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Die Stimme · 1933-08-24 · Heft 296 (24.8.1933) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 296 (24.8.1933)
Date
1933-08-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIB STIMME Nf. 296 — 24. August 1933 Regelung der jüdischen Beteiligung an Öffentlichen Arbeiten in Palflstlna Jerusalem, Das Departement für öffentliche Arbeiten bei der Palästina-Regierung hat seine Unterabteilungen bei den einzelnen Distrikten angewiesen, von nun an bei allen durch Regierungsstellen zu vergebenden Öffentlichen Arbeiten jüdische Arbeiter in einem Ausmaße zu beschäftigen, daß ein Drittel der für Löhne bestimmten Gelder an jüdische Arbeiter zur Auszahlung gelangt. Die nunmehr offiziell festgesetzten Richtlinien für die Heranziehung jüdischer Arbeit zur Ausführung öffentlicher Arbeiten wurden bereits vor einem Jahre angekündigt. Im Juli 1932 machte die Regierung dem Stadtrat von Haifa den Vorschlag, er solle ein Drittel des für öffentliche Arbeiten vorgesehenen Budgets für jüdische Arbeit reservieren. Als der Vizebürgermeister von Haifa, Ibrahim Effendi Sahyonu, fragte, warum die Regierung nicht in ihrem Departement für öffentliche Arbeiten denselben Grundsatz befolge, erklärte der mit den Verhandlungen betraute stellvertretende Distriktskommissar Food, diese Weisungen entsprächen der von der Regierung für das gesamte Land festgelegten Politik. Es sei nicht seine Aufgabe, die Gründe darzulegen, die die Regierung zur Ausgabe ihrer Weisungen an den Stadtrat bewogen hätten, sondern bloß klarzumachen, daß die Regierung auf ihrem Standpunkt beharren werde. Auf dem einige Wochen später abgehaltenen Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erörterte Professor Selig Brodetsky die Frage der Beteiligung jüdischer Arbeiter an der Ausführung öffentlicher Arbeiten in Palästina. Professor Brodetsky erklärte damals, man müsse mit den herrschenden Zuständen, insbesondere im Hinblick auf die Nichterfüllung der im MacDonald-Brief diesbezüglich gemachten Zusagen sehr unzufrieden sein. Man müsse gegen die unverständliche Verzögerung der Verwirklichung dieses Versprechens weiterhin protestieren; allerdings seien in den letzten Monaten Ansätze für eine Wendung zum Beseren festzustellen gewesen, und man dürfe auf eine weitere günstige Entwicklung hoffen. Jeixi oder nie Die Pflichten der Juden gegenüber dem Zionismus Von Lord Melchett Gibt man sich genügend Rechenschaft darüber, daß der Zionismus die «geistige Front» des modernen Judentums ist? Oft diskutieren die Leute über den Wert dieser Feststellung. Aber wenn man dies tut, so negiert man eigentlich die Tatsache, daß es im Grunde im Geist des Zionismus viel Tieferes gibt. * Entweder bedeutet die Rückkehr Israels ht seine eigene Heimat, selbst in geringerer Zahl, das größte Ereignis für das augenblickliche jüdische Leben oder es hat gar keine Bedeutung und es ist nicht wert, daß man sich damit beschäftigt. Es gibt da kein zweierlei Maß. Wenn die Rückkehr des Volkes der Bibel ins Heilige Land keine außergewöhnliche Angelegenheit, kein Ereignis von Weltbedeutung ist, dann ist sie eben nur eine fixe Idee einiger nationalistischer Eigenbrötler. Ich habe nichts dagegen, wenn manche Menschen diese Ueberzeugung haben, aber jenen, die an den Zionismus glauben, denen muß ich schon sagen: «Laßt uns nicht vergessen, daß Palästina ebenso unsere nationale Front bedeutet wie unsere Mühen, und daß die Werbung um das Land nationale und persönliche Gefahren in sich birgt, wie an den Fronten der Länder, die in den furchtbaren Krieg verwickelt waren. Wollen wir uns doch vorstellen, welche Folgen der Umstand mit sich bringen würde, wenn wir von der augenblicklichen «Chance», in unser Land zurückzukehren, nicht Nutzen ziehen würden. Jahrhundertelang würde sich vielleicht diese Gelegenheit nicht wieder breten. Erinnern wir uns doch der ersten Anstrengungen, der unzähligen Schwierigkeiten, die sich unseren ersten Pionieren der zionistischen Idee in den eWg stellten. Man mußte nicht nur die Völker der Welt von dieser Idee überzeugen, man mußte vor allem das Judentum aus seiner Lethargie erwecken, aus einem Zustand eines auf den Juden seit Jahrhunderten lastenden Druckes und der Bedrückung. Schon glaubte man, daß man das jüdische Volk nicht mehr werde aufrichten können, daß wir endgültig geschlagen seien, daß wir zu lange Zeit von eigenem Boden entfernt gewesen, zerstreut auf der ganzen Welt, unfähig, uns zu wehren, und daß uns nichts mehr als die Assimilation übrig bliebe, Aufgehen unter den anderen Völkern, ärger als Assimilation: daß wir als kleine, abgesonderte Gemeinden ein Leben im Schatten zu führen bestimmt seien. Sollen wir fernerhin unsere Abstammung und Tradition verleugnen und nicht frei und stolz der Welt gegenüberstehen; sollen wir die natürlichen Eigenschaften der anderen Völker und Gesellschaften der Menschen ablehnen, die ihnen ihre Stellung und ihre geistige und kulturelle Entwicklung gesichert hat? Es liegt an uns, eine klare Antwort auf diese Fragen zu geben. Wenn unser Werk in Palästina mißlingt, dieser Verzicht könnte nicht einmal in allen Ländern der Welt verstanden werden. Nach den heroischen Anstrengungen und bisherigen Erfolgen müßten wir es nicht einmal begreifen können. In den letzten zehn Jahren haben wir mehr als 100.000 jüdische Menschen hinübergebracht, wir haben diesen Aufschwung und den allgemeinen Fortschritt ins Leben gerufen, die sich nach aufwärts entwickeln und all das, trotz der auf der ganzen Welt herrschenden Wirtschaftskrise. Diejenigen, die die Dinge kennen, bewundern unser Werk und sind erstaunt über unsere Erfolge. Aber es handelt sich ja nicht ausschließlich um materielle Fortschritte. Wir haben im Lande eine seinesgleichen suchende moralisch und geistig hochstehende Gesellschaft geschaffen. Das Leben in Palästina wickelt sich auf einem fast nirgends wiederzufindenden hohen Niveau ab. Daran sind der unglaubliche Opfermut, die hohe Auffassung der Lebensbedingungen und die Zusammenfassung der hauptsächlichsten Elemente des menschlichen Geistes beteiligt. Das, was dieses kleinste Volk in Palästina geleistet hat, das zwingt die anderen, keine Mühe zu scheuen, kernen Moment zu zögern an der Mitarbeit, bis jener Erfolg erzielt wird, den diese einzigartigen Menschen dort verdienen. Darf man sich darüber wundern, daß die erste Flamme der Begeisterung, die durch die Balfour-Deklaration entstanden ist, nach all dem, was nachher geschehen ist, zeitweise verlöscht ist, und darf man entmutigt sein, wenn es Konflikte zwischen Juden und Arabern gibt? Wer konnte vermeinen, daß die Wiederaufrichtung der jüdischen Heimstätte eine leichte Arbeit sein wird? Diese Arbeit ist schwer, sie ist Zufällen und Gefahren ausgesetzt, und es ist gut so. Das jüdische Volk, mehr als andere Völker, weiß, was geistige Besitztümer wert sind und was sie kosten. Das jüdische Volk kennt die Bedeutung und den Wert auch der moralischen und materiellen Güter, die wert sind, daß man Zur Verlobung Aron Kanner (Wien) mit Fräulein Berti Blumner (K,afcau) gratuliert herzlühst Di. Isak Teich Bewährte Pädagogin aus Palästina die gegenwärtig hier weilt, erteilt hebräischen Unterricht. Adresse: II., Hollandstraße 2, Hl/41. phnmhmmhhhmpmmmmmhhhhmhbmmmi sie besitzt. Das im Lande ansässig gewesene Volk hat versucht, durch politische Agenten aufgehetzt, uns mit Gewalt aus dem Lande zu jagen. Und nachher? Das mußte so kommen. Diese Ereignisse machen mit dem Sinn der Wiederkehr jüdischen Lebens ht Palästina aus. Die Juden Palästinas sind in Gefahr, Männer, Frauen und Kinder, alle sind gemeinsam an der Kampffront. Da« ist die Lage. Sie ist ganz klar. Es gibt einen Kampf. Aber wie kann man ihn gewinnen? Durch verdoppelte Anstrengungen und durch jüdische Einwanderung nach Palästina. Wenn die Zahl der im Lande ansässigen Juden eine bestimmte Höhe erreicht haben wird, dann wird die Aufgabe der Mandatarmacht eine sehr einfache sein. Zweifellos werden dann auch freundschaftliche Beziehungen zwischen Arabern und Juden entstehen, wenn sie nicht durch umstürzierische politische Einflüsse gestört werden. Die Immigration ist eine Geldfrage. Es fehlt nicht an Freiwilligen. Es fehlt auch nicht an der Organisation, die schon so viele Beweise für ihre Schlagkraft erbracht hat. Das Land ist bereit, alles ist bereit: nur eine Sache fehlt: das ist das Geld! Unter diesen Umständen und vor einer solchen Verantwortung haben wir da noch das Recht zu überlegen, daß die materiellen Güter eines jeden einzelnen diesem Werke gehören, solange diese vitale Frage der Einwanderung nicht gelöst ist. Wir müssen geben, immer geben, nicht nur, wenn es uns beim ersten Blick möglich erscheint, sondern geben, bis die Schlacht gewonnen ist. Unter allen Umständen muß die nationale Front gehalten werden. Niemals dürfen wir die Menschen an der Front im Stiche lassen aus Mangel an Geldmitteln, solange wir nur einen Penny in der Tasche haben. Unsere Energie, unser Reichtum, unsere Entschiedenheit, unsere Seele, deren Grenzen unbeschränkt sind, müssen hinter dieser einzigartigen Bewegung stehen. Ist denn Palästina nur eine Rechtsfrage zwischen den Arabern und den erwandernden Juden? Nein. Es ist eine Weltfrage. Sie ist eng verknüpft mit den zweitausendjährigen Verfolgungen der Juden auf der ganzen Welt. Während des Krieges, als das moralische Gefühl der Völker zu jenem Höhepunkt gestiegen war, der der Ausgangspunkt der Balfour-Deklaration wurde, hat man es für richtig gehalten, daß diesem jüdischen Volk auch ein Stückchen Erde, genannt Palästina, zum Leben gegeben wird Es war ein armseliges Stück Erde, seit langer Zeit unfruchtbar, versandet, ohne Schätze des Bodens, ohne Kohle und Mineralien. Welcher Schaden sollte anderen aus dem Besitz dieses Bodens erwachsen? Ein jüdisches Palästina kann kein Element de$ Kampfes, sondern nur des Friedens sein. Aber die Juden haben das Recht, Sicherheiten gegen Angriffe aus ihr National Home zu fordern: ein moralisches und historisches Recht wie die Belgier auf ihr Belgien Ganz England bat sich wegen der Unverletzbarkeit dieses Belgiens in den furchtbaren Krieg gestürzt. Der Zionismus bedeutet für die Welt eine zumindest ebenso schwerwiegende Frage wie der Schutz des angegriffenen Belgien. Vor allem aber müssen die Juden der ganzen Welt erkennen, daß diese einmal gegebene Chance nicht unbenutzt vorübergeht, der Stolz und die Bedachtnahme auf die Geschichte müssen Ansporn zum Gelingen sein. Welcher Jude hätte den Mut zu sagen: «Ich glaube nicht, ich will nicht mittun an den Arbeiten für den Aufbau des Nationalen Heims, auch dann nicht, wenn es die letzte Gelegenheit bedeutet?» Siegen oder untergehen, das ist die Frage. Der Sieg ist sicher, wenn alle jüdischen Menschen der Welt es mit dem Aufgebot ihrer Kräfte wollen. Jetzt gelten keine Einwände und keine egoistischen Vorbehalte vor dieser großen Aufgabe: das Grundprinzip der jüdischen Rasse ist das Opfer. Jetzt ist die Stunde, diesem großen jüdischen Ideal Treue zu bezeugen. Frühe jüdische und christliche Kunst Wie der «Wiener Tag» berichtet, erstattete kürzlich im Rahmen der Henriette Hertz-Foundation Prof. Rostowtzeff, korrespondierendes Mitglied, den jährlichen Kunstbericht der britischen Akademie. Das Thema lautete: «Frühe christliche und jüdische Kunst in Mesopotamien: die jüngsten Entdeckungen in Bura-Europos.» Prof. Rostowtzeff beschrieb die großartigen biblischen Malereien, die in einer Synagoge und in einer christlichen Kapelle unter den Ruinen der Stadt Dura entdeckt wurden. Dura lag am rechten Ufer des Mittellaufes des Euphrates, auf dem halben Weg zwischen Antiochia und Seleukia. In den letzten zwei Jahren wurden eine christliche Kapelle und eine jüdische Synagoge ausgegraben, beide mit prächtigen Malereien in gutem Erhaltungszustand. Die Synagoge war nach einem ganz ungewöhnlichen Grundriß gebaut, ähnlich dem der Synagogen in Delos, Priene und Tunis, und gänzlich verschieden von dem der späteren Synagogen in Galiläa. Biblische Fresken schmückten die Wände und die flache Decke bestand aus wundervoll bemalten Ziegeln, die mythische Gestalten zeigen, Tierkreiszeichen, Vögel und Früchte. Zwei dieser Ziegel haben aramäische Inschriften, einer eine griechische, aus denen hervorgeht, daß das Gebäude von einem Juden namens Samuel im Jahre 245 n. Chr. erbaut wurde, bloß wenige Jahre bevor es zerstört wurde. Die Malereien der Hauptwand sind in drei Reihen geteilt, von denen die oberste die Jakobsleiter zeigte, einen Moses-Zyklus und einen Zyklus der Könige; die zweite Reihe den Zyklus der Bundeslade und den Zyklus der Wüstenwanderung; die unterste schließlich auf einer Seite das Leben des Elias, auf der anderen das des Ezechiel. Der Moses-Zyklus zeigte in einem erzählenden Stil mit aramäischen Inschriften als eine Art Biblia pauperum, den Exodus und die ägyptischen Plagen, den Durchzug durch das Rote Meer (merkwürdigerweise ohne Wagen) und die Volkszählung. Der Zyklus der Bundesiade zeigte ihre Er/ oberung und die Zerstörung de6 Tempels des Aschdad. Aehnliche biblische Sujets waren in den anderen Zyklen dargestellt. Bemerkenswert ist, daß der jerusalemitische Tempel als ein Gebäude in hellenistischem Stil dargestellt ist. Das mag einiges Licht auf den Ursprung dieser Fresken werfen. Dennoch bleibt es ein Rätsel, welch’ eine Art von Kunst das war, und in welcher Weise sie auf dem biblischen Judentum und der rabbinischen Tradition fußte. Worauf gingen die ersten Illustrationen der Bibel zurück, und wie waren sie mit der christlichen Kunst des 4. und 5. Jahrhunderts durch die Bilder von Dura verknüpft, wie auch mit den späteren Produkten ohristlicher Kunst in Manuskripten und anderenorts? Hier muß man zweifellos anknüpfen, um auf den Beginn der künstlerischen Darstellung des alten Testaments in der christlichen Kunst zurückzugehen. Die christliche Kapelle war an ein Privathaus, wahrscheinlich das eines Bischofs, angebaut. Die Decke war mit Sternen geschmückt, die Wände hielten eine griechische Ineoimft, die den Namen des Stifters, Proklus, enthielt und eine Anzahl von Szenen aus der Biblischen Geschichte, darunter Bilder von Adam und Eva und von David und Goliath aus dem Alten Testament, aus dem Neuen Testament Szenen vom Outen Hirten und seiner Herde und einen Wunderzyklus, darunter die früheste Darstellung Christi, wie er einen Kranken heilt. Ein Bild aus diesem Wunderzyklus zeigt Petrus, wie er über das Wasser schreitet und bringt damit das früheste Bild vom heiligen Petrus auf die Nachwelt. Die verschiedenen Zyklen gipfeln in einer Darstellung des Heiligen Grabes, das die drei Marien mit Fackeln und Myrrhen besuchen. Diese Fresken werfen sowohl für die Religionsgeschichte wie für die Kunst- und Kulturgeschichte eine Reihe neuer Probleme auf. Heute läßt es sich noch nicht feststellen, ob sie auf mesopotamische, palästinensische oder syrische Vorbilder zurückgehen. Die Funde von Dura werden noch Generationen von Gelehrten Arbeitestof? geben. NUR KARLSBADER WASSERZWIEBACK MARKE SPRUOELGOLD VON UHL-BREUNIG

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