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Die Stimme · 1933-06-29 · Heft 287 (29.6.1933) · page 9

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 287 (29.6.1933)
Date
1933-06-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr, 387 « 29. Juni 1933 Dm STIMME Seife 9 Wiens Judenschaft ehrt ihre Kriegsgefallenen Gedenkfeier für die imWeltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten Der «Bund jüdischer Frontsoldaten Oeeterreiehs» hat Sonntag, den 18. Juni 1933, im Anschlüsse an die im Monat Juni abgehaltenen Heldenehrungen, zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen jüdisehen Soldaten eine Oedenkfeier vor den jüdischen Heidegräbern am Zentralfried* h 0 f veranstaltet, zu welcher sieh trotz des schlechten Wetters massenhaft Teilnehmer eingefunden haben. Vor Beginn der offiziellen Feier legte eine Abordnung des Bundes in Gedenken der gefallenen nichtjüdischen Kameraden am Obelisk neben der Lueger-Kirche einen Kranz nieder. Die Bynde6führung mit Generalmajor Emil ß 0 m m p r und ßtnbssehef Hauptmann a. B. Edler von Friedmann an der Spitze empfing den in Vertretung das Heeresmini* stef§ erschienenen Generalmajor KI e p s e h, der, gefelgt von mehreren Stabsoffizieren des Heeresministeriums und Deputationen der Infanterieregimenter 3 und 8, des selbständigen Artillerieregimentes Wien, die Ehrenkompagnie des Infanterieregimentes Nr. 5 unter der Führung des Major Franz Reicher und die uniformierte Ehrenkempagnie des «Bundes jüdischer Frontsoldaten Oesterr e i c h s» unter den Klängen der Bundeshymne abschritt. Bundesführer Generalmajor Emil Sommer eröffnete mit piner Hiffm Bßgrüßmgmmoshe dt« Peter. Rede des KultmQemßUtäepräsidenten Dr» ßesMer Friedmann Nachdem Oberkantor Fischer, begleitet von einem Chor, den Totenpsalm ßcbewissi gesungen, ergriff der Präsident der Wipper Kuitusgemeinde Dr. Desider Friednjann das Wort zu folgenden ergreifenden Ausführungen; Fern und abseits vom Lärm des Tages haben hier an stillem, weltabgeschiedenem Orte in geweihter Erde jüdische Briidcr ihren Frieden upd ihre Ruhe gefunden, die in treuer Pflichterfüllung im Weltkriege fjir (fa$ Vgteplaßd Ihr MtW hingegeben haben. Uns ihrer in Liebe und Treue zu erinnere sic zu ehren, ihren Namen unnusiäßchfich im Gedächtnisse der Mitwelt Und der kommenden Generation einzupfflgen, ist unsere heilige und brüderliche Pflicht. ßei dieser Feier wallen wir in aller Welt bekennen Uß4 bekunden, daß das Band, das uns mit ihnen verbindet, Ufo zerrpißbar and unauflöslich ist, dpß in unserem Denken und iß unserem f-lerxen die Erinnerung WCM nur fffl $<> lebendiß fartlebt, sondern auch die Idee, für die NP kämpften und starben. Sie bat das Vaterland?u den hbnen gerufen, sie haben, ein uns ehrendes Zeugnis wahren Heldentums gpr geben, Sie Ständen in einer Reihe mif den Söhnen anderer VÖb ker, die Nfh um Q Österreichs Banner scharfen, jfir Stift färbte den Kampfboden der Schlacht fehler wie das Blut der anderen, diq Kugel fragte nicht nach Refigiap, Vpfkßi pnd Rassenzugehörigkeit, sie hauchten im Ringen mif ffepi unerbittlichen Tode ihre Seelen aus, wie die anderen. Ihr Ruhm ist nicht größer, aber pr soH aach weht kleiner sein and vor allem nicht der Vergessenheit anhcimfallen. Er soll insbesondere unvergessen bleiben in stur mpewegfep 2f eit C ß, (ß denen ßegienvsrgiftnnß dtp Erinnerung an d ig V er gqngcnhoii CUrÜCk^udrängCn V*f* sacht vor den Ereignissen des Tages. Nar wenn die Verbundenheit fm Gpißfe wahrer KaufCr radsehnft und scMer Brüderlichkeit, die dtp Gemeinsamkeit des Rriegserlebnism entstehen and gar flachsten ßtifts reifen ließ, Vorbild wird allen Bürgern, dann hoben sie nicht umsonst gerungen und geliffen, haben sie nicht vergeblich ihren Blutzoll entrichtet, hoben sie nicht vergebens ihr Leim aufgeapfert für d‘c vm ihnen erhoffte bessere, zukünftige Zeif, piß die Stimme des Hasses and die Vorurteile verstpm* men läßt und in dar Gerechtigkeit die Meneehen einigt und versöhnt, in liebevoller Anhänglichkeit und Pietät, die tääk sches Qesetz und Uebertieferang gebietet, hat der Vorstand unserer Gemeinde vor Jahren dieses Kriegerdenkmal gestiftet und von Künstlerhpnd erbauen Iqssen, daß ig goldenen Leitern für immerwährende Keifen dip Namen unserer Brüder kündet, d'ip unter diesem Grabhügel rohen, Hat er in der Zermanlcnhalle tu Eingang dieses Friedhofes die Namen jener vierhundert Söhne unserer Gemeinde verewigt, giß fern van ihrer Heimat in fremder Erde ihre letzte Ruhe ggr funden haben, pflegt und hütet er diese ihm heiligen §Uit* ten und wird sie betreuen, bis gu der Zeit, wo das Wort unserer Propheten sich erfüllt, daß kpip Vplk erheben wH das Schwert' gegen das andere. Auch in jenen Tagen werden Iß Efirfurcht die HÜUPter 101« orth. ^3 P«f»*iotp Jg990«| im OilftvifilMi tfuw&lavia) m 'heuev In ifop |)j|la Mira, pm schönsten und besten Plate des Kur« or<«f » Nähe Strand und park VotlePßn?lpnuMrr?t?ilniniGrPQPIflßV lieh neigen vor der Mojesfdt des HHdmtädpg, sowie wir in dieser feierlichen Stande unserer im Welfkrig* gefallenen Brüder in Dankbarkeit, und in Ehrerbietung gedenken, Rede Otf Mfifilfirm Centralmafar Sommer Ogr Bundesführer Generalmajor Emil 8 0 m ni § r, sprach namens des Bundes tief ergriffen, im Angesicht der Gräber der toten Kameraden nachstehende Wörter Keine Brücke der Verständigung führt van den Bebenden zu den Toten, die da vor uns stamm und starr in der Tiefe ruhen, sie sehen und hören uns nicht, die wir heute qn ihren Gräbern erschienen find, und wir können ihnen nicht sagen, was wir empfinden, sie nicht fragen, was sie gelitten, wie sie gestorben sind. Ob sie ln dem Gedanken Trost gefunden haben, daß die Nachwelt ihr Andenken bewahren wird, wir wissen es nicht. Wir wissen euch nicht. wie weit der Qedanke, für den Behüt» ihrer Heimat und ihrer Lieben *« kämpfen, ihnen Im Augenblicke des Grauens und der Verzweiflung Linderung gewährte- Aber eines wissen wir, daß sie unter Qualen des Leibes und der Seele, die alle menschliche Vorstellung Übersteigen, in einem Kampf dahingegangen sing, den ihnen §ine unerbittliche Notwendigkeit aufgezwungen hat. So vieip sind hmgekehri, dem Verhängnis entronnen, surüekgekehrt m dos Leben, und moehte dieses Lehen nach so sgfiwer sein, es war des Lehen! Sie aber waren die mschuidigpn Qptcr eines grausamen Verhängnisses, Und noch eins kpnnen wir gerade von ihnen, die da vor uns den ewigen Schlaf schlafen, mH Sicherheit 'annefmen, daß sie der Meinung sein durften, äpß die Gleichheit im Leiden und im Tode ihren Hinterbliebenen, ihren Glaubensgenossen auch die Gleichheit in der Beurteilung durch jene bringen werde, die sie fm Frieden nicht als gleichberechtigte, vollwertige Menschen anerkennen, di§ §ic von dem Platz# an der Sonne ausschließen wollten, sie mit Rassenhaß und Verfolgung quälr ten und bedrücktem „Si§ durften halten, daß wese Auswüchse menschlicher Kurzsichtigkeit Ohd Schlechtigkeit durch das von ihnen gebrachte Blutopfer für immer getilgt sein werde.. Und Hot sich diese Hoffnung erfüllt? Die Antwort muß ich Ihnen nieht geben» sic wird uns durch die traurigen Ereignisse der jüngsten Zeit drastisch genug erteilt. Sollten sie also vergebens gestorben sein, soll die Saat ihres L*lg'eßß nicht aufgehen, sollen mit ihren Leibern auch ihre HofU nungen begraben sein? Das darf nicht sein. Das wollen wir, ihre Kameraden, die mit ihnen im Feld gestanden sind, mit ihnen eile Not getput haben, nicht mimen, Deshalb haben wir uns msammengftan, um die Nachwelt unablässig darm z» ** tänern, was sie diesen Toten schuldig ist, Wir wollen für den Anspruch ggf Anerkennung ihrer und unse? rer Menschenrechte immer und überall ein* treten, bis wir sie dar ehe esc ist haben, Wir befrackten dos als eins uns von den Taten Unterlassene heilige Aufgabe, m ihr bekennen wir uns, indem wir hier er-: schienen sind. und in ihrer Erfüllung wird die grüßte, die einzig richtige, die wahre Ehrung ihres Andenkens Hegen, Während der Rsd§ Bundes»er§ kreist? ein Flugzeug üfear gam fteldendenkmel und warf einen kprbeer*- kms sh, flech Verrichtung Totengsbete« durch Rabbiner Pr- T 3 8 M 5 h t sprach FefdPberrabbiner Prof- Pr- F r e fl f u r t e r einige Pedenkw^rte; wir stehen jfisr an den Gräbern der Sühne unserer Qer winde, die iß Ausübung ihrer vaterländischen Pflicht ihr Leben geopfert haben, Keine Totenfeier wollen wir begehenpenn die Heiden, die in diesen Gräbern rohen, sind nicht tot, tot kann nur der sein, der auf Erden niemandem gelebt, wer aber für andere gelebt, der lebt, wenn er auch gestprbert Ißf. Nach einer TraufrmlnHtS ideg §Cbwei$et)g intonierte die Musik das *G g b s t y p r d § r § p b 1 a e h t.*?u ehren des Andenken? der gefallenen Kameraden gang Kamerad Pberkantpr Weiß, der seine Funktion im pchmycke seiner KrieFsayggeicbnunasn versah, mit Chor» Begleitung das El jjjolg raghamim, dag alle Anwesenden 3«f das tiefste ergriff. Rabbiner Dr. T a g 11 c h t sprach das Kaddischgebet. Pie Kommandanten der beiden Ehrenkempagnien kommandierten zum Gebet. Die Fahne senkte sieh. Wflfh Beendigung der rituellen Gebete erfolgte die Kranzniederlegung durch die erschienenen Korporationen. Sensationell wirkt« die Rede des Obersten Befehlin- M e 1 d e g g, dir d»e Tapferkeit der jiidisajien Soldaten pries und als Beispiel jüdischer Tapferkeit anfdbrte, d«8 die erste goldene Tapferkeitwnedeiile in seiner ArtlllerierDlvision dem jüdischen Feuerwerker Fischer verlieben wurde. Er ist jederzeit bereif, «f« ZtUS* für die jüdisch« Tspfer* keif «ufsutreten. Hierauf sprach der Vertreter des peutschmeister SghilUfnkprps, Major Auf« richtig und erklärte, daß die jüdisehen Fronfsoidafm in ihren vaterländischen Beßtrebungenjederzejt auf die Unterstützung de« PöutsehmeisteF-SchiiteenkQrps rechnen k b n n e m Anschließend defilierten die Ehrenkompagnien des Bun* de«heeres, die Ehrepkompagnie des Bundes unter der Führung der Kameraden; Bundesführer-Stelivertreter Dipi. Kfm. Stiaßny, Ing. Ina«!, Bgrbag, Bnrfan und vier Bataillone des Bundes vor den Ehrengästen. Der Feier wohnten als Vertreter des Heewwinlstera General Vaygoin, Qenerai Kiepsch mit einem 0ffi?iers6tab bei, Ferner ersehenen; Generaloberst von iarkotic, Feld» zeugmeister von Goglia mit General Schmeisser, Generalstabsoberst Allexin, Oberstleutnant Freiherr von Reichlin- M e I d e g g für den «Eisernen Rin g$(, Qberst jVlpntJ K a | d « g I, Vertreter der Frpnthämpferyereinigungen, ferner wereH Vertreter des Deutschmeisterbundes, der Bund der Artillerieoffiziere, cjef Vizepräsident der Wied«f* ß«h*flfei«r Qiaser, Dr, Adolf Fr i e d für den Kajsersehütfep* bund, Vertreter einer Anzahl VPn Infanterie-Regimentern, ferner dje Orpniggtiqn der jüdiifhpoinjsehe» Kriegsinvaliden, das Schwarze Kreuz, Abordnungen der jüdischen Frontsoldaten aus Linz mit Qbmana T a u s s i g, Graz mit Dr. W e c h s 1 e r, Baden mit Herrn Kultusvorstand Lackepbacher, ferner Delegierte aus Eisenstadt. Ebenso kamen von allen Kultusgemelpden Delegiert?. Die Wiener Kultusgemeinde war vertreten durch den Präsidenten Dr. Friedmann, die beiden Vizepräsidenten Dr. Ornstein und Dr. Löwenherz, dem Amtsdirektor Kameraden Reg.rRat Fuchsgelb und den gesamten Kultusvorstand. Das Zionistische Landeskomitee war durch seinen Präsidenten Pr, Oskar G r ü n b a u rn vertreten. Die sephardisehe öe» meinde waf vertreten durch Herrn MPSkP G 91 j 1? U t, Ferner bemerkte man unter den Anwesenden: Generalstabsarzt Prof. Dr. Heinrich Neymann, Prim, Do?, Pf. Qqldßghmidt und die Abordnungen der jüdisch-akademisch§p Verbindungen. Unter den Anwesenden fielen zahlreiche Träger höchster MUitürßUßMlchnungefj auf. Begrüßungsschreiben waren mngelangt? von der Präsidentsghgftskaozlm, ypn Minister Dr. SehpsiEhnjgf, Pr. Burpscb und Major Fey, Minister a, p. Kollman n» Landeshauptmann Reiter, vom katholischen Militärvikarist. vom Generalobersten Fürsten Sehönbyrg und vielen anderen Generälen der alten Armee, Sektipn.sebef Dr.fi eg hi, der Witwe d?s FeldiparschaUs Conrad Ypn HÖUendprf* yon Generaloberstabsarzt Prof, Dr. A|oj§ P i P k» von vielen Kuitusgemejndep der ehemaliger} JVRmarpbje, Y9n 4ert Frontsoldaten Englands, vpn d?n jüdischst! Frontsoldaten Ungarns und Bulgariens. aemmmsmemP^ Per österreieltiseiie Bundesprasident beglückwünscht den jüdischen TennfS'Gfftamplen Danftef Brenn Wien. Bundespräsident Miklas beglück- W ü n « e h t ß 4§n jüdischen TenntsrChampipn Pa fl iß I Prßflfl, #r hei den kürzlich in W ien stattge» fundenen mterflatienalen Konkurrenten durch Besiegung Pagnera Kjp§ei die Meißterschftft im Herreneinwispiel gewönnet? hat, hwliph w «einem Erfolg. m HILER KURZE Fr§y Fan* Mf W e x b« r g. di« To?htyr <}«« am®rik&niv «c}?an Philanthropen Jayoh h* Schiff, hat m ßrinnerung an Ihre Fitem «ine Summe yon ioo.qqo Dyitar ßlß einen Fond* für hebräische Universität in Jerusalem gestiftet. Anläßlich des Geburtstages Königs Georg V. wprdß dem High Commjssjpner für Palästina, Sir Arthur W a u c h 0 p «, das Großkreuz des Ordens Bankt Michael und St. ßeorge verliehen, rr Der palästinensische Arbeiterführer Isaac Bep Zwi, der auch der Leitung des Waad Leumi angehört, erhielt den Ehrentitel eines M. B. E. (Bachelor pf Mädififl?), Dr§! M>f»don«r JudM )V»Hf?n geadelt. König C a r o f f f, gpf jfürziigh in Czernowitz wejlte, hielt auf einen) ihm zu Ehr?n Yfran- «talteten Bankett eine Ansprache, in d?r er y. 3. darauf h|pvvi?s, üäß in der ßukoyyina die rumän»§Qh« B?YÜ|kgrypg friedlich m>'t der jüdischen .zusammen!®!?»- Pies« ]>t§afiJ)6 erfyjje ihn mit Freud« und §tp|z, Der Präsident ßgj jüdje «Chen Partameptskluhs m Rumänien, Pr. Mayer Ebflüiv dankte dem König für dje warmherzigen Wpfte, diu gr für d»« jüdische Bevölkerung Rumäniens gefunden h#be. Pa« 8ure*u de« Emir AMujfah v#r#ff«!»tli(?j»t« M» diesen Tagen eine Erklärung, in d®r d*" §fh»«styngin tef palästinensischen Presse, W^nsejf 4»f Bwif d|> ß*m{jftuf>> gen der Zi©nist«n, Traflsjordanien für die Itiditth# Einwanderung zu erschliefien, unterstützt, entgfgangßtfitfU Wied»

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