcrsfr. XI« Tel« Serie II 47-5*40