Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 291 (20.7.1933)
- Date
- 1933-07-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 DIE STIMME Nr. 291 — 20. Juli 1933 Anwalt oder Arzt zu erlangen. Vor solchen Illusionen kann nicht genug gewarnt werden. Die Judenfrage hat ihre Wurzel vor aDetn in der unnatürlichen beruflichen Gliederung, deren katastrophale Auswirkung sich vor unseren Augen in der Tragödie der jüdischen Intellektuellen und Kauiieute in Deutschland abspielt. Zurück zur produktiven Arbeit! — so muß die Losung der jüdischen Jugend lauten, deren Sch.cksal mit dem Aufbau des jüdischen Palästina auf Gedeih und Verderb verknüpft ist. Der kommende Judenstaai kann nur durch das Werk jüdischer Hände geschaffen werden. Sein Boden darf nicht bloß von Juden bewohnt, er muß von ihnen bearbeitet werden. Deshalb ist in Erez Israel kein Platz mehr für unproduktive freie Berufe, die schon heute überfüllt sind. So gibt es z. B. in Tel-Awiw verhältnismäßig mehr Aerzte, als in dem wahrlich nicht an Aerzten Mangel leidenden Wien. Die jüdische Studentenschaft sieht es als ihre Pflicht an, Euch in Eurem eigenen Interesse und in dem der jüdischen Gesamtheit vor dem Antritt eines, auf Erwerb gerichteten Studiums zu warnen. Wer studieren will aus Idealismus — aus Liebe zur Wissenschaft — solche Menschen hat es bei uns Juden in allen Zeiten zahlreich gegeben — der mag studieren. Nicht aber, wer einst eine Existenz erlangen will. Aber mit der bloßen Warnung vor dem Brotstudium und dem Appell nach Umschichtung zur produktiven Arbeit ist nicht viel getan. Die jüdische Studentenschaft ist gewillt, allen, die die Notwendigkeit der Umschichtung erkannt haben, durch Beschaffung von gewerblichen und landwirtschaftlichen Ausbildungsstellen und durch positive Beratung behilflich zu sein. Jüdische Abiturienten und Akademiker! Wendet Euch in allen Euren zukünftigen Beruf betreffenden Angelegenheiten an die «Beratungsstelle für Berufsumschichtung» (Hachscharahamt) der jüdischen Studentenschaft. Das Präsidium des Iü3ischen Hochschulausschusses: cand. phil. Jakob Nagler, Dr. Fritz Last, Dr. Friedrich Morgenstern. Die jüdische Studentenschaft beabsichtigt, in der nächsten Zeit eine Reise nach Budapest, verbunden mit achttägigem Aufenthalt, zu veranstalten. Preis S 35.—. In diesem Preise sind Hin- und Rückfahrt sowie die Kosten für den achttägigen Aufenthalt inbegriffen. Ebenso veranstaltet die jüdische Studentenschaft eine Reise nach Prag zum Zionistenkongreß. Anmeldung für beides im Sekretariat der jüdischen Studentenschaft, IX., Zimmermannplatz 8, täglich von 12 bis 13 Uhr. Anmeldungen und Auskünfte für die Palästinareise der jüdischen Studentenschaft werden Montag, Mittwoch und Freitag im Sekretariat der jüdischen Studentenschaft, IX., Zimmermannplatz 8. entgegengenommen und erteilt. Am 16. Juli fand ein Leichtathletikmeeting der jüdischen Studentenschaft am Hakoah-Platz statt. Die Ergebnisse waren folgende: 100 Meter: 1. Israelowitsch, 11.7 Sek.; 2. Fröhlich, 11.8; 3. Mai, 12.1. — 400 Meter: 1. Spielmann, 59 Sek.; 2. Gleich, 61.2; Meiseis, 62. — 1500 Meter: 1. Spielmann, 4:17; 2. Zwick; 3. Spitzer. — Hochsprung: 1. Mai 1.55, 2. Reinkraut 1.50, 3. Blei 1.50. — Weitsprung: 1. Mai 5.95, 2. Israelowitsch 5.60, 3. Bleich 5.32. — Kugdstoßen: 1. Mai 10.95, 2. Semenowsky 10.72, 3. Israetowrtsch 10.60. — Fußballmatch Jüd. Studentenschaft—Radikale Zionisten 2:2. Jüdisdtet fpowt 25 Jahre Sportklub „Hakoah“ Der Sportklub Hakoah feiert im nächsten Jahr den 25jährigen Bestand. Aus diesem Anlaß sind große Feierlichkeiten beabsichtigt, wobei auch eine Makkabiade in Wien durchgeführt wird. Die Leitung des S. K. Hakoah richtet an alle Förderer und Freunde die höfliche Bitte, durch Spenden oder Monatsbeiträge ä S 2.— die würdige Begehung dieses für die Wiener jüdische Gemeinde so bedeutungsvollen Jubiläumsfestes zu ermöglichen. Ueber telephonischen Anruf werden Erlagscheine übersendet oder durch bevollmächtigte Personen die gewidmeten Beiträge ein kassiert. Khibheim und Sekretariat: I., Wiefingerstraße 11, Tel. R 25-0-10. Tennis Hakoah (Wien) schlägt Makkabea (Bratislava) 7:4 Sonntag, den 9. Juli, fand in Bratislava wie alljährlich über Einladung der dortigen Makkabea ein Klubkampf des genannten Vereines gegen die Hakoah (Wien) statt. Die Mannschaft der Hakoah, bestehend aus Fri. Balaban und den Herren Dlpl.-Kaufm. Balaban, cand. jur. Breuer, Gelringer, Ing. Pollak, Rudinger und cand. raed. Schij, wurde bei ihrer Ankunft in Bratislava von den dortigen Gesinnungsgenossen auf das herzlichste empfangen. Die Spiele wurden auf den schön gelegenen Plätzen der Makkabea ausgetragen. Die Manns* haft der Hakoah bot eine sehr gute Leistung und siegte sicher. Nachstehend die einzelnen Resultate: Balaban—Danzig 2:6, 2:6; Ing. Pollak—Müller 2:6, 6:7; Getrlnger—Ing. Welnberger 6:8. 6:4. 7:6: Breuer—Neumann 8:6, 6:8. Briefe an die Redaktion Vom gewesenen Stadtrat Herrn Robert Ehrenfreund, der noch vor Jahren den Kampf gegen die Nazis aufgenommen hat, erhalten wir nachstehende Zuschrift: Die Wahlschlacht zum Zionistenkongreß ist geschlagen und nun beginnt erst die richtige Arbeit aller Juden. Früher hieß es, wenn Zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Heute heißt es, wenn die Juden sich streiten, freuen sich die Nazi. Der Grund meiner heutigen Zuschrift, daß endlich alle Juden Juden werden und als solche allen Personenkult, jedwede Mandatssucht beiseite stellen und nur einen gemeinsamen Feind, den offenen und versteckten Antisemitismus, bekämpfen. Wir Juden, als Volk, als Religion, müssen als ältestes Kulturvolk den Beweis erbringen, daß wir ein Volk von Brüdern und Schwestern, die einig eine Macht, die weder Terror noch List besiegen kann. Juden, schließt die Reihen zum Kampfe für euer herrlichstes Gut «Jüdische Heimat und jüdisches Land». Seid nicht mehr das wandernde Noraadenvolk, das keine Heimat sein eigen nennt, sondern baut auf das Mutterland «Zion«. Jeder Jude werde Zionist und als solcher Mitkämpfer für Judas Zukunft. In uns selbst Hegt die Kraft, wenn in geschlossenen Reihen, uns selbst zu helfen. Wenn wir auf die Hilfe der anderen warten, warten wir vergebens. Juden, seid Juden und der Sieg ist uns sicher! Kaufmann Robert Ehrenfreund, emerit. Stadtrat von Mährisch-Trübau. * Von Herrn Osias Horowitz, dem Autor des in der letzten Nummer der «Stimm e» erschienenen Aufsatzes «Das Kaddischebet» werden wir um Aufnahme folgender eilen ersucht: «Die babylonischen Weisen verfolgten wachsam die bedenkliche Verehrung des Stifters der christlichen Religion seitens seiner zahlreichen Anhänger aus den Reihen der untersten Schichte des jüdischen Volkes, die schließlich ganz entartete und zur Gottsprechung sich steigeret.» Auch der letzte Satz «Auf diese Weise erklärt sich, daß das Lob Gottes stärker sei als der Tod» ist in dieser Fassung eine Bemerkung der Redaktion. Für die Aufnahme dieser Berichtigung im voraus bestens dankend, zeichne Hochachtungsvoll Osias Horowitz. Sinüündi$unj£en und JIZi Heilungen Verein der Przemysler in Wien. Mittwoch, den 19. Juli 1933, ab 8 Uhr abends und jeden Mittwochabend während des Sommers treffen sich die Przemysler im gedeckten Kiosk des Caf<5 Rappaport, L, Franz-Josefs-Kai 46. Schach, Rummy- und Bridgekarten stellt die Vereinsleitung zur Verfügung. Maimonides-Institut. Samstag, den 8. d. M., fand der feierliche Semesterschluß statt. Einen ausgezeichneten und meisterhaften Vortrag hielt Dr. A. Kam Inka, der zum Schluß allen für die Beteiligung und den fleißigen Besuch seiner Vorlesungen Dank ausgesprochen hat. Im Namen der Leitung des Instituts dankte Herr H. Intiator in einer sehr gelungenen und herzlichen Aussprache dem Herrn Dr. Kamikna und allen Hörern. Er wies auf die Bemühungen der Leitung, das Institut zu erhalten und seine Entwicklung zu fördern, durch Heranziehen neuer junger wissenschaftlicher Kräfte. So wurde zuletzt Herr Rabbiner Z1 c k e r für das Institut gewonnen. Er forderte alle auf, das Institut aufs tatkräftigste zu unterstützen. Im Namen der Hörer sprach Herr Wurzel, der dem Herrn Dr. Kamlnka und insbesondere dem Herrn Intiator den herzlichsten Dank für ihre Bemühungen um das Institut ausgesprochen hatte. Ferienkolonie Vöslau. Der Humanit&tsverein für die westlichen Bezirke Wiens eröffneite wie alljährlich eine Ferienkolonie in Vöslau, Florastraße 15. Aufnahme finden schulpflichtige Mädchen und Knaben im Alter von 6 bis 14 Jahren. Der 2. Turnus beginnt am 8. August 1988. Auskünfte und Anmeldungen im Sekretariat, Wien, V., Mollardgasse 86 (Fritz Kramer) von 9 bis 12 Uhr. Tel. B 29-1-66. Genesungsheim der Wiener Chewra Kadischa. Der Vorstand der Chewra Kadischa, I., Seitenstettengasse 2, gibt folgendes bekannt: Im Genesungsheim in Baden bei Wien finden in den Monaten Mai bis inkl. September 1933 je 33 kurbedtirftige Personen für die Dauer von 28 Tagen Aufnahme. Die Insassen erhalten Logis und ärztliche Behandlung gegen Erlag eines Regiebeitrages von S 20.— im August und von S 30.— in den Monaten Juni und Juli. Amtliche Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Konkurs-Ausschreibung Von seiten des gefertigten Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangt hienit die Stelle eines Rabbiners und Predigers an einem Gemeindetempel zur Ausschreibung. Dem Bewerbungsgesuche sind folgende Nachweise beizuschließen: 1. Nachweis, daß der Bewerber das 45. Lebensjahr nicht überschritten hat. 2. Angabe über den Familienstand. 3. Gesundheitszeugnis. 4. Nachweis der österreichischen Bundesbürgerschaft. 5. Nachweis der talmudiscli-religiösen Studien. 6. Nachweis der zurückgelegten Universitätsstudien und des erlangten Doktorgrades. 7. Angaben über die bisherige Tätigkeit. 8. Belege über religiös-wissenschaftliche Betätigung sowie Zeugnisse über allfällige Lehrtätigkeit. Mit dieser Stelle sind die normalmäßig festgesetzten Bezüge sowie der Anspruch auf Alters- und Hinterbliebenenversorgung verbunden. Die entsprechend belegten Gesuche sind bis 20. August d. J. bei der Amtsdirektion der Israelitischen Kultirsgememde Wien, I., Seitenstettengasse 4, zu überreichen, woselbst auch nähere Auskünfte eingezogen werden können. Für den Amtdirektor und Ersten Sekretär: Emil Engel. Der Präsident: Dr. Desider Friedmann. Wien, 17. Juli 1933. (Nachduck wird nicht honoriert.) Die einzigen SOMMiRREISEN nach Polen im Jnü für 81 und 10 Tage. Abreise ca. 8. Aug. Visa gratis Auskünfte und Prospekte Reisebüro Schenker<SCo. I. Schuttenring 9 R 50 5-10. Büro E. Ferstel, I. Kärntnerring 12, U 40-301 Tante Marys Sonnnersonneniieim liir 3-isithrige Payerbach a./d. Rax, Tel. 13 (vorm. Schloß Vetcera). Bereits eröffnet. Altbewährt: Gut jüdisches Kinderheim ersten Ranges. Idealste Höhenlage, Sonnenterrassen, nadelwaldreicher Prachtpark. Erstklassige Verpflegung, sorgsamste Aufsicht. Zeitgemäße Preise, Strandbad, Sport, Sprachen. Ueberraschende Erfolge mit schlechtessenden Kindern. Pflegeschwestern, Hofmeister, Kinderpädagoginnen im Haus. Besichtigung '<» Beh. konz. 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