Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1933-03-16 · Heft 271 (16.3.1933) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 271 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3053752-3054015-3054026--3423-3058937
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seit« » DfB STIMME Nr. 271 — 16. März IMS den Leuten nicht zur Beute werden lassen, vor denen du dich fürchtest Denn ich will dich beschirmen, daß du nicht durchs Schwert fallest, daß dein Leben nicht eine Beute des Feindes werde, denn du hast auf mich vertraut, spricht Gott.» Und der Vers: «Wenn sich schon ein Heer wider mich legt, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht. Wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf Ihn.» Und es steht geschrieben: «Denn so du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht sollen ersäufen und so du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen und die Flamme soll dich nicht versengen.» Und Du, o Gott, schenke ihm das Recht zum Leben, damit er zu seiner Familie gesund heimkehre. Fürchtet euch nicht vor ihnen; der Gott, euer Herr, streitet für euch. Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet still sein. Der Name Gottes ist ein i'.stes Schloß; der Gerechte läuft dahin und wird beschützt Grtt behüte dich vor allem Uebel; er behüte deine S’ele. Gotl behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Gott ist ein Kriegsmann, Gott ist sein Name!» Bernard Tag - SO Jahre all Bernard Tag, der am 12. d. M. in bewunderungswürdiger Frische das 70. Lebensjahr vollendete, gehört der Generation jener Männer an, die in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gemeinsam mit Theodor Herzl die Grundlagen des damals als Phantasterei verspotteten, heute zur bewunderten Wirklichkeit gewordenen Zionismus gelegt haben. Die Schar dieser Männer schloß bereits alle Elemente der späteren Weltbewegung in sich ein, die darum schon in ihren Anfängen den Mut besaß, ihrem Organ den stolzen Titel «Die Welt» beizulegen. Bernard Tag war einer der ersten Mitarbeiter der «Welt» und repräsentierte schon als solcher den Typus des nach innerer Erneuerung ringenden Judentums, dessen würdiger Vertreter er seither geblieben ist. Mit Nathan Birnbaum, der um diese Zeit als Mathias Acher an der Spitze der Vorkämpfer um eine jüdische Renaissance stand, und mit Martin Buber verband ihn nicht nur innige Freundschaft, sondern auch die gemeinsame Grundhaltung: das neue Zion, das im Lande der Väter erstehen sollte, war für ihn das Sinnbild einer seelischen und ge'stigen Regeneration des Judentums. Wie Birnbaum und Buber kam auch Bernard Tag aus dem jüdischen Osten und gleich ihnen wurde er, der seine Studien in Heidelberg und Wien absolvierte, vom Zauber der deutschen Philosophie und der Gewalt des im Aufstieg begriffenen Sozialismus erfaßt. Aber wie Martin Buber empfand auch er als stärkste Sehnsucht das Bedürfnis nach einer Synthese des im östlichen Judentum zur Entfaltung gelangten religiösen Geistes mit der abendländischen Kultur. Noch zu einer Zeit, da der Naturalismus auf allen Gebieten ein unbeschränkter Herrscher zu sein schien, erkannte und erlebte Bernard Tag das Heraufkommen einer neuen religiösen Epoche. Wiedererwachen der jüdischen schöpferischen Kräfte war ihm gleichbedeutend mit der Besinnung auf den Geist der Propheten, von welchen ihn eine ungebrochene Verbindung zurrti^ehre Jesu in ihrer reinen ursprünglichen Form zu führen schien. Von diesem universalistischen Geist religiöser Eneuerung ist alles getragen, was Bernard Tag, der auf eine reiche dichterische und essayistische Produktion zurückblickt, geschaffen hat. Eine Auswahl ans seinem lyrischen, epischen und dramatischen Werk — darunter ein Fragment «Der junge Moses» — ist unter dem Titel «Morgenlied und Morgenland» vor einigen Jahren in Wien erschienen. Derselbe Geist religiöser Hingabe, der seine Schriften erfüllt, charakterisiert aber auch den Menschen Tag, wie immer er sich äußern möge, als Sprecher, als Kämpfer und im persönlichen Verkehr. Mögen Bernaird Tag noch viele fruchtbare Jahre zur Freude seiner ihn verehrenden Freunde beschießen sein. Dr. Franz K o b 1 e r. Romain Roland über das jüdische Volk Die Pariser Zeitschrift «Le droit de vivre» (Nr. 7) veröffentlicht einen kurzen Aufsatz des Dichters und Friedenskämpfers Romain Roland, der im wesentlichen lautet: «Die Richtung des Tuns erscheint klar für alle Juden, die sich der Rolle ihrer großen Rasse im Fortschritt der Welt bewußt. Sie müssen mit ihm mitgehen. Die tragische und ruhmreichste Bestimmung des jüdischen Volkes liegt darin, daß ihr einziger Ausweg nach vorne führte. Immer vorwärts! Es ist ihm nicht möglich, sich nach rückwärts zu wenden, ohne sich zu verleugnen und unterzugehen. Ihre eigentliche Mission ist die Vernunft und die Gerechtigkeit. Sie verpflichtet sie, immer die Pioniere der Vernunft und der Gerechtigkeit zu sein und ihnen auf Kosten ihrer Leiden und ihres Blutes zum Siege zu verhelfen. Sie müssen in der heutigen Verwirrung die Verbündeten derjenigen sein, die eine neue soziale Welt organisieren wollen, gegründet auf dem Vorrange der Arbeit und auf der internationalen Treue. Sie müssen die Verfechter des Zusammenarbeitens der Völker werden gegen die haßerfüllten Auswüchse, die sich in den verschiedenen Völkern dem entgegenstellen. Gegen die imperialistischen Vereinigungen der mörderischen Industrietrusts, deren Führer fast alle Regierungen Europas und Amerikas beherrschen, gegen den Faschismus, diese sehwarze Pest — müssen sie kämpfen mit uns, den freien Christen... Sie müssen sich wohl Rechenschaft darüber geben, daß jeder Erfolg der Reaktion von einer grausamen Erhebung gegen die Juden begleitet sein werde! Ob sie es wollen oder nicht, der helle Haß ihrer Feinde — die auch die unsrigen sind — hat ihre Sache identifiziert mit der der großen Revolutionen, die seit einem Jahrhundert die alte Welt bearbeiten. Der Feind sieht oft klarer als der Freund das wahre Wesen seines Gegners. Und es ist wahr, daß die wahre jüdische Sache die Sache der ewigen sozialen Erneuerung ist. Euer Jerusalem ist nicht die Vergangenheit des Ruhmes tines Volkes. Es ist die Zukunft der Gerechtigkeit für alle Völker der Erde.» THEATER KLEINE KUNSTNACHRICHTEN Mirjam Koratowa in den Jüdischen Künstlerspielen Die Jüdischen Künstlerspiele, bis nun Stätte zur Pflege der ernsten jüdischen Theaterkunst, machten diesmal einen kleinen — oder war es ein großer? — Seitensprung. Ausgerechnet ein «Negermädel» hat’s ihnen angetan. Was nutzt es, daß dieses Negermädel ganz ausgezeichnet spielt und tanzt und Mirjam K o r a 1 o w a heißt, ihr Partner T e f n e r schön singt. Mit jüdischer Kunst hat dieses Genre, das sich aus Singspiel, Melodram und Operette zusammensetzt, jedenfalls nichts gemein. Das herzhaft ursprüngliche Spiel der Koralowa vermag auch nicht über all die Banalität und Kitschigkeit eines aus der Vorkriegszeit mit amerikanischem Beiwerk geschmückten Negermädels hinwegzubringen. Dieses Genre jüdischen Theaters, das auch heute noch in den meisten Weststädten wie Amsterdam, Antwerpen und Paris und, last but not least, in Amerika gespielt und gepflegt wird und das, jüdisch nur in der sprachlichen Garnierung, weniger oder aber gar nicht im Motiv ist, findet schließlich hier wie dort noch sein Publikum, das einerseits schon zu sehr assimiliert ist, um für ernste jüdische Kunst empfänglich zu sein und anderseits noch zu wenig, um ganz auf jüdische Theaterkost selbst in dieser seichten und billigen Form zu verzichten. Der stürmische Beifall des zahlreichen Publikums bewies jedenfalls, daß gerade solche sehr gesucht ist. De gustibus ... —thal. Gastspiel Mirjam Koralowa ln den Jüdischen Künstlerspielen Ab Freitag: «Die Bäckerstochter» Mirjam Koralowa tritt ab Freitag, dem 17. März, in «Bäckerstochter» auf. «Bäckerstochter» ist ein dreiaktiges Lustspiel mit Musik von Benzion Wagschal und Mirjam Koralowa. In der männlichen Hauptrolle gastiert Koralowas Partner, Alfred T e f n e r. Die Regie führt W. Kambaroff. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. «Mendete Mojcher Sforim» Vortrag Dr. Z. F. Finkeistein: Donnerstag, den 16. März 1933, um 8 Uhr abends, findet in der Zion. Bezirkssektion Leopoldstadt, II., Praterstraße 13, ein Vortrag Dr. Z. F. Finkeistein über «Mendele Mojcher Sforim» statt. Rezitation aus Dichtungen von Martha Hofmann Am 21. d. M., um y28 Uhr abends, findet im Kleinen Musikvereinssaal ein Rezitationsabend Marie Louise Cava 11 a r (Konzertdirektion Elite) statt, der zum größten Teil den Dichtungen von Martha Hofmann gewidmet ist. Zum Vortrag gelamgen: Die Novelle «Der stumme Knecht» sowie Dichtungen aus den Büchern «Magische Nächte» und «Palästinensische Romanzen» (Gedrucktes und Manuskript). Der Abend begegnet größtem Interesse. Eine Neuerscheinung Wolfsohns Im Verlag Ludwig Döblinger sind soeben Julius Wolfsohns «Zwei Idyllen» für Violine und Klavier erschienen. Mit Untertiteln «an der Wiege» und «Vertraute Klänge» versehen, ergänzen sie das Gesamtbild des Komponisten Wolfsohn durch klare, ausgeprägt jüdische Melodik und ausgewählte Harmonik. t. Vorlesung Jehuda Ehrenkranz: Schalom Alechem Jehuda Ehrenkranz liest Sonntag, den 26. d. M., im Offenbach-Saal, IV., Treitlstraße 3, in einem von der Poale- Zion veranstalteten Abend aus den Werken von Schalom Alechem in jiddischer Sprache. Ehrenkranz, der an diesem Abend einen Querschnitt durch das Gesamtschaffen Schalom Alechems bieten wird, liest u. a. zum erstenmal das Kapitel «Hodel» aus «Tewje, der Milchige», ferner «Wenn ich Rothschild wäre» und «Gleichheit für alle». Karten von 1 Schilling aufwärts bei R. Lanyi, L, Kärntnerstraße 44, und M. Rath, II., Taborstraße 20 a. Jüd. Schauspielerverein in Wien Sitz: Wien, 1L, Praterstraße 34, TeL R 40-0-94 Samstag, den 25. März 1933, findet in den Festsälen des Hotel Continental, Wien, II., Taborstraße Nr. 4, das I. Purimfest des Jftid. Schauspielervereines in Wien statt. Das Reinerträgnis dient zur Errichtung eines eigenen Heimes zwecks Förderung des Jüdischen Theaters in Wien. Mitwirkende in der Künstler-Akademie u. a. (alphabetisch geordnet): Damen: Hilde Dulitzkaja, Jüdische und russische Lieder; Betty Kamay, Tänzerin der Warschauer Oper; Else Kaufmann, Vortragskünstlenin; Dina König, Mitglied der Wilnaer Truppe; Mirjam Koralowa, einmaliges Auftreten während ihrer Durchreise; Gertrud Kraus mit ihrer Tamztruppe; Fr. Lea Weintraub-Graf, Jüdische Volkslieder; Herren: Franz Engel, der Wiener Liebling; Josef Fleischmann, Groteskkomiker; Leopold Jungwirth in seinem Repertoire; W. Kambaroff in seinem Orig.-Repertoire (Zum 1. Male in Wien); Josef Kamen und Israel Kamay, Mitglieder der Wilnaer-Truppe; Janko Leibovici, Violinvirtuose; Jakob Welslitz, Mitglied der Wilnaer-Truppe (Rezitationen). Die Musik besorgt die berühmte Jazz-Kapelle Janko Leibovioi. Karten im Vorverkauf S 2«—, an der Abendkassa erhöht! Beginn: 8 Uhr abends. Konzert des Wiener Jüdischen Gesangvereines Der Wiener jüdische Gesangverein veranstaltet am 22. März d. J. im Saale des Industriehauses, Wien, 1., Schwarzenbergplatz, ein Chorkonzert mit folgendem Pro- §ramm: 1. Mendelssohn: Psalm Nr. 42, Sopran-Solo: G. Blühmetana; 2. Brandniann: 3 palästinensische Hirtenweisen (Baßsolo: Ing. Fritz Kohn), Uraufführung; Alman: Unter die grüne Boimelech, Uraufführung; 3. Goldmark: Frühlingshymnus (Altsolo: Prof. Rosa Rosen). Dirigent: Israel Brandmann. Mitwirkend: Lotte Hammetschlag (Viola). Beginn 8 Uhr abends. Restliche Karten bei den Veneinsmitgliedern und an der Abendkassa. «Kampf» — die nächste Ufa-Premiere findet nächste Woche im Ufa-Tonkino statt. Der große Film, der einige der gefährlichsten und spannendsten deutschen Rennen zeigt, beschäftigt in der sportlichen und schauspielerischen Hauptrolle den berühmte« Rennfahrer und Avus-Sieger Manfred von Brauchitsch. In der Spielhandlung, die viele heitere Episoden enthält, sieht man in den weiblichen Rollen Evelyne Holt, Jessie Vihrog, Blandine Ebinger, Der Film erscheint außer im Ufa-Tonkino auch im Gartenbau-, Wienzeile-, Stafa- und Kolosseum-Kino. Eine billige Pessachfahrt nach Polen Die vom humanitären Verein der Lemberger (vom 9. bis 20. April) veranstaltete billige Pesachfahrt nach Polen (Krakau—Lemberg—Stau slau—Kolomea etc.) hat in allen jüdischen Kreisen großen Widerhall gefunden, da man ohne alle Formalitäten (ohne Paß und Visa) die Verwandten in Polen besuchen kann. Es ist unbedingt erwünscht, schon jetzt Plätze zu reservieren. Auskünfte und Anmeldungen: «Francopob, Wien, III., Rennweg 1, Tel. U 16-4-90 und «Universal», Wien, I., Kärntnerring 12, Tel U 40-4-42. Für die Rerseteiinehmer ist auch die Möglichkeit gegeben, einige Tage nach dem 20. in Polen bleiben zu können. Zionistische Bezirkssektiou Leopoldstadt und Club „Erez Israel“ kondolieren Herrn itzchak Herzberg zum lode seines Vaters Herrn Mordche Chaim und seinem Vorstandsm tglied Herrn Direktor Gerson Wlttlln zum Tode seiner Schwester Feige Zion. BezirKsseKtion Leopoldsladt-UJIZQII. Sonntag, den 19. März 1953 um halb 3 Uhr nachm., im Theatersaal des Hotel „Post“, l-, Fleischmarkt 24 (cing.ng Drachengasse »Wir brennen durch nach Klar Jeladim" Eine Kinder-Revue in vier Bildern von Bobby Weiser Zion. Bezirkssektion INNERE STADT Donnerstag, 16. März. 8 Uhr abends Cafe Altes Rathaus, i. Wipplingerstr. 24 Refee-Eintiritcke vom Heiligen Land Vortrag mitLiciitDild-vorniiirung das Herrn ThsodormontBser Uebernehme für das auf blüh ende Palästina Vertretungen jeglicher Art Zu wenden an: Ch. Locker, Tel-Awtw (Palästina), Mohilever 1h , montan, 27. imarz, 8 uiir Oskar Teller spricht Jüdische Dichtungen u. a. Werke von Beer-Hofmann, Bialik, Brod, Heine, jabotinsky, Torberg, Tschernichowsky, Zuckermann. Beatrijcbad ^,n^e ßahnsasse 9 Rus sisches Steinschwitzbad mit Besenbehandlung, neu errichtet. Dampf-, Wannen-, Schwimm- und Heilbäder. Die Leser der «Stimme» erhalten an der Badekasse gegen Ueberrcichung dieses Kupons (ausschneiden!) um nur S 1.30 ein russisches Schwitzbad mit Wäsche. Gültig bis Ende März 1933. Reitze Horowitz Jenoscnua Birnbaum Wien II. Wien 1. empfehlen sich als Verlobte im März 1933 Die Firma S. Rabmowitscii, Wien, n., z;rkusgasse 10, Tel. R-47-0-50, ist Generalrepräsentant und Alleinverkauf er aller Produkte der Palestine Oil Industry Shemen Ltd. Haifa. Die Shemen Works, Haifa, unterhalten in Oesterreich ständig ein reichhaltiges Lager aller Produkte, die aJlmonatllch frisch anlangen und in allen besseren einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Die Pessachware wird mit speziellen Hechscher* Zetteln versehen, 64197075^9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.