Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1933-02-02 · Heft 265 (2.2.1933) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
6 (1933)
Issue
Heft 265 (2.2.1933)
Date
1933-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054015-3054020--3355-3058863
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette « DIE STIMME Nr. 263 — 2. Febraar 1839 ..... Zionistisches Lehen ln Wien Einzeln« Plan £itt Pariament der geistigen Führer Los Angeles. (Eigenbericht.) Prof. Albert Einstein empfing in Los Angeles den Chef der Jüdischen Telegraphen- Agen-;ur, Herrn Jacob Landau, zu einem Interview und entwickelte ihm gegenüber seinen Plan, ein kleines Parlament der geistigen Führer der Welt zu organisieren. Einstein will 25 der bedeutendsten Persönlichkeiten aus allen Ländern zu einem Komitee vereinigen, das «die besten Interessen der Menschheiten wahrnehmen» sollte. Sechs Mitglieder dieses Komitees sollen Amerikaner sein. Die Wahl dieser Persönlichkeiten müsse nach den Grundsätzen höchster Intellektualität, weitester Liberalität und größter internationaler Geltung erfolgen. Das Komitee soll immer dann seine Stimme in die Waagschale werfen, wenn die Menschheit ernsten Problemen gegenübersteht. Tüterdirektor Salomon Dyk non doch von seinem Posten entfernt Berlin. Wie man zuständiger preußischer Seite erfährt, hat der Reichskommissär für das preußische Landwirtschaftsministerium seine Bemühungen fortgesetzt, um Güterdirektor Salomon Dyk als polnischen Staatsangehörigen aus der Geschäftsführung der Siedlungs- und Treuhand G. m. b. H. zu entfernen. Am Montag, den 23. Jänner 1933, hat eine Aufsichtsratssitzung dieser Gesellschaft stattgefunden, in de>- dem Anträge des Vertreters des preußischen Staates entsprechend die 1920 erfolgte Bestellung Dyks zum Geschäftsführer der Siedlungs- und Treuhand G. m. b. H. mit Wirkung vom 10. Februar 1933 widerrufen wurde. Dyk scheidet also mit diesem Tage aus der Gesellschaft aus. Von amtlicher preußischer Stelle wird erklärt, die Abberufung Dyks sei vom preußischen Landwirtschaftsministerium deswegen betrieben worden, weil dieses auf dem Standpunkt steht, daß jemand, der die polnische Staatsangehörigkeit besitzt und keine Schritte unternommen hat, um die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben, nicht geeignet erscheint, die Geschäftsführung einer SiedTungsgesellsohaft zu übernehmen, an der der preußische Staat mit 50 Prozent beteiligt ist. (Bekanntlich hat Güterdirektor Salomon Dyk in einer Mitteilung an die Presse erklärt, es sei nicht richtig, daß er auf die Erwerbung der deutschen Staatsangehörigkeit kein Gewicht gelegt habe; sein Wunsch war es gewesen, daß ihm die deutsche Staatszugehörigkeit nicht auf Grund eines jahrzehntelangen Aufenthaltes in Deutschland, sondern auf Grund seiner persönlichen Leistung für den gemeinnützigen Siedlungsgedanken in Deutschland verliehen werde.) Paläsina-Nachvichien Die Handelsbeziehungen zwischen Palästina nnd Rußland r Im Jahre 1931 betrug der Warenrmport Palästinas aus Sowjetrußland 140.000 Pfund gegen 75.000 Pfund im Jahre 1930, schätzungsweise wird der Import aus Rußland rm Jahre 1932 den von 1931 noch weit überstiegen haben. Demgegenüber ist der Export von Palästina nach Sowjetrußland kaum nennenswert. Jüdische Orangenzüchter führen gegenwärtig Verhandlungen mit dem Handelsattache der Sowjetunion in der Türkei, der die Union im gesamten nahen Osten vertritt, die darauf hinzielen, daß Sowjetrußland ein bestimmtes Quantum Palästinaorangen importiert, damit auf diese Weise ein fairer Handelsaustausch zwischen diesen beiden Ländern herbeigeführt wird. Stürmische Revisioaistenkoiifereuz Jabotlnskys Politik bejaht Der Parteirat der palästinensischen Revisionisten in Jerusalem beschloß, daß in Palästina kein politischrevisionistisches Bureau errichtet werden sollte — dies in Uebereinstimmung mit der Entscheidung der letzten Revisionistenkonferenz — bisjabotinsky sich in Genf niedergelassen und die ganze Kontrolle der revisionistischpolitischen Arbeit übernommen hätte. Nach einer stürmischen Debatte, an welcher sich Herr Meer Großmann, Vizepräsident der Revisionisten, beteiligte, wurde beschlossen, daß führende Stellungen innerhalb der revisionistischen Bewegung nur von Mitgliedern bekleidet werden können, welche die Priorität der reviVonistischen Disziplin, wie sie von Herrn Jabotinsky definiert wird, anerkennen. Der Rat beschloß ferner, Jabotinsky finanzielle Unterstützung für seine Tätigkeit m Genf zu gewähren. Die arabische Exekutive fordert eia Verbot des jüdischen Bodenkaufes ln Palästina Jerusalem. Die Arabische Exekutive Palästinas ließ dem High Commissioner Sir Arthur Wauchope ein Memorandum überreichen, in dem der Erlaß einer Verordnung gefordert wird, nach der es den Juden verboten sein soll, weiteren Boden in Palästina zu kaufen. In dem Memorandum wird gegen die Regierung der Vorwurf erhoben, daß sie, die doch wiederholt erklärt hat, daß in Palästina nicht genug anhnufäh'ger Boden für alle seine Einwohner vorhanden ist, dennoch die Juden darin unterstützt, Boden aus arabischem Besitz zu erwerben. Diesen Widerspruch könne sich die Arab.sche Exekutive nur dadurch erklären, daß die Regierung unter dem Einfluß zionistischer Politiker steht. Zum Schluß des Memorandums kündigt die Arabische Exekutive den I r,;,ß einer Proklamation an, die ea jedem Araber unter öann-Androhung verbietet, Boden an Juden zu verkaufen. Arabische Bodenasuprüche ist der Hrnfabticht endgültig zurückgewiesen Jerusalem. Das Berufungsgericht hat die arabischen Ansprüche auf tausende Dunam Keren Kajemeth-Boden an der Haifa-Bucht endgültig zurückgewieten. Die Arbeit des Keren KaJe* meth «C h a j e s - A k t i o n.» Eingänge bisher insgesamt S 3845.44. In der letzten Woche gingen ein: Zentrale S 950.50; «Wizo» S 52.50; Sektion XIX S 53.50. «B ö h m - A k t i o n.» Die Aktion zur Schaffung eines «Adolf-Böhm-Haines» innerhalb des «Chajes-Waldes» schreitet fort. In der vergangenen Woche führte Herr Direktor F. G. 80 Bäume für diesen Zweck an den Keren Kajemeth ab. Bisher sind für diesen Hain 301 Bäume eingegangen. Zur Komplettierung fehlen somit noch 699 Bäume. «D r. - E1 i e s e r - B e i d a f - G a r t e n.» Herr Michael Friedmann ging daran, auf den Namen des verewigten Dr. Eileser Beidaf einen Garten im Chajes- Walde zu stiften. Den ersten Betrag hat er bereits abgeführt. Goldbuch Dr. Israel Waldmann. Der Verband radikaler Zionisten hat beschlossen, seinen Vizepräsidenten, Herrn Dr. Israel Waldmann, ins Goldene Buch einzutragen. Der erste Betrag von S 25.— wurde beim Keren Kajemeth erlegt. Chulda-Aktion der «Gordonia». Die Kolonie ChuJda wurde im Jahre 1929 während der Unruhen zerstört. Die «Gordonia» in Palästina hat es übernommen, diese Siedlung wieder aufzurichten. Jetzt, nach Durchführung dieser Aufgabe, geht sie daran, Chulda in eine lebensfähige dauernde Siedlung umzugestalten. Damit dies möglich werde, muß der anschließende Boden erworben werden. Die österreichische «Gur don.a» hat eine bpez’alaktion in den letzten Monaten durchgelührt mit dem Ziele, einen größeren Betrag für d'esen Zweck autzubringen. Die Aktion ist jetzt abgesch’ossen. Tie Gruppe hat S 1803 an Spenden an den Keren Kajemeth abge.ühr* Sammlungen bei Veranstaltungen. Die letzte Landeskommissionssitzung, welche am Donnerstag, den 5. Jänner abgehalten wurde und außerordentlich zahlreich besucht wai, hat einhellig beschlossen: Die zionistischen Gruppen und Föderationen werden daran erinnert, daß dem Keren Kajemeth das Recht zusteht, bei allen öffentlichen Versammlungen iilpd Veranstaltungen eineSammlungfürdenKerenKajemeth durchzuführen. Die Landeskommission beschloß ferner, mit aller Kraft dahin zu wirken, daß bei diesen öffentlichen Versammlungen eine Zehnminutenpause eingefügt werde, die der Sammlung für den Keren Kajemeth gewidmet werde. lOprozentige Abgabe für den Keren Kajemeth. Auf Grund von Kongreßbeschlüssen sowie von Beschlüssen einer Reihe von Delegiertentagen sind alle Gruppen verpflichtet, von ihren Veranstaltungen zehn Prozent dem Keren Kajemeth abzuführen. Der Keren Kajemeth erinnert die Gruppen an diesen Beschluß und teilt mit, daß er mit aller Energie für die Einhaltung dieser Verpflichtung eintreten werde. Böhm-Wassertunn ln Ben Schemen Anläßlich des 60. Geburtstages von Adolt Böhm hat das Direktorium des K. K. L. einen Wasserturm in dem neuen Keren-Kajemeth-Wald in Ben Schemen nach Böhm benannt, zum Dank für seine langjährigen großen Verdienste um den Keren Kajemeth. Diese große Ehrung des Keren-Kajemeth-Pioniers Adolf Böhm wird sicherlich m allen zionistischen Kreisen größte Genugtuung hervorrufen. Ebenso hat der österreichische Keren Kajemeth den Anlaß von Adolf Böhms 60. Geburtstag dazu benützt, um bei Komplettierung des Chajes-Waldes eine Aktion zur Stiftung eines «Böhm-Haines» im Chajes-Wald in die Wege zu leiten. Eine Aktion, die bei den österreichischen Gesinnungsgenossen größten Anklang findet. Artur Kuranda gestorben Der langjährige Präsident der Wiener Israelitischen Allianz Dr. Artur Kuranda ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Kuranda war auch Vorsitzender mehrerer anderer jüdischer Humanitätsvereine. Er war auch ein feinsinniger Vertreter österreichischen Schrifttums. Sein Vater war der bekannte jüdisch-liberale Publizist, Parlamentsmitglied des Frankfurter, später des österreichischen Reichsrates, Ignaz Kuranda. Politisches Kabarett Das zionistische politische Kabarett tritt am 16. Februar zum erstenmal mit der Revue «Horuck nach Palästina» von Bobby Weiser vor die Oeffentlichkeit. Da6 Programm enthält die Bilder «Meschiach oder Birobidschan», «Die Nacht der langen Messer», «Wien ohne Juden», «Abel kontra Abeies», «Hochsaisonphilosomitismus» usw. Die Aufführung, der man erwartungsvoll entgegensieht, findet am 16. Februar in den «Künstier*pielen», I., Riemergasse 11, statt. Karten im Vorverkauf im Keren Kajemeth, Bücherstube Ästh, Zion. Sektion LcopoMetadt, Abschieds abend für Olim Aus Anlaß der A! i j a fl von 50 Chaluzim fand Samstag, den 21. Jänner 1933, im Festsaal des Cafä Kriegsministerium ein Abschiedsmeeting statt. Der große Saal war bis auf das letzte Plätzchen von Jugendlichen und sonstigen Gästen gefüllt Der Präsident des Palästinaamtes, Herr Dr. Simon H o r o w i t z, eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Vizepräsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef Löwenherz, den Präsdenten des Zionistischen Landeskomitees, Herrn Dr. Oskar Grünbaum, die Präsidentin der «Wizo», Frau Dr. L öw e n h e r z, sowie andere erschienene Persönlichkeiten. Er sprachen Herr Dr. Josef Löwenherz im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Oskar G r ü n b a u m im Namen des Zionistischen Landeskomitees Wiens, Frau Dr. L ö w e n h e r z im Namen der Wizo, Herr S i t z m a n n im Namen der Union Zionisten-Revisionisten, Herr Dr.Tartäk o w e r im Namen der Poaie Zion-Hitachduth, Herr Dr. R o s e n b e r g im Namen des Misrachi, Herr Gottesmann im Namen des Hechaluz, Herr Kolb im Namen der revisionistischen Jugend und Herr B r i s o n im Namen des Hechaluz-Misrachi. Alle Redner hoben die Bedeutung der Chaluziut für den Aufbau Palästinas hervor und nahmen in warmen Worten Abschied von den nach Palästina abreisenden Chaluzim. Mit dem Absingen der «H a t i k w a h» und «Techesaknah» schloß der eindrucksvolle Festabend. Generalversammlung der zionistischen Bezirkssektion XVi-XVl! Am 3. Jänner d. J. fand im «Grand Caf6 Hernals» die Generalversammlung der Bezirkssektion XVI/XVII statt, die einen überraschend zahlreichen Besuch auf wies. Als Vertreter des Zionistischen Landeskomitees war Herr Dr. Steinberg erschienen, der ein mit großem Beifall aufgenommenes Referat über aktuelle zionistische Fragen hielt, worin er sich namentlich mit dem Organisationsproblem befaßte und auch auf die Bedeutung der zionistischen Presse h i n w i e s. Unter dem Eindruck seiner Ausführungen verpflichteten sich zahlreiche Anwesende zum ständigen Bezug der «Stimme». ln seinem Tätigkeitsbericht konnte der Sektiorisobmann Herr Dr. B oh i n vor allem auf den glänzenden Erfolg verweisen, den die «Zionistische Liste» am 4. Dezember auch rin Ottakring—Hernals errungen hatte. Lebhafte Genugtuung lösten auch seine Mitteilungen über die fortschreitende Entwicklung unserer hebräischen Schule aus, die gegenwärtig von mehr als 40 Kindern besucht wird. Dem abtretenden Ausschuß, an dessen Spitze Gg. Doktor Sa!. Bohin als Obmann und Gg. Israel Piper als Schriftführer seit Jahren gestanden waren, wurde einstimmig Dank urid Vertrauen ausgesprochen und per acclamation beschlossen, den alten, verdienstvollen Pionier des Zionismus in Ottakring—Hernals Gg. Dr. Bohin durch die Stiftung eines Dr. - Bohin-Gartens im Chajes - W a 1 d würdig zu ehren, welchem Zwecke alle durch die Sektion, aufzubringenden K. K. L.-Spenden gewidmet werden. Sodann nahm die Generalversammlung die Neuwahl des Ausschusses vor, in den einstimmig folgende Gesinnungsgenossen entsendet wurden: Dr. Siegfr. P o 11 a k als Obmann, Dr. Ludwig K u b i n und Dr. Fritz Last als Obmannstellvertreter, Israel Piper als Schriftführer und Gerson Haber als Kassier, ferner die Herren Isaak Barbag, Ing. Simon G o 1 d e n b e rg, Heinrich Horner, Siegfried K a r p f, Schulim K \ a w i r, Salomon Morgenstern, Simon Penner, Jakob S c h a - p i r a, Schulim S c h a p i r a, Kart Weinstein und W e i ß h a a r. Als Sitz der Bezirkssektion wurde das «Grand Cäf£ Hernals, dessen Inhaber unser Gesinnungsgenosse und Aussohußmitgjhed B a r b a g ist, bestimmt und gleichzeitig beschlossen, daselbst an jedem Donnerstag um 8 Uhr den regelmäßigen Sektionsabend abzuhalten, dessen Besuch für alle Mitglieder als verbindlich erklärt wurde. Der würdige und erfolgreiche Verlauf der Generalversammlung gibt allen Anlaß zu der begründeten Hpffnung, daß es der reaktivierten Sektion gelingen wird, die große Schar derer, die sich am 4. Dezember im 16. und 17. Bezirk zum Zionismus bekannt haben, organisatorisch zu erfassen, sie zu tätiger Mitarbeit heranzuziehen und auch in diesem Teile Wiens ein reges zionistisches Leben erstehen zu lassen. Jüdischer Abend der Zionistischen Bezirkssektion XII-XIV-XV In den Mariensälen im XIV. Bezirtc fand am 8. Jänner d. J. eine außerordentlich gelungene Veranstaltung der Bezirkssektion XH/X1V/XV, statt. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, Dr, Oskra Grünbaum, begrüßte die Anwesenden und hielt eine mit großem Beifall aufgenommene Rede, in der er u. a. auf die Aufgaben der Zionisten in dpi Kultusstube hmwies. Seine Worte klangen in den Appell aus, auch weiter eifrig flir die zionistisch«1 Idee zu werben und für das Aufbauwerk in Palästina zu arbeiten. Mit der «Hatikwah» schloß der offiziell«: Teil de* Abends. Der der Unterhaltung gewidmete zweite Teil wurde durch die ebenso geistreiche, wie witzige Conference des Herrn DeszÖ Grün ewigeleitet. Von den Mitwirkenden sind besonders lobend zu nennen: Oberkantor Taschlitzky sang einige Oratorien mit schöner Stimme; der Violinvirtuose Dr. Rudolf Lampel brachte in künstlerischer Wiedergabe einige Oeigensoli zu Gehör; Frau Hilda Dulitzkaja brachte hebräische und jüdische Volkslieder zum Vortrag; Dr. Siegfried S e i d n e r trug Jüdische Weisen auf der Oboe vor und nicht zuletzt der Conferencier Herr Deszö Grün, der mit seinen Stegreif* venen großen BeifaH erntete.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.