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Die Stimme · 1932-12-08 · Heft 257 (8.12.1932) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
5 (1932)
Issue
Heft 257 (8.12.1932)
Date
1932-12-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Dezember, durchgeführten Wahlen in den Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde brachten den zionistischen Parteien einen grandiosen Sieg.. Nach dreißigjährigem Kampf der Zionisten um die Kultusgemeinde ist es ihnen nunmehr gelungen, die unerschüttert scheinende Vorherrschaft des assimilierten Judentums im Wiener Kultusvorstand zu brechen. Der Ausgang der Kultus- Wahlen, der weit über ihren Rahmen hinaus auch in der nicht jüdischenBevljterung gröfites Aufsehen er re jgte, brachte Wien den Ruhm, heute die erste, jiidi.sche 0roßgemeinde zu sein, in der die Zionisten im Kultus vor 8 tande die Führung ha ben. Ueberraschend und erfreulich ist das glänzende Abschneiden der «P o a l e Zion (H i t a c h d u t h», die als «S o z i a l i s t j s c h e L i s t e» selbständig in den Kampf zog und ihn überaus glücklich bestritt. Ihr Sieg ist um so bedeutungsvoller, als er von den zionistischen Sozialisten gegenüber den «Genossen» der in der «Nichtnationalen Liste» mit der «Union» koalierten «Werktätigen Juden» erfochten wurde. Im nachstehenden der Bericht 36 Mandate gelangten zur Neubesetzung. Die Wahlbeteiligung war erheblich stärker als bisher, da auch die Zahl der Wahlberechtigten im Verhältnis zu den letzten Wahlen durch gewisse Reformen und Verbesserungen des Wahlregulativs eine bedeutend größere war. Von den 50.000 Wahlberechtigten wurden insgesamt 26.826 Stimmen abgegeben (hievon gültig 26.178), was einer Wahlbeteiligung von etwa 55 Prozent entspricht. Gegenüber den letzten Kultuswahlen der Jahre 1928, wo von 37.557 Wahlberechtigten 19.357 Stimmen abgegeben (also 51 ]/2 Prozent) und 1924 (42 Prozent), eine erfreuliche, bedeutende Steigerung des Wahlinteresses. Die Wahlen verliefen in vollster Ruhe. Wie gewählt wurde Von den abgegegebenen Stimmen, erhielten:. Stimmen und Mandate Zionistische Liste .... 8.934 14 Demokratische Liste (Verband Radikaler Zionisten) 1.331 1 Sozialistische Liste (Poale Zion-Hitachduth-Verband sozialistischer Juden) . . 2.859 4 Unpolitische Wahlvereinigung (Dr. Leo Landau) . . . 1.041 1 Nichtnationale Liste . . . 10.194 15 Jüdische Wirtschaftsvereinigung . 156 Religiöse Liste Misrachi . . 837 Wahlvereinigung für soziale Tätigkeit in der Kultusgemeinde ..... 391 Orthodoxe Liste .... 435 0 1 0 0 Während die «Orthodoxe Liste» sowie die Wahlvereinigung für soziale Tätigkeit und die Jüdische Wirtschaftsvereinigung leer ausgingen, hat sich bei der «Misraciii» und der «UnpoÜtischenVereinigung (Dr. Leo Landau) keine Aenderung ergeben, da sie, wie bei den letzten Wahlen, je ein Mandat errangen, so daß sich in ihrem Besitzstand keine Veränderung ergibt. Diese Tatsache ist um so mehr von Bedeutung, da sie einer orthodoxen Liste gegenüberstanden und, indem sie diese schlugen, den Beweis erbrachten, daß s i e das Vertrauen des Wiener orthodoxen Judentums besitzen. Die Mandatsverteilung im neuen Kultusvorstande ist demnach die, daß die bisherige jahrzehntelange Majorität der «Union», die freilich schon bei den letzten Wahlen gebrochen war und es nur durch das Bündnis mit der Agudah auf 18 Mandate zu bringen vermochte, durch ihre diesmalige Mesalliance mit der «Vereinigung der werktätigen Juden» einen weiteren Abbröcklungsprozeß erfuhr. Von den auf die «Nichtnationale Liste» entfallenden 15 Mandate muß sie 4 an ihre werktätigen Partner abgeben. Die «Union», die ausgezogen war, die «nationale Gefahr» zu bannen, zieht bei einem Verlust von 4 Mandaten, mit bloß 11 Vertretern in den neuen Kultusvorstand ein. Der neue Kultusvorstand wird sich nunmehr aus folgenden Personen zusammensetzen: Zionistische Liste: Dr. Desider Friedmann, Rechtsanwalt. Ing. Robert Stricker, Oberbaurat. Dr. Josef Löwenherz, Rechtsanwalt. Dr. Oskar Grünbaum, Rechtsanwalt. Dr. Jakob Ehrlich, Rechtsanwalt. m KAI5ER5TR. 123 $c. Alserstr. € S1&-S18-S20 Max Schiffmann, Kaufmann. Dr. Ignaz Hermann Körner, Reisebüroinhaber Prof. Moses Rath, Kaufmann. Ing. Eugen Buchbinder, Stadtbaumeister. Dr. Isidor KI a b e r, Arzt. Kommerzialrat Arthur AI b e r s, Kaufmann. Siegfried Graubart, Kaufmann. iosef H. W a 11 u c h, Börsebesucher. )r. Dagobert R y b a c z e w s k i, Rechtsanwalt. Religiöse Liste «Misrachi»: Dr. Mendel Rosenberg, Rechtsanwalt. Demokratische Liste: Dr. Leopold Plaschkes, Rechtsanwalt. Sozialist i sehe Liste: Dr. Rudolf Glanz, Rechtsanwalt. Mendel Singer, Sekretär. Josef G r ü n h u t, Wäscheerzeuger. Saul W e i n r e b, Vertreter. UnpolitischeWahlvereinigung: Dr. Leo Landau, Rechtsanwaltsanwärter. N i c h t n a t i o n a 1 e L i s t e: Prof. Dr. Alois Pick, Generaloberstabsarzt i. R. Dr. Jakob 0 r n s t e i n, Rechtsanwalt. Bezirksrat Dr. Josef Löwy, Redakteur. Dr. Josef T i c h o, Rechtsanwalt. Ziv.-Ing. Baurat Wilhelm K e m p 1 e r, Direktor. Leo Rath, Sekretär. Ing. Arch. Friedrich Schläfrig, Ministerialrat. Richard B e 11 e 1 h e i m, Prokurist. Ignatz Glück, Börserat. Fürsorgerat Max Weiß, Installateur. Dr. Ernst F*e 1 d s b e r g, Bankbeamter. Dr. Maximilian Stieglitz, Rechtsanwalt. Dr. Paul Raumann, Bankier. Ignatz Roßmann, Vertreter. Geza K 1 i n g e r, Lederfabrikant. Reichseinigungsfeier in Rumänien Erklärungen der jüdischen Vertreter in Kammer und Senat Bukarest 4. Dezember. Anläßlich des Jahrestages des Anschlusses Transsylvaniens an Rumänien hielten Senat und Deputiertenkammer Festsitzungen ab. ln beiden Häusern des Parlaments hielten die Vertreter der rumänischen Judenheit Ansprachen, in denen sie die V e r b u n d e n h e i t der jüdischen Bevölkerung mit dem Vaterland zum Ausdruck brachten. Oberrabbiner Dr. 1. Nietn i r o w e r wies im Senat auf die Blutopferdet ru mänischen Juden im Weltkrieg hin und erklärte, die Juden würden das Vaterland auch fürderhin mit ihren» ganzen geistigen und physischen Leben schützen. In de* Kammer sprach im Namen der jüdischen Bevölkerung Deputierter Dr. Josef Fischer. Er erklärte, Entwicklung und Blüte dieses Landes sei innigster Wunsch der jüdischen Bevölkerung Rumäniens. Dank an die zionistischen Wühler Anläßlich des grandiosen zionistischen Kultuswahlsieges findet heute, Donnerstag, 8 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental, II. Taborstr. 4 eine Große Kundgebung der gewühlten Mandatare der „Monistischen liste“ statt

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