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Die Stimme · 1933-05-30 · Heft 282 (30.5.1933) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 282 (30.5.1933)
Date
1933-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 282 — 30. Mal 1933 DTE STIMME Seife f -4 tVe\dettdes Z\&z,-h\adL Palästina tm* sein« wirf' schaff liehen Möqlichkcifen Von Ino. Jonas landan. Voisllxcndav dev Zion. Oflsorannc Gvaz Palästina ist das Land der großen Gegenstäze. Schon fein klimatisch ergeben sich bei geringen Entfernungen ungeheure Unterschiede. Jerusalem mit einem Klima annähernd kontinentalen Charakters, im Gegensatz dazu in einer Entfernung von einer Stunde Autofahrt das in subtropischer Gegend gelegene Jericho (Höhendifferenz zirka 1200 Meter). Aehnlich der Gegensatz z. B. zwischen Safed und Tiberias. Stark sind die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, besonders in den hochgelegenen Gegenden, wie Jerusalem, und den von der Wüste unweit entfernten Orten, Wie Gaza und Bertuvia. Das Klima ist im allgemeinen für den Europäer leicht zu ertragen, besonders in der KUstenebene und im Qebirge, größere Anforderungen allerdings stellt das Klima im Jordantal und in der Gegend des Toten Meeres. Wohltuend empfindet man die ständigen Brisen; während des Tages strömen die oberen wärmeren Luftschichten vom Lande dem Meere zu und die kühleren dringen vom Meere aus in das Gebiet des verminderten Luftdruckes auf dem Lande. Unangenehm hingegen sind die von der Wüste im Frühjahr und Herbst kommenden heißen Winde, Chamsine, die jedoch selten sind. Ebenso groß sind die sozialen und wirtschaftlichen Kontraste. Der arabische Fellache mit seiner armseligen Lehmstube, seinen überaus primitiven Feldarbeitsgeräten, seinem Holzpflug, und der arabische Arbeiter, der 14 bis 16 Stunden beim arabischen Arbeitgeber schuften muß. Auf der anderen Seite der moderne jüdische Bauer, ausgestattet mit der neuesten Combine-Maschine, neben dem organisierten jüdischen Arbeiter mit einer Arbeitszeit von nur 7% Stunden. Dann wieder die Unterschiede im jüdischen Aufbauwerk selbst. Einerseits der sozialistische Emek Jesreel und andere Kollektiven, andererseits Scharon und Judäa mit vorwiegend privatwirtschaftlichen Siedlungen.. Die Einstellung, ob sozialistisch oder kapitalistisch, ergibt sich, wenn auch beeinflußt durch die persönliche Weltanschauung, aus den Bodenverhältnissen, Der Falchaboden, für Getreideanbau geeignetes Feld, erfordert in Palästina wegen der besonderen klimatischen Verhältnisse eine Bearbeitung mit Maschinen und eine gewisse Arbeltsspezlalisierung. Diese Arbeit, die einen größeren Aufwand an Arbeitskräften und Maschinen erheischt, ist im allgemeinen vorderhand von Kollektiven besser und rationeller als von Einzelwirtschaften! zu meistern, ln der Pflanzungszone mit intensiver Bodenbearbeitung dagegen sind die Kollektiven seltener, und hier betätigt sich die Privatinitiative mit immer größerem Elan, Wenn der Europäer nach Palästina kommt, Ist er überrascht von dem gewaltigen Umfang und dem amerikanischen Tempo des Aufbaues. Die Bautätigkeit, von deren Umfang wir uns kaum eine Vorstellung machen können, läßt gewissermaßen über Nacht ganze Stadtteile neu erstehen, sie erstreckt sich aber auch aufs Land, und Kolonien wachsen aus dem Sande der Wüste. Die große Kapitalsfnvaslon der letzten Monate kommt vor allem aus Amerika, Polen und England. Begünstigt wird die Investitionstätigkeit durch das Fehlen von PersonaJsteuem. Palästina kennt weder eine Einkommennoch eine Erwerbssteuer, eingehoben werden nur Boden- und Haussteuer, abgesehen von Zöllen. Das Palästina-Budget weist Ueberschüsse auf, so daß der Reglerungssehatzrneister sogar über große Barreserven verfügt, Unbekannt sind Beschränkungen des Handels und Gewerbes; es gibt weder Gewerbescheine noch Befähigungsnachweise. Bei dem ungeheuren Interesse, das Palästina heute in allen jüdischen Kreisen findet, ist es nicht zu verwundern, daß Ich seit meiner Rückkehr mit Fragen über Aussichten und Möglichkeiten im Lande bestürmt werde. Ich will in dem mir zur Verfügung stehenden beschränkten Raum das Wichtigste zu skizzieren versuchen. Der Zustrom an Menschen und Kapital ergießt sich vor allem in drei Richtungen: Landwirtschaft, Häuserbau und Industrie. Landwirtschaft. Reine Getreidewirtschaft ist in der ganzen Welt unrentabel, und Palästina stellt in dieser Hinsicht keine Ausnahme dar. Es werden daher Kapitalien in Viehzucht, Gemüse- und Weinbau sowie speziell in Zitrusplantagen (Orange und Grapefruit) Investiert, Orangerien haben sowohl bei Lohnwie auch bei Eigenarbeit eine glänzende Verzinsung abgeworfen. Ein Dunam (1000 m2) Pardess im Anschaffungawerte von zirka 60 Pfund (heutiger Verleaufswert ungefähr 100 Pfund) brachte rein 20 bi« 30 Pfund im Jahre. Ein Besitz von 20 Dunam gewährt demnach ein ordentliches Einkommen. Diese hohe Verzinsung der Investierten Kapitalien wird gewiß nicht anhalten, da jetzt große Pflanzungen neu angelegt werden. Eine angemessene Verzinsung jedoch wird der Pardess immer abwerfen, da die Jaffa-Orange als die beste der Welt bekannt Ist und immer neue Absatzgebiete auf Kosten der kalifornischen und spanischen erobert. Im übrigen deutet die positive Einstellung der Ernährungswissenschaften zur Bevorzugung der Rohkost wegen der darin enthaltenen Vitamine darauf hin, daß der Weltkonsum in Zitrusfrüchten steigen wird. Trotzdem ist die Monokultur der Zitruspfianze nicht zu empfehlen und das Bestreben nach Erweiterung der bereits vorhandenen gemischten Wirtschaften ist deutlich zu bemerken. Ein jüdischer Siedler, der neben einigen Dunam Pardess Viehwirtschaft, Gemüsebau, Geflügel- und Bienenzucht betreibt, ist gegen Krisen relativ gesichert, da er eine gewisse Autarkie zu erreichen imstande ist. Der jüdische Nationalfonds trifft aus dieser Erwägung heraus auch Vonsorge, daß auf den vom Nationalofnds zur Verfügung gestellten Böden nur zum Teil die Zitruspfianze gebaut werden darf. Aus kommerziellen Gründen ist die gemische Wirtschaft ebenso zu empfehlen, da sowohl Gemüse wie auch Eier, Milchprodukte und Honig genügenden Absatz und einen guten Preis im Lande haben. Die Einrichtung der jüdischen Wirtschaften genügt den modernsten technischen Ansprüchen und Ist jenen der mitteleuropäischen Wirtschaften weit überlegen. Aus Syrien,' Cypern und Aegypten kommen Landwirte und Fachkommissionen der Regierungen, um bei den Juden, dem sogenannten Händlervolk, Landwirtschaft zu erlernen. Die jüdischen Wirtschaften sind dem ganzen Orient zum Muster geworden. Industrie* Unternehmungen größeren Formates sind die Irak Petrol Company, die Potash Company, die zum Teil mit englischem, zum Teil mit jüdischem Kapital arbeiten. Im allgemeinen hat jedoch Großindustrie in Palästina weniger Möglichkeit, schon deshalb, weil die palästinensische? Banken nach englischem Prinzip sich vorwiegend auf Kommerz- und Hypothekargeschäfte beschränken und Investitionskredite seltener gewähren. Aus nationalen Gründen ist diese Entwicklung nur zu begrüßen. Dagegen konnte die Mittel- und Kleinindustrie sehr gut Fuß fassen. Vorhanden sind: das Ruthenberg-Werk, eine bedeutende Zementfabrik, Oel- und Seifenfabriken, Wirk- und Strumpfwarenfabriken, Schokoladefabriken, Nägelfabriken, Schuhfabriken, Seidenfabrtken, größere Mühlen, eine Reihe größerer Kistenfabriken und viele andere Unternehmungen. Eine große Anzahl von Produktionen fehlt allerdings im Lande, und das ist das Feld für die Juden Mitteleuropas, die mit Geld und Fachkenntnissen oder mit Geld und einem Fachmann ins Land kommen. Nicht nur Palästina, sondern auch der ganze Orient ist heute schon das Absatzgebiet der palästinensischen Produktion, so daß die meisten jetzt bestehenden Fabriken in drei Schichten arbeiten, ohne jedoch den Bedarf decken zu können. Für Europa sicherlich ein unbekanntes Phänomen. Häuserbau. Eine Verzinsung von 10 bis 12 Prozent erscheint gegeben. Trotz der großen Bautätigkeit herrscht Mangel an Wohnungen, die meisten Häuser werden im Rohbau vermietet, oft schon gelegentlich der Grundsteinlegung. Am rentabelsten ist gegenwärtig Häuserbau in Haifa und Tel-Awiw. Der große Kapitalsstrom verbunden mit dex gewaltigen Investitionstätigkeit bedingt eine großzügige Einwanderung. Trotz allem mangelt es im ganzen Land an Arbeitskräften. Dem Bedarf der Kolonisten, Fabrikanten, Baumeister und anderer Arbeitgeber an Arbeitskräften kann nicht annähernd entsprochen werden. Es mangelt hauptsächlich an geschulten Fachkräften, aber auch landwirtschaftliche Arbeiter und Hilfskräfte werden sehr gesucht. Im allgemeinen ist der Lebensstandard des Arbeitern ein hoher und die Lohnverhältnisse ermöglichen es dem Arbeiter, einen guten Teil seines Einkommens zu ersparen. Im Monat März wurden wegen des Arbeitermangels die höheren Klassen sämtlicher Schulen für zwei Monate geschlossen und die jungen Leute von der Schule weg in die Arbeit geschickt Es ist klar, daß ein Land, dessen grandiosen Aufbau wir jetzt erleben, für alle Beschäftigungen, also auch für Wirtschaftszweige, die wegen des beschränkten Raumes hier keine Erwähnung finden, Platz und Möglichkeit hat. Der Zionismus und mit ihm das Aufbauwerk Palästinas hat jetzt seit der Balfour-Deklaration wieder eine große Chance, und «8 liegt an una Juden, diese Chance au erkennen und au«- zunützen. 35 Mittelstandsfamilien werden im Wadi Hawarith angesiedelt Jerusalem. Auf Grund eines Uebereinkommens mit der Leitung der Jewish Agency wird mit der Errichtung einer Kolonie für 35 Mittelstandsfamilien auf dem Oeblete von Wadi Hawarith begonnen. Ausdehnung der „Kollektivstrafeft* zone“ ln Palästina Jerusalem. Das palästinensische Amtsblatt veröffentlicht eine Liste von 206 Dörfern, die neu in die sogenannte Kollektivstrafenzon« einbezogen werden. Dies« Zone umfaßt solche Ortschaften, in denen nach Ansicht der Behörden «gefährliche und unruhige Verhältnisse» herrschen. Im Falle von Unruhen können diese Ortschaften mit Kollekiivstrafen belegt werdet. Von den in die Zone neu einbezogenen Dörfern liegen 70 im Unterdistrikt Nablus, 30 im Unterdistrikt Y e n i n, 16 im Unterdistrikt Haifa, 15 im Uiit-.-uisrnki A k k o, 16 im Unterdistrikt Safed, 6 im Unterdistrikt Tiberias, 3 im Baisan-Distrikt, 3 im Nazareth-Distrikt und 38 im Tulkarem-Distrikt, darunter auch die Ortschaften Tel Mond und N a t h a n i a. Der Tuikarem- Distrikt ist der einzige, in dem auch jüdische Dörfer in die Gefahrenzone einbezogen wurden. Einführung der Papierfabrikation ln Palästina Tel-Awiw, Eine Gruppe jüdischer Unternehmer in Tel- Awiw, der der frühere Inhaber einer großen, im Jahre 1920 gegründeten Papierfabrik in Rußland und der Besitzer einer großen Briefumschlagerzeugung in Tel-Awiw angehören, hat die Errichtung der ersten Papierfabrik Palästinas beschlossen. Das für die neue Fabrik notwendige Maschineninventar ist bereits ln Tel-Awiw eingetroffen. Ungenügend« Berücksichtigung fitdi* scher Arbeiter hei öffentlichen Ar* beiten ln Palästina Jerusalem. Die hebräische Presse beschäftigt sich mH der Tatsache, daß auch bei den eben zur Vergebung gelangten neuen Bauarbeiten für das Rockefeller-Muscum Juden SO gut wie gar nicht beschäftigt werden. Es werden bei diesen Arbeiten überlOOarabische und bloß sechs bis acht jüdische Bauarbeiter verwendet. Ein angeblicher Vertrag zwischen Transjordanien und Hedsehas über den Akaba-Distrlkt Jerusalem. Die arabische Tageszeitung «Falastin» meldet, daß zwischen den Regierungen von Transjordanien und Hedsehas ein Vertrag geschlossen wurde, demzufolge der Distrikt von Akaba als britischer Besitz anerkannt wird und einem britischen Gouverneur unterstellt werden soll. Die transjordanische Regierung dementiert diesen Bericht des «Falastin». — 45 Beamte ausländischer Staatsangehörigkeit sind soeben von der transjordanischen Regierung entlassen worden und sollen durch Trans- Jordanier ersetzt werden. Weitere ZOO Palästina * Zertifikate aus der Reserve der Palästina* Regierung Deutschland zugewiesen Jerusalem. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Palästinaregierung von den bei der Aufteilung der jüngst ausgegebeien Palästinazertifikate als Reserve zurückbehaltenen 850 Zertifikaten 200 Arbeitereinwanderungszertifikate nach Deutschland gesandt. Libanon wünscht Einwanderung deutscher Juden Jerusalem. Wie dem «Doar Hayotn» aus Beirut gemeldet wird, hat sich eine Delegation libanesischer Kaufleute an den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Beirut Salim Harrari mit der Bitte gewandt, seinen Einfluß bei der Jewi«h Agency dahin geltend zu machen, daß ein Teil des Jüdischen Auswanderungsstromes aus Deutschland nach dem Libanongebiet gelenkt werde. Der Sprecher der Delegation erklärte, das Libanongebiet brauche die Energie und den Unternehmungsgeist der fleißigen deutschen Juden, um zu wirtschaftlicher Blüte gelangen zu können. Arabisch« Aerzte fordern Praxisverbot für ausländisch« Aerzte ln Palästina Jerusalem. Die Vereinigung der arabischen Aerzte in Haifa hat der Regierung ein Memorandum überreicht, in dem S« ein Niederlassungs« und Praxisverbot für jüdische und andere ausländische Aerzte fordert. Die «Liga für das arbeitende Palästina« veranstaltet Samstag, den 10. Juni 1933, 7 Uhr abends, «m Konstantinhügel, 11., Haoptallee, ein Gartenfest unter Mitwirkung prominenter Künstler. Denk an Deutschland! Kaule den Schekel!

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