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Die Stimme · 1933-08-29 · Heft 297 (29.8.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 297 (29.8.1933)
Date
1933-08-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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2. Kongreßnummer V. b. b. BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oe«lerreich monatlich S I 50, viertelilhri. S 4 20, garu iihrl. . . . S 16'— Deutachld. viertel jihrl.. . . RM V~ Tachechoaloivakei viertefj. . Kc 24 — fuaoelawten viertel jihrl. . Din 40 - Po'en vierteljihr lieb . . Zloty 6 50 Ungarn vierteljihr lieh . . Pengö 4 20 Ruminten viertel jihrl.. . I.ei 120 — Uehrigee Ausland vierteljihrl. Schw. Franken 4 50 Jfi disdke Zeitung Preis 35 g Erteil eint jeden Donnerstag Redaktion tmd Administration Wien, U Klrntnerstrafte 28 Tel R-27 4-85 Postsparkassen* konti: Oesterr. D 113546 Polen . . 191.199 lachecho* Slowakei 500.230 Jugoslawien 40.879 6» Jahrgang Wien, Dienstag, 29. August 1933 (2. Eiul 5693) Nummer 297 Die Deotschlandresolutionen des Zionistenkongresses In der Nachtsitzung auf den 25. August wurden dem Kongreß die Deutschlandresolutionen vorgeiegt. Die Kongreßmehrheit brachte eine Resolution ein, auf die sich alle Parteien bis auf die Revisionisten beider Gruppen festgeiegt hatten. Präsident M o t z k i n erklärte, daß die Resolution der Mehrheit die Frucht langer Arbeit der Deutschlandkommission sei. Die Revisionisten brachten eine Entschließung ein, in der sie forderten, daß dem Vernichtungsfeldzug ein gerechter Abwehrkampf entgegengesetzt werde. Die spontane Entscheidung der jüdischen Massen, ihre Kaufkraft und ihren wirtschaftlichen Einfluß als Faktor des Welthandels ausschließlich zugunsten der Produktion jener Staaten einzusetzen, die das Prinzip der unbedingten Gleichberechtigung ihrer jüdischen Bürger grundsätzlich anerkennen, sei zu begrüßen und es sei zu beschließen, daß die zionistische Bewegung jeden ernsten Versuch, diese Schutzaktion zu organisieren, unterstützen werde. Es; wird ferner ein mit allen Reefen der Eigenstaatlichkeit äüggestattetes Gemeinwesen die freie Einwanderung n a c h P a 1 ä s t i n a fordern. Der Sprecher der Revisionisten Dr. Hof mann stellte den Antrag, die Debatte über diesen Punkt zu eröffnen. Auch die demokratischen Revisionisten brachten eine Resolution ein. Dr. Nahum Gold mann erklärte dagegen, es entspreche der Würde des Kongresses, spontan und ohne Debatte die Resolution an zu nehmen. In der hierauf erfolgten Abstimmung wurde der Antrag der Revisionisten auf Abhaltung einer Debatte mit allen Stimmen der Kongreßmehrheit gegen die Stimmen der Revisionisten und eines Teiles des Misrachi abgelehnt. Hierauf brachte Präsident Motzkin die Deutschlandresolution nochmals zur Verlesung. Bei der sodann vörgenommenen Abstimmung wurde die Resolution mit allen Stimmen der Kongreßdelegierten, bei Stimmenthaltung der Revisionisten, mit Beifall angenommen. Als nach beendeter Abstimmung, der das Referat Ussischkins folgte, der Führer der Revisionisten V. Jabotin sky den Kongreßsaal verließ, bildeten seine Anhänger Spalier. Dabei kam es in dem von vielen anderen Kongreßteilnehmern erfüllten Vorraum zu einem Gedränge und zu Reibereien zwischen einzelnen Kongreßgästen. Die Ruhe war bald wieder bergestellt. Die Sitzung des Kongresses wurde durch den Zwischenfall. nicht gestört. Der Wortlaut der Resolution: Oer XVIIL Zionistenkongreß, versammelt ln Prag, erachtet es als seine Pflicht, in seiner ersten Willenskundgebung seine Stimme zu erheben und seiner Erschütterung über das tragische Schicksal der deutschen Juden und seiner Entrüstung über ihre Entrechtung und Entehrung Ausdruck zu geben. Nach einem Jahrhundert der Emanzipation der Juden und der Anerkennung der Gleichberechtigung eines jeden VoUus und Individuums im Rahmen des Staates ist es Im gegenwärtigen Deutschland soweit gekommen, daß eine halbe Million Juden Ihrer elementarsten Menschenrechte beraubt, daß durch die offizielle Sanktionierung von Rassenvorurteilen die Würde und die Ehre des jüdischen Volkes beleidigt werden und daß eine Politik und Gesetzgebung statuiert werde, deren Grundprinzipien die Existenzgrundlagen des jüdischen Volkes vernichten müßten. Der Zionistenkongreß, eingedenk der Prinzipien der Freiheit und Gleichberechtigung aller Völker, Rassen, Religionen, Weltanschauungen und Individuen und der Postulate menschlicher Gerechtigkeit, die von jeher die sittliche Grundlage der zionistischen Idee gebildet haben; getragen ns jenem Seibstbewußtsein und StotegefüM, aus dem die I nationale Renaissancebewegung des jüdischen Volkes ent- 1 standen ist, frei vom Gefühl der Feindseligkeit gegen das deutsche Volk, aber durchdrungen von der Verpflichtung zur Wahrung der Rechte des jüdischen Volkes in der Welt, erhebt feierlichen Protest gegen das ungeheuerliche Unrecht, das den deutschen Juden angetan worden ist, gegen die systematische Politik ihrer staatsbürgerlichen, ökonomischen und sozialen Entrechtung, gegen ihre gesellschaftliche und menschliche Diffamierang und gegen die Behinderung ihrer religiösen Lebensformen durch das Verbot der Schechita. Die mit allen Machtmitteln des Staates durchgeführte Entrechtung der Juden Deutschlands, in diesem Maße einzigartig und unvorhersehbar im zwanzigsten Jahrhundert, stellen eine neue furchtbare Erscheinungsform der Jahrhunderte alten Judenfrage dar, wie sie der große Schöpfer des Zionismus, Theodor Herzl, aufgezeigt hat, und deren Lösung Ziel und Inhalt der zionistischen Bewegung ist Die Ueberzeugung von der Wahrheit der zionistischen Lösung der Judenfrage und der Kampf der Zionisten für die Verwirklichung des zionistischen Ideals kann jedoch niemals mit der .Bereitschaft verknüpft sein zu irgendwelchem Verzicht auf die volle Gleichberechtigung und -die Sicherung der Lebensrechte der jüdischen Gemeinschaften in den verschiedenen Ländern. Daher hält es der XVIIL Kongreß als seine Pflicht, zu erklären, daß die Zionisten der ganzen Welt nicht ruhen werden, bis die Entrechtung und Entwürdigung der Juden Deutschlands ein Ende nehmen wird. Abgesehen davon, daß die Geschehnisse in Deutschland einen der wertvollsten Bestandteile des jüdischen Volkes, und der ziviliserten Menschheit in seiner Existenzmöglichkeit zu vernichten drohen, bedeutet die Erschütterung der Daseins-Möglichkeiten der jüdischen Gemeinschaft eines Landes die Gefährdung der Existenz aller anderen jüdischen Gemeinschaften der Welt Es Ist daher die selbstverständlichsten Pflicht der Selbsterhaltung des jüdischen Volkes, den Kampf gegen die Entrechtung der deutschen Judenheit als die gemeinsame Sache des gesamten Volkes zu führen. Aus dieser Erkenntnis heraus hält es der XVIII. Zionistenkongreß für notwendig, neben dem Protest gegen die Geschehnisse folgende Forderungen zu erheben: 1. Der Kongreß erachtet es als Pflicht der gesamten zivilisierten Welt, vor allem auch des Völkerbundes, dem Jüdischen Volk in seinem Kampf um die Wiedererlangung um die Rechte der Juden in Deutschland zu helfen. Der Kongreß erwartet von den Völkern und Regierungen, daß sie alle Maßnahmen ergreifen werden, um den Juden Deutschlands die Einwanderung und die Schaffung von Existenzmöglichkeiten zu erleichtern. 2. Der Kongreß erachtet es als die Pflicht der Mandatarmacht, die Tore Palästinas für die größtmöglichste Einwanderung deutscher Juden zu öffnen, ihre Ansiedlung zu erleichtern und alles zu tun, damit das jüdische Nationalheim, dessen Errichtung der Hauptinhalt des Mandats ist, im schnellsten Tempo und im größten Umfang aufgebaut wird, um LIDO-UEIIEDIG TEL-AVIV DI&77AI P ACH&n.HA&M. PIAZZALE M. EL1SABETTA 20 HOTEL ACHAD-HAAM- STRASSE 52 Kl RS CH BAUM GUTBÜRGERLICHE FAMILIEN PENSION MIT DIREKTER SICHT NACH VENEDIG AM STRANDE EIGENE BADEHÜTTEN «• „TALPIOTH DAS NEUERÖFFNETE, EUROPÄISCH GE¬ FÜHRTE HAUS MIT ALLEN BEQUEMLICH¬ KEITEN. IN RUHIGER LAGE IM ZENTRUM DER STADT GELEGEN GUT UND MODERN EINGERICH- TETE ZIMMER MIT FLIESSENDEM ._ WASSER / GROSSER, SCHATTIGER - - ■ GARTEN MIT LIEGESTÜHLEN / n 1 ‘ WIENER KÜCHE / AUFMERKSAME “ BEDIENUNG LEITUNG: DAVID KIRSCHBAUM I ^TiRSChWuM " DienäcttsteNunmerder^Stimme“ erscheint Freitag, den 1. Sevtember 1933. so eine unerschütterliche Existenzgrundlage für das jüdische Volk zu schaffen, dessen Dasein seit Jahrhunderten irich' so gefährdet war wie heute. 3. Der Kong» eß appelliert an die Oeffenttichkeit der Welt, an alle Staaten, die ihre Solidarität mit dem jf'imlt des Palästifiamai.dats bekundet haben, und a*i den Völkerbund, der seine Durchfütirung zu überwachen hat, dem jüdischen Volke durch aktive Hilfe, vor allem in Form intemau>maler, politischer und finanzieller Kooperation in seinen Bemühungen um den Aufbau des Nationalheims beizustehen. Im Hinblick auf die Katastrophe, die die Juden in Deutschland getroffen hat, hält es der XVIIL Zionistenkongreß für seine Pflicht, ein Wort der Mahnung und des Rufes an das jüdische Volk in seiner Gesamtheit zu richten. Noch niemals in; der Geschichte des Zionismus hat sich die volle Richtigkeit der zionistischen Analyse der jüdis^en Gesamtsituation und die Berechtigung der; zionistischen Lösung der Jugenfrage ln solch tragischer und überzeugender Weise manifestiert. Die Geschehnisse in Deutschland besiegeln den endgültigen Zusammenbruch all jener Illusionen, die in der bürgerlichen Emanzipation allein oder gar in der gewollten Assimilation eine Lösung der Judenfrage «fbllckt haben, den Zusammenbruch aller Versuche, die Solidarität und das gemeinsame Schicksal des jüdischen Volkes zu leugnen. Die Katastrophe in Deutschland hat bewiesen, daß der Zionismus und das jüdische Natlonatheim in Palästina die einzige Lösung der judenfrage ist Das zionistische Ideal in allen seinen Auswirkungen gibt der jüdischen Gemeinschaft und jedem ihrer Mitglieder die innere Kraft und Fähigkeit, allen Angriffen auf ihre Ehre und Existenz Widerstand zu leisten. Kein anderes Land der Welt bietet heute auch nur in annähernd gleichem Maße Zuflucht und Existenzmöglichkeit für die Zehntausende verdrängter und entwurzelter deutscher Juden. In der Tragödie des deutschen Judentums gibt es nur einen Lichtblick: Erez Israel. Daher fordert der XVIIL Zionistenkongreß das jüdische Volk auf, über alle Parteigegensätze hinweg das Bewußtsein des. gemeinsamen historischen Schicksals In sich neu zu erwecken und alle seine Energie, seine Fähigkeit, seine Mittel in den Dienst zur Verwirklichung des zionistischen Endziels zu stellen. Der schnellste Aufbau des Nationalheims ist die entscheidende Aufgabe dieser Generation. Vereint mit unserem Protest gegen das unsagbare Unrecht, das den Juden Deutschlands angetan wird, vereint mit unserem Gelöbnis, nicht zu ruhen, dieses Unrecht wieder gutgemacht ist, wird der entschlossene Wille des jüdischen Volkes zum Aufbau seines nationalen Helms und eine entscheidende Leistung als Bekundung dieses Willens den stärksten Beweis unserer nationalen Solidarität mit den Juden Deutschlands darstellen. Weizmann boykottiert den Kongreß Dr. Chaim Weizmann, der sich in der Tschechoslowakei aufhielt, ist nach Zürich abgereist, ohne auf dem Kongr’eß erschienen zu sein. Es heißt, daß Weizmann im Verlauf von Verhandlungen, die mit ihm geführt wurden, erklärt nabe, er werde nicht zum Kongreß kommen, wenn nicht die Revisionisten aus der Zionistischen Organisation ausgeschlossen würden. Auf eine telephonische Anfrage der Jüdischen Telegraphenagentur erklärte Dr. Weizmann, er bestätige weder diese Nachrichten, noch dementiere er sie. Man könne ihn nicht für jedes in Umlauf befindliche Gerücht verantwortlich machen. Er habe seinen Standpunkt der Exekutive deutlich mitgeteiit und beabsichtige'n i c h t, ihn zu ändern.

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