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Die Stimme · 1933-12-21 · Heft 314 (21.12.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 314 (21.12.1933)
Date
1933-12-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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„ ' / Erscheint jeden Donnerstag Redaktionund Administrationt Wien, 1. Bez., KXrntnerstraße Nr. 28, Telephon R-27-4-85 i Redaktiönsschluß: Dienstag abends Bezugsbedingungen: Monatl. 8!.»<.■ vierteljährlich 8 4.20, ganzjährig 8 1b Für,das Ausland: Deutschland viertel jäh»• RM 3.—, Tschechoslowakei viertel]. Ko 24 Jugoslawien viertelj, Dinar. 40.*», Pok viertelj, Zloty 6£0, Ungarn viertel]. Pengö 4.2 Rumänien viertelj. Lei 120.—, Übriges Ausland vierteljährlich Schweizer Franken 4.5U Po'stsoheok* Konti: Oesterreich Nr. D 113.546, Polen Nr. 191.190, Tschechoslowakei Nr. 500.230, Jugoslawien Nr. 40.8/9. Preis einer Nummer JÜDISCHE ZEITUNG *. Jahrgang Wien, Donnerstag, Sl. Dezember 1933 (3. Hiebet S*94) Nummer 3x4 Eimi und Jetzt Dei Slaii der NakkabSevlaus Von Dr. Desider Friedmann Vielfaches Gleichnis führt von der Zeit der Makkabäer über 21 Jahrhunderte herüber zu unseren Tagen. Wieder Ist ein Feind gegen uns erstanden, der an die Wurzeln unserer Existenz greift. Wiederum hat sich die Sonne der Freiheit verdunkelt, die Fackeln der Menschlichkeit sind verlöscht und die kleinen Lichter der Menoräh leuchten in eine finstere Nacht. Nutzlos war das Opfer unserer Selbstentäußerung, vergeblich unser Streben nach Gleichheit. Denn nur gleicher Wert kann gleiches Recht verbürgen. Wir aber haben unseren Wert um ein Phantom hingegeben. Wir haben, wie die Hellenisten in der Makkabäer-Zeit, in dem Irrwähn gelebt, dadurch, daß wir unter den Völkern aufgehen, die Judenfrage zu lösen. Wir haben geglaubt, uns die Freundschaft der anderen.zu erwerben, wenn wir uns ihrer Kultur hingeben und. unsere eigene ijn Stiche lassen. Wir haben all das, was an. uns Wert- Voll'ist, verloren. und nichts dafür gewonnen. Weder Zuneigung noch Achtung. Durch .Jahrzehnte haben wir fremden-Parteien gedient, sie wissen uns keinen Dank. |lassenideplpgie -und Blutmythus haben unserer Assimilation ein .trauriges Ende bereitet. Aermer und hilfloser als vorher stehen wir da. Der Träum Ist äusgefrätimt. Pie räuhe Wirklichkeit, ruft uns zur Besinnung. * v- Viele von uns stehen am Rande des Judentums, das fürsie Sinn und Inhalt verloren hat. Wir müssen sie zurückbringen zu uns, indem wir das, was noch jüdisch in ihnen ist, stärken, wir müssen sie lehren, neue Wege zu gehen, die hinausführen aus der Zerrissenheit und Trostlosigkeit eines unbefriedigenden Daseins. Wir müssen, sie sammeln, wie die Makkabäer, die aus Zaghaften und Aengstlichen Streiter und Kämpfer schufen. Der Feind steht vor unseren Toren. Parteihader und Streit sollen aus unseren Reihen gebannt werden. Wir müssen der feindlichen Phalanx die geeinigte jüdische Front entgegenstellen. Niemand glaube, daß er sein Einzelschicksal von dem unserer Gemeinschaft loslöSen könne. , Wie in den Tagen der Makkabäer die Fetfndeswut alle unterschiedslos traf, so fragt auch der Judenhaß unserer Tage nicht nach Gesinnung, Stand und Rang. Wer zunächst verschont bleibt, den kann später das Schicksal um so härter treffen. Hüten wir uns davor, einen Teil der Unsrigen preiszugeben, einen gegen den anderen auszuspielen. Noch immer hat sich solche Treulosigkeit bitter an uns gerächt Denken wir an das große Wort Theodor Herzls: «Wir sind ein Volk, ein V 01 k.» Wiederum, wie damals in der Makkabäer-Zeit, stehen wir an einer Schicksalswende. Festgefügte Systeme'wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ordnung kommen ins Wanken und brechen vor unseren Augen zusammen. Staaten und Völker streben nach 'neuen ökonomischen und Regierungsformen. Die, Neugliederung des öffentlichen Lebens bringt überall Gefahren' für unsere wenigen, mühsam erworbenen und bisher behaupteten Positionen'. Ein neuer Begriff des Stäatsvolkes entsteht. Totalitätsprinzip und Gleichschaltung drängen uns in eine Ausnahmestellung, entwurzelten uns im staatlichen und wirtschaftlichen Leben. In unserem Nachbarstaate, in dem ein großer und wertvoller Teil unseres- Volkes für immerwährende Zeiten seine Heimat und seinen Schutz gefunden zu Rasiere Dich gut und billig / Qesterreidiisches -Fabrikat Ueberali erhältlich Erklärung der Jewish Agency zu den Vorfällen in Tel4viv Jerusalem. Zu den Vorfällen in Tel-Aviv hat der Leiter des politischen Amtes der Palästina-Exekutive, Mosche Shertok, der Jüdischen Telegraphenagentur folgende Erklärung übergeben: «Die Exekutive der Jewish Agency beklagt aufs tiefste die Vorfälle, die sich am letzten Sonnabend in Tel-Aviv ereignet haben. Die durch die Maßnahmen gegen jüdische Touristen verursachte Mißstimmung rechtfertigt nicht Gewaltanwendung gegen Polizei, die in Ausübung Ihres Dienstes handelt. Doch hätte diese Mißstimmung nicht zu einem offenen Ausbruch geführt, wenn nicht nach der revisionistischen Versammlung eine Demonstration veranstaltet worden wäre, die unvermeidlich zu einem Zusammenstoß mit der Polizei führen mußte. Einzelne aa der Kundgebung nicht beteiligte Personen wurden in diesen Zusammenstoß mit hineingezogen. Dieser beschämende Vorfall war nur in der durch die Touristenjagd geschaffenen besonderen Atmosphäre möglich geworden und er steht im Gegensatz zu der Wertschätzung, die die jüdische Gemeinschaft der hohen Bedeutung der der Polizei Übertragenen Funktionen ent* gegenbringt Die Palästina-Polizei ist das Bollwerk der Sicherheit des Landes. Sie muß oft zur Erfüllung tut* populärer Pflichten berangezogen werden, wenn es gilt, die Respektierung von Gesetz und Ordnung zu erzwingen; jeder Versuch, an einzelnen Polizisten Rache zty üben, ist einer zivilisierten Gemeinschaft unwürdig und muß, wie die letzten Vorfälle, von allen verantwortlichen jüdischen Stellen aufs schärfste verurteilt werden.» Der Inhalt dieser* Erklärung wurde von Shertok und dem Vorsitzenden des Waad Leumi Ben Zwi dem Leiter der Palästina-Polizei Generalinspektor Spie er übermittelt haben glaubte, sind durch einen ungeheuren Ausbruch antisemitischen Hasses über Nacht tausende jüdischer Existenzen vernichtet worden; Zehntausende haben zum Wanderstab gegriffen, die Zurückgebliebenen sind ständiger Unsicherheit umL quälender Pein preisgegeben. Das Judenprobleift,'rjdar während der ganzen Zeit der Diaspora niemals zur Ruhe gekommen Ist, ist Wieder in seiner ganzen Breite aufgerollt. Auch außerhalb Deutschlands (stellt die Neuordnung der Judenfrage auf der Tagesordnung. Bald mit versöhnlicher Geste, bald mit Drohungen, verlangt man von uns freiwillig Verzicht auf unsere Bürgerrechte, bevor sie unter dem Druck der aufgewühlten Volksleidenschaft uns mit Gewalt genommen werden. Ratlosigkeit greift ln unseren Reihen um sich. Zeigt uns nicht die Geschichte der Makkabäer den richtigen Weg? Lehrt sie uns nicht, gegen Unrecht zu kämpfen bis zum Aeußersten, beweist sie uns nicht, daß jede Schwäche Niederlage bedeutet? Wenn unter «wohlüberlegten» Grenzen, die zwischen uns und den anderen gezogen werden sollen, Absonderung und Sondergesetzgebung verstanden werden, dann nehme man zur Kenntnis: In ein «zeitgemäßes», modernes Ghetto wollen wir uns weder hineinlocken noch freiwillig sperren lassen. Wir wünschen zum Abbau bestehender, nach unserer Meinung unberechtigter Haßkomplexe und zu jeder Art loyaler Verständigung beizutragen, doch nur als g 1 e i c hberechtigter Partner, ohne Minderbewertung Unseres Menschentums und unserer Menschenrechte, ohne' Schmälerung unserer nationalen Würde. Auch wir streben nach Formen friedlichen Zusammenlebens, wie sie in anderen Kulturländern von nebeneinander liebenden Völkern gefunden wurden, (z. B. Franzosen und Flämen in Belgien, B e nächsten Nummern der ..Stimme” erscheinen infolge der Weihnachts-.resp, Neujahrsfeiertage am Freitag, den 29. Dezember bezw. Freitag, den 5. J ä n n e r 1934. Serben, Kroaten, Slovenen in S. H. S.), ohne jeden uns aufgedrungenen Verzicht auch nur au f einen Bruchteil unseres gleichen Rechtes lauf allen Gebieten des öffentlichen, wirtschaftlichen, geistigen und sozialen Lebens. Wir erheben Anspruch auf jene Achtung, die uns als dem Volke gebührt, das der Welt die höchsten Grundsätze erhabener und wahrer Sittlichkeit gelehrt hat, als das Glaubensvolk, das wie kein anderes für seine Lehre gelitten und die unsäglichsten Martern geduldet hat, als Volk, das. immer lebensbejahend, seinen reichlichen Beitrag zur Kultur der Menschheit geleistet hat, als Ewigkeitsvolk, das im unbeirrbaren Glauben an seine Zukunft zurücksürebt zu seiner Heimat, zum Lande seiner Väter. Dort in Palästina, dessen Boden getränkt ist vom MakkabäerrBlut, wo ein neues Heldentum — der Heroismus der Arbeit — Wüste in lachende Fluren, Sümpfe in fruchtbares Ackerland verwandelt, wo jüdischer Fleiß und Unternehmungsgeist Kolonien und Städte entstehen läßt, wo wir, erdverwachsen mit der Scholle, den Grund legen für ein neues geregeltes Volksleben, beweisen wir' der Welt unser Recht auf die uns von ihr versagte Ebenbürtigkeit. Unsere große bewundernswerte Arbeit ln Erez Israel, die Zurückführung unserer Menschen zum Ackerbau und zur manuellen Arbeit, die Schlichtheit des jüdischen Lebens in Palästina verbunden mit höchster Geistigkeit, die Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit unserer Jugend sind unsere Zeugen dafür, daß nicht zersetzender Materialismus, sondern aufbauender Idealismus uns eigen ist, wenn nicht der Druck der Verfolgung auf uns lastet, wenn uns freier Lebensraum gegeben wird für unser Wirket? und Schaffen. Immer in unserer Geschichte haben nur große Aufgaben und große Ziele^uns vor dem Untergang gerettet. Auch unserer Generation muß in dieser schicksalschweren Zeit ein großes Ideal vor Augen stehen: «Rückkehr zum Jaden tu m, Nationale Wiedergeburt unseres Volkes, Aufbau des jüdischen Landes.» Wird sich unser Geschlecht dieser hohen Aufgabe bewußt, dann wird wieder über unseren Häuptern stolz die Fahne der Makkabäer wehen. Dann wird unserer Brust der Ruf sich entringen: «Die Fahne hoch, die Herzen hoch, das Volk Israel will leben, es lebt und wird leben. TSttae Stan HQCIOICR WftlllfreD Basch, IV. Araentinievstv. 12« Tel« Serie ü 9895

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