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Die Stimme · 1933-02-16 · Heft 267 (16.2.1933) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 267 (16.2.1933)
Date
1933-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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V. b. b. BEZUGS* BEDINGUNGEN Otst*rr«ich monatlich 8 t 40, viavtai i*hrl 8 4 20. Catu Rhrl. ... 8 16 - tutachldviartal ¥hrl.. ..HM 4- »chichodflaalti viwtelj . Ke 24 - |tt«c*Uwt«n viartal jlhrl. . Din 40 - P»> an vtarialjlhr lieh . . Zloty ft SO Ungarn vtarialjlhr lieh . . Fango 4 20 Bumlman vtartal Jlhrl.. .!.•» 120 — tJahriga« Ausland viartaljlhrl. Schw. Franken 4 40 Jüdisäke Zeitung Prela 35 g End) eint jeefon Donacntag Radakttoa und Administration Wan. J., Klrnmar atraäa 28 Tal R-27 4*85 Postsparkassenkonti: Oaaterr. D 113 446 Polen . . 191.109 1 schache* Slowakei . 400.230 Jugoslawien 404179 6. Jahrgang Wien, Donnerstag, 16. Februar 1933 (20. Schebet S693) Dichtung oder Wahrheit über Tvansiovdanien Oberhäupter transjordanischer Stämme fordern Freiheit des Verkaufes von Boden an Juden Jerusalem. Die Frage des jüdischen Bodenerwerbes in Transjördanien hat jetzt insofern eine neue Wendung genommen, als 21 der einflußreichsten transjordanischen Stammes-Oberhäupter, die sämtlich Mitglieder der transjordanischen Gesetzgebenden Versammlung sind, dem High Commissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, und dem Emir Abdullah eine von ihnen Unterzeichnete Resolution unterbreitet haben, in der uneigeschränkte Freiheit, Boden an Personen zu verkaufen, die nicht transjordanische Staatsbürger sind, gefordert wird. In der Resolution wird auf die kritische wirtschaftliche Lage in Transjordanien hingewiesen und die Notwendigkeit, Geld in das Land hereinzubekommen, stark unterstrichen. Vor einigen Tagen fand in Amann eine Versammlung transjordanischer Scheichs statt, in der zu der kürzlich vom Emir Abdullah abgegebenen. Erklärung, daß er keinen Boden in Transjordanien an Personen verkaufen wird, die nicht transjordanische Staatsbürger sind, Stellung genommen wurde. Die Mehrheit der an- Der Kolouleuminister weiß, daß zwischen Emir Abdullah und einer jüdischen Gruppe über Bodenpacht verhandelt wurde London. Colonel Wedgwood fragte im Unterhaus den Kolonienminister, ob er Informationen über Verkauf von Boden in Transjordanien an Juden durch Emir Abdullah habe und insbesondere, ob die Palästina- Regierung in Transjordanien oder in Palästina dieser Transaktion entgegengearbeitet habe. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erteilte Wedgwood auf diese Frage die folgende schriftliche Antwort: Es scheint, daß Verhandlungen zwischen dem Emir Abdullah und einer jüdischen Gruppe, betreffend Pacht eines gewissen Bodengebietes ln Transjordanien, stattgefunden haben. Ich bin gerade dabei, diese Angelegenheit zu prüfen, bin aber noch nicht in der Lage, eine weitere Erklärung abzugeben. und .. vor dem transjordanischen Parlament Jerusalem. Die arabische Presse Palästinas weiß zu berichten, daß transjordanische Führer eine große Protestkundgebung gegen das Verbot, Boden in Transjordanien an Juden zu verkaufen oder zu verpachten, vorbereiten. Die Zeitungen nehmen an, daß die den Juden gegebene Option auf Bodenkauf in Transjorda-. nien demnächst erneuert werden wird. Wie die J. T. A. erfährt, wird die Frage des jüdischen Bodenkaufes am Donnerstag, den 9. Februar, vor dem Parlament in Transjordanien zur Sprache kommen. Mehrere einflußreiche Parlamentsmitglieder bestehen darauf, daß das vom Emir Abdullah mit einer jüdischen Gesellschaft geschlossene und später unter dem Druck der arabischen Nationalisten Palästinas als ungültig erklärte Abkommen, betreffend Bodenpacht, aufrechterhalten werden soll. In führenden transjordanischen Kreisen wird davon gesprochen, daß Emir Abdullah demnächst diejenigen Mitglieder seines Kabinetts entfernen wird, die der Idee, Juden nach Transjordanien kommen zu lassen, feindlich gegenüberstehen. Ungewiß wesenden Scheichs stellte sich auf den Standpunkt, daß nur der Verkauf von möglichst viel Boden an die Juden die jetzt verzweifelte wirtschaftliche Lage Transjordaniens lindern könnte. Es wurde berichtet, daß 70 Prozent des Viehstandes in Transjordanien durch Verhungernzugrunde geht, weil die Viehbesitzer nicht die Mittel haben, Viehfutter zu beschaffen. Die Aktion der erwähnten 21 Stammes-Oberhäupter ist ein direkter Ausfluß der in dieser Versammlung zürn Ausdruck gekommenen Stimmung. Wie die J. T. A. erfährt, haben der Präsident der Jewish Agency Nahum Sokolow, der Leiter der Palästina-Exekutive der Agency Dr. Chaim Ariosor o f f und der Leiter des Wirtschaftsdepartements der Agency Emanuel Neuman über diesen Gegenstand eine Beratung mit dem High Commissioner General Sir Arthur Wauchope abgehalten. Die In Jerusalem vorherrschende Meinung ist die, daß sich gegenwärtig eine arabisch-jüdische Zusammenarbeit in Transjordanien vorbereitet, für deren Erfolg die besteh Aussichten bestünden, wenn nicht eine politische Einmischung vGta außen erfolgen sollte. ist heute noch die Haltung der Jerusalemer Regierung, die auch das Mandat für Transjordanien verwaltet Die in Jerusalem erscheinende englisch geschriebene Tageszeitung «Palestine Post» bringt erschütternde Berichte über die Not in Transjordanien. Es wird erzählt, daß sich Beduinen vor den Restaurants drängen, um weggeworfene Speisereste und Kartoffelschalen aufzulesen, um ihren Hunger damit zu stillen. * D e Sitzung des traiujordanisGlieii Parlamenis plötzlich abgesagt Jerusalem. Die für Donnerstag, den 9. Februar, Unberufene Gesetzgebende Versammlung Transjordaniens, in der über den geplanten Verkauf von transjordanischem Boden an Juden beraten werden sollte, wurde im letzten Augenblick abgesagt. Das Parlamentsgebäude war bereits zur Aufnahme der Abgeordneten hergericlltet, die Fahne, die anzeigt, daß das Parlament tagt, war schon gehißt, als den erschienenen Parlamentsmitgliedern mitgeteilt wurde, daß die Sitzung nicht stattfinden könne. Die Parlamentsmitglieder verließen das Haus in einer gewissen Bestürzung, es wurde ihnen nicht gesagt, wann die nächste Sitzung stattfinden wird. Eine kleine arabische Gruppe, die sich «arabische Exekutive von Transjordanien» nennt, sandte an den Emir Abdullah und an den High Commissioner Telegramme, in denen erklärt wird, daß die öffentliche Meinung mit Besorgnis die «zionistischen Intrigen» beobachtet. Die Zeitung «Falastin», Organ der arabischen Exekutive Palästinas, beschuldigt den Emir Abdullah, daß er unbeschadet seines bekannten Dementis fortfährt, die Juden zu ermuntern, ihre Arbeit auf Transjordanien auszudehnen. Warum die Sitzung nicht stattftnden konnte Jerusalem, 12. Februar. Wie jetzt mitgeteilt wird, hat die Sitzung der Gesetzgebenden Versammlung Transjordaniens, in der die Frage des Bodenverkaufs an Juden behandelt wer» Nummer 267 den sollte, deswegen nicht stattfinden können, weil die An* hänger des Emirs Abdullah, die eine Erörterung dieser Angelegenheit im jetzigen Augenblick vermeiden wollten, durch Fernbleiben von der Sitzung deren BeschluBunfähigkeit erwirkten . Das Organ der arabischen Exekutive Palästinas. «Falastin» fährt in seinen Angriffen auf den Emir Abdullah fort und geht sogar so weit, zu behaupten, daß sich bereits 2500 Juden auf drei Dampfern auf dem Wege nach Transjordanien via Palästina befinden. Diese Mitteilung wird auch in gemäßigten arabischen Kreisen als lächerlich bezeichnet. Es fällt hier auf, daß das Organ des üroßmufti, «Al Jamea el Arabia», in die Diskussion, betreffend ßodenverkauf an Juden in Transjordanien, mit keinem Worte eingreift. Jerusalem. Am 7. Februar verließ der Präsident der Jewish Agency, Nahum Sokolow, Palästina* um über Aegypten und Italien nach London zurückzukehren. Er wurde von Repräsentanten der Jewish Agency, des Keren Hajessod und des Jüdischen Nationalfonds bis zum Eisenbahnknotenpunkt Ludd geleitet — ln Kairo wird Nahum Sokolow vom König von Aegypteti, Fuad, empfangen werden. In Italien wird er der Konferenz der italienischen zionistischen Föderation beiwohnen. Die Verordnung „zum Schutze des deutschen Volkes“ schützt auch die Juden Berlin. Die Verordnung des Reichspräsidenten vom 4. Februar trägt die Kennzeichnung: «Zum Schutze des deutschen Volkes». Der Abschnitt 1, der über «Versammlungen und Aufzüge» handelt, bestimmt im § 2, Ziffer 3 und 4, daß öffentliche politische Versammlungen sowie Versammluagsaufzüge unter, freiem Himmel aufgelöst werden können: «3. Wenn in ihnen eine Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechtes, ihre Einrichtungen, Gebräuche oder Gegenstände ihrer religiösen Verehrung beschimpft od,er böswillig verächt- ’ich gmacht werden, oder 4. wenn in ihnen zu einer Gewalttat gegen eine bestimmte Person oder allgemein zu Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen aufgefordert oder engereizt wird.s Der Abschnitt 2. «Druckschriften» betreffend, lautet ähnlich. In Ziffer 3 und 6 des § 9 heißt es, daß «periodische Druckschriften» verboten werden können, «3. wenn in ihnen zu Gewalttätigkeiten aufgefordert oder angereizt wird oder wenn in ihnen Gewalttätigkeiten, nachdem sie begangen worden sind, verherrlicht werden... 6. wenn in ihnen eine Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechtes, ihre Einrichtunen, Gebräuche und Gegenstände ihrer religiösen Verehrung eschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden ...» Ein 100.000-Dollar-Einstem-Fonds zugunsten der hebräischen Universität und anderer iüdischen Institutionen New York. Dr. A. S. W. R o s e n b a c h, Präsident der amerikanischen Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität, machte auf einem im City-Club stattgefundenen Frühstück führender jüdischer Persönlichkeiten die Mitteilung, daß bei dem Einstein-Diner am 15. März in New York dem Ehrengast, Professor Albert Einstein, die Verfügung über einen 100.000 Dollar betragenden Fonds übergeben werden wird. Einstein soll die Summe nach Gutdünken der Hebräischen Universität in Jerusalem und anderen jüdischen Institutionen, an deren Gedeihen er interessiert ist, zuführen. Leo WIse gestorben New York. Im 84. Lebensjahre verstarb in Cincinnati Leo Wise, Sohn des Begründers des Reformjudentums in Amerika Rabbi Isaac M. Wise. 30 Jahre lang war Leo Wise Herausgeber und Chefredakteur des von seinem Vater begründeten «American israelite». 1932 kein einziger InsolvenzfaU in Haifa Nach Mitteilung der Kaifaer Jüdischen Handelskammer war im Verlauf des Jahres 1932 in Haifa kein einziger Fat von Insolvenz zu verzeichnen. Die Zahl der Wechselproteste war von 1605 im Jahre 1931 auf 675 im fahre 1932 gesunken. Im Verlauf des Jahres 1932 hat sich die Zahl der von Juden erbauten Häuser in Haifa verdoppelt. Die von Lord Melchett kontrollierte Imperial Chemical Industrie in Haifa konnte ihren Umsatz im Verlauf des lahres um 40% erhöhen und gute Gewinne erzielen. Aehnlich ist die Lage zahlreicher anderer jüdischer Fabriken und Handelsunternehmungen in Haif» Die Transjordanien-Frage vor dem engtischen Unterhaus 9988

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