Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 6 (1933)
- Issue
- Heft 269 (2.3.1933)
- Date
- 1933-03-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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V. b. h. BEZUGS' BEDINGUNGEN Oeftorratdt mm»i- Ik’h S I 50, vi*rt«l' jlhri. S 4 20, gatut jlhrl. ... 8 16- DtuMehld vierte) jlhrl.. . . RM ) - T*ch«choalo«ak#i viertelj . Ke 24 — futodawiM vierrei jlhrl. . Din 40 - Po en vtetteljlhr lieh . . Zloty ft SO Ungern vierteilähr lieh . . Pengo 4 20 Rumlman vierte) jlhrl.. . Ui 120 — I Jehrige« Aue'and vierteljlhrl. Sohw. Franken 4 SO Jüdisdke Zeitung f’rels 35 g wrnmmmmm l Erscheint jeden Donnerstag Racfaltfcm and Adminietrarimi Wien* L, KSmcner atra8e 2fi Tel R-27 4-85 Postsparkassen* kontit Oeaterr. D 113 546 Polen . . »1.109 lachecho* Slowakei .500.230 Jugoslawien 404179 6« jahroang Wien, Donnerstag, 2. März 1933 (4. Adar 5693) Noms 269 Zionistenkongreß in Xhihagof Ein Vorschlag amerikanischer Zionisten Chikago. Knapp vor Blattschluß erreicht uns die sensationelle Nachricht, daß ln einer großen zionistischen Versammlung, die kürzlich in Chlkago stattfand, der Vorsitzende der Chikagoer Zionistischen Organisation, Herr Jakob Braude, mit dem Vorschlag Jerusalem. Von der Allgemhten Palästinensischen Arbeiterföderation (Histadruth) wird der JTA mitgetellt, daß im ganzen Lande ein akuter Mangel an Jüdischen Arbeiterbänden herrscht; die Histadruth hat an die Patästinaämter hn Auslande appelliert, sofort alle Juden, für die Eimvanderunft’jzertifikate ausgegeben wurden, für die Reise nach Palästina aaszurüsten. In den letzten Tagen haben jüdische Kolonien von der Histadruth 1400 Arbeiter beansprucht, die die Histadruth nicht beizustellen in der Lage war. Die Ein jüdischer Toter in Berlin Berlin. 27. Februar. An der Ecke der Schiller- und Grol* manstraße in Berlin-Charfottenburg wurde heute morgens kurz vor %4 Uhr der 26jährige Günther Falkenstein, ein Jude, Sohn des Zahnarztes Louis Falkenstein aus der Kaiserin-Augusta-AUee 85 in Charlottenburg, von einem vorbeikommenden Chauffeur, in einer Blutlache liegend, bewußtlos aufgefunden. Man brachte ihn sofort ins Westend* Krankenhaus, wo die Aerzte nur noch den Tod feststellen konnten. Ein Messerstich hatte ihm die Halsschlagader hervorgetreten Ist, den XVIII. Zionistenkongreß in Chlkago abhalten zu lassen. Der Vorschlag ist durch die zionistischen Führer Amerikas mit großem Enthusiasmus aufgenommen worden. Nachfrage nach jüdischen Arbeitern hat jetzt steigende Tendenz, so daß die Gefahr besteht, daß die jüdischen Unternehmer, falls ihnen nicht sofort jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen, anläßlich des Beginnes der Pflanzungssaison nichtjüdische Arbeiter einstclien werden. Histadruth mobilisiert alle neueingetroffenen Chahizlm für Sofortarbeit, um halbwegs der Situation gerecht werden zu können. durchschnitten. Die Mordkommission der Politischen Polizei nahm heute vormittags die Ermittlungen auf. Unter dem Verdacht der Beteiligung an der Bluttat sind zwei Charlottenburger Arbeiter, Hans Baumann und Adolf Preuß, festgenommen worden. Wie dem J. T. A.-Vertreter aus dem Eltemhause des Ermordeten versichert wird, hat sich dieser niemals politisch betätigt. Politische Motive können also für den Mord nicht in Betracht kommen, vielleicht aber antisemitische Motive* darüber werde erst die Untersuchung Klarheit schaffen können. Berliner Brief Von mMMMSMiMhomwoH* dentait Or. Ulrich Titanen Die Gesetzesmaschine arbeitet mit Hochdruck und die Eingliederung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in den Staatsapparat schafft die Neuordnung i« Reiche. Es ist kein Geheimnis mehr, daß der Wahlausgang für die künftige Gestaltung der politischen Ding« in Deutschland ganz irrelevant ist und an einen Rückfall in den Parlamentarismus für eine längere Zeit nicht zu denken ist. Der «Tag der erwachenden Nation» hat einen rein propagandistischen Charakter, er wird det Hitler-Bewegung einen Stimmenzuwachs von etwa drei Millionen Stimmen erbringen, aber die Abgrenzung, politischer Kraftströme im parlamentarischen Leben wird nicht erfolgen. Und so wird man sich auf den Boden der Tatsachen stellen, man wird sich gewöhnen müssen an die Bewaffnung der S.-A.-Männer mit Gummiknüppeln und Pistolen «zum Schutze der Nation», an Razzien «kulturbolschewistischer Nester» und an den erbittert schonungslosen «Kampf gegen den Mordkommunismus». Diese Maßnahmen werden jettt systematisch durchgeführt, jedoch keinesfalls offiziell gegen die Juden. Die «Judenfrage» spielt bei den fef- Jässen und Verordnungen keine offizielle Rolle. Aber «Ausmerzung des Marxismus» ist hier mit Judenhaß identisch geworden. Und so wuide der Antisemitismus jetzt in Deutschland quasi sanktioniert. Nach dem alten, bewährten Muster werden jefxt wieder die Juden für alles verantwortlich gemacht. Das Wort «Kulturbolschewismus» ist zu einer Sammelbezeichnung für die verschiedenen Erscheinungsformen unseres ganzen Lebens in Deutschland geworden. Die nationalsozialistische Ideologie, keinesfalls frei von Romantik und Heldentum bekämpft, zum Beispiel den Pazifismus, indem sie glaubt, einen Staat könne man mit Pazifismus weder retten, noch erhalten, ergo sind Juden, weil Pazifisten, Träger des Kulturbolschewismua, Aber man ist nicht wählerisch. Einsteins Relativitätstheorie und Familienbad, Sexualzeitschriften und Gottlosenbewegung, Jazzmusik und Kampf gegen § 218^ Mjcky-Maus-Talismane und Erziehungseinflüsse, Piscators Inszenierungen und das Flachdach der Bauhausarchitektur, Chaplin-Filme und Expressionismus, Todesstrafe und Kameradschaftsehe usw. usw. werden afs Auswüchse des jüdischen Kulturbolschewismus gebrandmarkt. Die schöpferische, oft bahnbrechende Mitarbeit der deutschen Juden auf allen Gebieten des deutschen Geistes- und Kulturlebens wird ins Lächerliche gezogen und das ganze Rüstzeug der antisemitischen Lehre wird jetzt wieder mobil gemacht. Die von Haßgefühlen durchtränkte Straße, erzeugt durch eine freie, mündliche und schriftliche Hetzkampagne, macht den Juden vogelfrei. Die führenden nationalsozialistischen Blätter, «Der Angriff», «Völkischer Beobachter» u. v. a., sorgen für diese planmäßige «Aufklärungsarbeit» und die Regierungsgewalt erzeugt heute Gefühle, die dazu führen, daß die Deutschen selbst sich nicht mehr gegenseitig verstehen und die Emanzipierung vom offiziellen Parteidenken zugunsten des großen Ganzen ln punkto Judenfrage sich in die sattsam bekannte These auswirkti «Die Juden sind an allem schuld.» Kein Wunder daher, wenn der bewaffnete S.-A.-Mann frei und selbstbewußt die belebtesten Straßen passiert und siegesbewußt ruft: Ablehnung der Forderungen der arabischen Konferenz durch den High-Commissioner Wauchope erklärt kategorisch, da£ man den indischen Bodenkauf und die iüdische Einwanderung nicht stören wird — Arabische Konferenz proklamiert Non-Cooperation-Politik Jerusalem, 26. Februar. Eine Abordnung der von der arabischen Exekutive elnberufcnen Konferenz zur Bekämpfung des jüdischen Einflusses, an der 60 Delegierte aus ganz Palästina tellnahmen, erschien am 25. Februar beim High Commissioner Genera! Sir Arthur Wauchope, um ihm die Entschließungen der Konferenz zu überreichen, in denen das Verbot weiterer jüdischer Einwanderung und des Verkaufes von Boden an Juden ausgesprochen wird. Wie verlautet, hat der High Commissioner die Abordnung sehr kühl empfangen. Ursprünglich hatte die arabische Exekutive beabsichtigt, alle Konferenzteilnehmer vor dem Regierungspalais aufmarschieren zu lassen, aber wegen den herrschenden Meinungsverschiedenheiten über die Frage des Bodenverkaufes an Juden kam diese Demonstration nicht zustande. Die Konferenz beauftragte die Exekutive, die Palästinaregierung im Wege einer Klage bei dem Obersten Gericht dazu zu bringen, ein Gesetz über Verbot des Bodenverkaufcs an Juden zu erlassen. Jerusalem, 26. Februar. Der kühle Empfang, den der High Commissioner General Sir Arthur Wauchope der Abordnung der arabischen Konferenz bereitet und die Antwort, die er ihr erteilt hat, wirkten auf die Konferenz wie eine kalte Dusche. Der High Commissioner hat. der Abordnung folgendes gesagt: «Was ihr wollt, ist eine Unmöglichkeit. Wir haben nicht die Macht* den Juden den Kauf von Boden zt; verbieten; auch ist die Regierung nicht willens, das Land gegen jüdische Einwanderung abzuschließen, solange eine Nachfrage nach Arbeiterhänden besteht.» Die Mitglieder der Abordnung wiesen auf den Shaw-Bericht und den Simpson-Bericht hin, in denen davon die Rede ist, daß Araber durch jüdischen Bodenkauf, depossediert worden sind. Darauf erwider-te der High Commissioner: «Die Regierung ist bestrebt, das Problem der landlosen Araber zu lösen, aber das bedeutet noch lange nicht, daß man die Juden vom Bodenkauf ausschließen soll.» Als die Abordnung von ihrem Besuch beim Iiigh Commissioner in die Konferenz zuriiekkehrte und über den Verlauf der Unterredung Bericht erstattete, herrschte unter den Konferenzteilnehmern tiefe Bestürzung und Empörung. Der vorher bereits gefaßte Beschluß, für den 5. März den Generalstreik zu proklamieren, wurde zurückgezogen, mit der Begründung, daß die Lage jetzt eine solche geworden sei, daß ein bloßer Demonstrationsstreik ihr nicht mehr gerecht werde. Es wurde, nach dem Beispiel der nationalen Bewegung in Indien, eine Non-Cooperation mit der Regierung sowie Boykott aller gesellschaftlichen Veranstaltungen der Regierung beschlossen. Ferner wurde beschlossen, für den 26. Mürz eine große arabische Konferenz einzuberufen, die das Programm der Non-Cooperation ausarbeiten soll. Kvbeiievmanael in Palästina ItOiliHuIwi Lawdcskoiwiloc für Oiluitidi Zum zweitenmal in Wien: „DIE EINZIGE LOSUNG" Propaqandaauffilhrtina Dlensfa«, 1. Nän d* 1,9 Uhr abends Im Bayrischen Hof Karlen zu S 1—, 150 und S 2— im Landeskumitee (K 27*4^6). in der Bücherstube Rath, Taborstraße 20a, Im Helme der Sektion 1L, Praterstraße 13 und bei aüeu HesirkssekUonsii