Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 309 (16.11.1933)
- Date
- 1933-11-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Heute Frauenbeilage: Seite 7 Erscheint jeden Donnerstag Redaktion und Administration: Wien, 1. Be*., Kärntnerstraß« Nr. 28, Telephon R-27-4-85 Redaktionssehluß: Dienstag abends Bezugsbedingungen: Monatl. S 1.bU. vierteljährlich 8 4.20, ganzjährig 8 16.— Für das Ausland« Deutschland vierteljährlich RM 3.—, Tschechoslowakei viertelj. Ko 24.— Jugoslawien vierteil, Dinar 40.—, Polen viertelj. Zloty 6.50, Ungarn viertelj. Pengo 4.2ü, Rumänien viertelj. Lei 120.—, übriges Aus land vierteljährlich Schweizer Franken 4.5U. Postscheck* Konti: Oesterreioh Nr. D 113.546, Polen Nr. 191.199, Tschechoslowakei Nr. büü.230, Jugoslawien Nr, 4iM/U. In Oautschland verboten Ve he 1»s Preis einer Nummer 5* ff JÜDISCHE ZEITUNG 6e Jahrgang Wien, Donnerstag916« November 1933 (37* March. $694) Nummer 109 Konferenz zwischen James.und Dr. Chaim Weizmann Genf, 13. November. Am Sonnabend, den 11. November, traf Herr James Macdonald, der vom Völkerbundsrat im Auftrag der Völkerbundversammlung in das Amt eines Hochkommissars für die deutschen Flüchtlinge berufen worden ist, in Genf ein und hatte kurz nach seiner Ankunft eine Besprechung mit dem Generalsekretär des Völkerbundes Herrn Avenol über die Organisierung des Verwaltungsrates für die deutschen Flüchtlinge. Der Verwaltungsrat dürfte wahrscheinlich schon am 25. November in Lausanne zu seiner ersten Tagung zusammentreten. Zur Vorbereitung dieser Zusammenkunft hielt James Macdonald bereits Beratungen mit mehreren diplomatischen Vertretern in Genf ab. Heute besuchten Dr. Chaim Weizmann und Nahum Goldmann als die Repräsentanten der Londoner Weltkonferenz für Hilfe an die deutschen Juden den Hochkommissar Macdonald. Bei dieser ersten Besprechung zwischen Macdonald und den jüdischen Führern wurden die Richtlinien der Zusammenarbeit des Flüchtlingskommissariats mit den jüdischen Organisationen festgelegt und die Frage der jüdischen Vertretung im Verwaltungsrat erörtert Nach der Konferenz mit Macdonald hatte Dr. Weizmann eine längere Unterredung mit dem Generalsekretär des Völkerbundes, Herrn Avenol. Araber-Propaganda in Genf Genf, 12. November. Gleich nach Ausbruch der Unruhen in Palästina haben die Araber eine ziemlich rege Propagandatätigkeit in Genf entfaltet. Außer einem Aufruf der «Syri- $ c h e n L i g a f ü ** Menschen- und B ü r g e r r e c h te» Würden-von den Arabern verschiedene Zuschriften an die Redaktionen der hiesigen Presse gerichtet, fn denen sie ihre bekannten Anklagen gegen den Zionismus und die Mandatarmacht vorbrachten. Diese arabischen Zuschriften wurden jüdischerseits im «Journal des Nations* und im «Le Moment» durch den Völkerbundkorrespondenten Dr. M. K a h a n y in Artikeln und Briefen ag die Redaktionen in entsprechender Weise widerlegt. In ihrer Propaganda schrecken die Araber selbst vor rein antisemitischer Hetze nicht zurück. So verbreitet z. B. ein Verein arabischer Studenten an der Genfer Universität einen hi KAI5ER5TR. 123 K. Alserstr. 6 S 16 - S18 - S 20. fl.' 'i «Aufruf an das Weltge wissen», in dem es u. a. heißt: «Christen! Die Juden, die, obwohl aus Deutschland verjagt, hntiier noch die Geschicke Europas in ihrer Gewalt haben* sind in dieTfeümat des Erlösers eingebrochen und besudeln das Grab’der Heiligen Jungfrau. Sie versuchen, sich ein Königreich im Heiligen Lande zu schaffen, das sie einstens erobert, aber es zu behalten nicht vermocht und nicht verdient haben.» Der Aufruf wurde in Hunderten von Exemplaren an die Presse, an internationale Institutionen und an Einzelpersonen verschickt. Bernard Deutsch, Präsident des New Yorker Stadtrates New York. Bernard S. Deutsch, der Präsident des American Jewish Cöngress, wurde bei den letzten städtischen Wahlen in New York zum Präsidenten des Stadtrates von New York City mit einer großen Mehrheit gewählt Die Kandidatur Deutschs wurde von der vereinigten republikanisch-demokratischen Partei aufgestellt, die von dem neugewählten Bürgermeister La Guardia geführt wird. Rasiere Dich gut und billig SAKS QflsterreichisGfies FahriKat Boykott-Organisation in Kanada MontreaL Der kanadisch-jüdische Kongreß, der 64 große jüdische Organisationen repräsentiert beschloß, den Boykott deutscher Waren und Dienste in Kanada zu intensivieren und setzte eine permanente Kommission zur Führung und Ueberwachung der Boykottbewegung ein. Der Kongreß beschloß, die Aktion zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina zu unterstützen. Im Kampf gegen die jüdische Not Der «jüdische Reichtum» ist eines der zahlreicheN Märchen, das die Leser antisemitischer Zeitungen und die Besucher antisemitischer Versammlungen immer und immer wieder aufgetischt bekommen. Wir wisse? leider, daß der jüdische Reichtum wirklich nur ein; Märchen ist. Ist es doch bezeichnend, daß sich unter den großen Reichen Amerikas kein einziger Jude befindet. Vanderbift, Morgan, Ford und wie sie alle heißen, sind Christen. In Europa liegen die Verhältnisse ähnlich. Der Krach der Credit-Anstalt hat auch dli Familie Rothschild ihres Nimbus entkleidet. Aber auch der jüdische Mittelstand wird täglich mehr und mehr proletarisiert. Der Begriff «Mittelstand» ist überaus verschwommen und erfährt in verschiedener Ländern verschiedene Definitionen. In England z. B. wird dem jüdischen Mittelstand beigezählt, wer 5000; Pfund in der Bank liegen und eine auskömmliche Beschäftigung hat. In Lodz wird schon ein Jude als Mittelständler betrachtet, der eine Zwei-Zimmerwohnung hat und seiner Familie täglich ein warmes Mittagessen bieten kann. Und bei uns in Wien verbirgt sooft eine ererbte Wohnung und ein noch gut erhaltener Winterrock großes Eiend mit täglichen Nahrungssorgen. Dort aber, wo der äußere Anschein nicht mehr gewahrt werden kann, offenbart sich großes Elend. Es ist bezeichnend, daß die Statistik der Wiener Kultusgemeinde nachweist, daß mehrals 60 Prozent aller jüdischen Begräbnisse in Wien Gratisbegräbnisse sind. Wer es weiß, wie groß die jüdische Pietät gegenüber den Toten ist, wird diesen hohen Prozentsatz voll würdigen. Die Wirtschaftskrise und der Arrtisemürismus werfen täglich jüdische Existenzen aufs Pflaster, Die Not wächst mit Riesenschritten. Ist es nicht entsetzlich, daß es junge jüdische Menschen im Alter von 25 und mehr Jahren gibt, denen es trotz aller Anstrengungen noch nie gelungen ist, Arbeit zu finden? , Täglich gehen Existenzen zugrunde, täglich wächa die Zahl der jüdischen Selbstmörder. Und wie oft wären Familien zu retten, stünde nur ein geringfügiger Betrag, 50 oder 100 S zur Verfügung, um einen kleinen Betrieb weiter zu führen. Wir Zionisten predigen seit Jahren, daß die Arbeit in der Kultusgemeinde nicht nur darin bestehen kann, daß für Hochzeiten, Begräbnisse und für den Gottesdienst gesorgt wird. Nach unserer Ansicht darf es kein Problem des religiösen, kulturellen und sozialen jüdischen Lebens geben, das nicht im Rahmen der jüdischen Gemeinde gelöst oder zumindest gefördert werden müßte. So haben wir es u. a. auch schmerzlich empfunden, daß es in Wien nur eine jüdische Kreditkasse gibt, der zudem nur sehr beschränkte Mittel zur Verfügung stehen. Deswegen haben wir in unser Gemeindeprogramm auch die Errichtung einer Gemilath- Ueberall erhältlich Composs Tours NEW YORK WiEN PARIS IX., Spital nasse 3 Nächste Palästinareise 19. Dezember 1933 Ansiediung von 300.000 ' in der Türkei? Paris. Die Havas-Agentur, die Polnische Telegraphen-Agentur und andere Nachrichtenzentralen verbreiten die Meldung, daß zwischen der Jewish Colonisation Association (J. C. A.) und der türkischen Regierung Verhandlungen über die Ansiedlung von mindestens 100.000, beim Gelingen des Planes sogar von 300.000 Juden auf türkischem Territorium geführt werden. Die türkische Regierung werde laut Havas Ende dieses Monats sich zu diesem Plan offiziell äußern. Das für die Siedlung ln Aussicht genommene Gebiet sei sowohl klimatisch als auch in bezug auf Bodenbeschaffenheit für Siedlungszwecke sehr geeignet. Von keiner jüdischen offiziellen Seite Hegt bis jetzt irgendeine bestimmte Aeußerung über einen solchen Siedlungsplan vor. ~ „Three Stars“ Kohle• Kok*■Anthrazit Auskünfte und Anmeldungen: Wien, IX., Spitalgasse 3 'lelcphon ß 4^-d-dä HÖCHSTER OIIAMTOTEN Basch» IV« Araenliniersfr. 22« Tel« Serie U 47-5-40 ^10995 3825