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Die Stimme · 1933-03-23 · Heft 272 (23.3.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 272 (23.3.1933)
Date
1933-03-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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BEZUGS¬ BEDINGUNGEN Oeoiarreich monatlich S 1 SO, vierteljihrl. S 4 20, gan? jihrl. ... S 10 Deutachld. viertel?hrl.. . . RM i ~ schechoalimekei viertelj. . Kc 24 — lugoelawtett vielt«! jihrl. . Din 40 - Po en Vierteljahr lieh . . Zloty 0 SO Ungarn Vierteljahr lieh . . Pengö 4 20 Buminien viertel eHrl.. . Lei 120 — ehrigee Ausland vierteljlhrl. Schtv. Franken 4 SO Jfidisdie Zeitung Erscheint je len Donnerstag Bedaktiofi und Administration Wien, I-, K«rntner atrat• 28 Tel R-27 4 85 Postsparkassen konti: Oesterr. U 113546 Polen . . 191199 Isrhecho* Slowakei . 500.230 Jugoslawien 40.879 6. Jahrgang Wien, Donnerstag, 23. März 1933 <25. Adar 5693) Nummer 273 Die deutsche Geserdh Brutaler Vernichtungskampf gegen Juden im Dritten Reich Hemmungsloser Terror und Pogromhetze — Jüdische Todesopfer — Blockierung und Plünderung jüdischer Geschäfte — Sturm gegen jüdische Anwälte und Künstler — Ausweisungen, Massenflucht Wüste Hetze nnd Terror Die Reichslagswahlen haben den wüsten Terror Hitlers «legalisiert». Hemmungslose Pogromhetze nimmt ihren Fortgang. Sämtliche Naziblätter künden ln riesigen Schlagzeilen die«Nachtderlangen Messer» an. Die Terrorakte mehren sich. Schon sind jüdische Todesopfer zu beklagen, ln Berlin wurde der 26jährige Student Günter Falkenetein von Nazis niedergestochen. In B e u t h e n wurde der Kaufmann Josef Steiner, 53 Jahre alt, in bestialischer Weise ermordet. Und die Fälle, wo Juden ohne Grund überfallen, blutig geschlagen und brutal mißhandelt werden, gehen in die Hunderte. Kein Wunder daher, wenn ausländische Zeitungen von einer jüdischen Flucht aus Deutschland zu berichten wissen. Einen Begriff von der Maßlosigkeit der antisemitischen Hetze in Deutschland kann man sich aus folgendem Dokument machen, das von nationalsozialistischer Seite in Milliönenauflage verbreitet wird und das wohl einen Re k o r d a n B e s ti a l i t ä t darstellt: «Wir warnen alle Juden! Wenn einem der Führer der nationalen Regierung auch nur ein Haar gekrümmt werden sollte, wird das unser Signal zum allgemeinen Massenmord aller Juden sein, der erst dann ein Ende finden soll, wenn alle Juden getötet sein werden. — Der Femeausschuß der Judenjäger Europas.» Behördlicher Boykott Das Wolffsche Telegraphenbureau meldet aus Weimar u. a.: Nach einer Verfügung des thüringischen Innenministeriums dürfen staatliche Behörden und Anstalten nicht in Warenhäusern, Konsumvereinen und Einheitspreisgeschäften kaufen. Staatliche Aufträge seien künftighin lediglich alten Unternehmungen des guten alten Mittelstandes, christlichenGeschäften, zuzuwenden. S. A. säubert weiter... Numerus clausus für Jüdische Rechtsanwälte Nur 17 jüdische Rechtsanwälte in Breslau an den Berichten zugelassen — Eine Zahl, die dient «prozentualen Anteil der jüdischen Bevölkerung Breslaus entspricht Breslau. Der Breslauer Justiz-Stillstand ist nun beendet, ln einer Besprechung, a« der alle interessierten Behörden und Verbände Breslaus teilnahmen, erklärte, wie die Breslauer Polizeipressestelle mitteilt, der Polizeipräsident u. a., daß er für die ungestörte Abwicklung des Geschäftsganges bei den Justizbehörden unbedingt Sorge tragen werde. Er fügte hinzu, die Justizverwaltung möge unter dem Eindruck der Erregung dieser Tage für ein Eindämmen des Einflusses jüdischer Rechtspflege Sorge tragen. Andernfalls sei mit Unruhen vor den Gerichtsgebäuden und Behelligung jüdischer Rechtspflegeorgane zu rechnen, die zwar durch die Polizei im Rahmen des Möglichen verhindert werden, jedoch in das Wirtschaftsleben neue Unsicherheit hineintragen könnten. Im Anschluß an diese Besprechung hat der Oberlandesgerichtspräsident über die Zulassung von jüdischen Rechtsanwälten an den Gerichten u. a. folgende Richtlinien ausgegeben: Unter allen jüdischen Breslauer Anwälten werden 17 ausgewählt, welche an den Breslauer Gerichten auftreten. Diese Herren erhalten zu ihrer Legitimation besondere polizeiliche Ausweise. Alle anderen jüdischen Rechtsanwälte halten sich vom Auftreten vor Gericht fern. Im übrigen sind sie in ihrer Berufstätigkeit unbeschränkt. Wegen des Ausweises wird an die Herren, auf welche die Wahl gefallen ist, besondere Mitteilung ergehen. Es ist die dringende Bitte an die jüdischen Rechtsanwälte ausgesprochen worden, sich im Rahmen dieser Richtlinien zu halten. Der Oberlandesgerichtspräsident verspricht sich hievon eine Beruhigung der Bevölkerung und eine Entspannung der allgemeinen Lage. Insofern dürfte diese Regelung auch im eigenen Interesse der davon Betroffenen liegen. Die «Deutsche Allgemeine Zeitung» teilt aus Breslau mit, daß die geringe Zahl von 17 zugelassenen jüdischen Rechtsanwälten dem «prozentualen Anteil der jüdischen Bevölkerung Breslaus entspricht». Neueste Parole: „Deutsche Aerzte für die Berliner Krankenhäuser11 Berlin. Der «Völkische Beobachter» vom Sonntag teilt mit: _ «Der Staatskommissar füröerlin, Pg. Dr. Julius Lippert, beabsichtigt, die Aerzte-Kollegien der städtischen Krankenhäuser grundlegend umzugestalten. Er empfing aus diesem Grunde eine Reihe von kommissarischen Bezirksbürgermeistern, die besonders über die Zustände in den Krankenhäusern berichteten und darüber Beschwerde führten, daß an den meisten städtischen Krankenhäusern 80 bis 90 Prozent, teilweise sogar 100 Prozent jüdische Kommunisten und Sozialdemokraten als Aerzte tätig seien. Pg. Dr. Lippert gab Anweisung, daß die Verträge aller dieser Aerzte zum nächstmöglichen Termin gekündigt werden. Die Neueinstellungen werden durch den Magistrat in seiner neuen Besetzung vorgenommen werden.» Dirigenten Jüdischer Abstammung wird das Philharmonische Orchester nicht mehr xur Verfügung gestellt Maßnahmen gegen Bruno Walter und Heinz Unger Berlin. Wie in Leipzig, wo gestern Reichskommissar von Killinger ein Gewandhauskonzert mit Brjuo Walter verboten hat, ist diesem Dirigenten nun auch ln Berlin das Dirigieren unmöglich gemacht worden. Bruno Walter sollte am nächsten Montag das vierte Konzert eines von ihm dirigierten Zyklus mit dem Philharmonischen Orchester leiten. Der Minister für Volksaufklärung Der «Stimme» wird aus Krems berichtet: Die hier stattgefundenen Wahlen in den Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde brachten den Zionisten einen großen Erfolg. Von den 9 Vorstandsstellen konnte die Zionistische Wahlvereinigung 7 für sich erobern, während die Gruppe, die bisher die Majorität Inne hatte, bis auf 1 Mandat zusammenschmolz. 1 Vorstandsstelle gelangte mit einem Vertreter der Landgemeinden zur Besetzung, der sich der Zionistischen Walilvere^iigung angeschlossen hatte. Der derzeitige Kultusausschuß setzt sich nunmehr wie folgt zusammen: Josef Pisker, Präsident; Jacques Karpfen, Vizepräsident; Dr. Paul Brüll und Norbert Sachs, Beiräte (Mitglieder des Präsidiums); Arnold Kerpen, Finanzreferent; LeoLöwenkron und Karl Rephan, Kultusgelegenheitsreferenten. und Propaganda, Dr. Goebbels, hat dagegen Einsprucn erhoben und der veranstaltenden Konzertdirektion anheimgestellt, einen anderen Dirigenten anstelle von Bruno Walter zu benennen. Bruno Walter, einer der hervorragendsten Opernleiter und Dirigenten Deutschlands und der ganzen Welt, wurde 1876 in Berlin als Kind jüdischer Eltern geboren und heißt eigentlich Schlesinger. Er ist seit einer Reihe von Jahren getauft. Von 1925 bis 1929 leitete er die Städtische Oper in Berlin. Auch als Komponist trat er hervor. Dr. Heinz Unger hat seinen Posten als Dirigent der Gesellschaft der Musikfreunde, den er seit acht Jahren inne hat, niedergelegt, da er von seiten der Stadt Berlin verständigt worden sei, daß ihm in Zukunft das Philharmonische Orchester, mit dem er die Konzerte der Gesellschaft veranstaltete, — vier in dieser Saison, in früheren Jahren mehr —, nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Jüdische Protestkundgebung In Warschau Die jüdische Parlamentsfraktion in Warschau veranstaltete eine große Protestkundgebung gegen die antisemitischen Ereignisse in Deutschland, ln der Kundgebung wurde das Gewissen der gesamten gesitteten Welt aufgerufen. Mitteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin, 20. März. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland teilt mit: «Am Sonntag abends erschieß eine Gruppe von Leuten in SA-Uniform in den Räumen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland sowie in der Wohnung eines führenden Zionisten und nahm Durchsuchungen vor. Die sofort durch uns unternommenen Schritte ergaben, daß es sich nicht um behördlich autorisierte Maßnahmen handelt. Wie man uns zusicherte, ist Vorsorge dafür getroffen, daß sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen wird. Unser Büro-Betrieb Ist in keiner Weise gestört. Unsere Arbeit geht unverändert weiter. Um von vornherein unrichtige Meldungen im In- und Ausland zu verhüten, legen wir Wert darauf, den Für die Mitglieder der Landgemeinden Herr Alfred Schafranek, Hadersdorf a. K. Die oppositionelle Gruppe ist durch Herrn Otto Auspitz vertreten. Nnunmehr wird es endlich möglich sein, die seit Jahren durch die Nichtzionisten verhindertc.it Reformen (Statutenänderungen) zur Durchführung zu bringen. » Krems ist somit nach Wien und Graz die dritte jüdische Gemeinde in Oesterreich, die über eine zionistische Majorität verfü Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich gratuliert auf diesem Wege den Kremser Gesinnungsgenossen zu ihrem schönen Erfolge und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Kremser Zionisten nunmehr mit doppeltem Eifer für die Durchsetzung des zionistischen Gedankens arbeiten werden. Großer zionistischer KuMuswahU sieg in Krems Der Vormarsch des Zionismus in Oesterreich — Die dritte oster• reichische Judeneemeinde zionistisch

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