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Die Stimme · 1933-12-29 · Heft 315 (29.12.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 315 (29.12.1933)
Date
1933-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Heute Frauenbeilage Seiten 7 und 8 Erscheint Jeden Donnerstag Rcidaktionund Administration: Wien, 1. Bez. KürntnerstraBe Nr. 28, Telephon R-27-4-85 RodaktionsaohluB: Dienstag abends Beiugabidin]|ungen: Monatl. 8 i-öi> vierteljährlich 8 4.20, ganzjährig S 1b.- Für das Ausland: Deutschland viarteijährlicn RM 3.—, Tschechoslowakei viertel]. Ko 24.-- Jugoslawien viertelj. Dinar 40.~, Polen viertel]. Zloty 6.50, Ungarn viertelj. Pengo 4.2. Rumänien viertelj. Lei 120.—, übriges Aus fand vierteljährlich Schweizer Franken 4.60 Postsoheok- Konti: Oesterreich Nr. D 113.646, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. 600.230, Jugoslawien Nr. 4U879. V. b. b. Preis einer Nummer 35 c 'M& JÜDISCHE ZEITUNG 6. Jahrgang Wien, Freitag, 39. Dezember 1933 (II. Thebet 5694) Nummer 315 nDieStimne“abl.iäiinerl934zweinalwicheittlich Eine frohe Botschaft an unsere Leser Mit Rücksicht auf die stets wachsende Fülle des aktuellen Nachrichtenmaterials und auf die aus den Leserkreisen unseres Blattes immer wieder geäußerten Wünsche, rasch und ausführlich über alle Ereignisse des jüdischen Lebens informiert zu werden, hat sich die Redaktion der «Stimme» entschlossen, diesen Wünschen unserer Leserschaft Rechnung tragend, die „Stimme“ ab 1« Jänner 1934 zweimal wöchentlich erscheinen zu lassen. Wohl standen einem zweimal wöchentlichen Erscheinen der «Stimme» gewichtige Bedenken finanzieller Natur entgegen, da wir einerseits in unserer schweren Zeit unseren Lesern erhöhte Abonnementgebühren nicht zumuten wollten, und anderseits das zweimalige wöchentliche Erscheinen naturgemäß auch höhere Personalkosten, Druck- und Expeditionskosten mit sich bringt. Die wachsende Beliebtheit der «Stimme» im In- und Au slande, die sich in einer ständig steigenden Auflage ausdrückt, läßt es uns aber angezeigt erscheinen, die «Stimme» von nun ab zweimal wöchentlich erscheinen zu lassen, ohne diesbezüglich eine dauernde Verpflichtung für die Zukunftzuübernehmen. Wir sind gewiß, daß diese Nachricht unseren Lesern große Freude bereiten wird. Diese Freude wird aber noch dadurch gesteigert werden, daß trotz unveränderter Beibehaltung unserer bisherigen Abonnementpreise auch der normale Umfang unseres Blattes pro Woche von 10 auf 14 Seiten gesteigert und der Preis der Einzelnummer, für Oesterreich von 35 g auf 25 g herabgesetzt wird. Außerdem wird der Stäb unserer Mitarbeiter und die Zahl unserer ständigen Beilagen vergrößert, so daß unser Blatt auch inhaltlich ausgebaut wird.; -:<'bTei-4fii4iii>m:«b'wlr'dvv4>n:ai-:tiii:.Zh4^'cn:bi'ett8t'agu:tt;d:P'r'plt'a|l.,erii.clielnefi,iLZ'W. Dienstag mit6 und Freitag mit8 Seiten. Wir bitten unsere Leser und Freunde, für uns auch weiter Abonnenten zu werben, um eine immer größere Ausgestaltung der «Stimme» zu gewährleisten. Wk senden Interessenten über Wunsch kostenlos durch einige Wochen Probenununern. Die Redaktion der „Stimme“ Lion Feutitiwanger filier das Martyrium der deutschen Juden Kettung für das jüdische Kind gef ordert Unter dem Vorsitze . von Frau Anthony de Rothschild fand im Hotel Savoy zu London ein Frühstück zugunsten deutsch-jüdischer Frauen und Kinder statt, zu dem sich 300 Frauen der Londoner Gesellschaft eingefunden hatten. Man sah unter den Anwesenden die Countess of Oxford and Asquith, Lady Bonham-Carier, die Marchioness of Crewe, die Marchionessof Reading, Violet Lady Melchett, Lady Melchett, Lady Erleigh, d*e Countess of Rosebery, die Väscountess Bearstead, Viscountess Gladstone, Frau Winston Churchill, Lady Herbert Samuel, Lady Sassoon, Frau Leopold de Rothschild, Frau James de Rothschild, Frau Lionel de Rothschild, Lady Burton, Lady Mond, Frau V. Weizmann, Frau I. M. Sieff, Frau Anita Mueller-Cohen und Fräulein Hannah Cohen, Präsidentin der Jüdischen Armenbehörde. Der Preis für ein Gedeck betrug 10 Pfund, so daß — da das Frühstück von einer ungenannt sein wollenden Persönlichkeit bezahlt worden war — 3000 Pfund für den genannten Zweck aufgebracht wurden, die mitsamt den Spenden der Gäste einen Betrag von 8851 Pfund ergaben. Die Gesamtquote, die aufgebracht werden muß, beträgt 25.000 Pfund. Hauptredner war der jüdisch-deutsche Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der u. a. folgendes ausführte: Viele der in Deutschland gebliebenen Juden müssen, um M. KA!5ER5TR.m k ÄLSER5TR. 6 S l&- S18 - S 20 - Rasiere Dich gut und billig nicht den Verstand zu verlieren, ihre Augen vor dem, was um sie herum geschieht, verschließen. Wenn sie auch mit eigenen Augen gesehen haben, wie hunderte ihrer Bruder getötet, ins Gefängnis geworfen, gemartert und unsagbar gedemütlgt wurden, müssen sie so tun, als wenn all dies nicht geschehen wäre. Viele sind sich bereits dessen bewußt geworden, daß die deutschen Juden dem Unter gange geweiht sind. Nicht Deutschland, nicht das deutsche Volk — die Nationalsozialisten sind es, die die Juden mit mittelalterlichem Haß verfolgen. Sie brauchten 14 Jahre skrupellosester Propaganda, um ihre Anhänger mit diesem Haß zu infizieren. Glauben sie nicht, daß das ganze deutsche Volk hinter den Nationalsozialisten steht; gut informierte Politiker schätzen die Zahl der Hitler-Anhänger auf kaum ein Drittel der Bevölkerung. Aber dieses Drittel hat die Ausrottung der Juden beschlossen; denn dieses Ziel ist das einzige im ganzen Naziprogramm, dessen Durchführung im Bereich der Möglichkeit liegt. Ich allein habe in den ersten Monaten der Naziherrschaft sechs gute Freunde durch Mord, Verstümmelungsmord und Selbstmord verloren. Kein des Mordes an einem Juden Schuldiger wurde bisher bestraft. Wir besitzen bereits dokumentarische Belege über 377 Fälle, in denen Juden entweder von Nazis getötet wurden oder infolge Marterung Selbstmord verübt haben. Bestraft aber wurde bisher nur ein einziger wiirttembergischer S. A.-Mann mit vier Tagen Gefängnis. Unter dem Drude des Auslandes ist ein Abflauen der Mordstimmung zu bemerken, dafür hat der «trockene Pogrom» eingesetzt; man läßt die Juden nicht leben. Die deutschen Juden flehen uns an: Seid still, wir sftnd eine halbe Million Geiseln in den Händen der Nationalsozialisten; was immer im Ausland gegen die Hitler-Bewegung unternommen wird, wir sind die Leidenden! Die meisten Juden haben nicht die Möglichkeit, 1 Touristen nach Palästina fahren am besten und billigsten zu Purim, am 21. Februar 1934 mit der «Conte di Savoia» und zurück mit der «Roma», durch das Weltreisebureau Ctlbm paß-Tours. ZehnTageimLandemit gründlicher Besichtigung um S 950.—, inklusive sämtlicher Spesen, ab Wien. Eventueller anschließender Ausflug nachCairo. Für Vereine und Organisationen Sonder-Angebote. Näheres im Bureau, IX., Spitalgasse 3, TeLB 4 2-5-3 8. aus Deutschland herauszukommen, sie sind um ihre letzte Habe gekommen und das Ausland schließt seine Tore vor ihnen ab. Aber sollen wir darum schweigen? Das wäre der falscheste Weg. Es Ist hoffnungslos, eine Verständigung mit den Nazis zu versuchen; die einzige Sprache, die sie verstehen, ist die der Gewalt Man muß darum handeln, auch wenn vorübergehend dies die deutschen Juden hart treffen sollte. Denn es geht nicht allein um die Juden Deutschlands, sondern um die Juden der ganzen Welt Feuchtwanger gab zum Schluß ein starkes Bekenntnis zu Deutschtum und Judentum ab, schilderte, wie ihm sein Haus, seine Bibliothek und seine Manuskripte genommen oder zerstört wurden, und appellierte zum Schluß an die Anwesenden, daß sie daran mitwlrken, wenigstens die Hilflosesten, die Kinder, die am meisten dem Gift ausgesetzt sind, das ihre Seelen zerstören könnte, aus der deutschen Hölle zu retten. Jüdische Reichspartei Rumäniens ohne Abgeordnete Bukarest. Die Jüdische Reichspartei hat das Minimum von 2% aller Stimmen nicht aufgebracht und bleibt ohne Abgeordnete im neuen Parlament. Dagegen wird die antisemitische Cuza-Gruppe mit 9, die Goga-Gruppe mH 8 Abgeordneten vertreten sein. ,Thron Stare* Koks •Anthrazit swcMiTen ouamtäteh Baach. IV. Araeitfinievsfr. 22. Tel. Serie U 47-5-40 Ueberall erhältlich 8871

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