Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 293 (3.8.1833)
- Date
- 1833-08-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 9 DIE STIMME Ht. 293 — 3. Ä'ugutf 1933 We\de*ides S\4&-J4\aa£ vUiwäcÄeiit&cfa P6£ä3t(HA-&Mit60l de\ „JiOitMe" Jleue Industrieanlagen in Palästina fn den letzten Monaten tvurden in Palästina die folgenden neuen Unternehmungen ins Leben gerufen: 1. Farben: Zwei Farben«, Lack- und Firnisfabriken, die eine in der Nähe von Rechüboth, die andere bei Haifa, sollen in nächster Zeit errichtet werden. Die Kapitalsinvestition der einen Firma wird autf 6000 Pfund Sterling geschätzt. 2. Chemische Reinigung: Die erste modern eingerichtete chemische Reinigungsfabrik in Tel-Awiw, «Alpha*, hat einen großen Teil der 60 kleinen Reinigungsanstalten in Tel.Awiw aufgesogen. Diese fungAeren jetzt als die Filialen der «Alpha» zur Annahme und Auslieferung der Kleidungsstücke. Die Reinigung selbst wird mit modernen Maschinen und mit Assurdinstoff chemisch in einem großen Kessel durchgeführt. Die Preise, die «Alpha» fordert, sind doppelt so hoch wie die, die bisher verlangt wurden. Der Unterschied liegt in der Qualität der Bearbeitung. «Alpha» bedient Tel- Awiw und Jerusalem durch Autodiijnst. Haifa ist etwas zu weit entfernt und kann vielleicht einve Möglichkeit für dieses Gebiet geben. Als hindernd müßte die geringe Bevölkerungszahl betrachtet werden. 3. W ä s c h e f a b r i k a t i o n: Die bisherigen Wäschefabrik-Werkstätten hatten sich hauptsächlich auf Herrenwäsche spezialisiert. Neuerdings wurden einige moderne Werkstätten, die auch Bett, und Damenwäsche herstellen, gegründet. 4. Schokolade: In RamatiirGan wird eine große Schokoladenfabrik von einer Rigaer Firma errichtet. 5. Elektrische Batterien: Es wurde eine Fabrik für elektrische Batterien gegründet, di<» 10 Arbeiter beschäftigen soll. Diese Werkstätte wird den gesamten Bedarf Palästinas und Syriens decken können. 6. Glasfabrik. Eine große Gtetvhütte in Polen gründet eine Glasfabrik in Palästina. Die Amlysen des Sandes an zwei Stellen Palästinas haben äußerst günstige Resultate ergeben. Vorläufig werden hauptsächlich Fensterglas und Flaschen produziert werden. Der Absatz, wird sich außer auf Palästina und Syrien auch auf andere l.änder erstrecken. Der Hafen Haifa ab 1. August benutzbar Die Bau- und Baggerarbeiten in.i Hafen von Haifa •sind nunmehr so weit fortgeschritten, daß das Hafenbecken vom 1. August an von Schiffen mit einer Wasserverdrängung bis zu 18.000 Tonnen benutzt werden kann. Die neuen großen Zoll- und Lagerhäuser sind bereits teilweise in Betrieb genommeo -worden. Am Kai kann allerdings zunächst immer nur eirt Schiff anlegen, von Ende August an können gleichwertig vier Schiffe dort festmachen. Die feierliche Eröffnung des Hafens durch den britischen Oberkommissär des Mandatsgebietes Palästina wird, wie schon mitgeteilt, entweder a-.pi 31. Oktober oder am 1. November dieses Jahres stattfinden. Man erwartet, daß der Prinz von Wales dun Eröffnungsfeierlichkeiten beiwohnen wird. Die Wasserversorgung Palästinas Die Palästina-Regierung teilt soeben mit, daß die neue Wasserversorgung Jerusalems sofort in Angriff genommen wird. Die Ausgaben werden zunächst aus den Ueberschüssen des palästinensischen Staatsschatzes gedeckt werden, später sollen Mittel der geplanten Palästina-Anleihe hierfür herangezogen werdien. Die ausreichende Wasserversorgung Jerusalems isi\ seit langer Zeit eines der dringendsten Bedürfnisse für die Entwicklung der palästinensischen Hauptstadt. Es isA zu hoffen, daß sie jetzt endlich mit Energie zu Ende ge führt wird. Notstandsarbeiten der Palästina- Regierung Jerusalem. Im Hinblick auf die Notlage der iijmsh Mißernten betroffenen arabischen Bauern Nordpalästivias hat die Regierung beschlossen, große Notstandsarbeiten, ‘hauptsächlich Straßenbau, durchzuführen. 17 arabische Dörfer sollen von der Entrichtung des Zehents befreit werden. Ein Vortrag über Palästina! Nach seiner Rückkehr aus Palästina hielt Gg. Dr. M. P a i s in der Zionistischen Bezirkssektion II einen instruktiven Vortrag über den Aufbau des Landes unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse In den Städten und Kolonien und führte unter anderem an: Tatsache ist. daß in der Landwirtschaft eine Ueberfüllung nicht zu befürchten ist, Landwirte können ins i Land gehen, denn für Obst- und Gemüsebau, Gefiügel- und Milchwirtschaft, sowie für Konservierungsarbeiten vieler lan siwirtschaftlicher Produkte sind Möglichkeiten in Hülle und Fülle vorhanden. Gelernte und auch ungelernte Arbeiter sowie Handw erker aller Art finden entsprechende Betätigung ohne jede .Konkurrenz- Für Kaufleute gibt es unter der Voraussetzung" -der Orientiertheit über den Inlandsmarkt und der Verfügbai £reit über Kapital entsprechende Verdienstmöglichkeit. Aber auch die Erzeugung und die Kleinindustrie h jben bei fachmännischem und kaufmännischem Weitblick eine i virtschaftiich fundierte Zukunft. 7. Fabrik für Kacheln und Keramik: In der Nähe von Haifa wird eine Fabrik fiir Kacheln, Keramik und sanitär? keramische Waren gegründet. Die Fabrik wird vorerst Kacheln und keramische Artikel produzieren. Später wird die Produktion von sanitären keramischen Artikeln in Angriff genommen werden. Der Gesamtbedarf an Kacheln und keramischen Produkten stellte sich in Palästina im Jahre 1932 auf 70.000 paläst. Pfund. Der größte Teil der Rohmaterialien wird auf Grund von Untersuchungen des Chemischen Laboratoriums der Universität Jerusalem im Lande gefunden. 8. Dampf Wäscherei: ln Ramath.Gan, der neuen Industrievorstadt TeLAwiws, wurde der Bau einer großen Dampfwäscherei begonnen. Bis zum Jahre 1933 existierte in Palästina nur eine kleine Dampfwäscherei in Tel-Awiw. Im Jahre 1933 wurde eine zweite Dampfwäscherei, ebenfalls in Tel-Awiw, gegründet. Diese Wäschereien beginnen jetzt auch für den privaten Markt zu arbeiten, nachdem sie sich bisher hauptsächlich auf die vielen Hotels als Lieferanten gestützt hatten. Die Wäschereien besitzen eigene Autos, mit denen sie auch die Kolonien, Jerusalem und Haifa bedienen können. Möglichkeiten für neue Unternehmungen. 1. Errichtung einer Fabrik für Sperrholzplatten. 2. Errichtung einer Fabrik für Zinn- und Bleituben. 3. Erichtung einer Werkstatt für Nieten. 4. Verwertung von Pyriten aus Zypern zum Schmelzen von Eisen und Kupfer, Erzeugung von Schwefelsäure und eventuell Superphosphaten. 5. Verwertung von Bitumen, die im Lande gefunden werden. 6. Auswertung von Marmorbrüchen in der Umgegend von Jerusalem. 7. Errichtung einer Streichgarnspinnerei und -Weberei mit Appreturanstalt. 8. Erzeugung von Gummiartikeln. 9. Gerberei für alle Ledersorten. 10. Fabrik für Elektromotoren, elektrotechnische Artikel und isolierten elektrischen Draht. 11. Fabrik für Emaillewaren. 12. Spielzeugfabrik. Das billige Bauen in Palästina steht noch Immer in einem Mißverhältnis zu dem teuren Wohnen, was durch die wachsende Immigration zu erklären ist, welchem Umstande auch durch ein bevorstehendes Mieterschutzgesetz abgeholfen werden soll. Zahlreiche Bauinstitutionen, die Möglichkeit der Hypothekarbeschaffung bis zur Höhe von 60 Prozent des Wertes, der mäßige Zinsfuß und langfristige Abzahlungen erleichtern den Bau von Familienhäusern. Die Wohnkultur in Palästina entspricht der neuzeitlichen Hygiene und Bequemlichkeit. Aufschlußreich und interessant waren die Ausführungen über das Kulturleben in Palästina, wobei erwähnt werden muß, daß es heute in Palästina 25.000 Schüler in 380 jüdischen Schulen gibt, unter denen das Theodor-Herzl-Gymnasium in Tel-Awiw, die landwirtschaftliche Schule in Mikwe- Israel, die hebräische Realschule und das Technikum in Haifa sowie die hebräische Universität und die Nationalbibliothek in Jerusalem mit allen dem Leben und dem Lande Rechnung tragenden Institutionen besondere Bedeutung für das Erziehungswesen haben. Bei der Besprechung der Kolonien, der landwirtschaftlichen Siedlungen, der Lehrfarmen, der Wohlfahrtsinstitutionen zeigte es sich, welch wichtigen Anteil am Aufbau der jüdische Nationalfonds und Palästina-Aufbaufonds haben. Der Vortragende erntete infolge seiner Objektivität und Sachlichkeit reichen und wohlverdienten Beifall. Kleine Palästina-Nachrichten Britischer Polizist von arabischen Hirten schwer verletzt Jerusalem. Beim Versuche, arabische Hirten, die ungeachtet des Räumungsbefehles ihre Herden in Wadi H awarith weiden ließen, zu verhaften, wurde ein britischer Polizist durch Messerstiche schwer verletzt. Er wurde in das Regierungshospital in Nablus überführt. Antizionistische Bewegung im Irak Bagdad. Eine Jugendvereinigung im Irak hat beim Innenminister um die Erlaubnis nachgesucht, eine Protestkundgebung gegen «die Haltung der Zionisten gegenüber den Arabern im arabischen Palästina» veranstalten zu dürfen. Die Redner auf der Kundgebung wollen sich vor allem mit der Frage von Wadi Hawarith befassen. Auch einige Bagdader Zeitungen befassen sich vor allem mit dieser Frage und richten im Zusammenhang damit heftige Angriffe gegen die Juden. Die Tatsache, daß die Palästinaregierung sich bereit erklärt hat, die Beduinen, die früher in Wadi Hawarith wohnten, auf einem eigens zu diesem Zwecke erworbenen Gebiet in Tel Schok anzusiedeln, wird in den Artikeln der Bagdader Zeitungen nicht erwähnt. Kuratorium der hebräischen Universität zum erstenmal nach Palästina einberufen Jerusalem. Die nächste Sitzung des Kuratoriums (Board of Governors) der Hebräischen Universität wurde für Oktober, diesmal zum erstenmal nach Palästina, einberufen. Der Tagung, die im Universitätsgebäude von Jerusalem stattfinden soll, wird auch Dr. W e i z m a n n als Präsident der Hebräischen Universität beiwohnen. Anfangs August findet in Zürich eine Zusammenkunft mehrerer amerikanischer Mitglieder des Akademischen Rates der Universität mit dem Universitätskanzler Dr. J. L. M a g n e s statt. Einiges über das zionistische Leben in Südamerika ln den großen Städten Südamerikas, vor allem in Bra« silien, Argentinien, Uruguay und Chile ist in der letzten Zeit mit großem Erfolg der große amerikanische jiddische Tonfilm «Die Lamedwuwniks» aufgeführt worden. Für manche Gemeinden waren diese Aufführungen gleichzeitig ein gesellschaftliches Ereignis. * Die Wahlen zum 18. Zionistenkongreß, die dieser Tage sowohl in Brasilien wie in Argentinien stattfanden, haben zum Teil erregte Kämpfe und Diskussionen verursacht. Besonders heftig ist der Kampf in B r a sil ie n um das eine zu vergebende Mandat entbrannt. Nioht weniger als vier Listen wurden aufgestellt. Die Federation hatte sich mit der Linken auf den Vertreter der Linken, Herrn H e 1 f tn a n n, der großes Ansehen genießt, geeinigt. Im letzten Moment hat eine Gruppe der Allgemeinen Zionisten Dr. Osias Thon gesondert kandidiert. Ferner haben die Revisionisten und Misrachisten eigene Kandidaten auf^estellt. In Argentinien scheint eine einverständliche Kandidatur erzielt worden zu sein, und zwar die Herren Chaim Nachmann B i a 1 i k und Leon J a f f e. In diesem Jahr kann der bisherige Delegierte, Nathan Gesang, wegen dringender Arbeiten für den Sammelfonds für die deutschen Flüchtlinge nicht zum Kongreß. Eben diese Arbeit war auch der Anlaß, daß Nathan Gesang für drei Monate von der Federation beurlaubt worden ist. * In Buenos Aires haben die deutschen Juden, die bisher ganz abseits vom jüdischen Leben standen, vereint mit der Bene Brith eine «Organisation deutschsprechender Juden* gegründet. Ebenso wurde von den englisch sprechenden Juden eine Vereinigung «Maccabean Association an Club* ins Leben gerufen. * In Porto Alegre — im Staate Rio Grande do SuJ, Südbrasilien — erscheint seit kurzem ein jiddisches Wochenblatt. Im Gegensatz zur zweimal wöchentlich seit Jahren in Rio erscheinenden jiddischen «Volkszeitung» wird die neue Zeitschrift zur Hälfte In jiddischer Sprache und zur anderen Hälfte schon in portugiesischer Sprache herausgegeben. In Buenos Aires hat soeben ein großer jüdischer Jugendkongreß, der von allen Jugendorganisationen des Landes nach vorangegangener demokratischer Wahl beschickt war, stattgefunden. Dieser Kongreß hat sich außer mit den allgemeinen Jugendfragen hauptsächlich mit kulturellen und erzieherischen Problemen befaßt. * In Chile — Santiago de Chile — ist die ausschließlich in spanischer Spraohe erscheinende offizielle zionistische Zeitung «Boletin de la Federacion Sionista» Ins zweite Jahr seiner Herausgabe getreten. Dieses Organ berichtet von einem ziemlich regen Vereinsleben — allerdings gab es dort auch eine kleine Führerkrise — und von einem regen Kontakt mit den anderen Städten, wo sich überall zionistische Gruppen gebildet haben, wie in Valparaiso, Cunco, Temuco, Concepcion (Paraguay). h. r. Ferienreise ssaefc Polest Issi August Wegen Ueberfüllung unserer vorherigen Touren werden unsere billigen Reisen im August wiederholt. Die Reisen können sechstätig und dreißigtätig unternommen werden. Abreise am 9. August. Reservierte Plätze. Weitgehende Ermäßigungen in den bekannten polnischen Kurorten. Auskünfte und Prospekte: Internationales Reisebüro Schenker <£ Co., I., Schottenring 9, Telephon R-50.510, und Büro Ferstel, I., Kärntnerring 12, Telephon U-40-301. Rechtzeitige Reservierung von Plätzen erwünscht. Zu Rosch Haschanah nach Palästina Laut einer Abmachung zwischen dem Palästinaamt Prag, beziehungsweise dem Bureau des XVIII. Zionistenkongresses einerseits, und dem Weltreisebureau Compass Tours Wien andererseits, sind die Gesellschaftsreisen nach Palästina, die vom Reisebureau Compass Tours für den 7. und 12. September d. J. ausgeschrieben worden sind, als die einzigen offiziellen Kongreßreisen anerkannt und diese werden auch die einzigen Reisen sein, die von den offizeilen Kongreßinstanzen und vom Palästinaamt Prag propagiert werden. Zu diesem' Zwecke wird seitens des Reisebureaus Compass Tours int Kongreßgebäude in Prag eine Buchungs- und Informationsstelle errichtet, die dein Teilnehmern und Gästen des Kongresses dienen wird. Die Reise vom 7. September erfolgt auf dem Riesen- Amerikadampfer «Roma», welcher diesmal eine Sonderfahrt von Amerika nach Palästina unternimmt. Es wird hiemit auch den europäischen Touristen die Gelegenheit geboten, mit einem Dampfer nach Palästina zu fahren, der an Luxus, Größe, Komfort und Schnelligkeit unübertrefflich ist. Das Programm im Lande beinhaltet das Maximum dessen, was man in zwei Wochen nur sehen kann. Den Reiseteilnehmern wird die Möglichkeit geboten, den Prozeß des jüdischen Aufbaues kennenzulernen, wie auch die geschichtlichen und kulturellen Denkmäler unserer Heimat zu besichtigen. Unterwegs ergibt sich die Gelegenheit, die bedeutendsten Städte der Weltgeschichte, wie Rom, Neapel und Athen zu besuchen, sowie zu einem Ausflug nach Kairo. Da diese Reisen in die Hochsaison fallen, verfügt das Reisebureau Compass Tours nur über eine beschränkte Anzahl von Schiffsplätzen, die in keinem Verhältnis zu dem großen Zuspruch von Interessenten steht, die während des Kongresses zu erwarten sind. Es ist daher sehr zu empfehlen, sich mit der Bestellung der Plätze zu Beeilen. Besuchet das schöne Oesterreich!