Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 313 (14.12.1933)
- Date
- 1933-12-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3053752-3054015-3054067--3894-3059449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 1C DIE STIMME Nr. SIS — 14. Dftzemtmr 1SSS Die Straßenkämpfe in Tel-Awiw zwischen Revisionisten und Polizei Tel*Awlw, 11. Dezember. In Tel-Awhv kam es am Samstag abenrls zu Unruhen, wie sie diese rein jüdische Stadt seit ihrer Gründung nicht erlebt hat Die Revisionisten veranstalteten eine Kundgebung zum Protest gegen die sogenannten «T o u r i s t e n - J a g d e n», die von der Po hei unternommen werden, um Illegal nach Palästina gekommener Juden habhaft zu werden und s!e des Landes zu verweisen. Eine riesige Menge staute sieh ln den Straßen und leiitete der Aufforderung der Polizei zum Auscinandergehen keine Folge. Es kam sodann zu einem schweren Zusammenstoß zwUcIien den Demonstranten auf der einen Seite und englischen, jüdischen und arabischen Polizisten auf der anderen S:Ke. Der Kampf dauerte volle drei Stunden. Seh'leßieh kam mit fünf Panzerautos Militär aus Jaffa herbei. Die Soldaten gingen mit blanken Bajonetten gegen die Menge vor und zerstreute sie. Im Verlauf der Kämpfe wurde PotlzelJnspektor Golfer sehr erheblich verletzt. Mehr oicr weniger schwer verletzt Programm der Jüdischen Volkspartei Die Jüdische Volkspartci erstrebt die Zusammenfassung aller österreichischen Juden, welche sich dem jüdischen Volke zugehörig fühlen. Zweck dieser Zusammenfassung Ist die Führung einer einheitlichen Politik nach folgenden Grundsätzen: 1. Rückhaltloses Bekenntnis zum österreichischen Staate und volle Bereitschaft, an der Entwicklung und dem Ausbau OesterrelchsausallenKräftcnmltzuarbciten. Förderung aller Bestrebungen, welche der gedeihlichen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Oesterreichs und der Erhaltung von Rühe und Ordnung im Staate dienen. 2. Wahrung der den Juden durch die Verfassung zugesicherten politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gleichbcrechtigung. Daher: Stellung gegen alle Versuche, der Gleichberechtigung Abbruch zu tun. Rechtsschutz für jeden, der um seines Judentums willen in seinen Rechten beeinträchtigt wird. 3. Fernhaltung der österreichischen Judenschaft vom Getriebe fremder Parteien und deren Kämpfe ^gegeneinander. Die Beteiligung der Juden an fremden Parteien — oft an führenden j.vJ exponierten Stellen und ab Wortführer in Versammlungen uni Zeitungen — bringt dem Judentum Schaden und den Parteien keinen Nutzen. Sic hat dazu beigetragen, die Stimmung dieser Parteien gegeneinander und gegen die wurden ferner sechs englische und jüdische Polizisten und sieben Zivilpersonen. GegenwärtigherrschtlnTel- A w i w Ruhe. Die Erregung unter der Bevölkerung über das Vorgefallene Ist groß. Am Abend vorher hatte eine Menschenmenge versucht, einen der Spitzele) gegen 1 legale jüdische Einwanderer Verdächtigen zu lynchen. Der Angegriffene konnte sich mit knapper Not in einen Frbeurladen retten, von wo er durch mehrere ihm zu Hilfe gekommene Polizisten und Detektive ahgeholt und zur Polizeiwache gebracht werden konnte. Unter den Rufen «Hängt ihn!» folgte eine*sehr große Al cnschcnmenge der Eskorte und versuchte Immer wieder, den der Spitzele] Verdächtigen in ihre Hände zu bekommen. Noch In später Nacht versuchte die Menge das Wachgebäuds zu stürmen und an dem Schutzhäftiing Lynchjustiz zu üben. Herbeigeholte verstärkte Polizeiposten trieben die Menge mehrmals auseinander, diese sammelte sich aber immer wieder. Erst sehr spilt gelang cs, die Menge endgültig zu zerstreuen und die Ordnung hcrzustellen. Zwei der Demonstranten wurden verhaftet. Juden zu verschärfen. Daher: Führung einer ehrlich Jüdischen Politik unter eigener Verantwortung und unter eigenem J ü d i s c hem N amen. Eine solche Politik ist allein geeignet, Mißverständnisse, Mißtrauen und Vorurteile Innerhalb der nichtjüdischen Umwelt zu beseitigen und eine offene, von gegenseitiger Achtung getragene Aussprache von Volk zu Volk zu ermöglichen. In Wahrung dieses Grundsatzes wird festgestellt, daß dis Zugehörigkeit zur jüdischen Volkspartci mit der Zugehörigkeit zu anderen politischen Parteien unvereinbar ist. 4. Gegen die Teilnahme der Juden an Kultur- und Klassenkämpfen. Jeder Verstoß gegen diesen Grundsatz von jüdischer Seite hat erbitterten Haß gegen das Judentum heraufbeschworen. Die Jüdische Volkspartci fordert von ihren Alitglledern absolute Respektierung der Sitten und Gebräuche aller Nationen und Bekenntnisse und strenge Enthaltung von jedem Eingriff in deren nationalkulturelle und religiöse Angelegenheiten und lehnt ihrerseits jeden Eingriff in das jüdisch-kulturelle und jüdisch-religiöse Leben, von welcher Seite er kommen mag, ab. 5. Die Jüdische Volkspartei lehnt die Ideologie des Klassen Kampfes ab. Sie strebt nach fried.ichem Ausgleich der Klassenintercssen im Geiste sozialer Gerechtigkeit und vollen Empfindens für die Rechte der Träger jeder nützlichen Arbeit Sie strebt Ln Geiste des alten jüdischen Gesetzes nach einer Ordnung, weiche’ jedem Menschen die Lebenshaltung gewährleistet, d. h. jeden Menschen vor Hunger und Mangel an den unumgänglichsten Lebensnotwendlgkeiten schützt 6. Normalisierung und Kräftigung des Jüdischen Wirtschaftslebens Im Wege det beruflichen Umschichtung und gegenseitiger Kredit* and Wirtschaftshilfe. Förderung alter Maßnahmen gegen die UeberfüHung einzelner Berufe, Insbesondere der Intelligenzberufe, Jugend- und Elternberatung, Vermittlung von Lehr- und Arbeitsplätzen, Institutionen für gewerbliche Ausbildung, Kredithflfe* Kampf um die Erschließung solcher Arbeitsplätze, weiche jetzt für die Juden gesperrt sind. Den Klagen wegen des hohen jüdischen Prozentsatzes Li gewissen Berufen bt mit der Feststellung zu begegnen, daß der Andrang zu bestimmten Berufen nicht von jüdischer Seite gewollt, sondern von nichtjüdischer Seite in der Weise erzwungen wird, daß fast alle Aemter and Behörden, die öffentlichen Betriebe, große Unternehmungen der Privatwirtschaft und große gewerbliche Gruppen die Einstellung der Juden als Arbeiter und Beamte tiblehnen. Die Folgen dieses Unrechtes können nicht dadurch beseitigt werden, daß man ein neues Unrecht hinzufügt und die Juden aus den wenigen, ihnen noch offenen Berufen verdrängt 7. Errichtung und Förderung von Institutionen, weiche der jüdischen Jugenderziehung dienen. Ausbau eines jüdischen Unterrichts- und Schulwesens nach Maßgabe der bestehenden Möglichkeiten, vor allem durch die Judengemeinden und mit Hilfe der im österreichischen Gesetz vorgesehenen Förderung durch Staat und Gemeinden. Nur eine Im wahrhaft jüdischen Geiste unterrichtete Jugend kann den Lockungen fremder und Ins Extreme abirrender Gclstesrichtungen widerstehen und sich harmonisch dem fremden Volke und dem österreichischen Staate elng'iedem. 8. Teilnahme an der Errichtung des jfldlschen Nationalhclmes ln Palästina. Cb Jüdische Volkspartei anerkennt die nationale Einheit aller Juden der Welt und die Verbindung mit der historischen Heimat Palästina. Diese Anerkennung steht in keinerlei Widerspruch zur österreichischen Staatsidee und zu den österreichischen Staatsinteressen Sie berührt keineswegs die Pflichten und Rechte der Juden gegenüber Oesterreich und vermindert nicht ihr Gefühl der Anhänglichkeit an Oesterreich. Oberbaurat Robert Stricker m. p., Obmann. Dr. Oskar Grünbaum m. p., Vizeobmann. Jüdisches Handelsschiff in Southampton London, 11. Dezember. Die . englischen Blätter berichten mit viel Sympathie von dem jüdischen Handelsdampfer «Emanuei», der dieser Tage Lm Hafen von Southampton mit eher Getreideladung cingolaufen lst Seit 2QCO Jahren, sei es das erste Schiff aus Palästina, das unter jüdischer Flagge nach England kommt Der Dampfer gehört einer jüdischen Reederei, die Mannschaft besteht ausschließlich aus Juden. Der «Emanuel» führt die blau-weiße Flagge Palästinas tr.it dem Davidsstern Lm Feld. Kommandant ist Kapitän A. Grevnow. Wer will grau: zu imen und zw Leuaiieiesse nxl Td-lili? Die Ankündigung unseres Preisausschreibens in der vorwöchigen Nummer der «Stimme» hat bereits ein ganz gewaltiges Echo gefunden. Werber und Abonnenten strömen in Scharen herbei, um sich so. die Chance einer Gratisfahrt nach Palästina zu sichern. Es gibt in der Tat heute kelnschöneres Geschenk, das eine jüdische Zeitung ihren Förder ern, Lesern und Abonnenten als Chanukkah-Geschenk machen kann, als Ihnen dieMögllchkeltzuelner Reise Ins jüdische Palästina zu geben. Die Parole der „Stimme“ lautst: Auf nach Tel-Aviv! Unsere Bedingungen sind: { Jeder Abonnent der «Stimme», der das Jahresabonnement für das Jahr 1934 lm Betrage von S 16.— bis spätestens 20. Februar 1034 bar bezahlt, erwirbt das A n r e c h t, an folgendem Preisausschreiben teilzunehir.en: Die «Stimme» ist in der Lage, dank der liebenswürdigen Mitwirkung des Reisebüros Compass Tours, Wien, IX., Spitalgasse 3, folgende 2 Preise auszusetzen: 1. Preis: Für Werber, die in der Zelt vom 7. Dezember 1933 bis 15. Februar 1934 je 5 Abonnenten für die «Stimme» werben, die das Abonnement für 1 Jahr vorausbezahten: 1 Schiiiskarte HL Klasse tour und retour Triest—Palästina, Verpflegung am Schiff, einschließlich Ein- und Ausbootungsgebübr sowie Landungsspesen, überdies erwirbt der Gewinner einen Kupon, der ihm die Möglichkeit eljies unentgeltlichen 5tfigigen Aufenthaltes lm erstklassigen Hotel Palatin in Tcl-Avlv gewährt Die Rückreise kann beliebig angetreten werden. 2. Preis: Für Abonnenten der «Stimme»: Eine Schiffskarte III. Klasse tour und retour Triest—Palästina, einschließlich Ein- und Ausbootungsgebühr und Landungsspesen. A u f z a h 1 u n g für die II. Klasse Ist m ö g 11 c b. Den Gewinnern steht es frei, die Fahrt mit einer der beiden Gesellschaftsreisen des bekannten Reisebüros Compass Tours anzutreten, die von diesem Büro zu den Ost er fei erlagen, Mitte März, oder zur Levantemesse, Mitte April, veranstaltet werden. Die Abonnenten, die mit ihren Gebühren tür das Jahr 1933 im Rückstände sind, müssen, um an diesem Preisausschreiben teilnehmen zu können, den Nachweis der inzwischen erfolgten Bezahlung erbringen. ' An dem Preisausschreiben können auch Werber teilnehmen, die nicht Abonnenten der «Stimme» sind. Außerdem gelangen noch 50 Trostpreise fflr die Abonnenten in Form von Büchern bekannter Autoren zur Verteilung. / Die Auslosung der Preise findet am 26. Februar 1934 im Büro des Zionistischen Landeskomitees unter Aufsicht des öffentlichen Notars Dr. Hanns Bablik, Wien, I., Naglergasse 9, statt«