Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 286 (22.6.1933)
- Date
- 1933-06-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife S DIB STIMME Nf. 286-22. Juni tflW Kunst und Literatur Preisausschreiben für ein indisches Drama der Habimah Ans einem Gespräch mit Margot Klausner Brandstätter, der Begründerin des Kreises der Habimahfreunde Frau Margot Klausner Brandstätter, die den Kreis der Habimahfreunde in vielen Städten Europas begründet hat, um den Bestand und die künstlerische Arbeit der Habimah sicherzustellen, und zuletzt auch in Palästina selbst mit großem Elan einen solchen Kreis der Habimahfreunde ins Leben gerufen hat, weilte auf ihrer gegenwärtigen Europareise vor kurzem zwei Tage in Wien. In einem Gespräch mit unserem Redakteur erzählte Frau Margot Klausner eine Reihe interessanter Details über die künstlerischen Bestrebungen und Ziele der Habriiah für die nächste Zeit. Ueber das Preisausschreiben für ein Jüdisches Drama machte Frau Klausner folgende Mitteilungen: Der Habimah-Kreis in Palästina veranstaltet ein Preisausschreiben für ein Drama, das ein Thema aus Geschichte oder Gegenwart der Juden behandeln soll. Das Preiskomitee des Habtmah-Kreises hat folgende Bedingungen für den Wettbewerb festgesetzt: Das Stück kann als Manuskript oder Druckschrift gesandt werden — womöglich in hebräischer Sprache. Der erste Preis für dasjenige Werk, das sich nach dem Urteil der Jury in künstlerischer und szenischer Hinsicht für eine Aufführung der Habimah eignet, beträgt hundert Pfund. Auch schon gedruckte Dramen, die von ihren Verfassern für eine Inszenierung in der Habimah bearbeitet werden, können den Preis erhalten. Dramen, die den ersten Preis nicht gewinnen, können trotzdem in den Spielplan der Habimah aufgenommen werden, und ihre Verfasser bekommen die in der Habimah üblichen Autorengebühren. Jeder Autor kann höchstens zwei Werke einsenden. Die Autoren werden gebeten, die Manuskripte in zweimaliger Maschinenschrift einzusenden. Die Stücke müssen spätestens bis zum 30. Oktober 1933, dem Tage des 15jährigen Jubiläums der Habimah, eintreffen. Dem Preisrichterkollegium gehören Ch. N. ö i a 1 i k, J. Fichmann, F. Lachowe r, Sch. P e r 1 m a n n, Sch. Tschernichowski und zwei Mitglieder der Habimah an. Ein Jüdisches Wunderkind Beim internationalen Wettbewerb für Klavier, der bekanntlich in Wien stattfand, wurde einstimmig das Diplom für Jugendliche einem jüdischen Wunderkind, der neunjährigen Evi Wächter verliehen. Die Wächter spielte wie ein vollendeter Zauberpianist vor einem Auditorium, in dem man Meister von internationalem Rufe, wie Moritz Rosenthal jpidLEmil Sauer, bemerkte, Moschkowskys Irrlichter und die Cis-Moll-Etiide von'Chopin derart bravoureus, daß sie durch einen stürmischen Beifall belobt wurde. Diese künstlerischen Qualitäten verdankt die jugendliche Meisterin ihrem Entdecker und Lehrer Prof. Julius Wolfsohn. Es ist selbstverständlich, daß die Wächter neben Bach und Chopin mit Vorliebe auch die Paraphrasen ihres Meisters über jüdische Volksweisen spielt. Das Wunderkind hat bereits Zukunftspläne, indem es beabsichtigt, nach Warschau zu fahren und dort am internationalen Chopin-Wettbewerb teilzunehmen. Es wird hoffentlich auch dort die Siegespalme davontragen. Dafür wird schon ihr Talent und der bekannte Chopinist» Wollsohn Sorge tragen. Dr. K. R. Vom Internationalen Chopin-Wettbewerb Beim internationalen Wettbewerb, der letzthin stattgefunden hat, erzielte Prof. Jul. W o I f s o h n einen ungewöhnlichen pädagogischen Erfolg. Von seinen drei Schülerinnen, die daran teilnahmen, wurden sämtliche ausgezeichnet, und zwar erhielten: Betty Fischer ein Diplom, und kam sogar in die engere Wahl für die Prämiierten, ferner Sarra S t u c k a r t (die von ihrem erfolgreichen Auftreten im Zionistischen Konzert im Großen Konzerthaussaale in bester Erinnerung ist) ein Diplom. Schließlich wurde die neunjährige Evi Wächter mit einem Diplom ausgezeichnet und wirkte im Festkonzert der Preisgekrönten im Großen Musikvereinssaal mit sensationellem Erfolg mit. Ein Jude L Preis-Träger im Chopin-Wettbewerb So wie im Vorjahre beim Chopin-Wettbewerb in Warschau erzielte auch beim Internationalen Wettbewerb, der letzthin hier stattfand, den ersten Preis für Klavier ein J u d e. Es ist dies der junge Pianist Boleslaw Kon aus Warschau. Aufführung des Nordauschen Dramas „Dr. Kolm“ In Budapest Budapest. Im Bethlen-ter-Theater fand am 14. Juni die Uraufführung des Nordau’schen Schauspiels «Dr. Kohn» statt. Das Stück erzielte einen großen Erfolg, der vor allem auf das durch die Ereignisse der letzten Zeit gesteigerte Interesse des Publikums für die in ihm behandelten Probleme zurückzuführen ist. Bei besonders markanten Stellen des Dialogs kam es zu stürmischen Zustimmungs- und Beifallskundgebungen. Wie wir nun erfahren, ist die weitere Aufführung des Stückes polizeilich verboten worden. A- Jasnttl« Jahr Ptibitdi Kuntr Delatyn Wien Empfehlen sich als Verlobte fun! 1933 Letzte Nachrichten Professor Ottalld Rapporteur der französischen Delegation anf der Weltwirtschaftskonferenz Paris. Zum Rapporteur der zur Weltwirtschaftskonferenz entsandten französischen Delegation wurde der Professor an der Pariser juridischen Fakultät William O u a I i d bestimmt. Professor Oualid ist Mitglied des Israelitischen Konsistoriums Frankreichs und Präsident de9 Hilfskomitees für die jüdischen Emigranten aus Deutschland. Mieterschutz In Tel-Awiw Die Palästina-Regierung hat die Mietverträge in Tel- Awiw um einen Monat verlängert, um weitere Mietzinssteigerungen hmtanzuhalten. Fortschritte ln Haifa Der Keren Kajemeth berichtet, daß er in der Haifa-Bai 11.000 Dunam für industrielle Zwecke gewidmet hat, 10.000 Dunam für Wohnzwecke und 14.000 Dunam für landwirtschaftliche Bearbeitung. Einwanderung im April Im April wanderten 1827 Personen nach Palästina legal ein. Insgesamt kamen 2110 Personen ins Land, unter ihnen 147 Kapitalisten. Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Brand im Balfour-Wald Jerusalem. Im Zusammenhang mit dem Brand im Balfour-Wald wurden zwei etwa 13jährige arabische Knaben unter dem Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Die Zahl der beim jüngsten Brand im Balfour-Wald vernichteten Bäume beträgt bloß 3000, nicht 20.000, wie ln einer früheren Meldung infolge einer Telegrammverstümmelung angegeben wurde. Eine jüdische Frau Schiffskapitän Tel-Awiw. An der Küste Palästinas ist der erste jüdische Dampfer vom Stapel gelassen worden. Er heißt «Carmel» und wird den Frachtdienst zwischen Aegypten, Syrien und Palästina versehen. Kapitän des Dampfers ist eine jüdische Frau, Israelit. Thon aus Tel-Awiw; der erste Offizier ist ebenfalls ein Jude. Die höheren Posten der Schiffsbesatzung im übrigen sind mit Engländern, die anderen mit Arabern besetzt. Das Schiff führt die blauweiße Fahne mit dem Mögen David. Sonderangebot Wolfgang Walsl, Der Kampf um das HeiHge Land Palästina. 310 Seiten, 44 Illustrationen, 4 Karten, Leinen, statt S 20 — S 4*50 Flavtua Josephus, üdischer Krieg, jüdische Altertümer, 3 Bände, gebunden % 11*80 Münchhausen, |uda, mit Buchschmuck von Budko, Leinen, statt S 12*— S 3*— Buchhandlung JOIBF BKLF, Wiun, k, Rannnatnig Nr. 3 Der jüdische HodudiDler Auskünfte bezüglich der von der Jüdischen Studentenschaft veranstalteten Palästina-Retse werden jeden Montag, Mittwoch und Freitag in der Zeit von 12 bis 2 Uhr mittags im Jüdischen Hochschulausschuß, IX., Zimmermannplatz 8, von Dr. Dezsö Weisz erteilt. Schöner, geräumiger Vortragssaal (Fassungsraum ca. 200 Personen) steht sämtlichen jüdischen Vereinen und Verbindungen für Veranstaltungen zur Verfügung. Auskünfte Montag, Dienstag und Donnerstag von 7 bis 8 Uhr im Heim der Jüdischen Studentenschaft, IX., Alserstraße 26, bei Kollegen Schächter. Der jüd.-akad. Technikerverband veranstaltet auch im heurigen Sommer eine Studentenkolonie ln Hvar (Dalmatien), ln der noch einige wenige Plätze zu vergeben sind. Der Aufenthalt dauert drei Wochen und kostet S 135.—. In diesem Preis sind inbegriffen: Wohnung, Verpflegung, Fahrt, Kurtaxe usw. Abreise 18. Juli. Anmeldungen jeden Dienstag und Donnerstag von 6 bis 7 Uhr im Heim bei KoM. Brod. Donnerstag, den 22. d. M.. findet um 7 Uhr abends eine Mitgliederversammlung statt. Es spricht Koll. abs. phil. Jakob Nagler (Mitglied des Jüdischen Hochschulausschusses) über «Internationale Arbeitslager. Meine Erlebnisse in einer holländischen Studenten kolonie.» Anschließend Referat über «Unsere Verbandstätigkeit im Sommersemester und unsere Pläne für den Herbst». Malkah Schreier (geh. Detnner) — Zacnarias Schreier Vermählte Zwei unserer bewährtesten Mitarbeiter Frl. Malkal Demner und Herr Zacharias Schreier sind ein Ehepaar geworden, wozu wir beide herzlichst beglückwünschen. Seit vielen Jahren arbeiten Malkah Demmer und Zacharias Schreier unverdrossen in unserer Sektion und erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit. Ambitionierte, ehrliche Zionisten! Wir erhoffen uns auch weiterhin die wertvolle Mitarbeit des mustergüitgen Ehepaares! Masel und Broche! Die Zion. Bezirkssektion 1V/V< Der neue lehrplan für den Israelit. Religionsunterricht an Mittelschulen In Wien Am 14. Juni fand unter Vorsitz der Inspektoren die erste Beratung der MittelschuHehrer für den israelitischen Religionsunterricht über den neuen Lehrplan im Beisein des Obmannes der Unterrichtskommission, Herrn Prof. M. Rath, statt. Daß der alte Lehrplan uralt, den heutigen Wünschen nicht entsprechend war, wußten alle. Aber erst die Anregung der «Histadruth Iwrith», die aufmunternden Worte des Rabbiners Dr. F e u c h t w a n g brachten den Stein ins Rollen. Das Referat führte der Obmann des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen, Prof. Dr. Papo, dessen Hauptverdienst es ist, die geistige Allianz mit der «Histadruth» geschaffen zu haben. Die weitgespannte Aussicht, die des Lehrplanes Ziel ist, die Schüler in den hebräischen Sprachunterricht zu geleiten, ihnen durch die Kenntnis der jüdischen Geschichte das Rückgrat z»u festigen, sie durch die ewig bleibenden Grundsätze der jüdischen Religion und Ethik mit jüdischem Inhalt zu erfüllen, leuchtet in der Arbeit an diesem Lehrplan durch. Einzelheiten werden noch beraten werden, aber der Lehrer hat schon die Anregungen, die Schüler in den unteren Klassen methodologisch durch die Elemente der hebräischen Sprache zu leiten, und in den oberen Klassen mit Temperament voll intensivsten jüdischen Lebenssinnes unsere Jugend zu bewußten jüdischen Menschen zu gestalten. Nach anregender Diskussion, an der die Inspektoren Dr. Redfcch, Dr. Taghcht, Dr. Rosenmann und einzelne Lehrer teilnahmen, schloß die Sitzung. Im nächsten Schuljahre wird diese Arbeit beendigt werden, um dann zum Erfüllungsteil der Lehr plan wünsche, der Lehrer, der Schüler und der Eltern zu gelangen. Wer die Mittelschule verläßt, meint der Unterrichtsobmann Professor Dr. Rath, soll wenigstens eine Stelle des Pentateuch selbst verstehen können, in vie Interieure unseres Volkes Bescheid wissen und eine festere Bindung an unser Volk auf den Weg mitbekommen. Die Ansprüche des Hebrälschlehrers auf die volle Entlohnung für die Ferienmonate Der Hebräischlehrerverband der „Histadruth Iwrith" fordert seine Mitglieder auf, von ihren gesetzlichen Ansprüchen auf die volle Entlohnung für die Ferienmonate Gebrauch zu machen. An die hebräisehen Schul- und Kursverwaltungen, an die jüdischen Eltern und Nehmer von hebr. Privatunterricht ergeht der dringliche Ruf, diese ihre selbstverständliche Pflicht zu erfüllen und diese gerechten Ansprüche des Hebräischlehrers anstandc- und ausnahmslos voll und ganz zu berücksichtigen. In Streitfällen werden die Lehrer ersucht, sich sofort mit der Leitung des Verbandes in Verbindung zu setzen. Jüdische Volkspartei Oesterr'chs Die Organisierung der einzelnen Bezirksgruppen ’st hi Angriff genommen worden und erfordert regste Mitarbeit! Die Mitglieder der einzelnen Bezirke werden ersucht, sich zu dieser Arbeit unverzüglich zur Verfügung zu stellen und dies dem Sekretariat der «Jüdischen Volkspartei», Wien, 11., Untere Augartenstraße 38 (Tel. A 45-6-34), bekanntzugeben. Partelenverkehr, Auskünfte usw. täglich von 10 bis 14 Uhr. Briefe an die Redaktion Die AHerweitsraunzürin, die «Neue Fre^e Presse», beginnt ihren Leitartikel vom 13. d. M. mit den herzzerreißenden, tief erschüttern den Worten: «Wie lange soll diese» grauenerregende Schauspiel noch dauern?» — Grauenerregend ist nicht, wie man vielleicht mit Rücksicht darauf, daß dre Zeitung als Judenblatt (?!) bezeichnet wird, der Umstand, daß in Deutschland eine Judenverfolgung besteht, der Gelehrte, Künstler, Aerzte, Rechtsanwälte, Angestellte aller Berufe, Kaufleute und deren Familien zumr Opfer fallen. Grauenerregend ist «licht der Kairpi gegen Schriftsteller und deren Werke, die Knebelung des fraien Wortes und der Presse, nicht die Seelenvergiftung der jüdischen Kinder, nicht die Barbereiran des Tages, die aus Deutschland gemeldet werden. Grauenerregend ist nicht das Schwelgen der großen Deutschen, der Dichter und Denker. — Grauenerregend sind für die „Neue Freie Presse“ nur die Differenzen, die zwischen Oesterreich und d:m edlen Brudervolke entstanden sind, weil Oesterreich sich nicht gleichschalten lassen will. — Ich möchte noch hinzufügen: Grauenerregend ist die unwürdige Haltung der „Neuen Freie« Presse" und der „Nationaldeutschen Juden“.» Gustav Seldemamt. E Ferienreise nach Palästina am 11. Juli. Der gegenwärtig wütende Antisemitismus in Deutschland macht es der jüdischen Bevölkerung unmöglich, ihren Sommeraufenthalt in den altgewohnten Kurorten und Sommerfrischen zuzubrdngen. Dazu kommt noch das ungewöhnliche Interesse für Palästina, das Land des jüdischen Aufbaues, welches unter den breitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung zutage tritt. Diese Umstände verursachen einen ungeheuren Andrang zu der vom Reisebureau Compass Tours für den 11. Juli d. J. ausgeschriebenen Ferienreise nach Palästina. Es ist auch nicht außer acht zu lassen, die Tatsache, daß nach den letzten Berichten der Presse das Klima in Palästina heuer sehr gemäßigt ist. Es wird daher auch solchen Interessenten, die sonst vor der Hitze Angst haben, die Teilnahme an dieser wundervollen Seefahrt und der Aufenthalt auf dem Meeresstrande von Tel-Awiw möglich sein. Alle Interessenten werden dringend eingeladen, sich unbedingt sofort zur Teilnahme anzumelden. Auskünfte und Anmeldungen im Reisebureau Compass Tours, Wien, IX., Spitidgasse 3, Tel. B 42-5-38. E Bel rheumatischen Beschwerden in den Gelenken und Gliedern sowie bei Kopfweh wirken Togal-Tabletten raach und sicher. Togal löst die Harnsäure und wirkt bi hohem Maße als inneres Antiseptikum. Ein Versuch Überzeugt! Jit allen Apotheken. Preis S 2.40.